Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 3
2. Leiharbeit - Definitionen und Zahlen. 4
2.1 Was ist Leiharbeit? 4
2.2 Situation in Deutschland. 5
3. Vorteile von Leiharbeit 6
3.1 Flexibilisierungen und Absicherungen für die Einsatzbetriebe. 7
3.2 Disziplinierung der Belegschaft 8
3.3 Rückkehrchance zu einem Normalarbeitsverhältnis 8
3.4 Abbau von Arbeitslosigkeit 10
4. Nachteile von Leiharbeit. 11
4.1 Unsicherheit des Arbeitsplatzes 12
4.2 Lohneinbußungen 13
4.3 Konflikte innerhalb der Belegschaft 15
4.4 Geringe betriebliche Partizipation der Leiharbeiter 15
5. Fazit 17
6. Literaturverzeichnis. 20
7. Anhang. 21
8. Eigenständigkeitserklärung 25
2
1. Einleitung
Arbeit befindet sich im Wandel. Normalarbeitsverhältnisse, sprich unbefristete Anstellungen in Vollzeit, werden vor allem in Zeiten von Wirtschaftsrezessionen seltener. Parallel dazu werden dann atypische Beschäftigungsverhältnisse, worunter auch die Leiharbeit fällt, häufiger angeboten.
Das Thema Leiharbeit ist in den letzten Jahren zu einem umstrittenen Diskurs in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft geworden. Die eine Perspektive dabei betrachtet Leiharbeit als deutliche Benachteiligung und Sackgasse für die Arbeitnehmer, welche kurz- oder mittelfristig keine Aussicht auf ein Normalarbeitsverhältnis haben. Die andere Sichtweise erkennt in der Leiharbeit unter anderem eine Möglichkeit zum Abbau von Arbeitslosigkeit und zuvor Erwerbslose wieder dauerhaft in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Ebenso positiv wird die Auswirkung von Leiharbeit auf die Betriebe, die diese einsetzen, angesehen. Damit könnten dann letztendlich auch konjunkturelle Aufschwünge verbunden seien.
Bei der Diskussion um Leiharbeit gilt es allerdings auch zu beachten, dass in Deutschland mittlerweile eine Diskrepanz zwischen der gefühlten Signifikanz von Leiharbeit und ihrer tatsächlichen, die sich im Anteil von Leiharbeitnehmern an den Erwerbstätigen äußert, existiert. Die gefühlte Bedeutung der Leiharbeit, bzw. auch die Empörung darüber, ist zur ihrer tatsächlichen nämlich unverhältnismäßig höher. Auch wenn die Statistiken dann doch den Eindruck erwecken können, dass Leiharbeit insgesamt relativ unsignifikant ist, ist die starke Zunahme von Leiharbeit in den letzten Jahrzehnten in Deutschland ein nicht von der Hand zuweisender Fakt. Die Frage, was Leiharbeit für Arbeitnehmer, Arbeitgeber und den Arbeitsmarkt denn letztendlich konkret bedeutet, ob sie sich fördernd oder hemmend auf diese auswirkt, bleibt jedoch bestehen. Die vorliegende Seminararbeit hat sich dementsprechend zum Ziel gesetzt, den Fall Leiharbeit auf seine positiven und negativen Aspekte zu untersuchen.
Dabei wird die These vertreten, dass Leiharbeit eine Form von Prekarisierung darstellt anstatt eine wahre Chance zu sein. Das Prekaritätsrisisko betrifft hier vor allem die Arbeitnehmer, um die es bei der
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Debatte schließlich hauptsächlich geht. Ob Leiharbeit nun eine Beschäftigungsmöglichkeit, ein Sprungbrett oder eine
Aufschwungsmöglichkeit für Wirtschaft und Arbeitsmarkt sein kann, letztendlich soll all dies dem Arbeitnehmer zu Gute kommen. Zur weiteren Ausführung des Themas erfolgt im an diese Einleitung anschließenden Hauptteil zunächst eine Übersicht zu den allgemeinen Definitionen und Statistiken zur Leiharbeit in Deutschland. Darauf folgen je ein Kapitel zu den Vor- und Nachteilen von Leiharbeit. Abschließend soll dadurch ein Fazit mit der Beantwortung der Eingangsfrage und der Verifizierung der These gezogen werden.
2. Leiharbeit - Definitionen und Zahlen
2.1 Was ist Leiharbeit?
Leiharbeit ist ein Dreiecksverhältnis zwischen einem selbstständigen Unternehmen (Verleiher), seinem Arbeitnehmer (Leiharbeiter) und einem Dritten (Entleiher). Der Verleiher stellt seinen Arbeitnehmer dem Entleiher für die Erbringung einer Arbeitsleistung zur Verfügung. Leiharbeit ist immer auch als Zeitarbeit ausgelegt. Die Arbeitsverträge zwischen dem Verleiher und seinen Arbeitnehmern sowie die Aufträge der Entleiher sind zumeist befristet, auch wenn das gesetzlich nicht mehr vorgesehen ist und sich einzelne Beschäftigungsverhältnisse über längere Zeiträume vollziehen können. Die Verleihunternehmen bezeichnen sich deshalb in der überwiegenden Mehrheit als Zeitarbeitsfirmen. Ein Leiharbeiter ist bei diesen angestellt und besitzt dort die üblichen Arbeitnehmerrechte. Der Vertrag zwischen Verleiher und Leiharbeiter verpflichtet den Arbeitnehmer zur Erbringung seiner Arbeitsleistung beim Entleiher und den Verleiher zur Entlohnung des Leiharbeiters. Der Lohn wird dabei vom Entleiher an den Verleiher ausgezahlt, welcher wiederum nach Abzug der eigenen Kosten und des eigenen angestrebten Ertrags den Rest an den Leiharbeiter auszahlt. Zwischen Verleiher und Entleiher besteht hingegen ein
Arbeitnehmerüberlassungsvertrag. Dieser regelt, dass der Verleiher dem
4
Entleiher den Leiharbeitnehmer bereitzustellen hat und das der Entleiher
dafür eine Überlassungsgebühr an den Verleiher zahlen muss. 1 Neben den reinen Zeitarbeitsunternehmen, entleihen auch einige Unternehmen innerhalb ihres Gewerbes hin und wieder wenige Beschäftigte an Dritte, zum Beispiel im Rahmen von Arbeitsgemeinschaften. Hierbei handelt es sich mehrheitlich um kleinere Betriebe. Aber auch größere Unternehmen schufen im Rahmen von Umstrukturierungen interne Arbeitnehmerüberlassungen als Tochterunternehmen, um Teile der Belegschaft als Leiharbeiter auszugliedern oder Arbeitskräfte an andere
Unternehmensteile zu vermitteln. 2
2.2 Situation in Deutschland
Die Leiharbeitsbranche in Deutschland, die hier seit den 1970er Jahren ansässig ist, ist in den letzten Jahren stark gewachsen. 2000 gab es in Deutschland noch ca. 30.000 Leiharbeitnehmer, 2008 waren es mehr als 800.000, während es aktuell etwa 750.000 sind. 3 2007 waren 14.400 reine Zeitarbeitsunternehmen gemeldet, davon 8100 als Hauptsitz der Firma. Insgesamt überließen 20.800 Betriebe auf die eine oder
andere Weise Arbeitnehmer an Dritte. 4
Besonders in großen Metallbetrieben hat sich Leiharbeit immer weiter ausgebreitet. In einigen Fällen stellen Leiharbeiter bis zu über einem Drittel der Belegschaft. 5
Relativ gesehen ist das Feld der Leiharbeit allerdings klein. 2008 waren lediglich zwei Prozent aller abhängig Beschäftigten und 2,7 Prozent der an die Sozialversicherungen zahlenden Arbeitnehmer Leiharbeiter. 6 Die Mehrheit der Leiharbeiter waren im Juni 2007 einfache Hilfsarbeiter (s. Abb. 1). Etwa sechzig Prozent übten eine einfache Tätigkeit aus, für die eine
kurze Einweisung oder Anlernzeit ausreicht. 7
1 Glaubitz, 2009
2 Brenke / Eichhorst, 2008, S. 245
3 Glaubitz, 2009; Koch, 2010; der leichte Rückgang 2010 ist durch die Wirtschaftskrise bedingt
4 Brenke / Eichhorst, 2008, S. 245
5 Vgl. Glaubitz, 2009
6 Brenke / Eichhorst, 2008, S. 245; in anderen Ländern Europas ist der Anteil in etwa gleich oder sogar noch wesentlich höher: 2006 waren es 4,5 Prozent in Großbritannien, 2,5 in den Niederlanden und 2,4 in Frankreich
7 Ebd., S. 247
5
Interessant ist noch der geringe Frauenanteil unter den Leiharbeitern. Nur ein Viertel aller Zeitarbeitnehmer waren 2007 weiblich. Eine Begründung dafür
sei, dass Leiharbeit überwiegend in beruflichen Männerdomänen vorkäme. 9
3. Vorteile von Leiharbeit
Leiharbeit bietet vor allem der Arbeitnehmerseite, wobei hier die Entleihbetriebe gemeint sind, betriebswirtschaftliche Vorteile. Die entstehenden Vorteile für die Entleihbetriebe sind einerseits ökonomischer Art, da ein Leiharbeitseinsatz Kosten spart und sich positiv auf den Profit auswirken könnte. Andererseits bringt er auch strukturelle Vorteile, da die betriebliche Organisation im Personalwesen entlastet wird. Leiharbeit hat also mehrere Funktionen. Einige davon sind offensichtlicher als andere. Direkte Gründe warum Betriebe auf Leiharbeiter zurückgreifen sind in erster Linie Möglichkeiten zur flexiblen zeitlichen Nutzung der Arbeitnehmer. Die weiteren Funktionen sind eher positive Nebenwirkungen, die sich zusätzlich ergeben können.
Aber auch für die Leiharbeitnehmer selbst besteht die Chance, Vorteile aus dieser Form der Beschäftigung zu ziehen und dadurch später eventuell an ein Normalarbeitsverhältnis zu gelangen. Diese Möglichkeit entwickelt sich vor allem längerfristig, nicht unbedingt sofort mit der Einstellung bei einem
8 Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Berechnungen des DIW Berlin
9 Brenke / Eichhorst, 2008, S. 248
6
Arbeit zitieren:
Roman Milenski, 2010, Leiharbeit - Chance oder Prekarisierung?, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
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