Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung 1
1. Das Fernsehinterview 3
1.1 Das verschränkte Interview 6
1.2 Das Interview im Fernsehtalk 7
1.3 Zwei Gattungen des Fernsehtalks 8
1.4 Die Beziehung zwischen Zuschauer und Moderator 10
2. Vergleich - Johannes B. Kerner und Michel Friedman. 13
2.1 Äußerer Interviewrahmen 13
2.1.1 Gesprächsatmosphäre. 14
2.1.2 Nonverbale Kommunikation -
Das Verhältnis vom Moderator zum Befragten 16
2.2 Inhaltlicher Interviewrahmen. 21
2.2.1 Interviewstil - Fragenanalyse 21
2.2.2 Interviewstrategie und Interviewziel 24
3. Fazit 30
Literaturverzeichnis. 33
Anhang 34
Anhang A: Fernsehinterview Michel Friedman 34
Anhang B: Fernsehinterview Johannes B Kerner 45
0. Einleitung
Mit diesem Zitat beschreibt Günter Gaus, einer der ersten und gleichzeitig erfolgreichsten Interviewer im deutschen Fernsehen, seine Aufgabe in einem schweren journalistischen Genre, dem Fernsehinterview.
Für den Moderator, aber auch für den Gesprächspartner stellt diese Art des Interviews eine der größten journalistischen Herausforderungen dar, die ich mit dieser Arbeit näher untersuchen möchte. Im Besonderen geht es in meinen Ausführungen um den Fernsehtalk, der sich deshalb bevorzugt für eine Analyse anbietet, da er dem Fernsehzuschauer alltäglich begegnet. Zwei sehr unterschiedliche Arten des Fernsehtalkinterviews sollen hier gegenübergestellt und auf ihre Wirkung und Ziele hin untersucht werden. Zum einen ein Interview vom 25.02.2003 des Journalisten und Showmoderators Johannes B. Kerner mit Laurenz Meyer, dem derzeitigen CDU-Generalsekretär, zum anderen ein Interview vom 05.02.2003 des Journalisten Michel Friedman mit dem ehemaligen SPD-Vorsitzenden Oskar Lafontaine. Beide Interviewpartner kommen aus demselben Genre, der Politik, was eine genaue Analyse der beiden Interviewstrategien vereinfacht. Der erste Teil der Arbeit beschäftigt sich mit dem Fernsehinterview und primär dem Fernsehtalk und stellt beide zu analysierenden Interviews in ihrem jeweiligen Kontext gegenüber. Im Anschluss daran wird im zweiten Teil der direkte Vergleich der beiden genannten Interviews Aufschluss über die beiden zu untersuchenden Interviewstile geben. Das zweite Kapitel bildet auch den empirisch-werkimmanenten Teil der Arbeit, während im ersten Teil verschiedene Autoren mit ihrer Fachliteratur zum Thema Fernsehinterview und Talk herangezogen werden.
Im Besonderen ist hierbei zu beachten, dass der Fokus immer auf den Interviewer gerichtet ist, da seine Art das Gespräch zu lenken, Fragen zu stellen und eine bestimmte Interviewstrategie zu verfolgen, die besondere Art des Interviewstils ausmacht, die ich mit meinen Ausführungen analysieren möchte. Auf Grund der Komplexität und Länge der Interviews sollen deren Themen und die Gesprächs-
1 Haller, Das (Konstanz: 2 1997), S. 42/43.
1
partner hierbei eine sekundäre Rolle spielen, genauso wie die Technik durch Kameraführung und Schnitt. Das Ziel dieser Arbeit ist es, die wesentlichen Unterschiede, aber auch Parallelen der beiden Interviewstile herauszustellen, die im Fazit resümiert werden sollen.
Anmerkung der Autorin zur Einleitung:
Bei allen Ausführungen zum direkten Interviewvergleich ist anzumerken, dass der Fachliteratur keine allgemeingültigen Kriterien zur Gegenüberstellung der beiden Talkshowsendungen zu entnehmen sind. Auf Grund der fehlenden Vorgaben erfolgt die angestrebte objektive Analyse nach meinem eigenen Ermessen. Subjektiv-wertende Elemente können, wie bei jeder Interpretation, auch hier nicht ausgeschlossen werden.
2
1. Das Fernsehinterview
Michael Haller beschreibt in seinem Buch „Das Interview“ den Virtuosen des Fersehinterinterviews, Günther Gaus. In seinem Zitat wird besonders deutlich, wie sehr ein gutes Fernsehinterview im Wesentlichen von den Fähigkeiten des Interviewers abhängt. Die Schlagworte „Zurückhaltung“ und „Eitelkeit“ zeigen aber noch viel mehr über eine entscheidende Eigenschaft des Fernsehinterviews: seine Vielschichtigkeit und Hintergründigkeit. „Das Interview ist ein Prozess, in dem zwei Dimensionen bedeutsam sind: eine emotionale und eine inhaltliche. Der emotionalen Dimension entspricht die Beziehung zwischen Interviewer und Befragtem (…).“ Das Verhältnis der beiden Gesprächspartner und ihr Umgang miteinander, den man „Rapport“ 3 nennt, zählt ebenso zu dieser Ebene wie ihre Gefühle in nonverbalem Verhalten auszudrücken. „Der inhaltlichen Dimension entspricht die Aufgabe, Informationen zu erhalten und zu geben.“ 4 Die Herausforderung für den Interviewer liegt im Kontrollieren der beiden Dimensionen zur gleichen Zeit. Der Journalist muss sein inhaltliches Interviewziel im Auge behalten, aber gleichzeitig seinen Rapport zum Gegenüber ständig neu einschätzen und kontrollieren können.
Der Zuschauer nimmt die beiden Ebenen des Interviews nur unbewusst wahr, da er meistens das Gefühl hat, das Interview gleiche einem Alltagsgespräch. Doch das Gegenteil ist der Fall: Hochgradig geplant und intendiert grenzt sich das Fernsehinterview in fünf entscheidenden Punkten (nach Jürgen Friedrichs 5 ) vom Gespräch ab. „Der erste Unterschied besteht darin, dass der Interviewer nicht für sich fragt, sondern als Stellvertreter für die Fernsehzuschauer.“ 6 Speziell im Medium Fernsehen besteht immer ein Beziehungsdreieck zwischen Journalist, Befragtem und den Zuschauern, das entscheidend Art und Ziel des Interviews beeinflusst. An
2 Ebd., S.43.
3 Friedrichs, Jürgen: Journalistische Praxis: Das Interview. In: Fernsehen und Bildung Jhrg. 10/3 (München: Verlag Dokumentation 1976), S. 175.
4 Ebd.
5 Friedrichs, Jürgen: Das Interview im Fernsehen. In: Bleas, Ruth/ Heussen, Gregor A.: ABC des Fernsehens. (Konstanz: UVK Medien 1997), S. 306.
6 Ebd.
3
dem praktischen Beispiel der Zielgruppen der zu untersuchenden Talkshows wird hierzu im Kaptitel 1.3. Bezug genommen.
Der zweite Aspekt beleuchtet, dass der Journalist ein Interviewziel hat und zu einem Sachverhalt bestimmte Informationen erlangen möchte. Der dritte und auch entscheidende Unterschied, der das Interview vom Gespräch abgrenzt, ist die „Asymmetrie“ 7 in der Interviewführung und die spezifische Rollenverteilung: Der Journalist fragt und der Befragte antwortet. Wird diese Asymmetrie verlassen und kehren sich die Rollen von Interviewer und Befragtem um, handelt es sich wirklich um ein Gespräch und nicht mehr um eine klassische Interviewsituation. Hier zeigt sich ganz deutlich, dass dem Fragesteller immer die dominante Rolle im Interview zukommt, der er gewachsen sein muss. Der Fernsehjournalist muss die Fähigkeit besitzen, das Interview zu führen und darf sich diese Kompetenz nicht aus den Händen nehmen lassen. Sich diese zu erarbeiten ist besonders schwierig, da der Interviewer „zwei Aufgaben gleichzeitig erfüllen muss: Sich inhaltlich auf Fragen und Antworten zu konzentrieren, sowie die sozial-emotionale Beziehung zwischen ihm und seinem Gesprächspartner zu beobachten.“ 8 , Letzterer Punkt markiert die vierte Abgrenzung zum Gespräch.
Beim Medium Fernsehen kommt beim Interview noch ein fünfter Aspekt hinzu: Wenn das Interview live gesendet wird, weiß der Interviewer, dass es keine Möglichkeit gibt, Statements oder Fragen herauszuschneiden, ganz anders als beim aufgezeichneten Interview. Hier zeigt sich, dass die Technik durch Kamera und Schnitt ein Interview ebenfalls beeinflussen kann.
Die technische Seite, die Visualisierung von Personen im Interview, erregt beim Fernsehpublikum besondere Aufmerksamkeit. Die Möglichkeit, eine Person live zu sehen und ihre körperlichen sowie sprachlichen Reaktionen gleichzeitig einzufangen, ist für jeden Zuschauer immer wieder ein spannendes Erlebnis. Das Beobachten des Zusammenspiels von verbaler und nonverbaler Kommunikation zwischen zwei Interaktionspartnern erregt Emotionen, kann informieren und unterhalten. Doch es kann auch Widersprüchlichkeit ausdrücken: Der Zuschauer bemerkt, dass der Interviewpartner nicht hinter seiner Meinung steht, wenn Gestik und Mimik nicht zum Gesagten passen. „Vor allem im Fernsehinterview wirkt der
7 Friedrichs, Jürgen (1976), S. 170.
8 Friedrichs, Jürgen/ Schwinges, Ulrich: Das journalistische Interview. (Wiesbaden: Westdeutscher Verlag 1999), S. 14.
4
Befragte weniger durch das, was er sagt, als durch die Art, wie er es sagt: Sein Spontanverhalten - und sei es auch für den Fernsehauftritt sorgsam einstudiertprägt maßgeblich den Eindruck des Zuschauers“ 9 von der interviewten Person. Auge in Auge mit dem Journalisten gibt es vor der Kamera kein Entrinnen. Jegliche nonverbale und verbale Kommunikation wird unwiderruflich eingefangen und ist nicht mehr zu ändern. Für den Fragensteller, aber auch für den Interviewpartner ist das Fernsehinterview deshalb eine große Herausforderung und verlangt enorme Vorbereitung, Beherrschung, gute Rhetorik und Disziplin. Gerade weil die Kamera bewusste und auch unbewusste Gesten einfängt, zeigt sie, gerade bei kameraunerfahrenen Interviewern und Interviewpartnern, auch die kleinste Unsicherheit: Das Fernsehinterview hat deshalb die entscheidende Fähigkeit, zu entlarven. Es ist immer stückweit ein Test - besonders für den Interviewten, der sich den Fragen des Journalisten stellt. „Die Art, wie der Befragte mit diesem Test umgeht, soll dem Zuschauer Einblick geben in dessen sonst verborgene Persönlichkeit.“ 10
Über je mehr Kompetenz der Journalist verfügt und je mehr Geschicklichkeit er bei seiner Fragestellung und Fragenstrategie beweist, desto mehr kann er die wahre Seite der Persönlichkeit seines Gesprächspartners zeigen. Genauso kann er den Interviewten auch auf die Probe stellen und entlarven, ob seine Aussagen wirklich ernst und wahrheitsgetreu sind.
9 Haller, Michael ( 2 1997), S. 109.
10 Vgl. Ebd., S.108.
5
1.1 Das verschränkte Interview
Die angesprochene sozial-emotionale Beziehung zwischen Interviewer und dem Befragten ist besonders bei den Fernsehinterviews von Belang, die nicht nur zum Ziel haben, Informationen zu gewinnen, sondern in denen es auch darum geht, die Persönlichkeit des Interviewten hervorzuheben. Da es sich um eine Verschränkung des Gegenstandes mit der zu befragenden Person handelt, spricht man von einem „verschränkten Interview 11 .“ „Das verschränkte Interview sieht im Interviewpartner nicht nur den Informanten, aber auch nicht nur den Selbstdarsteller, es versucht vielmehr, das eine im anderen aufzuzeigen.“ 12 Die Aufgabe des Interviewers bei dieser Art des Gesprächs ist es, den Interviewpartner zu veranlassen, sich möglichst einlässlich und offen über aktuelle Ereignisse in Verbindung mit seinen Handlungen, Meinungen oder Denkweisen zu äußern, damit er sich zugleich auch selbst charakterisiert. 13
In der Fragetechnik des verschränkten Interviews gibt es keine festgelegten Regeln, sondern „es wechselt zwischen weichen und harten Formen, zwischen invasiven und explorierenden Frageformen, wobei die weicheren, offeneren Formen die einzelnen Themen einleiten und gleichsam den Boden ebnen für nachfassende, auch invasive Fragen.“ 14 Die Gefahr bei dem Genre des verschränkten Interviews besteht darin, dass die Fragen und Antworten sehr trivial ausfallen können. So kann der Dialog leicht nur allzu sehr dem Erwarteten entsprechen, wenn sich der Interviewer nicht ausreichend auf das Gespräch vorbereitet hat. Nur durch explizite und ausreichende Recherche kann der Fernsehinterviewer „unerwartete Aspekte, komische Episoden und originelle Bezugnahmen“ 15 in den Dialog einstreuen. Dies macht das Gespräch für den Zuschauer spannend und informativ zugleich.
Im Folgenden soll es um die Art des „verschränkten Fernsehinterviews“ gehen, das sich, wie ich zeigen werde, eindeutig im Fernsehtalk wieder findet.
11 Haller, Michael (1997) S. 149.
12 Ebd.
13 Vgl. Ebd.
14 Ebd., S. 151.
15 Ebd.
6
1.2 Das Interview im Fernsehtalk
Das Interview in Talkshows unterscheidet sich deshalb besonders von anderen Arten des Interviews im Fernsehen, weil hier die Moderatoren nicht nur Stellvertreter der Zuschauer sind, sondern auch prominente Persönlichkeiten, die Meinungen und Kommentare äußern. Im gewissen Sinne ist es auch immer „eine Selbstdarstellung der Journalisten, sie prägen durch ihren Stil und ihre Kommentare, kurz: durch ihre Person, die Talkshow.“ 16 Durch den Aspekt der Selbstdarstellung verändert sich auch die Art, das Interview zu führen, manchmal sogar erheblich. Oft macht ein bestimmter persönlicher Frage- und Interviewstil, aber auch Verhalten und Rhetorik des Moderators den ganzen Erfolg des Formates aus. Besonders der letzte Punkt muss für die spätere Interviewanalyse präsent bleiben. Des Weiteren bieten Talkshows „eine besondere Möglichkeit, Person und Sache zu verbinden. (…). Sie bieten die Chance in einer ungezwungenen Atmosphäre kritische Fragen zu stellen, die in stärker formelleren Sendungen nicht möglich wären.“ 17 Oft verfolgt der Interviewer hierbei eine besondere Fragenstrategie. Der Moderator in einer Talkshow hat in den meisten Fällen zunächst eine Annahme über die Einstellung der interviewten Person zu einem bestimmten Thema und baut darauf seine Fragen auf. Diese Annahme ist meistens die populäre Meinung, die gerade in der Gesellschaft zu einem Thema vorhanden ist, da der Fragensteller, gerade in der Talkshow, die breite Öffentlichkeit repräsentiert. Damit diese Art, Fragen zu stellen, erfolgreich ist, muss es dem Interviewer gelingen, Amt und Person des Befragten zu trennen, denn oft soll der Gesprächspartner nicht als Inhaber eines Amtes antworten, sondern als Privatperson. Begünstigt wird diese Fragestrategie durch eine gemütliche Atmosphäre des Studios, in der sich der Interviewte wohl fühlt. „Die Fragestrategie selbst besteht darin, Fragen zur Person zu stellen und die Gäste dazu zu bringen, sich selbst darzustellen: offen, eitel, wertend, unausgewogen.“ 18 Entscheidend ist, dass es eine der wichtigsten Kriterien einer Talkshow ist, dass die Interviewten von den Fragen des Moderators oft in diese Richtung gedrängt werden, nämlich das Amt, das sie bekleiden, ein Stück weit hinter sich zu lassen und dafür mehr als Privatperson zu antworten.
16 Bleas, Ruth/ Heussen, Gregor A.: ABC des Fernsehens. (Konstanz: UVK Medien 1997), S.312.
17 Friedrichs, Jürgen/ Schwinges, Ulrich (1999), S. 178.
18 Ebd., S. 187.
7
Der Moderator unterscheidet geschickt zwischen Rolle und Person des Interviewpartners und stellt Fragen, in denen sachliche und emotionale Inhalte verknüpft werden. Dazu gehören beispielsweise Fragen nach einer persönlichen Bewertung von aktuellen Ereignissen, Anspielungen, Suggestivfragen und Provokationen. Wenn der Interviewer allerdings selbst wertet oder provoziert und die Neutralität verlässt, dann muss er darauf gefasst sein, dass er „sich selbst der Kritik der Befragten und Empfänger aussetzt.“ 19
Moderatoren und Gäste haben in einer Talkshow bestimmte Erwartungen aneinander. Gerade prominente Gäste neigen dazu, in einem Talkinterview, in dem die Atmosphäre scheinbar locker und ungezwungen ist, mehr zu erzählen, als sie eigentlich beabsichtigen. „Die gut vorbereiteten Moderatoren nutzen (…) gerade diesen Eindruck, um an die weniger gut vorbereiteten Gäste sowohl einfache als auch komplizierte und kritische Fragen zu stellen.“ 20
1.3. Zwei Gattungen des Fernsehtalks
Die Fernsehinterviews, die Gegenstand meiner Analyse sind, sind beide in das Format der Talkshow eingebettet, obwohl ihr Dialog ganz verschieden ist. Es gibt keine einheitlichen Regeln, wie ein Talkshowinterview zu führen ist, denn jeder Interviewer hat seine eigene Strategie, wie er gleichzeitig Informationen und die befragte Person zum Gegenstand seines Gesprächs macht. Genau dieser Aspekt spiegelt sich in den beiden zu analysierenden Interviews von Johannes B. Kerner und Michel Friedman wieder, die zeigen, wie gegensätzlich Interviews in einer Fernsehtalkshow sein können. Eine wesentliche Rolle im Hinblick auf die angesprochene Unterschiedlichkeit beider Interviews spielt die Art der Talkshow, welcher thematische Schwerpunkt ihr gesetzt ist, kurz: welchem Genre sie angehört.
Michel Friedman ist eine politische Talkshow, die in erster Linie zum Ziel hat, durch Interviews mit Politikern Informationen zum aktuellen politischen Geschehen in Deutschland zu vermitteln. Das Format Polit-Talkshow verfolgt ganz eigene inhaltliche Ziele, die sie von der Unerhaltungstalkshow abgrenzen. „Politische Vorgänge sollen aus dem Blickwinkel der Akteure transparent gemacht werden.
19 Ebd., S. 188.
20 Ebd., S. 189.
8
Das Interview setzt darum die zu befragende Person in Beziehung zu einem aktuellen Vorgang, der als Anlass dient oder zum Thema gemacht wird.“ 21 Erst an zweiter Stelle stehen die Interviewpartner als Privatpersonen, denn ihre persönliche Meinung ist in der Regel nur in Verbindung mit aktuellen Ereignissen relevant. Persönliche Belange der Politiker werden fast nie primär zum Thema gemacht, nur, wenn sie den Gegenstand des Interviews touchieren. Es handelt sich hierbei um ein „One-to-One Interview“, denn die halbstündige Sendung besteht nur aus dem Interview zwischen einem Politiker und dem Moderator. Friedman ist eine Live-Talkshow. Das Interview wird eins zu eins übertragen und es können keine Sequenzen herausgeschnitten werden. Im Falle des vorliegenden Interviews vom 05.02.2003 mit Oskar Lafontaine wurde die Sendung aus terminlichen Gründen kurz vorher aufgezeichnet. Doch auch in diesem Fall hat die Talkshow Friedman Live-Charakter, da es sich um eine Aufzeichnung an einem Stück handelt. Auf Grund dessen und der Tatsache, dass die Aufzeichnung kurz vor Sendetermin erstellt wurde, konnten auch hier keine Statements herausgeschnitten oder verkürzt werden. Letzteres gilt ebenfalls für die Sendung Johannes B. Kerner, die auch live produziert wird. Sie zählt zu der Gattung des Unterhaltungstalks. Meist drei Interviewpartner sind Gäste der circa einstündigen Sendung, die jeweils in einem „Face-to-Face“ Interview etwa 20 Minuten befragt werden. Bei dieser Art der Talkshow vertauschen sich, im Gegensatz zu Friedmans Polit-Talk, die Schwerpunkte: Im Interview steht hier erst die Privatperson im Vordergrund, während die Vermittlung von konkreter Information zu bestimmten Sachverhalten in den Hintergrund rückt. Das offensichtlichste Beispiel hierfür liefern die Fotoeinblendungen der Gäste während der Interviews, die sie meist in privaten Situationen zeigen.
Bereits hier wird klar, dass es sich bei beiden Interviews um die Art des verschränkten Interviews handelt, die Person und Sache zum Gegenstand machen. Jedoch liegt bei Friedman der klare Schwerpunkt auf aktueller Information, während er bei Johannes B. Kerner auf der Person liegt.
21 Haller, Michael (1997), S. 163.
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Arbeit zitieren:
Magister Kommunikationswissenschaft Linda Neuhaus, 2003, Das Fernsehinterview. Ein Vergleich - Der Interviewstil von Johannes B. Kerner und Michel Friedman, München, GRIN Verlag GmbH
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