Inhalt
Einleitung 1
I. Erste Gedichte
1. 1920 bis 1939 2
1.1 Czernowitz - Bukowina 2
1.2 Philosophie und Identität 2
1.3 Exil (I) 3
1.4 Liebe 4
1.5 Der Regenbogen 4
II. Der zweite Gedichtband
2. 1939/40 bis 1965 6
2.1 Ghetto 6
2.1.1 Schreiben zum Überleben 7
2.1.2 Paul Celan 7
2.2 Exil (II) und Reise - Suche nach kultureller Identität 7
2.2.1 Sprache und Identität 8
2.3 Stilwende 1956/57 8
2.4 Blinder Sommer 9
Schlussbetrachtung 12
Bibliographie 13
(Deckblatt 15)
Einleitung
Diese Arbeit schließt sich an den Grundkurs B „Deutsche Lyrik nach 1945“ aus dem Sommersemester 2003 an, in dem Entwicklungslinien der deutschsprachigen Lyrik in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nachgezogen und mithilfe von Textbeispielen unterschiedliche Zugänge zur Lyrik dieser Zeit erarbeitet wurden. Zur vertiefenden Arbeit an der Thematik sollen nun das Leben und Schaffen eines bestimmten Schriftstellers bzw. einer bestimmten Schriftstellerin in den Mittelpunkt der Betrachtung gerückt werden.
Es handelt sich um die aus Czernowitz/Bukowina stammende Schriftstellerin Rose Ausländer (11.05.1901 - 3.1.1988), welche als bedeutende deutschsprachige Schriftstellerin des 20. Jahrhunderts, insbesondere der Nachkriegszeit gilt.
Ihr Werk ist gekennzeichnet durch eine „außergewöhnliche autobiographische und zeitgeschichtliche Tragik“ (Vogel/Gans 1998, 7), die auch die folgenden Ausführungen bestimmen wird.
Seit Mitte der siebziger Jahre, in denen Rose Ausländer in ihre produktivste Schaffensphase eintrat, erschienen in Deutschland zahlreiche Gedichtbände der Schriftstellerin, die eine Reihe von Auszeichnungen und Preisen erhielten (vgl. Wiggershaus in Braun 1991, 103). Doch Rose Ausländer hat in diesen Jahren nicht zum ersten Mal publiziert. Ihr erster Gedichtsband erschien bereits im Jahre 1939…
Diese Arbeit ist nun der Versuch insbesondere das ‚Frühwerk’ Rose Ausländers, das wesentlich weniger Beachtung als ihr Spätwerk gefunden hat, weitgehend zu erfassen. Die Entwicklung ihrer schriftstellerischen Tätigkeit von den zwanziger Jahren bis in die sechziger Jahre soll aufgezeigt sowie die Grundfesten nachgezogen werden, die auch das Spätwerk der Autorin besser verstehen lassen.
Zwei Gedichtbände sind es, die diesen Zeitraum - neben vielen Einzelveröffentlichungenrepräsentieren. Der erste Gedichtband „Der Regenbogen“ 1 , der 1939 in Czernowitz veröffentlicht wurde, enthält Gedichte von 1927 bis 1933, wobei nur ein sehr geringer Teil der ganz frühen Lyrik Rose Ausländers hier mit eingegangen ist.
1 Nach unterschiedlichen Aussagen gibt von diesem Band kein Exemplar mehr und er galt lange Zeit als verschollen. Der Lagerbestand wurde während des Zweiten Weltkriegs vernichtet (vgl. Vogel/Gans 1998, 96; Witte 1992, 4).
1
In dem zweiten Gedichtband „Blinder Sommer“, der erst im Jahre 1965, also 26 Jahre nach Erscheinen des ersten in Österreich herauskam, finden sich dann einige der Gedichte, die ab den vierziger Jahren entstanden sind und bereits mehr Beachtung fanden. Als Richtlinie für die Erarbeitung des lyrischen Weges wird, wie bereits angedeutet, die Biographie 2 der Schriftstellerin dienen, von der behauptet wird, sie habe die Gedichte stark geprägt (vgl. Lehmann 1999, xxii; Vogel/Gans 1998, 16).
I. Erste Gedichte
1. 1920 bis 1939
Im diesem Teil der Arbeit soll die ganz frühe ‚Schaffensphase’ Rose Ausländers mit den unterschiedlichen Einflüssen auf die Autorin skizziert werden. Die Entstehungsumstände sowie Themenbereiche der Gedichte sollen kurz bestimmt und an Beispielen aus dem ertsen Gedichtband der Autorin, Der Regenbogen, gezeigt werden, wie Rose Ausländer unterschiedliche Eindrücke umgesetzt hat. Von besonderer Bedeutung werden hier der erste Kontakt mit der Philosophie sowie der ‚erste’ Exilaufenthalt in den USA und die Liebesbeziehung zu Helios Hecht sein.
1.1 Czernowitz - Bukowina
Aufgewachsen in Czernowitz, einer Kulturstadt mit vielen Künstlern, Dichtern und Philosophieliebhabern, kommt Rosalie Ausländer (geborene Scherzer) schon früh mit diesen Kreisen in Berührung. Sie sagt auch selbst, dass ihre Heimatstadt einen entscheidenden Einfluss auf das Zustande kommen ihres Werkes gehabt habe: „Warum schreibe ich? Vielleicht weil ich in Czernowitz zur Welt kam, weil die Welt in Czernowitz zu mir kam.“ (Ausländer nach Witte 1992, 2).
1.2 Philosophie und Identität
Das Studium der Philosophie und Literatur an der Universität ihrer Heimatstadt (das sie allerdings nach einem Jahr, 1921, wieder abbricht) bringt den ersten Kontakt mit der Lehre Constantin Brunners, der sich wiederum auf jene des jüdischen Philosophen Baruch Spinoza
2 Der Lebenslauf der Schriftstellerin wird in dieser Arbeit nicht noch einmal gesondert ausgeführt sondern bei unterschiedlichen Betrachtungen immer wieder mit eingebracht. Für eine Übersicht empfiehlt sich die von Vogel/Gans gegebene ‚Vita’ (1998, 232).
2
(1632-1677) beruft. Brunners Seinsvorstellung geht davon aus, dass alle Erscheinungen der Welt nur „Modifikationen der einen Substanz“ (Reiter in Braun 1991, 184) sind. 3 In Geiste dieser Lehre entstehen Roses erste Gedichte. Doch die Grundgedanken dieser Philosophie ziehen sich durch das gesamte Werk der Schriftstellerin 4 . Dabei spielen Gedanken der Identitäts- bzw., Selbstfindung eine zentrale Rolle ebenso wie das Vorstellungsprinzip der Metamorphose als Versuch einer Übersetzung des geistigen Prinzips der Brunnerschen Philosophie in Bildpoesie (vgl. Vogel/Gans 1998, 21). Rose Ausländer entwickelt hierbei zentrale „Poesiechiffren, die das Prinzip des Lebenskreislaufs von Natur und Ich als identitätsbildend vorstellen“ (Vogel/Gans 1998, 21). Die Metaphern der Luft und des Atems finden sich bis in ihr Spätwerk.
1.3 Exil (I)
Einen ebenso wichtigen Einfluss auf die schriftstellerische Tätigkeit der Rose Ausländer hat die Tatsache, dass sie im Jahre 1921, nach dem Tod des Vaters, mit ihrem späteren Ehemann Ignaz Ausländer - aus finanzieller Not - in die USA auswandert und sich für ein Jahrzehnt in New York niederlässt (vgl. Witte 1992, 2). Mit diesem Schritt endet ihre Kindheit, die trotz des Ersten Weltkriegs und zwischenzeitlicher Vertreibung, von Braun (1991, 11) als eine glückliche bewertet wird. Der „Schock des Verlustes heimatlicher Geborgenheit“ (Witte 1992, 4), insbesondere die Trennung von der Mutter, sowie die „Fremdheit und Exotik“ (Witte 1992, 2) ihrer neuen Lebensumgebung finden Eingang in Roses Gedichte: „Vieles spricht dafür, daß Rose Ausländer erst in dieser Fremde, deren Alltagmisere die kleine Bankangestellte ungeschützt ausgesetzt war, als Dichterin zu sich selbst gekommen ist.“ (Witte 1992, 2)
Die Möglichkeit zur Publikation ihrer ersten eigenen Gedichte erhält Rose bereits 1921 in der Kalenderanthologie Amerika Herold Kalender, in deren Betreuung sie eingebunden ist. Die Publikation ihres ersten Gedichtsbandes hingegen verdankt sie der Hilfe Alfred Margul-Sperbers, den sie 1924 kennen lernt. In ihm findet sie einen eifrigen Förderer, der, als er 1925 von New York nach Czernowitz zurückkehrt, für die dortige Veröffentlichung ihrer Gedichte sorgt und später gemeinsam mit ihr an der Zusammenstellung des Regenbogens arbeitet.
3 Nach der Übersiedlung nach New York gründete Rose Ausländer sogar (zusammen mit Ignaz Ausländer) einen Brunner-Kreis und trat in persönlichen Briefkontakt mit dem Philosophen. Im Jahre 1927 reiste sie dann für mehrere Monate nach Berlin und verkehrte regelmäßig in dessen Haus.
4 Der Aufsatz von Gerhard Reiter: “Das Eine und das Einzelne“. In Braun, Helmut (Hrsg.)(1991): Rose Ausländer. Materialien zu Leben und Werk. Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verlag GmbH, beschäftigt sich sehr ausführlich mit der philosophischen Struktur der Lyrik Rose Ausländers und empfiehlt sich als vertiefende Lektüre zum Verständnis dieser Thematik.
3
Arbeit zitieren:
Katharina Brehmer, 2003, Rose Ausländer - Frühe Gedichte, München, GRIN Verlag GmbH
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