1 Einführung
Albrecht von Wallenstein ist eine faszinierende Persönlichkeit in der Geschichte des Dreißigjährigen Krieges. Die Quellenlage zu seiner Person und seinem Wirken ist sehr spärlich und teilweiße widersprüchlich. Deshalb erscheint es schwer eine eindeutige Aussage über die Gründe seiner Ermordung zu finden. Man kann nur Schlussfolgerungen aus seinen Taten und den Reaktionen seiner Offiziere und des Kaisers ziehen. Im Folgenden wird versucht, anhand der Verwendung verschiedener Quellen die möglichen Ursachen für seinen Tod darzustellen.
1
2 Wallensteins zweites Generalat
2.1 Die Verhandlungen mit dem Kaiser
Nach der ersten Entlassung Wallensteins im Jahre 1630 stand das Reich schlecht da. Die Schweden, mit ihrem König Gustav Adolf, sind ins Land eingefallen, erheben Gebietsansprüche auf Polen und versuchen die Nord- und Ostseeküste für sich einzunehmen. Sie treten als Verbündete des protestantischen Dänemark und Frankreich in den 30-jährigen Krieg ein. Der deutsche Kaiser Ferdinand II. besitzt, nach der Entlassung Wallensteins, nur noch die Armee des bayrischen Kurfürsten Maximilian, geführt von General Tilly. Diese Armee, mit einer Mannstärke von 14.000, ist allein nicht in der Lage die Schweden wieder zurück zu treiben. Der Kaiser bittet die Spanier um Hilfe, die aber sind selbst im Krieg mit den Niederlanden und Italien.
Somit sieht der Kaiser nur noch einen Weg, Wallenstein, seinen eigentlich besten und treuesten Feldherrn, wieder auf das Schlachtfeld zu rufen. Doch dieser ist nach seiner Entlassung stark gekränkt und lässt sich mehr als nur bitten. Er wurde entlassen, weil die Berater des Kaisers und der Kaiser selbst seine Eigenmächtigkeit in den Friedensverhandlungen mit Dänemark, als Überschreitung seiner Kompetenzen ansah. Zudem wurde Wallenstein zum Sündenbock für alles erklärt, was in den Kriegshandlungen bis 1629 schief gegangen ist. Man unterstellte ihm, er wolle des Haus Habsburg entmachten und sich selbst an die Spitze zu stellen. Der Kaiser konnte die Anschuldigungen gegen Wallenstein, auf dem Kurfürstentag in Regensburg 1630, nicht mehr zurückweißen. Daraufhin nahm man dem Herzog von Friedland seine Ländereien in Mecklenburg und Norddeutschland und auch seine Ehre.
Jetzt, da der Kaiser stark unter Druck steht, vergisst er diese Sache und besinnt sich, dass Wallenstein der beste und einzige ist, der Gustav Adolf aufhalten kann. Wallenstein lehnt die ersten beiden Bitten des Kaisers kategorisch ab. Er geht nicht einfach so wieder zurück in den Dienst des Habsburger Kaisers. Wallenstein stellt hohe Forderungen bei einem Treffen mit dem Gesandten Eggenberg des Wiener Hofes. Der Herzog von Friedland will nur drei Monate „Generalcapo“ werden, nur Organisator und nicht Führer des Heers sein, will das Heer nicht bezahlen aber dafür auch nicht selbst bezahlt werden. Er betont nochmals
2
auch nach den drei Monaten nicht die Führung des Heeres zu übernehmen. Er will außerdem eine unbeschränkte militärische Vollmacht, Bestimmung über Art und Ort der Kriegsführung, Stärke des Heeres und Einsatz der Regimenter, neben ihn keinen anderen unabhängigen Heerführer, keine äußere Einmischung, kaiserliche Befehle an die Armee nur wenn er zustimmt, Kontributionen nach seinem Ermessen in Friedland und Böhmen und das wichtigste, freie Hand bei den Friedensverhandlungen. Der Kaiser geht auf alles ein und bietet ihm zusätzlich Groß-Glogau oder die Lausitz als Herzogtum an. Wallenstein nimmt dankend Groß-Glogau und wird wieder General der kaiserlichen Armee am 13. April 1632. Diese Verhandlung geht später als Göllersdorfer Vertrag in die Geschichte ein, welche aber nicht mehr aufzufinden ist. Er wurde wahrscheinlich nach dem Tod Wallensteins vernichtet. 1 Wallensteins eigene Gründe für die Zusage werden unterschiedlich beschrieben. Einer der Hauptgründe, soll die Sehnsucht nach einem schnellen Reichsfrieden sein. Er will den Frieden, weil der Kaiser der Einzige sei, der das Reich in Religion und Adel befrieden kann, wenn erst einmal der äußere Friede erreicht worden ist. 2 Wallenstein sah sich wohl als Friedenstifter Europas und wollte die protestantischen und katholischen Heere vereinen, zum politischen-konfessionellen Status von 1618 zurückkehren und Krieg gegen alle, die den Frieden in Deutschland nicht wollten. 3 Somit beginnt der Herzog so schnell wie möglich mit dem Aufbau eines Heeres. Dies lässt sich leicht aufstellen, da alle ihm zugelaufen kommen und somit wächst die Armee sehr schnell auf fast 100.000 Mann an. Er hat 49 Offiziere, die seine Regimenter führen, darunter sind General-Feldmarschall Mathias von Gallas, General Octavio Piccolomini, General Johann von Aldringen, General- Feldmarschall Rudolph von Coloredo, General Hans Ulrich von Schafgotsch, Obristenführer Christian von Illow, Feldmarschall- Leutnant Adam Trčka und Feldmarschall Wilhelm Kinsky. Ihnen vertraut Wallenstein blindlings, besonders Piccolomini, da er auch im selben Sternbild geboren ist und er außerdem äußerst ehrgeizig und intelligent ist. Doch sind einige unter ihnen die ihn später hintergehen und töten wollen.
Während des Kriegsverlaufes versucht der Generalcapo ständig mit Gustav Adolf zu verhandeln. Gleichzeitig schafft es Wallenstein die Schweden innerhalb weniger Monate aus Süddeutschland zu vertreiben mit äußerst geringen Verlusten. Hinzu kommt dass jetzt auch Tillys Heer mit Wallensteins vereint wird. Somit kann man die Schweden bis Sachsen
1 Diwald, Helmut, Wallenstein - Eine Biografie, Frankfurt a.M. 1985, S. 476-545.
2 Diwald, Helmut, Wallenstein - Eine Biografie, Frankfurt a.M. 1985 S. 478f.
3 Miek, Ilja, Wallenstein 1634 - Mord oder Hinrichtung?, in: Alexander Demandt (Hg.), Das Attentat in der Geschichte,
Köln/Weimar/Wien 1996, S. 146, S. 476-545.
3
zurücktreiben, wo sich Herzog Bernhard von Sachsen-Weimar und Johann Georg Kurfürst von Sachsen den Schweden angeschlossen haben. Wallenstein zieht nach Lützen bei Leipzig, wo Gustav Adolf angreift. Die Schlacht endet mit dem Tod Gustav Adolfs und einem knappen Sieg für Wallenstein. Diese Schlacht im November 1632 und die darauf folgende Bestrafung von Deserteuren im Februar 1633, das so genannte Prager Blutgericht, sollen ihm jetzt zum Verhängnis werden. 4
2.2 Kritik an Wallenstein 1633
Nach dem Prager Blutgericht ist das Ansehen des Friedländers bei seiner Armee, der Regierung und seinen Verhandlungspartnern stark gesunken. Man sieht ihn als einen unbarmherzigen, gnadenlosen und brutalen Feldherrn. In Wien fängt man an die alten Vorwürfe gegen ihn wieder aufzuwärmen und ihn der Tyrannei zu beschuldigen. Die Berater des Kaisers reden stark auf Ferdinand II ein. Sie haben großen Einfluss auf den Kaiser. Die Situation verschärft sich, als Wallenstein mit dem Nachfolger Gustav Adolfs, Graf Axel Oxenstierna, zu verhandeln beginnt.
Wallenstein schickt den Übermittler Bubna zu Oxenstierna. Bubna sagt, dass man Frieden auf dem Status Quo von 1618 haben möchte. Der Schwede ist skeptisch, ob der Kaiser dem zustimmen würde. Darauf behauptet Bubna es gehe nicht um den Kaiser, sondern um Wallenstein und man wolle auf jeden Fall einen Frieden auf dieser Basis. Oxenstierna würde einwilligen, wenn Schweden Gebiete zur Satisfaktion bekommt und wenn Wallenstein ein Zertifikat des Kaisers vorlegt, dass dieser den Frieden bewillige. Er bietet aber auch Wallenstein im Gegenzug die böhmische Krone an. 5 Als Wallenstein davon berichtet wurde, war er empört und bricht abrupt die Verhandlungen mit Schweden ab. Danach sind alle verstört. Der Kaiser und auch die Offiziere der Armee begreifen den Abbruch der Verhandlungen nicht und in Wien kommen die alten Vorwürfe wieder lauter auf. Wallenstein wäre ein Rebell, ein Verräter und man bezichtigte ihn der Meuterei. Die Schweden und Franzosen beschuldigten Wallenstein des Betrugs. Der Grund Wallensteins für den Abbruch war es, dass er nicht mit Partnern verhandelt, die ihm zu wider sind. Außerdem wollte er neben dem Frieden mit den Schweden
4 Diwald, Helmut, Wallenstein - Eine Biografie, Frankfurt a.M. 1985, S. 476-545 .
5 Diwald, Helmut, Wallenstein - Eine Biografie, Frankfurt a.M. 1985, S. 476-545.
4
Arbeit zitieren:
Doreen Bärwolf, 2004, Warum musste Wallenstein sterben? – Ereignisse von 1633 bis zum Tag seiner Ermordung, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Emotionale Matrizen und ihre möglichen Auswirkungen auf unser Lernverh...
Pädagogik - Erwachsenenbildung
Seminararbeit, 16 Seiten
Le Code Civil - Napoléons Instrument zur absoluten Macht?
Geschichte Europa - and. Länder - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung
Seminararbeit, 15 Seiten
„so haben wir das dorff, angezundet vndt lassen brenen“ - Gewalt im Ta...
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Hausarbeit (Hauptseminar), 13 Seiten
Ein Söldnerleben im dreissigjährigen Krieg
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Seminararbeit, 23 Seiten
„angezundet vndt lassen brenen“
Zur Gewaltwahrnehmung und -bes...
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Hausarbeit (Hauptseminar), 30 Seiten
Die territorialen Regelungen des Westfälischen Friedens - Das Ringen u...
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Seminararbeit, 22 Seiten
Der Weg zur Schlacht am Weißen Berg
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Seminararbeit, 13 Seiten
Der böhmische Ständeaufstand 1618/19
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Hausarbeit (Hauptseminar), 39 Seiten
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit: Warum musste Wallenstein sterben? – Ereignisse von 1633 bis zum Tag seiner Ermordung ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit: neuer Titel erschienen: Warum musste Wallenstein sterben? – Ereignisse von 1633 bis zum Tag seiner Ermordung
Doreen Bärwolf hat einen neuen Text hochgeladen
Shiller's Early Dramas: Love and Intrigue/Wallenstein's Camp/The Picco...
Frederick Schiller
Antworten auf Kinderfragen
Albert Biesinger, Edeltraud Gaus, Ralf Gaus
Der Kommentar In Antike Und Mittelalter: Beitrage Zu Seiner Erforschun...
Wilhelm Geerlings, Christian Schulze
0 Kommentare