Einleitung
1. Einleitung 2
2. Das babylonische Exil und seine Folgen. 3
3. Welchen Stellenwert hat das Hebräische für die Juden? 4
4. Israel wird römische Provinz 6
5. Die europäische Diaspora - Juden kommen auf die iberische Halbinsel. 7
6. Juden unter maurischer Herrschaft: Eine Blütezeit jüdischer Kultur? 8
7. Auswirkungen der Reconquista für die jüdischen Gemeinden auf der iberischen
Halbinsel. 9
8. Die Sprachen der sephardischen Juden 11
9. Ziele der sephardischen Juden nach ihrer Vertreibung aus Spanien 1492 12
10. Fazit 14
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Einleitung
1. Einleitung
„Wunderbar und unerforschlich sind die Bahnen, welche dem jüdischen Volke von der Vorsehung selbst vorgezeichnet sind. Auf dem ganzen Erdenrund zerstreut, gibt´s [sic!] keine Gegend, wohin dieses seit Urzeit her zum Wandern bestimmte Nomadenvolk nicht gedrungen wäre.“ 1
Mit dieser Einleitung beginnt ein von Dr. M. Kayserling 1859 verfasstes Werk: Sephardim- Romanische Poesie der Juden in Spanien. Wie Kayserling zeigt, ist das jüdische Volk seit Jahrtausenden ein durch Vertreibung zum Wandern gezwungenes Volk. Wann beginnt bzw. endet aber die Vertreibung der Juden und wo lebten sie währen der Diaspora?
Die Vertreibung aus Jerusalem und das damit verbundene Exil ereignet sich erstmals 597 v. Chr. nach der Zerstörung Jerusalems durch Nebukanezzar. Nachdem die Juden 538 v. Chr. aus babylonischer Gefangenschaft befreit nach Jerusalem zurückkehren dürfen, werden sie 70 n. Chr., diesmal durch die Römer, erneut vertrieben und leben im Folgenden fast 2000 Jahre lang im Exil, bis 1948 der Staat Israel gegründet wird. Was aber bedeutet das im Titel des Werkes verwendete Wort Sephardim? Auf Grund der immer wieder entstandenen Diaspora des jüdischen Volkes leben Juden auf der ganzen Welt verteilt. Schon im ersten Jahrhundert sollen jüdische Kaufleute in Spanien gelebt haben und die Präsenz der Juden in Spanien hält, zumindest offiziell, bis 1492 an. Im 15. Jahrhundert werden sie aus Spanien vertrieben und es entsteht eine neue Gruppe jüdischer Exilanten: die der Judenspanier, die auch Sephardim genannt werden. Das Wort Sephardim leitet sich von dem biblischen Ortsnamen Sefarad 2 ab und wird dort als Ort der Verbannten Jerusalems 3 bezeichnet.
Während der immerhin 1500 jährigen Präsenz in Spanien entwickeln sich eine von anderen jüdischen Gemeinden abweichende Kultur und Sprache, das Djudezmo und das Ladino, bei denen noch heute unklar ist, ob sie schon vor, oder erst nach der Vertreibung 1492 im Exil entstanden sind. Was sind die kulturellen und sprachlichen Eigenheiten der Sephardim? Welche Folgen hat das Exil für die Sepharden und wo leben sie seit ihrer Vertreibung aus Spanien?
1 Meyer Kayserling: Sephardim- Romanische Poesien der Juden in Spanien, Hildesheim/ New York , Georg Olms Verlag,1972, S.1
2 Sefarad: zu finden im Alten Testament, Obadja 20.
3 Die Heilige Schrift- Einheitsübersetzung, Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart, 1981, S. 1296.
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Das babylonische Exil und seine Folgen
Im Folgenden wird in Form einer Übersicht der jüdischen Geschichte, vor allem der Juden, die auf der iberischen Halbinsel lebten, die Entstehung der judenspanischen Sprache und Kultur näher dargestellt, um danach auf die Bedeutung der Exilerfahrung einzugehen und die Verbreitung der sephardischen Kultur und ihrer Sprachen, des Djudezmo und des Ladino, nach der Vertreibung 1492 zu untersuchen.
2. Das babylonische Exil und seine Folgen
Wie bereits in der Einleitung erwähnt, wird das jüdische Volk im 6. Jahrhundert aus Israel vertrieben und Jerusalem durch babylonische Truppen fast vollständig zerstört. De facto ist die Verwüstung und Plünderung Jerusalems, das seit König David als die Stadt Gottes bezeichnet wird, ein schwerer Angriff für das jüdische Volk, vor allem aber ist die Zerstörung des Tempels 587 v. Chr. in vielerlei Hinsicht ein traumatisierendes Ereignis in der jüdischen Geschichte, da es ein Angriff auf ihre religiöse Identität darstellt. Tausende Juden werden als Sklaven nach Babylon verschleppt und müssen fern ihrer Heimat leben. Das Exil beschäftigt die Juden, da ihr Glaube sehr an das religiöse Leben im Tempel gebunden ist und daher die Frage aufkommt, wie man fern seiner Heimat, unter Fremdherrschaft und ohne die Gegenwart des Tempels, seinen jüdischen Glauben ausleben solle. Die jüdischen Propheten preisen das Exil als Willen Gottes und es entsteht unter den jüdischen Gelehrten und Priestern die Überzeugung, dass nicht der Tempel im Zentrum des Glaubens stehen dürfe. Sie revolutionieren somit den jüdischen Glauben: von nun an stehen Gebote, Riten, vor allem aber religiöse Texte im Zentrum des jüdischen Lebens. Dieser Wandel beeinflusst das Leben vieler Juden nachhaltig, da es nun möglich ist auch fern von Heimat und Tempel seinen Glauben zu praktizieren. Das Judentum, vorher in Jerusalem an einen festen Ort gebunden, wird zu einer Religion der Schrift. Der Perserkönig Kyros II. erobert 538 v. Chr. Babylon und Israel wird persische Provinz. Den Juden gestattet er die Rückkehr nach Jerusalem und den Wiederaufbau des Tempels.
Unter Esra wird in Jerusalem die jüdische Gemeinde neu gegründet und er veranlasst die Priester die Gebote, Riten und Texte zu verfassen, die uns heute als die „Fünf Bücher Mose“ bekannt sind. Nun besitzt die jüdische Gemeinschaft Schriften, die ihr religiöses Leben ordnen und vor allem für das später erneut aufkommende Exil von großer Bedeutung sein werden. Sie ermöglichen den Juden, auch an anderen Orten, unter einer Fremdherrschaft lebend, ihre religiöse Identität zu bewahren, wie es später auf der
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Welchen Stellenwert hat das Hebräische für die Juden?
iberischen Halbinsel unter römischer, westgotischer, maurischer und schließlich spanischer Herrschaft gelingen wird. Die hebräische Sprache und die in ihr verfassten religiösen Texte haben für die Juden eine sankrosankte Bedeutung. Sabine Kowallik beschreibt das Phänomen wie folgt: „Die Ehrfurcht vor der hebräischen Sprache und Schrift, die das Judentum als heilig verehrt, ließ die jüdischen Gemeinden die hebräische Schrift in fremden Sprachgebieten beibehalten und an die jeweilig angenommene Sprache anpassen.“ 4
3. Welchen Stellenwert hat das Hebräische für die Juden?
In Kapitel 1 wird der Stellenwert des babylonischen Exils für die jüdische Religion näher erklärt, doch gibt es eine dem Jüdischen eigene Sprache? Sicherlich ist die hebräische Sprache für Juden von immenser Bedeutung, da sie über Jahrhunderte sakrale Sprache der Juden ist und die religiöse Gemeinschaft, trotz dauerhafter Diaspora, einigen konnte. Wo aber liegen die Wurzeln des Hebräischen? Das Hebräische, die in Israel heute von Juden gesprochene Sprache, gehört zur semitischen Sprachfamilie. Nachdem die Ägypter im dritten Jahrtausend v. Chr. schon teilweise Konsonantenbuchstaben erfunden haben, ihre Schrift aber weiterhin zu Teilen aus Bildern besteht, entsteht bei dem Seefahrervolk der Phöniker das phönikische Alphabet, auch als kanaanäisches Alphabet bekannt, das nun erstmals eine reine Konsonantenschrift darstellt. Die ältesten Fragmente dieses Alphabets stammen aus dem 12. Jh. v. Chr.. 5 Auch bei den Israeliten wird anfangs das kanaanäische Alphabet gebraucht, bis daraus das Aramäische entsteht. Das Aramäische verbreitet sich im Reich der Perser, die 539 v. Chr. Babylon erobert haben und da Israel als persische Provinz anerkannt ist, wird ab dem dritten Jahrhundert v. Chr. auch in Israel aramäisch gesprochen. In Palästina verändert sich ab dem dritten Jahrhundert v. Chr. das aramäische Alphabet und es entsteht die so genannte ketav merruba („Quadratschrift“), die verstärkt von Juden gebraucht und auch heute noch im Hebräischen verwendet wird. Es entsteht eine lineare Vokalisation, bei der mit Hilfe von Sonderzeichen, da das Hebräische Alphabet nur Konsonanten enthält, Vokale
4 Kowallik, Sabine: Beiträge zum Ladino und seiner Orthographiegeschichte, Helmut Buske Verlag Hamburg, 1989, S. 24.
5 Vgl. Einführung in die hebräische Schrift, 2006, S.9.
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Arbeit zitieren:
Sebastian Knoth, 2008, Zur Geschichte des Judenspanischen, München, GRIN Verlag GmbH
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