Inhaltsverzeichnis
1 Hinführung zum Thema 2
2. Literaturmuseen: Grenzen und Möglichkeiten 4
2.1 Theorie der Unausstellbarkeit von Literatur 4
2.2 Aufgaben und Funktionen eines Literaturmuseums 5
3. Das Erich Kästner Museum - das mobile, interaktive micromuseum 7
3.1 Der konzeptuelle Ansatz 8
Exkurs : Das Verhältnis von Kunst und Architektur 9
3.2 Das architektonisch-philosophische Konzept O’Briens 10
3.3 Das Ergebnis und seine inhaltliche Konzeption 12
3.4 Kritische Betrachtung und offene Fragestellungen 14
4 Schlussbetrachtung 16
5 Quellen- und Literaturverzeichnis 18
2
1 Hinführung zum Thema
Ein Museum ist „eine gemeinnützige, ständige, der Öffentlichkeit zugängliche Einrichtung im Dienst der Gesellschaft und ihrer Entwicklung, die zu Studien-, Bildungs- und Unterhaltungszwecken materielle Zeugnisse von Menschen und ihrer Umwelt beschafft, bewahrt, erforscht, bekannt macht und ausstellt.“ 1 Zudem tritt der Faktor der Ortsgebundenheit hinzu.
Diese traditionelle Definition der Institution Museum und ihrer bestimmenden Aufgaben wurde vom ICOM aufgestellt und findet auch in der heutigen Zeit ihre Anwendung. Es wird jedoch innerhalb dieser Arbeit herauszustellen sein, dass einige Aspekte dieser Definition einer Aktualisierung bedürfen und eine gewisse Fokussierung, im Sinne von Hierarchisierung, einzelner Schlüsselbegriffe erfolgen sollte bzw. bereits erfolgt ist. Denn zwei „Zeitdiagnosen bewegen wesentlich das Selbstverständnis und die Praxis der Museen: die der Erlebnisgesellschaft und die der Mediengesellschaft.“ 2 Das Museum muss mit der gegenwärtigen Eventkultur konkurrieren, wodurch sich Fragen wie beispielsweise - „Passt das Museum noch in die Erlebnisgesellschaft?“ 3 - ergeben. Die Reaktion der Museen auf veränderte gesellschaftliche Bedürfnisse und individuelle Rezeptionsvorgänge verdeutlicht sich in der Öffnung ihrerseits gegenüber neuen Medien und dem Versuch, „mit Ausstellungskonzeptionen, welche die Besucher stärker einbinden [und ansprechen], in Zeiten schwindender staatlicher Zuschüsse, ihr Überleben zu sichern.“ 4 Viele Museen begreifen sich heute als Einrichtung, welche aktiv auf die Bedürfnisse und Interessen ihrer Besucher eingehen. 5 In diesem Zusammenhang erlangt die Präsentation einen enormen Stellenwert, da der allgemeine Eindruck einer „Uniformiertheit“ 6 von Museen und ihrer Ausstellungspraxis aufgehoben werden soll. Ebenso geht eine begriffliche und perspektivische Veränderung mit den neuen Entwicklungen einher - es handelt sich nicht mehr um den Museumsbesucher, sondern um den Museumsnutzer. 7 In einer erlebnisorientierten Mediengesellschaft ist die Institution gezwungen auf die Bedürfnisse und Anforderungen der Gesellschaft und
1 http://www.museumsbund.de/cms/index.php?id=135
2 http://edoc.hu-berlin.de/humboldt-vl/kallinich-joachim-2002-02-12/PDF/Kallinich.pdf
[ Kallinich, Joachim: Keine Atempause - Geschichte wird gemacht. Museen in der Erlebnis- und
Mediengesellschaft. Antrittsvorlesung 2002.]
3 Ebd.
4 http://www.architekturpsychologie-dresden.de/ddarbeiten/kackrow_museumsgestaltung.pdf
5 Ebd.
6 Mergen, Simone: Das besucherorientiert Museum - ein Erfolgsrezept. In: O’Brien (Hrsg.): Das Museum im
21.Jahrhundert. Dresden: TUDpress 2007, S.17.
7 Vgl. http://www.architekturpsychologie-dresden.de/ddarbeiten/kackrow_museumsgestaltung.pdf
3
potentiellen Museumsnutzer einzugehen, um ihren Charakter der Antiquiertheit aufzulösen und ihre Existenz sowie ihr Fortbestehen in befriedigendem Maße zu gewährleisten. Ziel dieser Arbeit soll es sein, den besonderen konzeptuellen Ansatz des Erich Kästner Museums in Dresden zu betrachten und in den gegenwärtigen Diskurs bezüglich Aufgaben und Anforderungen von Museen im aktuellen Veränderungsprozess einzugliedern. Hierzu wird zudem der Status von Literaturmuseen und ihrem Ausstellungsobjekt - der Literaturfokussiert. Es erfolgt eine kurze Darstellung der Theorie zur Unausstellbarkeit von Literatur. Aus dieser Betrachtung leitet sich im Anschluss eine Darlegung der Aufgaben und Anforderungen an Literaturmuseen im Ausstellungsdiskurs und aktuellen veränderten gesellschaftlichen Kontext her.
Diese vorausgehenden Ausführungen dienen der Grundlegung zur Betrachtung des konzeptuellen Ansatzes des Erich Kästner Museums und seinem singulären, ersten mobilen interaktiven micromuseum ® der Welt. O’Briens architektonisch-philosophischer Ansatz sowie die inhaltliche Konzeption des Museums werden untersucht und hinsichtlich ihrer Innovativität und Besonderheit beleuchtet, das Verhältnis von Kunst und Architektur, Hülle und Kern finden nähere Betrachtung. Zentrale Fragestellungen sind hierbei:
- Kann man mit Kunst/Architektur Literatur ausstellen?- Kann Kunst, im Sinne von Architektur, als adäquate Lösung angesehen werden, um Literaturmuseen an gegenwärtige veränderte gesellschaftliche Verhältnisse und Bedürfnisse anzupassen und den Diskurs der Unausstellbarkeit in eine neue Denkrichtung zu leiten? -
4
2. Literaturmuseen: Grenzen und Möglichkeiten
Die gesellschaftlichen Umbrüche führen zu Veränderungen der Museen. Dies inkludiert das Literaturmuseum ebenso wie andere derartige Institutionen. Das Literaturmuseum nimmt jedoch in der wissenschaftlichen Diskussion einen Sonderstatus hinsichtlich seines musealen Objektes - Literatur - ein. Die Theorie der Unausstellbarkeit begründet diesen. Es folgt nun eine kurze Darstellung des Diskurses. Resultierende Forderungen und Aufgaben von Literaturmuseen, besonders unter dem Aspekt der dargestellten Veränderungen, im Sinne von Neuorientierungen und -ordnungen, werden im anschließenden Abschnitt näher betrachtet.
2.1 Theorie der Unausstellbarkeit von Literatur
„Literatur und literarische Prozesse können in der literaturmusealen Ausstellung weder ausnoch dargestellt werden.“ 8 Damit begründet Wolfgang Barthel 1984 die Theorie der Unausstellbarkeit von Literatur. Dieses Zitat gibt die Ansicht wider, welche die bisherige Diskussion über Literaturausstellungen prägt. Verschiedene Argumente stützen diese These. So wird Literatur als unsinnliches Medium betitelt, welches auf die private Leserezeption abziele. 9 Des Weiteren sei Literatur immateriell und daher unausstellbar. Zudem könne ein literarisches Kunstwerk nur höchst fragmentarisch vorgezeigt werden und somit keinen Anspruch von Ganzheitlichkeit erfüllen. 10 Aufgrund dieser musealen Eigenschaft von Literatur wird nicht sie, sondern ihr Umfeld gezeigt. Das Literaturmuseum bietet demnach „Substitute für das an sich Unausstellbare“ 11 an. Diese „produktiven Substitute“ 12 , im Sinne von Exponaten, fungieren als Übersetzungen der Literatur. „Das Literarische sei jedoch nur mit Verlust in die Sprache der Ausstellung zu übersetzen.“ 13 Es erfolgt ein zwangsläufiges Ausweichen auf Umfeldgegebenheiten des Literarischen: auf „Entstehungsbedingungen, Rezeptionsweisen und […] Biografie des Autor.“ 14 Viele, unter anderem Christina Didier, kritisieren diesen Aspekt: Im Literaturmuseum fände man nur unzureichende Abbilder des
8 Wehnert, Stefanie: Literaturmuseen im Zeitalter der neuen Medien. Leseumfeld, Aufgaben, didaktische
Konzepte. Kiel, Ludwig 2002, S.74. [zitiert nach Wolfgang Barthel - Barthel: Literatur und museale
Präsentation. In: Literarische Ausstellungen 1945-1985.]]
9 Vgl. Lange-Greve, Susanne: Die kulturelle Bedeutung von Literaturausstellungen. Konzepte, Analysen und
Wirkungen literaturmusealer Präsentationen. Hildesheim, Zürich, New York: Olms-Weidmann 1995, S.86.
10 Vgl. Wehnert: Literaturmuseen im Zeitalter der neuen Medien, S.74.
11 Lange-Greve: Die kulturelle Bedeutung von Literaturausstellungen, S.86. [zitiert nach Wolfgang Barthel]
12 Wehnert: Literaturmuseen im Zeitalter der neuen Medien, S.76. [zitiert nach Wolfgang Barthel, siehe Fußnote
8]
13 Lange-Greve: Die kulturelle Bedeutung von Literaturausstellungen, S.86.
14 Ebd., S.90.
5
Dichters und Umfeldes, nie die Sache selbst. 15 Susanne Lange-Greve fasst die Situation und Problematik der literaturmusealen Beschränktheit wie folgt zusammen: „Es bleibt ein offensichtliches Defizit von literarischen Ausstellungen, Literatur nicht vorzeigen zu können. Sie sind gerade weil sie alles in Anschaubares übersetzen müssen, in Bezug auf den Darstellungsgegenstand abstrakt, abgehoben inadäquat.“ 16
2.2 Aufgaben und Funktionen eines Literaturmuseums
Aus der kurz skizzierten Diskussion lassen sich praxisorientierte und umsetzungsbezogene Konsequenzen folgern. Die Frage, welche Aufgaben einem Literaturmuseum explizit zukommen und wie man es mittels einer besonderen Konzeption schaffen kann, die Anforderungen und Ansprüche der heutigen Gesellschaft zu befriedigen, stellt sich. Das Defizit von Literatur als museales Objekt kann nicht gänzlich beseitigt werden, so kann man doch aber versuchen, die auferlegten Grenzen der Literaturausstellung mithilfe innovativer Konzepte etc. aufzuweichen bzw. moderne Umgangsmöglichkeiten mit diesem Medium innerhalb der Museumspraxis aufzuzeigen.
Ausgehend von der traditionellen Auffassung des Literaturmuseums und seinem Aufgabenfeld erfolgt ein Ausblick auf Möglichkeiten optimierter literaturmusealer Präsentation.
Literarische Museen und Gedenkstätten dienen der „literarischen Kommunikation in der Gesellschaft“ 17 . Neben dieser bedeutenden sinnstiftenden Funktion kommt ihnen zudem traditionell die Aufgabe zu, Persönlichkeiten der Literatur und ihre Werke innerhalb der Entstehungsbedingungen, deren Wirkungsgeschichten bis in die Gegenwart einem großen differenzierten Publikum vorzustellen und ästhetisch anregend zu wirken. 18 Diese zu vermittelnden Kenntnisse sowie die Einordnung eines Einzelwerkes in den Zusammenhang des gesamten Schaffens haben zum Ziel, das Verständnis der komplexen ästhetischen Produktion zu forcieren. 19 Des Weiteren beinhaltet das Literaturmuseum, ausgerichtet auf eine schaffende Persönlichkeit, neben der Museumsfunktion auch die Funktion eines
15 Vgl. Wehnert: Literaturmuseen im Zeitalter der neuen Medien, S.74. [zitiert nach Christina Didier - Didier:
Probleme des Literaturmuseums als Anreger. In: Literarische Ausstellungen 1945-1985.]
16 Lange-Greve: Die kulturelle Bedeutung von Literaturausstellungen, S.91.
17 Barthel, Wolfgang: Literaturausstellungen im Visier. Zu den ständigen Ausstellungen im Reuter-
Literaturmuseum Stavenhagen, in der Reuter-Gedenkstätte Neubrandenburg und zur Herder-Ausstellung im
Kirms-Krackow-Haus Weimar. In: Neue Museumskunde. Theorie und Praxis der Museumsarbeit 27 (1984),
H.1, S.4.
18 Vgl. Wehnert: Literaturmuseen im Zeitalter der neuen Medien, S.80.
19 Vgl. ebd.
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Arbeit zitieren:
Maria Brückner, 2009, Eine Analyse der literaturmusealen Konzeption des Erich Kästner Museums, München, GRIN Verlag GmbH
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