Seiner Aussage nach ist es nicht möglich ein Leben außerhalb dieses Sozialkontraktes zu führen: „Wer aber nicht in Gemeinschaft leben kann (…) ist kein Glied des Staates und demnach entweder ein Tier oder ein Gott.“ Aus diesem Grund haben für Aristoteles „alle Menschen von Natur in sich den Trieb zu dieser Gemeinschaft“ (Aristoteles 90 :5). Grundlegendster Unterschied zwischen Menschen und Tier liegt darin, dass wir mit einer Gabe ausgestattet sind, welche uns fundamental vom Tier unterscheidet. Unserem Verstand. Der Mensch als vernunftbegabtes Wesen bedient sich dessen, und schafft es so ,die Wandlung von Mythos zum Logos zu begreifen. Dieses Wort, was sich zur Sprache weiterentwickelt, erweist sich als fundamentale Nützlichkeit (vgl. Aristoteles 90 :4). Zwar können sich Tiere auch verständigen, allerdings nur im Rahmen von Signalen wie Lauten oder Schmerzen. Der Mensch hingegen kann sich seinesgleichen nicht nur effektiv und differenziert mitteilen, sondern ist zudem in der Lage, „den Standpunkt partikularer Nützlichkeiten zu transzendieren und erreicht dadurch die genuin politischer Dimension, eine Gemeinschaft nicht nur von Gut und Schlecht, sondern auch von Recht und Unrecht“. (Höffe 2001 :27) Damit ist es den Menschen möglich, eine komplexe Ausdifferenzierung im Sinne von Staat zu schaffen, und damit eine Gesellschaftsform, die den Menschen zu sich selbst verhilft.
Beginn der Polis
Der Beginn der Stadt geht nicht von einem historischen Moment der Staatsgründung aus, verbunden mit der Frage wie das Individuum in die bestehende Gemeinschaft hineinkommt. Aristoteles geht vielmehr von einem staatlichem Gebilde aus, welches bereits vor eigentlicher menschlicher Schaffung existieret. „ Man sieht also, daß der Staat sowohl von Natur besteht , wie auch früher ist als der Einzelne“ (Aristoteles 1990: 5). Das Staatsbildende Moment entsteht aus einer Art Initialzündung jedes einzelnen Menschen heraus. Der Grundprämisse Aristoteles, der Mensch sei von Natur aus ein Gemeinschaftswesen und ohne sie könne er kein menschenwürdiges Leben führen, er müsste „entweder ein Tier oder Gott“ sein, gibt die Erklärung dafür.
Die zwingende Vorraussetzung für eine Stadtgründung liegt also in der Kombination aus Logos und unserer Vernunft.
Das Wort aber oder die Sprache ist dafür da, das Nützliche und das Schädliche und so denn auch das Gerechte und das Ungerechte anzuzeigen. Denn das ist den Menschen vor den anderen Lebewesen eigen, daß sie Sinn haben für Gut und Böse, für Gerecht und Ungerecht“.(Aristoteles 1990 :5)
Die Anlage des politischen, das Interesse am Überleben, sowie die nichtvorhandene vollständige Autarkie beim Einzelmenschen, führen schließlich zum freiwilligen
Zusammenschluss der einzelnen Individuen in die Gemeinschaft. Aristoteles argumentiert methodisch, in dem er die Stadt zuerst in all ihre Einzelteile zerlegt, diese analysiert um sie anschließend wieder zusammenzusetzen.
Am Anfang steht bei ihm das Haus. Sie ist die erste Institution, in welcher biologische Interessen (in Form von Mann und Frau oder Eltern und Kind), sowie ökonomischer Interessen (Herr und Sklave) verbunden sind (vgl. Aristoteles 1990 :2). Erst durch ihre wechselseitige Angewiesenheit bildet sich das Sozial Ganze. Die Weiterentwicklung dieses Hauses bringt mehrere solcher Häuser hervor, welche sich wiederum zu mehreren zusammenschließen. Ein Dorf ist entstanden, in welchem „schon mehrere Berufe und die Vorteile der arbeitsteiligen Kooperation“ (Ottmann 2001 :176) zu finden sind. Durch die stetige Weiterentwicklung dessen entsteht am Ende eine Stadt, die Polis. Nur hier lässt sich eine Verfeinerung ethischer wie moralischen Prinzipien verwirklichen, in welcher sich die Bürger schließlich zu sich selbst verhelfen können.
Diese politische Einheit als die oberste Gemeinschaft, ist nicht nur aus dem Willen bloßen Überlebens her entstanden. Ihr eigentlicher Sinn besteht darin, den Bürger auf das bewusst spezifisch-menschliche Streben nach dem Guten und Gerechten Leben hinzuführen, welches sich eben erst in der differenzierten Ausgestaltung des Staats verwirklichen lässt. Die Polis entsteht also „um des Lebens willen, existiert aber „um des ´guten Lebens´ willen“ (Kullmann 1980 :421).
Ein Zusammenspiel von Tugenden des Charakters wie auch der Klugheit ist hierbei von großer Wichtigkeit. Letztendlich besteht die Gemeinschaft um des höchsten Gutes Willen, ein „Glück das letztmögliche, nicht mehr überbietbare und natürliche Ziel menschlichen Strebens“ (Höffe 2001 :31), manifestiert im Telos der Eudaimonia. Das volle Maß der Tugend, das Glück sowie schließlich die höchste Vollendung in der Glückseligkeit, muss der Einzelne allerdings letztendlich für sich selbst vervollständigen. Schließlich ist das menschliche Dasein nicht nur auf das politische gefasst, und kann nicht vollständig von der Gemeinschaft abhängig gemacht werden.
weiterführende Betrachtungsweise
Mit der Charakterisierung des Menschen als ein von Natur aus gemeinschaftliches Wesen unterscheidet sich Aristoteles grundlegend von Vertretern der Neuzeit. Für Thomas Hobbes beispielsweise stellt der Mensch eher ein Konflikt-, als ein Sozialwesen dar.
Arbeit zitieren:
Julian Schütz, 2006, Aristoteles: Der Mensch – «ein politisches Tier»? – das zoon politikon als Vorraussetzung für die Polis, München, GRIN Verlag GmbH
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