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1. Einleitung
Fokus, Topik und Kontrast sind pragmatische Funktionen die das Diskursfeld einschränken und disambiguieren oder die Aufmerksamkeit des Zuhörers auf etwas bestimmtes lenken können. In europäischen Sprachen werden diese meist per Akzent und Tönen in der Prosodie realisiert, doch wie machen dies die Sprecher anderer Sprachen? Einige benutzen spezielle morphologische Marker (z.B. Japaner), andere flexible Wortstellungen.
Hier möchte ich untersuchen, wie prominent die Nutzung der Prosodie 1 zur Realisierung von In-formationsstruktur (hier vor allem Topik, Fokus und Kontrast) gegenüber morphosyntaktischen Möglichkeiten ist. Dazu greife ich auf psycholinguistische Studien zurück, welche die Produktion von Topik, Fokus und Kontrast bei erwachsenen Sprechern typologisch teils stark unterschiedlicher Sprachen testeten. Perzeption wurde hierbei nur untersucht um die Ergebnisse der Produktionsexperimente zu bestätigen oder zu falsifizieren. Da es nur verhältnismäßig wenige Studien dieser Art zu 'exotischeren' Kulturen gibt und der Rahmen nicht mehr bietet, beschränke ich mich auf einige ausgesuchte Studien und dort auf die Experimente.
Meine Hypothese ist, dass Prosodie selbst bei Sprechern tonal und morphosyntaktisch begabter Sprachen eine wichtige Rolle spielt; vielleicht sogar die wichtigste.
Eine zusätzliche Frage lautet, ob diese Nutzung auch universell ist. Das kann in einer so kurzen Arbeit nicht ausschöpfend behandelt werden, doch möchte ich mit dem Fall Hausa immerhin kurz darauf eingehen.
Die Gliederung sieht daher wie folgt aus: Zunächst sollte ich erklären, was Topik, Fokus und Kontrast sind. Dazu möchte ich auch kurz einige prominente Beispiele geben. Darauf folgt dann die Untersuchung, wie bzw. ob Prosodie in morphosyntaktisch reichen sowie tonalen Sprachen genutzt wird. Da zum Kontrast sogar noch wesentlich weniger Studien als zu Topik und Fokus vorliegen, wird sich zeigen, was in diesem Bereich herauszuarbeiten ist. Eine Zusammenfassung schließt die Untersuchung ab.
2. Topik, Fokus und Kontrast.
Laut Payne (1997) verbinden pragmatische Stati den Kontent (Inhalt) mit dem Kontext (Umfeld). Dazu gehören z.B. Gegeben, Neu, Fokus und Topik. Wie dies genau realisiert wird, dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten., z.B. durch Kasus, semantische Rollen sowie morphosyntakti-
1 Gemeint als Oberbegriff für zusätzliche lautliche Informationen wie Akzent, Intonation, Tönen, Sprechpausen etc.
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sche Formen. Speziell Fokus, Topik und Kontrast sind aber oft unklar definiert. Manchmal wird unter Fokus und Topik dasselbe verstanden, manchmal sind sie Gegenteile. Hier soll davon ausgegangen werden, dass es mehrere abgegrenzte Kategorien gibt, die aber ver-wandte Subkategorien einer größeren Klasse sind. Betrachtet werden hier die verwandten Subka-tegorien Topik (gegebene Information) und Fokus (Neuinformation) sowie (falls Studienergebnisse dazu vorhanden) auch Kontrast.
2. 1. Prosodischer Fokus, Kontrast und Topik
Alter et. al. (2001) führten eine Studie durch, wie Kontrastinformation im Deutschen im Gegensatz zur Neuinformation prosodisch kodiert wird. Dazu konstruierten sie verschiedene Sätze mit Kontext, die von 8 Muttersprachlern gesprochen, aufgezeichnet und analysiert wurden. Sie fanden heraus, dass der sogenannte Neuinformationsfokus eine fallende Kontur hat.
(1) Abb.1: Neuinformationsfokus (Alter et. al. 2001: 62)
Man muss aber beachten, dass nach den Daten und dem Versuchsaufbau der Studie nicht anzunehmen ist, dass damit Fokus, sondern Topik, also gegebene Information gemeint ist. Topik ist das gegebene, dem der Sprecher keine besondere Betonung gibt.
Für einige der folgenden Studien ist nützlich darauf hinzuweisen, dass ein Topik meist anaphorisch ist. Doch auch hier kann es einen Kontrast geben. Noch ein Grund anzunehmen, dass Kontrast eine dritte Kategorie neben Topik und Fokus ist. Der Kontrast dagegen hat eine deutliche Steigung beim kontrastierten Element.
(2) Abb.2: Kontrastfokus (Alter et. al. 2001: 62)
Hierbei wiederum muss man beachten, dass der eigentliche Fokus laut Elsner (2000) akustisch auffällig (prominent) ist und zu einer Deakzentuierung führt, also alle folgenden Konstituenten ihren Akzent verlieren. Den Kontrast nimmt sie als Sonderform des Fokus an, der noch auffälliger ist. Nehmen wir also (1) als Topik und (2) als Kontrast, wobei der Fokus ähnlich aussehen würde. Laut Wang & Xu (2006) haben viele Studien gezeigt, dass die Intonation genutzt wird um die In-formationsstruktur auszudrücken. So hat ein fokussiertes Wort scheinbar selbst in verschiedenen Sprachen eine höhere F0 und längere Dauer als andere Satzteile. Dies werden wir versuchen in den folgenden Studien zu überprüfen.
2.2. Morphosyntaktische Möglichkeiten
Eine dieser anderen Möglichkeiten ist die veränderliche Konstituentenreihenfolge, die aber auch Akzentsprachen oft (jedoch meist nicht ganz so systematisch) haben. Laut Payne (1997) muss man dabei zunächst klarstellen, ob diese Reihenfolge grammatisch bedingt ist oder auf pragmatischen Gründen beruht. Im Englischen lässt sich z.B. das Objekt an den Satzanfang stellen um es zu fokussieren: 'JOHN did it'. Einige Sprachen haben also eine bestimmte Stellung im Satz, in die ein Konstituent kommen kann um topikalisiert oder fokussiert zu werden. Manchmal werden hierbei auch noch spezielle Partikel benötigt.
Andere Sprachen (Payne 1997: 276ff.) nutzen nur Partikel oder Affixe. Das Englische kennt noch Artikel, das Aghem hat Fokuspartikel, Japanisch und Koreanisch sind für Topikmarker bekannt (die Kasusmarker ersetzen), wieder andere können (nur) ihre Kasusmarker nutzen, z.B. Latein.
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Eine weitere Möglichkeit nennt Payne (1997) 'Cleft'-Konstruktionen. Dies sind Nominalphrasen (NPs) mit einem Relativsatz, deren NP koreferenziell zur Haupt-NP sind. Dies können z.B. Englisch, Deutsch und Mandarin nutzen. Diese Form würde ich aber als eine Sonderform der Wortreihenfolge ansehen; auf jeden Fall ist sie syntaktisch.
Als Möglichkeiten haben wir nun also festgestellt:
a) Intonation / Akzent (Prosodie: Phonetik / Phonologie)
b) Konstituenten- bzw. Wortreihenfolge und Cleft-Sätze (Syntax)
c) Partikel und Affixe (Morphologie)
3. Die Studien
Nun gehen wir zu Studien über in denen Sprachen, die entweder als Mitglieder der Fälle b, c oder als Tonsprachen bekannt sind, auf ihre Möglichkeiten zur Nutzung von Prosodie und Intonation hin untersucht wurden.
3.1. Griechisch
Baltazani & Jun (1998) untersuchten das Griechische auf seine Fokus- und Topik-Intonation hin. Sie wollten herausfinden, wie genau Akzente und Töne in dieser Sprache wirken und aussehen. Griechisch ist eine indogermanische Sprache, hat jedoch keine bestätigten direkten Verwandten. Der Akzent ist bedeutungsunterscheidend; es werden sogar Tempora und Kasus dadurch unterschieden und auch einzelne Wörter können damit hervorgehoben, also kontrastiert werden. In ihrer Studie führten Baltazani & Jun (1998) drei Experimente durch. Beim ersten erstellten sie zehn Versionen 'desselben' Satzes (4 Deklarativ und 4 Interrogativ, die sich in der Fokusposition unterschieden, sowie zwei neutrale Kontrollsätze), schrieben diese auf Karten und vermischten sie. Jeder Satz wurde danach je fünfmal von drei Muttersprachlern vorgelesen. Der Fokus war un-
Arbeit zitieren:
Andre Schuchardt, 2010, Empirische Studien zur prosodischen Markierung neuer und kontrastiver Information in typologisch diversen Sprachen, München, GRIN Verlag GmbH
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