Inhaltsverzeichnis
INHALTSVERZEICHNIS I
ABK ÜRZUNGSVERZEICHNIS III
ABBILDUNGSVERZEICHNIS V
TABELLENVERZEICHNIS VI
1 EINLEITUNG 1
1.1 PROBLEMSTELLUNG. 2
1.2 ZIELSETZUNG 3
1.3 ABGRENZUNG 4
1.4 VORGEHENSWEISE 4
2 GRUNDLAGEN DES EINZELHANDELS 5
2.1 DEFINITION DES HANDELS 5
2.2 FORMEN DES HANDELS 6
2.3 FUNKTIONEN UND HANDELSLEISTUNG DES EINZELHANDELS 8
3 GRUNDLAGEN VON MULTI-CHANNEL-SYSTEMEN 12
3.1 DEFINITION MULTI-CHANNEL-MARKETING 12
3.1.1 Ziele 16
3.1.2 Chancen 17
3.1.3 Risiken 18
3.2 DEFINITION MULTI-CHANNEL-STRATEGIE 20
3.2.1 Endverbrauchergerichtete Strategien 20
3.2.2 Lieferantengerichtete Strategien 21
3.2.3 Konkurrenzgerichtete Strategien. 22
4 GRUNDLAGEN DES -MCOMMERCE 23
4.1 -MCOMMERCE ALS BESTANDTEIL DES E-BUSINESS 24
4.2 GESCHÄFTSMODELLE 25
4.2.1 Content 25
4.2.2 Commerce 26
4.2.3 Context 26
4.3 -MCOMMERCE MEHRWERT 27
4.3.1 Mobilität 27
4.3.2 Erreichbarkeit 28
4.3.3 Kontextsensivität 28
4.3.4 Identifikation 29
5 DIE ANFÄNGE DES -MCOMMERCE - INFORMATION 30
5.1 ANBIETER- UND KUNDE-N UND MARKTENTWICKLUNG 30
5.2 TECHNOLOGISCHE ENTWICKLUNG 32
I
5.3 -MCOMMERCE ANGEBOTE 34
5.3.1 Rahmenbedingungen 34
5.3.2 Angebotene Dienste 35
5.3.3 Bewertung der Multi-Channel Bedeutung 36
6 DAS 21. JAHRHUNDERT - TRANSAKTION 37
6.1 ANBIETER- UND KUNDE-N UND MARKTENTWICKLUNG 37
6.2 TECHNOLOGISCHE ENTWICKLUNG 40
6.3 -MCOMMERCE ANGEBOTE 43
6.3.1 Rahmenbedingungen 43
6.3.2 Angebotene Dienste 44
6.3.3 Bewertung der Multi-Channel Bedeutung 45
7 ZUKUNFT - INTERAKTION 48
7.1 ANBIETER- KUNDE-N UND MARKTENTWICKLUNG 48
7.2 TECHNOLOGISCHE ENTWICKLUNG 49
7.3 -MCOMMERCE ANGEBOTE 50
7.3.1 Bewertung der Risiken 52
7.3.2 Bewertung der Chancen 54
8 ZUSAMMENFASSUNG 56
8.1 KRITISCHE WÜRDIGUNG 58
8.2 OFFENE PUNKTE 59
LITERATURVERZEICHNIS VII
ANHANG XVIII
II
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: E-Bussiness nach Linke ................................................................................ 24 Abbildung 2: E-Commerce-Umsatzentwicklung in Mrd. Euro ............................ XVIII Abbildung 3: Teilnehmerentwicklung und Pentetration in deutschen
Mobilfunknetzen 1998 - 2009 ........................................................................................... XVIII Abbildung 4: Teilnehmerentwicklung und Penetration in deutschen
Mobilfunknetzen 1992 -2003................................................................................................ XIX Abbildung 5: Entwicklung Einzelhandelsumsatz (i. e. S.) in Deutschland ........ XIX Abbildung 6: geschätzte Umsatzentwicklung des B2C-E-Commerce in
Deutschland in Mrd. € ............................................................................................................... XX Abbildung 7: Preisentwicklung Telekommunikationsdienstleistungen in
Deutschland 1995 - 2003 .......................................................................................................... XX Abbildung 8: Preisentwicklung Telekommunikationsdienstleistungen in
Deutschland 2000 - 2008 ........................................................................................................ XXI
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Entwicklung der Mobilfunkverträge in Deutschland
von 1992 bis 2000 ...................................................................................................................... 31 Tabelle 2: Preisentwicklung Mobilfunk in Deutschland
1995- 2000, Basisjahr 2000 = 100 ....................................................................................... 32 Tabelle 3: Übersicht der dt. Einzelhandelsunternehmen mit
Mobilfunkangebot (Branding) ................................................................................................ 38 Tabelle 4: Entwicklung der Mobilfunkverträge in Deutschland
von 2001 bis 2009 ...................................................................................................................... 39 Tabelle 5: Preisentwicklung Mobilfunk in Deutschland
2001-2008, Basisjahr 2005 = 100 ........................................................................................ 39
1 Einleitung
Vertrauensverlust, Unsicherheit, Kaufzurückhaltung - die Finanzkrise wirft ihre Schatten auf den Handel. 1 Der stationäre Einzelhandel in Deutschland sieht sich jedoch nicht nur mit aktuellen Herausforderungen konfrontiert, sondern steht zusätzlich vor einer ganzen Reihe von strukturellen Herausforderungen. Dazu zählen grundlegende Entwicklungen, wie der demographische Wandel, sich ändernde gesellschaftliche Bedürfnisse und die Übersättigung der Märkte! Dies wirkt sich auf das Konsumentenverhalten aus und führt zu nachhaltigen Veränderungen. Somit stellt sich die Frage, womit der stationäre Einzelhandel zukünftig Wachstumsimpulse generieren kann? Für viele deutsche Einzelhändler ist die Antwort klar: mit dem
Internet. 2 Parallel zur steigenden Verbreitung und Nutzung des Mediums Internet im Allgemeinen wächst auch seine Bedeutung für den Einzelhandel. 3 Jedoch steckt gerade im Internetgeschäft der meisten stationären Einzelhändler noch reichlich Potential. Gerade eben zwei Prozent ihrer Umsätze generieren die größten 50
Handelsunternehmen in Deutschland derzeit aus dem Netz. 4 Dabei ist das Internet, zumindest in Deutschland, der Vertriebskanal mit der höchsten Wachstumsdynamik. 5 Und das Internet ist mobil geworden! Durch die starke Ausbreitung der Mobilfunktechnologie und der damit verbunden ständig steigenden Endgerätepenetration in den letzten Jahren und dank des andauernden technologischen Fortschritts ergeben sich eine Vielzahl neuer Einsatzmöglichkeiten und wirtschaftlicher Perspektiven. Durch diese beiden Faktoren, Verbreitung und technologischer Fortschritt, wurde ein Prozess des Zusammenwachsens zuvor getrennter Technologie- und Anwendungsbereiche, dem stationären Internet auf der
1 Breuer Peter, Sänger Frank, Spillecke Dennis, Deutschland
2020: Worauf es für die Konsumgüterbranche ankommt, in akzente Deutschland,
hrsg. von McKinsey & Company, o. O., o. J., S. 9
2 Sinclair David, Wachinger Tobias Onlinekäufer lieben oder hassen Shopping,
in akzente - onlinehandel, hrsg. von McKinsey & Company , o. O., o. J., S. 39
3 Müller-Lankenau Claas, Reihe: Electronic Commerce Band 34,
Multikanalstrategien im stationären Einzelhandel, Eine empirische Untersuchung in der
Konsumentenelektronikbranche, Köln, 2007, S. 1
4 Bruce Alastair, Kullmann Mathias, Spillecke Dennis, Exzellenz auf einen Klick,
in akzente - online marketing, hrsg. von McKinsey & Company, o. O., o. J., S. 8
5 Kaldik Martin, Eisenblätter Marion, E-Commerce-Umsatz wächst weiter, aus GfK
Panel-Service, Pressemitteilung, Nürnberg, 2009, S. 1
einen Seite und dem mobilen Internet, auf der anderen Seite, losgetreten. Dadurch entstehen nicht nur neue Wertschöpfungsketten, sondern das Internet wird auch omnipräsent.
1.1 Problemstellung
Der stationäre Einzelhandel sieht sich seit Jahren mit stagnierenden Umsätzen und
rückläufigen Gewinnspannen konfrontiert. 6 Dies ist unter anderem auf die Marktsättigung und den intensiven Wettbewerb zurückzuführen, zum anderen auch
auf die Meta-Betriebsform Internethandel. 7 Bis heute machen viele Einzelhändler häufig nur sehr selektiv von den vorhandenen technischen Möglichkeiten Gebrauch und verfolgen damit einfachere Multikanalstrategien. Durch diese zunehmende Verbreitung und die steigende Mobilität des World Wide Web und den daraus resultierenden Veränderungen gewinnt die Auseinandersetzung mit
Multikanalstrategien für den stationären Einzelhändler vermehrt an Bedeutung. Enthusiasten sprechen bereits vereinzelt schon von der Entstehung einer neuen,
mobilen Form der Ökonomie. 8 Das sogenannte M-Business spielt in jeder Branche eine Rolle. Dabei wurde die Entwicklungsgeschwindigkeit ebenso wie die des E-Commerce von Anbietern zuerst überschätz. 9 Nach dem Niedergang der New Economy erlebt der Onlinehandel nun einen zweiten Frühling, denn das Internet wächst schneller als je zuvor! Im Jahr 2009 wurde das Netz bereits von 86 % der Computernutzer zur Informationssuche für Waren und Dienstleistungen genutzt. 75 % dieser Gruppe nutzten das Netz bereits zum Kauf oder zur Bestellung von
6 o. V., Handelsverband Deutschland, HDE-Berechnungen, Bruttoumsätze des Einzelhandels
im engeren Sinne, (ohne Kfz-Handel, Tankstellen, Brennstoffe und Apotheken)
o. O. o. J., siehe Anhang Abbildung 4
7 Heinemann Gerrit, Multi-Channel-Handel, Erfolgsfaktoren und Best Practices,
2. überarbeitete und erweiterte Auflage, Wiesbaden, 2008, S. 1
8 Link Jörg, Mobile Commerce - Gewinnpotentiale einer stillen Revolution,
Wiesbaden, 2003, S. 67
9 Bliemel Friedhelm, Kundefokus im Mobile Commerce: Anforderungen der Kunden
Anforderungen an die Kunden, in Mobile Commerce - Grundlagen, Geschäftsmodelle,
Erfolgsfaktoren, hrsg. von Silberer Günter, Wohlfahrt Jens, Wilhelm Thorsten,
Wiesbaden, 2002, S. 21
Ware und Dienstleistungen. 10 Dabei werden nicht mehr nur Bücher oder CDs im Internet verkauft, sondern auch zunehmend hochpreisige Waren und
Dienstleistungen. 11 Der Sprung in die mobile Informationsgesellschaft ist in vollem Gange. Wir stehen somit vor dem „zweiten“ Start der Entwicklung des M- Commerce.Besonders betroffen sind dabei Branchen, in denen entweder die
Mitarbeiter oder die Kunden mobil sind. 12 Dies trifft auf den stationären Einzelhandel zu. Einzelhandelsunternehmen, die heute physische Produkte
verkaufen, die jedoch digitalisierbar sind, werden eine Revolution erleben. 13 Mit einem Teil dieser häufig auch Mobile Economy genannten Entwicklung, dem M-Commerce, beschäftigt sich diese Arbeit. Welche Bedeutung kommt dem M-Commerce als eigenständige Multi-Channel-Strategie des stationären Einzelhandels zu?
1.2 Zielsetzung
Zielsetzung dieser Bachelor-Thesis Arbeit ist es nicht die häufig verwendeten Begriffe M-Commerce und Multi-Channel neu zu diskutieren, den aktuellen E-Commerce Hype auf die mobile Welt zu übertragen oder neue und vielversprechende Geschäftsmodelle zu skizzieren. Vielmehr ist das Ziel ein geeignetes Modell zu entwickeln, anhand dessen ein Ausblick auf „Die Bedeutung des M-Commerce als eigenständige Multi-Channel-Strategie des stationären Einzelhandels“ geben werden kann. Dabei werden, ausgehend von der historischen Entwicklung des M-Commerce, in Deutschland, die zukünftigen Chancen und Risiken für den stationären Einzelhandel herausgearbeitet. Dies geschieht unter Berücksichtigung und Bewertung der vergangen und gegenwertigen M-Commerce Entwicklungen.
10 o. V., Wirtschaftsrechnungen, Private Haushalte in derbInformationsgesellschaft
Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien, Fachserie 15 Reihe 4,
hrsg. von Statistisches Bundesamt, Wiesbaden, 2009
11 Stahl Ernst, Krabichler Thomas, Breitschaft Markus, Wittman Georg,
E-Commerce-Leitfaden - Erfolgreicher im elektronischen Handel,
2., überarbeitete und erweiterte Auflage, Regensburg, 2009, S. 27
12 Michelsen Dirk, Schaale Andreas, Handy Business, M-Commerce als Massenmarkt,
München, 2002, S. 117
13 Jörg Link, Mobile Commerce - Gewinnpotentiale einer stillen Revolution, S. 182
1.3 Abgrenzung
Diese Arbeit bezieht sich auf den stationären Einzelhandel und die Mobilfunkanbieter in Deutschland. Dabei wird ausschließlich die Business to Consumer Perspektive betrachtet. Die Abbildbarkeit der gehandelten Güter bleibt
dabei unberücksichtigt. 14 Somit findet keine Unterteilung in digitale Güter auf der einen und physische Güter auf der anderen Seite statt. Der Bereich mobiler Handel, der im weiteren Verlauf dieser Arbeit als M-Commerce bezeichnet wird, umfasst neben Einkaufen, Reservieren auch das Buchen von Waren oder Dienstleistungen aller Art. Er ist somit umfassender zu verstehen als die Begriffe M-Retailing und M-Shopping. Die Bereiche des Mobile Banking, Mobile Payment und Mobile Brokerage, werden in dieser Arbeit nicht weiter thematisiert, obwohl sie auch als
Bestandteil des M-Commerce betrachtet werden. 15 Als mobile Endgeräte im Sinne dieser Arbeit zählen Mobiltelefon, Smartphone und Personal Digital Assistent. Da die einzelnen Gerätetypen immer mehr konvergieren, werden sie nicht einzeln thematisiert. Unberücksichtigt bleiben auf Grund der nähe zu stationären Computern, die mobilen Computer. Die häufig auch als Laptop, Notebook oder Tablet-PC bezeichneten Geräte erbringen nicht die Eigenschaften und Mehrwerte der oben aufgeführten Geräte. Als kabellose Übertragungsmedien werden ausschließlich Mobilfunknetze und WLAN-Hot-Spots berücksichtigt. Die Technologien IrDA (Infrared Data Association) und Bluetooth finden keine Berücksichtigung, da diese beiden Technologien eher zum kabellosen Anschluss von Peripheriegeräten, als zur eigenständigen Nutzung, verwandt werden.
1.4 Vorgehensweise
Die Arbeit ist in einen einführenden Theorie- und einen ausführenden Praxisteil gegliedert. Im Rahmen des Grundlagenkapitels werden die notwendigen Herleitungen erarbeitet. Begonnen wird dabei zunächst mit dem Bereich Handel. Der
14 Illik Anton, Anwendungen des Web-Business, Lerneinheit 1, Web-basierter
Vertrieb und Marketing, Lerneinheit 1, o. O., 2003, S. 14
15 Turowski Klaus, Pousttchi Key Mobile Commerce, Grundlagen und Techniken
Berlin, Heidelberg, 2004, S. 180
nach einer allgemeinen Einführung den stationären Einzelhandel und seine Funktionen erarbeitet. Fortsetzung findet der Grundlagenteil in Ausführung und Vorstellung des Themas Multi-Channel. Dabei wird zunächst der Begriff Multi-Channel-Marketing erarbeitet. Davon ausgehend werden unterschiedliche Mehrkanalstrategien exemplarisch vorgestellt. Abschließend findet der Begriff M-Commerce Betrachtung.
Die im Grundlagenteil getroffenen Definitionen finden im weiteren Verlauf der Thesis Verwendung und bilden somit das Fundament des ableitenden Praxisteils. Im Rahmen des Praxiskapitels wird zunächst ein dreiphasiges Modell entwickelt. Dieses Modell verdeutlicht die Entwicklungsstufen des M-Commerce in Deutschland. Dabei werden, ausgehend von der historischen Entwicklung des M-Commerce, die zukünftigen Chancen und Risiken für den stationären Einzelhandel herausgearbeitet. Dies geschieht unter Berücksichtigung und Bewertung der vergangen und gegenwertigen Entwicklungen auf Basis der zukünftig zu erwartenden M-Commerce Angebote.
2 Grundlagen des Einzelhandels
Das zweite Kapitel dieser Arbeit beschäftigt sich mit den begrifflichen Grundlagen des Handels. Es erarbeitet die notwendigen Definitionen und stellt die wichtigsten Handelsformen vor. Im weiteren Verlauf werden diese eher Allgemein gehaltenen Betrachtungen auf den Einzelhandel und die damit verbunden Funktionen präzisiert. Ziel ist es, dabei die Charakteristika des stationären B2C-Einzelhandels herauszuarbeiten und eine tragfähige Basis für die weiteren Ausführungen und Herleitungen in dieser Arbeit zu schaffen.
2.1 Definition des Handels
In der einschlägigen Literatur existiert eine Vielzahl von Handelsdefinitionen. So definiert das Gabler-Wirtschaftslexikon den Begriff Handel wie folgt: „In einer arbeitsteiligen Volkswirtschaft übernimmt der Handel die Aufgabe, räumliche, zeitliche, qualitative und quantitative Spannungen zwischen der
Produktion und der Konsumtion auszugleichen." In diesem weit gefassten Verständnis ist jeder Austausch von Gütern- und Dienstleistungen Handel bzw.
Distribution, unabhängig davon, welche Betriebe ihn durchführen. 16 Dabei kann im Allgemeinen nach funktionellem und institutionellem Handel unterschieden werden. Unter funktionellen Handel versteht man den zusätzlichen Verkauf von Handelsware als Neben- oder Zusatzleistung. (Bspw. den Verkauf einer Möbelpolitur durch eine Schreinerei oder auch den Verkauf von Brötchen in einer Metzgerei.) Der größere Teil der Wertschöpfung stammt bei diesen „Handelsunternehmen“ nicht aus dieser (zusätzlich erbrachten) Handelsleistung. Im Folgenden wird jedoch ausschließlich der institutionellem Handel betrachtet, dessen Wertschöpfung sich überwiegend aus dem Verkauf von Waren und Dienstleistungen zusammensetzt. Aus diesem Verständnis heraus handelt es sich bei Handelsbetrieben um Betriebe, die ihrer Natur nach weder Gewinnungs- noch Produktionsbetriebe,
sondern vielmehr Dienstleistungsbetriebe sind. 17
2.2 Formen des Handels
Die im vorhergehenden Punkt eingeführte Handelsdefinition, ermöglicht es nun einen nächsten konkretisierenden Schritt zu tun. Dieser führt zunächst zu der Frage: In welchen Formen wird Handel betrieben und welche Ausprägungen gibt es? Die Formen des Handels lassen sich anhand typischer Merkmale unterscheiden und
einordnen. 18 Der Handel lässt sich dabei in einen dreigliedrigen Ordnungsrahmen unterteilen. Es handelt sich hierbei um die Formen des Einzel- und Großhandels sowie der Handelsvermittlung. Die beiden letztgenannten Formen werden nur aus Gründen der Vollständigkeit genannt und haben für diese Arbeit keine weitere Bedeutung. Aber was wird unter Einzelhandel verstanden? Als Einzelhandel wird jede Form der Weiterveräußerung von physischen und nicht-physischen Gütern sowie Dienstleistungen an Letztverbraucher verstanden. Diese Form des Handels
16 Henning Alexander, Schneider Willy, Handel, Gabler Wirtschaftslexikon Version 1.0
17 Woratschek Herbert, nbf - neue betriebswirtschaftliche Forschung, Band 92,
Betriebsform, Markt und Strategie, Wiesbaden, 1992, S. 26
18 Wirtz Bernhard, Multi-Channel-Marketing, Grundlagen - Instrumente - Prozesse,
Wiesbaden, 2008, S. 33
wird häufig auch als Business to Consumer (B2C) Einzelhandel bezeichnet. Dabei existieren unterschiedliche Ausprägungen des Einzelhandels wie bspw. der Versandhandel oder auch der stationäre Handel. Diese Arbeit beschäftigt sich ausschließlich mit der stationären Ausprägung. Bei dieser Ausprägung werden die Produkte an einem festen Ort zum Verkauf angeboten, üblicherweise in
Ladengeschäften. Dabei besteht eine Vielzahl unterschiedlicher Formen. Eine Einordnung dieser Formen findet in der Regel nach preis- und sortimentspolitischen Gesichtspunkten statt. So zeichnet sich das, in Zusammenhang mit Karstadt und Kaufhof häufig genannte, Warenhaus durch ein umfassendes ein sogenanntes Vollsortiment aus. Im Gegensatz dazu stehen die Discounter. Diese Betriebsform, bekannt durch Aldi, Lidl und Netto, zeichnet sich durch ein flaches Sortiment aus bei dem in der Regel die Preispolitik im Mittelpunkt steht. Fachmärkte hingegen weisen meist ein stark fokussiertes und thematisch enges, dafür aber tiefes Sortiment auf.
Über den hier ausgeführten traditionellen Ladenverkauf hinaus gibt es noch weitere Formen des stationären Handels, die jedoch ein Nischendasein führen und nur der Vollständigkeit wegen Erwähnung finden. Convenience Shops, die häufig in Form von Kiosken oder in Tankstellen auftreten, bieten Artikel des täglichen Bedarfs an, die nicht erklärungsbedürftig sind und zeitnah konsumiert werden können an. Häufig bieten diese Shops flexible Öffnungszeiten, wie verkaufsoffene Sonn- und Feiertage, oder 24/7, an. Der halbstationäre Handel, der häufig auch als ambulanter Handel bezeichnet, wird verfügt hingegen über keinen festen Standort. Häufig wechseln die Verkaufsstandorte in definierten zeitlichen Rhythmen. Eine typisches Beispiel dieser
Form ist der Straßen- oder Markthandel. 19
Wir können also somit abschließend festhalten, dass unter stationärem Einzelhandel, jede Form der Weiterveräußerung von Gütern und Dienstleistungen, von einem Ladenlokal aus, an Letztverbraucher zu verstehen ist!
19 Wirtz, Bernhard, Multi-Channel-Marketing, S. 34
2.3 Funktionen und Handelsleistung des Einzelhandels
Nachdem in den vorherigen beiden Kapiteln bereits der Handel im Allgemeinen und der Betriebstyp des stationären Einzelhandel im speziellen erarbeitet wurde, können wir uns nun den einzelhandelspezifischen Funktionen zu wenden und das Kapitel „Handel bzw. stationärer Einzelhandel“ abschließen. Die Nützlichkeit des Handels für die allgemeine Wirtschaft wird seit jeher angezweifelt. 20 Was vor allen an der Tatsache liegt, dass die durch die Handelsbetriebe erbrachten Leistungen
weitestgehend von immaterieller Natur sind. 21 Nicht zuletzt deswegen hat Die Auseinandersetzung mit dem Begriff und den Inhalten der Handelsfunktion eine
lange Tradition. 22 Aber was ist nun unter den Handelsfunktionen zu verstehen? Unter den Handelsfunktionen sind die Aufgaben zu verstehen, die der Handel als
verbindendes Glied zwischen Produktion und Konsumtion zu leisten hat. 23 Dabei können zwei Funktionstypen unterschieden werden. Es handelt sich dabei um die Typen informationsorientierte und aktionsorientierte Funktionen. Wobei nur Letztere für diese Arbeit Relevanz aufweist. Aber Welche Funktionen gibt es und was ist ihre Aufgabe? In der einschlägigen Literatur werden drei Gruppen von Handelsfunktionen genannt. Dabei handelt es sich um die Warenfunktionen, die Unterstützungsfunktionen und die Sozialfunktionen. Sie setzten sich wiederum aus entsprechenden Teilfunktionen zusammensetzen.
Zur Erstellung der Handelsleistung ist unter anderem der Einsatz von Ware notwendig, die Warenfunktion subsumiert somit alle Teilleistungen im Zusammenhang mit der zu verkaufenden Ware. In aller erster Line handelt es sich hierbei natürlich um sortimentspolitische Aspekte, wie bspw. die Sortimentsbreite und -tiefe. Das bedeutet zum einen die Definierung der Anzahl an Bedarfssegmenten sowie die Auswahl der Artikel je Bedarfssegment. 24 Die Sortimentsbildung bedarf
20 Samadi Sara, Die Servicefunktionen des Großhandels als Erfolgsfaktoren,
Wiesbaden, 2009, Seite 67
21 Barth Klaus, Hartmann Michaela, Schröder Hendrik, Betriebswirtschaftslehre des Handels,
6., überarbeitete Auflage, Wiesbaden, 2007, Seite 25
22 Lerchenmüller Michael, Handelsbetriebslehre, 2., überarbeitete Auflage,
Ludwigshafen, 1995, Seite 47
23 Falk Bernhard, Handelsbetriebslehre, 11. völlig überarbeitete Auflage,
Landsberg am Lech, 1992, Seite 41
24 Möhlenbruch Dirk, Sortimentspolitik im Einzelhandel, Wiesbaden 1994, S. 13
einer permanenten Aktualisierung, welche Produktvariationen und -innovationen der Erzeugerseite widerspiegeln.
Die Mengengruppierung ist die Zurverfügungstellung „handelsüblicher“ Mengen, die bspw. durch die Zusammenfassung von Kleinmengen oder die Zerlegung produktionsbedingter Großmengen in abnehmergerechte Kleinmengen erfolgen kann. Die Warenmanipulation umfasst alle Veränderungen an der Ware, welche deren Verwendungsreife erhöht, ohne sie jedoch in ihrer Natur zu verändern. Im Einzelnen sind dies z. B. Vorgänge des Sortierens oder Mischens, bspw. in Form von Güte- oder Größenklassen. Ebenfalls zur Warenfunktion zählen, die Unterfunktionen der Lagerhaltung und Logistik die sich aus der Raum- und Zeitüberbrückungsfunktion des Handels ergeben.
Ware alleine reicht jedoch nicht um erfolgreich Handel betreiben zu können. darüber hinaus ist der Einsatz der betrieblichen Unterstützungsfunktionen notwendig um diesen Transformationsprozess (=Handelsleistung) durchzuführen. Bei den dazugehörigen Teilfunktionen handelt es sich um die Preisbildungsfunktion, die Leistungssicherungsfunktion, die Umsatzdurchführungsfunktion, die Inkassofunktion sowie die Kommunikationsfunktion.
Die Preisbildungsfunktion beschäftigt sich mit dem Spannungsdreieck der Preisbildung durch Interessenwahrung der Anbieter und der Nachfrager und damit nicht zuletzt auch der Händler selbst. Preise ergeben sich durch das austarieren von
Angebot und Nachfrage. 25 Der beim Handelsvorgang zu findende Preis muss somit gleichzeitig mehreren Ansprüchen gerecht werden. Einerseits muss gewährleistet sein, dass der Hersteller bei effektiver und effizienter Produktionsweise durch den Verkaufspreis (= Einkaufspreis des Handels) die eigenen Kosten decken und einen gewissen Gewinnzuschlag erzielen kann, andererseits muss der Preis sicherstellen, dass der abzuleitende Verkaufspreis (= Verkaufspreis des Handels) für den Kunden nicht zu hoch ist und einen Kauf zulässt.
Die Leistungssicherungsfunktion dient zur Sicherstellung der marktüblichen Qualitätsstandard bzw. -anforderungen. Dies erfolgt durch unmittelbare Prüfung der Ware, beispielsweise durch Funktionsprüfungen bei Elektrogeräten oder Labortests für Nahrungs- und Genussmittel. Die Abwicklung der Geltendmachung von
25 Gabler Wirtschaftslexikon - Preisbildung
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