1. Einleitung
Diese Arbeit will das Radio zur Zeit des Zweiten Weltkrieges an der kanadischen Heimatfront untersuchen. Es soll aufgezeigt werden, dass die Entwicklung des Massenmediums nur langsam und vorsichtig voranging und, dass der Umgang mit diesem zu vielen Problemen für das Radio führte besonders in der Zeit des Zweiten Weltkrieges. Dieses Thema „Die Rolle des Mediums Radio und dessen Entwicklung an der kanadische Heimatfront im Zweiten Weltkrieg“ ist so entstanden, weil die Literaturlage des ursprünglichen Themas „Das Wartime Information Board und das Bureau of Public Information und die Kanadische Heimatfront im Zweiten Weltkrieg“ nicht ausreichend war, um quellengestützte korrekte Aussagen treffen zu können. Seltsamerweise war mehr Literatur- und Quellenmaterial über das äußerst spezifische Thema des Radios verfügbar.
Im ersten Kapitel soll der Werdegang des Radios zum Massenmedium dargestellt werden von 1900 bis in die frühen 1930er Jahre. Dabei soll besonders auf die Entstehung der CRBC, der Canadian Radio Broadcasting Commission, genau eingegangen werden sowie auf die erste Kommission zur Untersuchung der Lage des Radios 1929, des so genannten Aired Report. Hierbei soll geklärt werden in wie weit die CRBC die Richtlinien und Vorgaben des Aired Report erfüllte und warum es zur Auflösung der CRBC kam.
Das zweite Kapitel, das Hauptkapitel dieser Arbeit, befasst sich mit der Rolle des Nachfolgers der CRBC, der CBC. Dabei soll besonderes Augenmerk auf die Bedeutung des Radios während des Zweiten Weltkrieges gelegt werden. Die CBC wird dabei auf seine Stärken und Schwächen hin untersucht und besonders auf seine Beziehung zur Regierung. Die Propagandamaschinerie in den 1940ern soll dabei besonders berücksichtigt und analysiert werden, nämlich in wie weit die CBC für die Kriegspropaganda eintrat und wie diese Maschinerie durch die Verbreitung durch das Massenmedium Einfluss auf die Bevölkerung nahm.
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Als letztes sollen die Ergebnisse der Untersuchungen gesammelt und zusammengefasst dargestellt werden. Dies soll nochmals zum Verständnis der Umstände der Entwicklung des Radios beitragen.
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2. Die Entwicklung des Radios
2.1 Vor dem zweiten Weltkrieg
Die Erste Stimme im Radio war Reginald Fessenden am 23. Dezember 1900. Er wusste von einer neuen Technologie, der Weiterentwicklung des Telegraphen, bei der man nun möglicherweise auch die Stimme über die Telegraphenleitungen schicken kann. Er war der Erste der dies versuchte und schickte seinem Assistenten eine Meile entfernt eine Sprachnachricht: „One Two Three Four, is it snowing where you are Mr. Theissen, if it is telegraph me back.“ 1 Der Assistent funkte zurück und die erste Radioübertragung fand statt. Danach ging die neue Technologie wie ein Lauffeuer um die ganze Welt. Fessenden entwickelte diese Technik mit Hilfe seines Assistenten weiter und benutzte drahtlose Operatoren für sein erstes Radioprogramm 1906. Er spielte von Boston aus zu den Schiffen an der Küste liegend mit seiner Violine „Stille Nacht“, las aus der Bibel vor und sang Weihnachtslieder mit seiner Familie für die Marinemänner an Bord. 2
1920, kurz nach dem ersten Weltkrieg, wurden die ersten zivilen Radiosender gegründet, wie der XWA Montreal (später CFCF) und KDKA Pittsburgh, welcher von sich behauptet der erste zivile Radiosender der Welt zu sein, obwohl Montreal gleichzeitig mit regulären Übertragungen begann. Während des Ersten Weltkrieges wurde das Radio nur zu militärischen Zwecken benutzt, um über längere Distanzen Befehle an die Truppen an die Front weiterzuleiten. Nach den ersten zivilen Übertragungen der ersten Sender, entstand explosionsartig ein großes Interesse am Radio und dessen Möglichkeiten die Menschen zu erreichen. Große Zeitungen und Verlage kauften nun Übertragungslizenzen und eröffneten ihre eignen Radiostationen und hatten damit schon fast eine Monopolstellung erreicht. Weiterhin kauften allerdings auch große Konzerne Lizenzen. Doch sowohl die Zeitungen, als auch die Konzerne, kauften die Rechte nur, um über das Radio Werbung in eigener Sache zu machen, sowie
1 http://www.broadcasting-history.ca/index3.html (newsbroadcasting the early years I)
2 Vgl. http://www.broadcasting-history.ca/index3.html (newsbroadcasting the early years I)
3
dieses Massenmedium zu beherrschen bevor es jemand anderes tat, und weniger um die Gesellschaft zu informieren oder zu unterhalten. 3 In Kanada wurden, genauso wie in den USA, nun Sender von Küste zu Küste eingerichtet, z.B. CKCD Vancouver, CHBC Calgary, CKCK Regina, CFCA Toronto, CKAC Montreal, CKCI Quebec City, um nur die wichtigsten zu nennen. Die Fülle an Sendern in Kanada wurde immer größer und musste nun organisiert werden. Alle Sender waren zu dieser Zeit privat geführt und finanziert und deshalb auch sehr unorganisiert. Jeder Sender brachte sein eigenes Programm, oder das aus Ländern außerhalb Kanadas und sehr viel Werbung. Dadurch hatten auch die meisten Haushalte Kanadas noch keine Empfangsgeräte, welche auch recht teuer waren. Die einzigen Übertragungen die alle Menschen in Kanada regelmäßig hörten waren die Wettervorhersagen und Kurznachrichten, die in den Zügen übertragen wurden. 4
2.2 Die Entwicklung des Radionetzwerkes in Kanada
Um 1920 gab es zirka 30 Sender und alle diese wurden behelfsweiße von den Canadian National Railways (CNR) geführt und organisiert. Dadurch kam das Radio zu immer mehr Bekanntheitsgrad und es entstanden mehr und mehr Sender, bis in die 1930er 30 Stationen. Die Haupteinnahmequelle des Radios war die Werbung und die Übertragung von den großen Amerikanischen Netzwerken NBC und CBS. Doch deshalb entwickelte sich das Radio mehr und mehr zur Notwendigkeit in jedem Haushalt. Gerade in den 40ern, dem Goldenen Jahrzehnt des Radios, besaßen etwa Dreiviertel aller Haushalte ein Radio, wobei in den 50ern fast alle (ca. 90%) ein Radio hatten. Ab 1927 hatten sich in den USA die bereits erwähnten Netzwerke NBC und CBS gebildet, die allen Sendern in den Staaten an bestimmten Tageszeiten ihr Programm übertragen ließen und dadurch sanken die Kosten pro Sendeeinheit für die privaten Sender und man konnte nun auch die besten Journalisten, Programmschreiber, Seifenopern, sowie Sängern und Orchester bezahlen, was das Programm der Netzwerke sehr abwechslungsreich und attraktiv werden ließ. 5
3 Vgl. Vipond, Mary; The Mass media in Canada; Toronto: James Lorimer & Co.; 1989; S. 38.
4 Vgl. http://www.broadcasting-history.ca/index3.html (newsbroadcasting the early years I)
5 Vgl. http://www.broadcasting-history.ca/index3.html (newsbroadcasting the early years I).
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In Kanada gab es zu dieser Zeit nur ein Netzwerkähnliches Arrangement durch die CNR, die einige Sender gekauft hatten, aber keine Organisation aller 30 Sender zustande brachte. 1930 schlossen sich CFRB Toronto und CKAC Montreal zusammen dem CBS an und CKGW Toronto und CFCF Montreal dem NBC. Dies geschah auch bei einigen anderen Sendern die an der Grenze zu den USA stationiert waren aus finanziellen Gründen. Nun schien wieder ein weiteres Medium in Kanada von außerhalb regiert zu werden und Radiosender wanden sich Hilfe suchend an die Regierung, die nun regulierend gegen diesen Trend eingreifen sollte. 6 Als regulierendes Ministerium wurde das für Marine und Fischerei auserkoren, da es schon früh Umgang mit dem Radio hatte und es als Navigationsinstrument in der Marine verwendete. Die Regierung sah drei Gründe für das Eingreifen als Regulator. Erstens ging es hier um die nationale Sicherheit, da die Transmitter auch als Abhörstationen für andere Länder missbraucht werden könnten. Zweitens mussten die Frequenzen limitiert und zugeteilt werden, da manche Sender die gleichen Frequenzen benutzten und diese deshalb schwer zu empfangen waren. Der dritte Grund war, dass die Sender alle privat waren und zum Profit seines Besitzers eingesetzt wurden, weshalb die meisten Sender mehr Werbung wie Programm hatten und das Programm auch nicht reguliert wurde von der CNR. Jeder konnte im Radio sagen und bringen was er für Richtig hielt. 7
Deshalb kam es auch dazu dass es einen Sender der kanadischen Zeugen Jehovas über den Äther strahlte, die „Bible Students Assiciation“. Dies führte zu heftigen Diskussionen und Empörung in der Bevölkerung. Das Ministerium für Marine und Fischerei entzog daraufhin dem Sender seine Sendelizenz, was wiederum bei der Regierung auf Empörung stieß, da dies die Rechte der freien Meinungsäußerung und Religionsfreiheit beschränkte. Daraufhin sah sich Mackenzie King, das damalige Staatsoberhaupt gezwungen einzuschreiten und rief eine Kommission ins Leben, die die Lage des Radios inspizieren sollte und mögliche Lösungsansätze einer Regulierung des Radios vorschlagen sollte, die so genannte Royal Commission on Radio Broadcasting, mit welcher sich das nächste Kapitel genauer befassen wird. 8
6 Vgl. Vipond, Mary; The Mass media in Canada; Toronto: James Lorimer & Co.; 1989. (S. 37-44)
7 Vgl. ebd.
8 Vgl. http://www.broadcasting-history.ca/index3.html (newsbroadcasting the early years I)
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Arbeit zitieren:
Doreen Bärwolf, 2007, Die Rolle des Mediums Radio und dessen Entwicklung an der kanadischen Heimatfront im Zweiten Weltkrieg, München, GRIN Verlag GmbH
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