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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Rezension 4
3. Detailanalyse 6
3.1. Was ist Redekunst? 6
3.2. Die persönliche Redekunst des Frank Lehmann
im Dialog mit der Köchin Katrin im Kapitel
„Frühstück“ 7
4. Interpretationsansatz durch Hinzunahme weiterer
Textstellen 12
4.1. „Mittagessen“ 12
4.2. „Mutter“ 14
4.3. „Hauptstadt“ 16
5. Schluß 17
Literaturverzeichnis
3
1. Einleitung
In dem thematischen Proseminar „Analyse aktueller Erzähltexte“ habe ich mich insbesondere mit dem Roman „Herr Lehmann“ von Sven Regener auseinandergesetzt. Bereits während des Semesters habe ich hierzu eine Rezension verfaßt, sowie gemeinsam mit Kommilitonen ein Referat gehalten. Für die schriftliche Ausarbeitung meiner Hausarbeit habe ich als Leitgedanken die Eloquenz bzw. die Redekunst gewählt. Daher gehe ich nach der Rezension zu Beginn der Detailanalyse auf diese Begriffe ein, schließe die detaillierte Auseinandersetzung mit einem Teil des Kapitels „Frühstück“ an und werde daraufhin einen Interpretationsansatz durch Hinzunahme weiterer Textstellen aus den Kapiteln „Mittagessen“, „Mutter“ und „Hauptstadt“ anfügen.
Der vorliegende Roman lebt vornehmlich von seinen Figuren und deren Gesprächen. Anhand meines Leitgedankens möchte ich untersuchen, wie nennenswerte Gespräche der Hauptfigur entstehen, welche dramatische Funktion sie haben und woran es liegt, daß die Kommunikation teilweise scheitert. Neben den Überlegungen, wie Herr Lehmann auf seine Gesprächspartner wirkt, wie andere auf ihn wirken und was er wahrnimmt, werde ich den Fragen nachgehen, wie, wann und warum es zur Leidenschaft des Redens des Protagonisten kommt und inwiefern es sich dabei tatsächlich um Redekunst handelt.
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2. Rezension
Seiner Redekunst verpflichtet: Herr Lehmann, das alltägliche Unicum
Vergeht die Zeit schneller oder langsamer, wenn man betrunken ist? Solche und ähnliche müßig wirkende Fragen werden in Sven Regeners Roman „Herr Lehmann“ bedeutsam. Herr Lehmann, seit einem Spaß auch von seinen Freunden so genannt, ist Wahl-Kreuzberger mit Bremer Herkunft und seit Jahren in einer Kneipe beschäftigt. Überhaupt kommt ein Großteil der Menschen in Kreuzberg aus Bremen, Schwaben oder aus dem „fernen Osten“, wie man von ihm erfährt. Er geht auf die dreißig zu, was für ihn unerträglich ist, denn da beginnt man eine Vergangenheit zu haben und fängt an, von der guten alten Zeit zu reden „und so“. Herr Lehmann ist umgeben von Menschen, die nicht nur Kellner oder Wirte sein wollen, sondern ja eigentlich Künstler oder Studenten sind, auch wenn sie schon längst an der Gastronomie hängen geblieben sind.
Der Protagonist kommt nicht unbeschwert durch das Werk. Die Begegnung mit einem häßlichen, penetranten Hund, der Besuch seiner Eltern, der Versuch zwischen Frühstückern ein Mittagessen zu bekommen und ein folgenschwerer Auftrag seiner Eltern machen Lehmann zu einem Helden, der trotz aller Umstände gelassen bleibt.
Sven Regener hatte mit diesem Wenderoman sein Roman-Debüt. Besser müßte man sagen mit einem Kneipen-Roman in der Wendezeit und zwar am (Grenz-)Ort des Geschehens in 1 Berlin 36, wie man den betreffenden Teil Kreuzbergs 1989 noch nannte. Die Beschreibung seiner Hauptfigur mutet leicht autobiographisch an: Figur und Autor kommen aus Norddeutschland, leben gegen Ende der Achtziger in Berlin und haben in dieser Zeit etwa das gleiche Alter. Bei der Musik sieht es jedoch anders aus. Sven Regener als Sänger der Gruppe Element of Crime steht einem Herrn Lehmann gegenüber, für den Musik nur in der Kneipe lediglich den Hintergrund ausmacht, aber sonst, wie überhaupt die Kunst, eine untergeordnete Rolle spielt. Dennoch bewundert Lehmann die Künstler, betrachtet sie, gerade weil er es selbst nicht kann und auch sonst wenig Ambitionen hat, wertschätzend. Sein bester Freund Karl z.B. ist so ein Künstler, überhaupt einer, mit dem er gut auskommt und mit dem er gut aufeinander eingestellt arbeiten kann. Als dieser jedoch in Depressionen
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verfällt, schlägt die sonst so interessante Genauigkeit, die sich in langen verschachtelten, dennoch gut verständlichen und penibel genau den Sachverhalt erklärenden Sätzen äußert um in allzu detaillierte Beschreibungen.
Obwohl nie eine zerreißende Spannung herrscht, ist der Roman dabei nicht langweilig. Genauso wenig wie seine Hauptfigur. Zwar ist diese nicht hyperaktiv und zieht sogar noch an einem freien Abend von Kneipe zu Kneipe, dafür ist Herr Lehmann aber mit einer enormen Eloquenz, Umsicht, Rücksicht und Vorsicht ausgestattet, daß man ihn einfach mögen muß, denn es sind immer wieder die Kleinigkeiten des Lebens und die unreflektierten Selbstverständlichkeiten, gegen die Regener seine Hauptfigur in Wort und manchmal auch in Tat aufbegehren läßt. Somit ist für Herrn Lehmann die Vernunft und der Sinn für eine vernünftige Ausdrucksweise, auf die er Wert legt, bestimmend, was ihm die Auseinandersetzungen mit seiner Mutter am Telefon, seinem Chef in der Kneipe und von Zeit zu Zeit auch mal mit einem Beamten auf der Straße oder beim Verhör erschwert. Wer diesbezüglich mit ihm klarkommt, den mag er. Eine davon ist Katrin, in die er verliebt ist, die ihn jedoch nur liebt, denn das ist für sie ein Unterschied. Auch in bezug auf diese Beziehung wirkt der Roman wenig romantisch, vielmehr ist man immer mit den Gedanken des Herrn Lehmann konfrontiert, die den Leser trotz oder wegen seiner exakten Beobachtungen alle paar Seiten zum Lachen bringen kann. Und das, was er denkt, trägt den Absender eines einfachen und grundguten Menschen, der sich ab und an dabei ertappt, etwas zu sagen oder zu denken, was er eigentlich nicht leiden kann.
Die Bühne des Geschehens ist eher klein. Regner läßt Lehmann mehrere Straßen entlang gehen und beschreibt damit im Grunde nur das alte West-Berlin zur Vorwendezeit. Immer neuen Antrieb bekommt der Leser jedoch durch die überzeugenden Dialoge, die herrlich langen Sätze und die Charaktere aller Akteure, die nicht einfach einer Schublade zuzuordnen sind. Überdies ist es der sonst eher alltägliche Protagonist, der durch seinen Umgang mit außergewöhnlichen Begebenheiten dem Roman seine Besonderheit verleiht. Und letztlich will man ja noch erfahren, wie es für Herrn Lehmann ausgeht, der sich nur in 1 Berlin 36 wohl fühlt und für den eine Fahrt zum Kudamm zum schweißtreibenden Unterfangen wird, an dem es sich lohnt, teilzuhaben.
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3. Detailanalyse
3.1. Was ist Redekunst?
Um zu dem Begriff Eloquenz eine genauere Beschreibung in der Sekundärliteratur zu finden, bedarf es u. U. einer längeren Suche, sofern man nicht bald auf das richtige Buch mit den notwendigen detaillierten Erklärungen stößt. Selbst in der Brockhaus-Enzyklopädie finden sich keine Ausführungen, es werden lediglich die Vokabeln Beredtheit und Wortgewandtheit aufgeführt. Ein etwas größeres Bild bekommt der Suchende schließlich im Sachwörterbuch zur Deutschen Literatur, in dem er von der lateinischen Vokabel für rednerischen Ausdruck und Stil, Elocutio, an den aus dem Griechischen stammenden Begriff Rhetorik verwiesen wird.
Rhetorik steht für die Kunst der Rede, und zwar für die Fähigkeit des wirkungsvollen Redens, sowie für die dazugehörige Theorie und Kunstlehre. Schon in der Antike meinte dieser Begriff nicht nur die mündliche Beredsamkeit, sondern auch die verschiedenen (schriftlichen) Arten der Kunstprosa. Diese Kunstlehre, die ein differenziertes Modell zur Herstellung und Analyse von Texten bot und mit ihren Regeln Verbindlichkeit beanspruchte, verstand sich als charakterbildend sowie als Grundlage und Voraussetzung für ein Studium an den höheren Fakultäten bis hin zur frühen Neuzeit. Die Regeln äußerten sich beispielsweise in den vorgegebenen Stadien der Textproduktion. Nach der Sammlung von Argumenten und Materialien sollten diese in einer sinnvollen Weise gegliedert werden, woraufhin die schriftliche Ausarbeitung des Konzepts auf der Basis der ausgearbeiteten Stillehre erfolgte. 1
Für die weitere Entwicklung der Rhetorik stand in Deutschland vor allem ihre Integration in das Schulwesen, verwirklicht insbesondere an Schulen in Trägerschaft der Jesuiten. 2
Die Absicht eines Redners ist es, seine Zuhörer von der Richtigkeit seiner Sache, seines Standpunktes oder seiner Denkweise zu überzeugen. Um zu klären, wie es für den Protagonisten des Romans zur Leidenschaft des Redens kommt und ob es sich
1 In der Antike gehörte nach der sprachlich-stilistischen Umsetzung auch das Auswendiglernen der Rede vor dem Vortrag zur Textproduktion.
2 Meid, Sachwörterbuch zur Deutschen Literatur, S. 438-441.
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Gregor Laschewski, 2002, Die persönliche Redekunst der Hauptfigur des Romans "Herr Lehmann" von Sven Regener, Munich, GRIN Publishing GmbH
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