Inhaltsverzeichnis
Einf ührung 2
1. Franziskus von Assisi und die Bewegung der Minderbrüder 4
1.1 Franziskus von Assisi und seine Bewegung. 4
1.2 Beispiele aus der Ordensregel des Franziskus. 4
1.3 Der Franziskanerbewegung nach dem Tod ihres Schöpfers 6
2. Die Anfänge der Franziskaner in Thüringen. 8
2.1 Aufbruch nach Deutschland 8
2.2 Ansiedlung im Thüringer Raum 8
3. Leben der Franziskaner im Spannungsfeld zwischen Ordensregel und
Lebenswirklichkeit 10
3.1 Leben im 13. Jahrhundert 10
3.2 Konflikte der Franziskaner bei ihrer Ansiedlung in den einzelnen thüringischen Städten
- Beispiele aus der Jordan Chronik. 11
3.3 Lebenswandel der Franziskaner als notwendiger Entwicklungsprozess. 13
Res ümee. 15
Quellen 16
Sekund ärliteratur 16
Lexika 18
Anhang 1 19
1
Einführung
Bis in das 11. Jahrhundert hinein, hatten sich die damaligen Mönchs-gemeinschaften, wie Benediktiner oder Zisterzienser in den ländlichen, meist abgelegen Gebieten niedergelassen. Mit dem 12. Jahrhundert fand jedoch ein großer gesellschaftlicher Wandel statt. Die Stadt rückte in den Fokus der Aufmerksamkeit. Auf „politischer, wirtschaftlicher und kultureller Ebene“ 1 gewann die Stadt an Bedeutung und entwickelte sich an der Wende zum 12. Jahrhundert in Thüringen mit einem starken Anstieg der Bevölkerung. Marktorte wie Mühlhausen, Nordhausen, Eisenach, Saalfeld und Altenburg entwickelten sich zu Städten weiter. Besonders aber Erfurt, als das Zentrum der Landschaft Thüringens, prägte dabei schon im 11. Jahrhundert die Charakteristika einer Stadt aus. 2 „Die Schuld an den vielen Nöten der Zeit schrieb man in weiten Kreisen der überreichen, verweltlichten Kirche zu.“ 3 Viele häretische Bewegungen, wie die Katharer und Waldenser, passten sich dem Wandel der Zeit an und ließen sich vermehrt in den Städten nieder. Die neuen Bettelorden sollten jedoch diesen häretischen Strömungen bald entgegenwirken. Mit den Dominikanern und den Franziskanern haben sich zwei der bedeutendsten Bettelorden in den Städten niedergelassen. Die Bettelorden bedienten sich der Augustinusregel. Ein Streben nach der Nachfolge Jesu Christi und seinen Apostel wurde zum Ziel erhoben. Das Armutsideal trat in den Vordergrund dieser Lebensregel. Besonders stark war das Armutsideal bei Franziskus und seiner Bewegung der Minderbrüder ausgeprägt. 4 Dieses Armutsideal besagte, dass man keinen Besitz haben, kein Geld annehmen und für seinen Lebensunterhalt betteln oder Handarbeit verrichten, sollte. Franziskus war gegen die Reichtümer und Besitzungen, die die Kirche angesammelt hatte und wollte dies mit seiner Gemeinschaft vermeiden. 5 Er wollte die kirchliche Lehre wieder zu ihren Ursprüngen führen und so gründete er die Gemeinschaft der Franziskaner.
Als sich die Franziskaner in Thüringen ansiedelten, gründeten sie innerhalb kürzester Zeit viele Niederlassungen. Die Franziskaner trafen mit ihrer Lehre und ihrer Tätigkeit den Nerv der Zeit und so wuchs der Orden schnell an. Aber die Regeln des heiligen Franziskus,
1 Vauchez, André: Die Bettelorden und ihr Wirken in der städtischen Gesellschaft, in: Die
Geschichte des Christentums. Religion, Politik, Kultur. Band 5. Machtfülle des Papsttums
(1054-1274) (hg.) Odilo Engels, Freiburg 2007, S. 852.
2 Vöckler, Matthias: Wirtschaftliche und soziale Grundlagen sowie Probleme der Ansiedlung
und Wirksamkeit der Mendikanten im mittelalterlichen Thüringen, in: Bettelorden und Stadt.
Bettelorden und städtisches Leben im Mittelalter und in der Neuzeit, (hg.) Dieter Berg, Werl
1992,. S. 89.
3 Balthasar, Karl: Geschichte des Armutsstreites im Franziskanerorden bis zum Konzil von
Vienne, Münster i. W. 1911, S. VII.
4 Vgl. Vauchez, S. 840.
5 Vgl. Balthasar, S. 6.
2
mit seinem Verzicht auf jegliches Eigentum und auch das Recht dieses zu erwerben, sollte schon bald in Konflikt mit der Lebenswirklichkeit geraten. „Das schnelle Anwachsen des Ordens, das Eintreten von Priestern und Gelehrten, das allmähliche Sesshaftwerden, der Beginn einer ausgedehnten Missionstätigkeit brachten neue Bedürfnisse. Die wörtliche Beachtung der evangelischen Armutsbestimmung begegnete tausend Schwierigkeiten, die in der primitiven Regel nicht berücksichtigt waren.“ 6 Die Anfänge des Ordens der Franziskaner und seine Konflikte zwischen Lebenswirklichkeit und Ordensregel sollen den Schwerpunkt dieser Arbeit ausmachen. Nachdem ich mich den Anfängen der Franziskanerbewegung kurz zugewandt habe, möchte ich mich mit der Ansiedlung der Franziskaner in Thüringen beschäftigen. Dabei sollen die Anfänge in der sächsischen Franziskanerprovinz, speziell der Kustodie Thüringens, den Grundstein für die dann später folgende Auseinandersetzung der im Spannungsfeld lebenden Franziskaner ausmachen.
Was die Quellenlage angeht, war es für mich sehr schwierig, Quellen über das Thema „Die Anfänge des Franziskanerordens in Thüringen im Spannungsfeld zwischen Ordensregel und Lebenswirklichkeit“ zu finden. Es gibt bis jetzt in der Fachliteratur keine Auseinandersetzung zu diesen Thema. Jedoch soll hier vermerkt werden, dass Ende März oder Anfang April 2008 ein Werk, welches über die Franziskaner in Thüringen berichtet, mit dem Titel „Für Gott und die Welt - Franziskaner in Thüringen“ erscheinen wird. Die Vorstellung des Buches erfolgt anlässlich der Ausstellung im Museum Mühlhausen, welche vom 29.03 bis 31.10.2008 geplant ist. 7
6 Balthasar, S. 9.
7 Schmies, Bernd: „Für Gott und die Welt“ - Franziskaner in Thüringen. Wissenschaftliche
Tagung in Mühlhausen/Thür. Vom 14. bis 16. September 2007, in: Jahrbuch für mitteldeutsche
Kirchen- und Ordensgeschichte, (hg.) Clemens Brodkorp und Peter Häger, 3. Jahrgang,
Heiligenstadt 2007, S. 313-321.
3
1. Franziskus von Assisi und die Bewegung der Minderbrüder
1.1 Franziskus von Assisi und seine Bewegung
Die Bezeichnung Franziskaner, oder Minderbrüderorden (Ordo Fratrum Minorum - kurz OFM genannt) geht auf seinen Gründer Franziskus von Assisi zurück. 8 Franz von Assisi ist Ende 1181 geboren, oder in der ersten Hälfte des Jahres 1182, und ist am 3. Oktober 1226 im Kloster Portiuncula in Assisi gestorben. 9 Er war der Sohn des reichen Tuchhändlers Pietro di Bernardone und dessen Ehefrau Giovanna. Da sein Vater wollte, dass sein Sohn später Fernhändler wird, lernte Franziskus an der Sanct Giorgio lesen, schreiben und rechnen. Bei der Schlacht von Collestrade im November 1202 unterliegt Assisi Perugia und Franziskus gerät in eine einjährige Gefangenschaft. Nach der Gefangenschaft und den Versuch sich von Walter III. von Brienne zum Ritter schlagen zu lassen, kehrte Franziskus um 1205 nach Assisi zurück, um sich dort einem Leben in „ […] Buße, Zurückgezogenheit, Aussätzigenpflege, Wiederherstellung verfallener Kirchen und Schenkungen an die Armen […]“ 10 zu widmen. 11
Im Verlauf seiner Hinwendung zum Leben nach dem Evangelium, kam es zum Bruch mit seinem Vater. Franziskus verzichtete auf sein rechtmäßiges Erbe und stellte sich als Büßender unter den Schutz des damaligen Bischofs von Assisi. Franziskus versuchte nun seine Mitmenschen zu bekehren und fordert sie auf, ihm ein Leben in Armut, Gehorsam und Keuschheit gleichzutun. In den Jahren um 1206 und 1208 bildete sich dann eine kleine Gruppe um Franziskus, die dieses Ideal der Nachfolge der Apostel, ausleben wollten. 12 Das Gründungsdatum der franziskanischen Gemeinschaft kann man auf den 16. April 1209 datieren. An diesem Tag legte Franziskus Papst Innozenz III. eine kleine Programmschrift vor, die dieser mündlich bestätigte. 13 Franziskus teilte den Orden in drei Teile auf: zum einen gab es die Minderen Brüder (Minderbrüder, Minoriten), dann die Klarissen und den Orden der Büßenden (bestehend aus Laien). 14
1.2 Beispiele aus der Ordensregel des Franziskus
1221 stellte Franziskus das erste Mal eine Niederschrift seiner Regel zusammen (regula non bullata). Sie war noch nicht durch ein päpstliches Schreiben (Bulle) bestätigt und war auch nur in knappen Worten abgefasst. Wahrscheinlich ist die regula non bullata auf die
8 Vgl. Lexikon für Theologie und Kirche, Band 4, Franca bis Hermenegild, Freiburg 1995, S.30.
9 Vgl. Vauchez, S. 834.
10 Lexikon des Mittelalter, S. 830.
11 Vgl. Lexikon des Mittelalters, S. 830.
12 Vgl. Lexikon des Mittelalters, S. 800.
13 Vgl. Vauchez, S. 834f.
14 Vgl. ebd. S. 841.
4
Programmschrift, die Franziskus Papst Innozenz III. vorgelegt hat, zurückzuführen. 15 Ziel der „regula non bullata“ war es, der Gemeinschaft Gültigkeit in der Kirche zu verschaffen. Sie musste sich als eine kirchliche Gemeinschaft ausweisen, damit sie nicht unter den Verdacht einer häretischen Bewegung fällt. Der unerwartete große Zuspruch und die schnelle Expansion des Ordens erforderten schon bald eine in sich schlüssige und vom Papst bestätigte Ordensregel. Mit der Bulle „Solet annuere“ 16 hat Papst Honorius der III. am 29. November 1223 die Ordensregeln der Franziskaner anerkannt und bestätigt (regula bullata). Es stellt das bis heute zentrale Regelwerk der Franziskaner dar. „Regel und Leben der Minderen Brüder ist dieses, nämlich unseres Herrn Jesu Christi heiliges Evangelium zu beachten durch ein Leben in Gehorsam, ohne Eigentum und in Keuschheit.“ 17 Mit diesen Worten beginnt Franziskus sein erstes Kapitel seiner „Regula Bullata“. Der völlige Verzicht auf Besitzlosigkeit und Geld stellte das zentrale Kernstück der Forderungen des 1228 heilig gesprochenen Franziskus dar. Dabei dürfen die Franziskaner nur das Allernötigste zum Leben besitzen. Franziskus sah das Geld als die Wurzel allen Übels in der Welt. An dieser Stelle wird schon sichtbar, dass die Ordensregel im Konflikt mit der Lebenswirklichkeit des Mittelalters geraten wird. Denn ein fester Besitz und Einkünfte bildete damals wie heute einen gewissen Schutz des Lebens. 18 Die Möglichkeit Geld zu erwerben haben die Gemeinschaft stabil gehalten und dafür gesorgt, dass sie nicht in ein so genanntes ‚Armutsloch’ hineinfällt und darin droht zu verschwinden. Weitere Forderungen der „Regula Bullata“ bestanden darin, dass sich die Gemeinschaft an den Papst Honorius und seinen rechtmäßigen Nachfolgern bindet und ihnen dient. Wenn man sich den Franziskanern anschließen wollte, musste man seinen ganzen Besitz unter den Armen verteilen. Wenn das nicht möglich war, zählt nach Franziskus der gute Wille. 19 Der Nachsatz bedeutet, dass selbst Franziskus Probleme hatte seinen gesamten Besitz zu verschenken, da man den Gesetzen unterworfen war, und dadurch nicht alles verschenken oder verkaufen konnte. Franziskus bestand auf diese Regeln, weil er die Wohlstände und Besitzungen der Kirche als eher abstoßend empfand und es nach seiner Meinung der einzig richtige Weg zur Nachfolge Jesus Christus sei. Die „Regula Bullata“ konnte aufgrund der radikalen Forderungen (Verzicht auf gemeinsamen Besitz) von Franziskus und der realen Forderungen des Lebens nicht so konsequent eingehalten werden. Dies soll dann im zweiten Kapitel am Beispiel Thüringen
15 Vgl. Feld, Helmut: Franziskus von Assisi und seine Bewegung, Darmstadt 1994, S. 11f.
16 Lexikon für Mittelalter, S. 802.
17 Hardick, Lothar; Grau, Engelbert (Übers.): Die Schriften des Heiligen Franziskus von Assisi,
8. Auflage, Werl/Westfalen 1984, S. 164.
18 Vgl. Weigel, Petra: Die Gründung und spätmittelalterliche Reform des Franziskanerklosters
Saalfeld, in: Zeitschrift des Vereins für Thüringische Geschichte, Band 55, Jena 2001, S. 91.
19 Hardick: Die Schriften des heiligen Franziskus von Assisi, S. 164f.
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Benedikt Bärwolf, 2008, Die Anfänge des Franziskanerordens in Thüringen im Spannungsfeld zwischen Ordensregel und Lebenswirklichkeit, München, GRIN Verlag GmbH
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