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Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
1. Psychoanalyse 3
Die psychoanalytische Methode 4
Ziele der psychoanalytischen Behandlung 5
Aufdeckung der Selbsttäuschung 5
2. Antisoziale Tendenz und kriminelles Verhalten 6
Die Entstehung der antisozialen Tendenz 6
Die Auswirkungen der antisozialen Tendenz 7
3. Justiz und Psychoanalyse - ein Widerspruch? 8
4. Braucht die Gesellschaft Kriminelle? 10
5. Ausblick 12
6. Literaturverzeichnis 14
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Einleitung
In dieser Hausarbeit werde ich versuchen herauszuarbeiten, wie Justiz und Psychoanalyse sich zueinander verhalten. Um die Schwierigkeiten einer Zusammenarbeit dieser beiden Disziplinen darzustellen, wird es nötig sein, kurz in die grundlegenden Konzepte der Psychoanalyse nach Freud einzuführen. Am Beispiel der antisozialen Tendenz nach Winnicott werde ich dann Grundlagen für die Entstehung antisozialen bzw. kriminellen Verhaltens anführen. Kern dieser Arbeit wird es sein, den Zusammenhang zwischen unbewusster Motivation und der daraus resultierenden bewussten strafbaren Handlung aufzuzeigen. Welche Möglichkeiten oder Verpflichtungen ergeben sich daraus für eine gerechtere Jurisdiktion?
1. Psychoanalyse
Die Psychoanalyse (Seelenzergliederung) ist eine von dem Wiener Arzt Sigmund Freud um 1900 entwickelte Behandlungstechnik für psychische Störungen. Zudem ist sie - was oft vernachlässigt wird - ein Mittel auch zur Aufdeckung unbewusster gesellschaftlicher Prozesse. Sie ist somit „zwischen den Natur- und Geistes- oder Kulturwissenschaften angesiedelt...“ (Mertens, W. 2000, S.9). Somit ist die Wahrnehmung unseres bewussten Ichs nur eine Nussschale, die dem Wellenspiel im unergründlichen Ozean des Unbewussten ausgeliefert ist. „Psychoanalyse hat das Intellektuelle Leben des 20. Jahrhunderts in weiten Teilen der westlichen Welt zutiefst geprägt“ (Mertens, W. 2000, S.7). In der sogenannten Trieb- und Strukturtheorie ging Freud davon aus, dass sich die psychischen Prozesse in ihrer Gesamtheit auf das Wechselspiel unbewusster Libido und Aggression (Todestrieb) zurückführen lassen. Allerdings lernt schon das kleine Kind, dass es nicht gesellschaftsverträglich ist, solchen Triebimpulsen ungezügelt nachzugeben. Die Triebe, die ihre Entsprechung in den wahrnehmbaren Affektäußerungen haben, werden aus Angst vor einer strafenden Umwelt abgewehrt, das heißt, der bewussten Wahrnehmung entzogen. Im Unbewussten jedoch bleiben sie wirksam. Brechen sie trotz Einsatz (ich- psychologischer) Abwehrmechanismen erneut an die Oberfläche, kommt es zur
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Symptombildung, die einen Kompromiss zwischen Triebwunsch und strafendem Gewissen (Über-Ich-Verbot resultierend aus Introjektionen elterlichen Handelns) darstellt. Eine solche Kompromissbildung kann sich unter anderem in der Entstehung einer Neurose auswirken. Der Mensch ist demnach „ein durch und durch konfliktträchtiges Wesen“ (Mertens, W. 2000, S. 18), immer ein Gleichgewicht herstellend zwischen Ich, Es und Über-Ich. Die Freudschen Ideen sind inzwischen verändert und weiterentwickelt worden, insbesondere in der Ich-Psychologie und der Objektbeziehungs-theorie. Die Ich-Psychologie ist nicht so sehr damit befasst, immer tiefer in das Unbewusste vorzudringen. Vielmehr nähert sie sich den unbewussten Triebregungen mittels Aufdeckung der vom Ich benutzten Abwehrmechanismen (s.o.), durch die jene indirekt beobachtbar werden. Die grundlegenden Arbeiten sind hier von Freuds Tochter Anna in ihrem Buch Das Ich und die Abwehrmechanismen (1936) zusammengestellt worden. In der Objektbeziehungstheorie geht man davon aus, dass der Mensch nicht allein triebgesteuert ist, sondern einen wesentlichen Beitrag auch das soziale Umfeld beisteuert. Die Triebtheorie wird deshalb jedoch nicht verworfen; sie ist verfeinert worden. Demnach äußert sich der Trieb nur indirekt über einen Affekt, der an eine verinnerlichte zwischenmenschliche Beziehung (Selbst- und Objektrepräsentanz) gebunden ist. Den größten Einfluss auf dem Gebiet der Objektbeziehungstheorie übt derzeit Otto Kernberg aus.
Die psychoanalytische Methode
Die Psychoanalyse liefert wie bereits erwähnt nicht nur ein psychodynamisches Modell der Psyche, sie ist auch eine Technik zur Behandlung von Persönlichkeitsstörungen. In ihrer Geschichte wandte sie sich von Hysterien vermehrt den Neurosen zu und seit Entstehung der Objektbeziehungstheorie auch den schweren Persönlichkeitsstörungen (Borderline, schwere narzisstische Persönlichkeitsstörung).
Grundlage der klassischen psychoanalytischen Behandlung ist das psychoanalytische Setting. Der Analysand lässt sich fünf bis acht Jahre (manchmal gar länger) lang vier bis fünf mal in der Woche behandeln. Dabei liegt er auf einer Couch, um den gedanklichen Prozessen alle Energien zur Verfügung
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zu stellen, die sonst auch über die Motorik verbraucht würden. Wert wird gelegt auf Introspektion (die Selbstreflexion und innere Beobachtung durch den Behandelten).
Dabei ist von besonderer Bedeutung der sogenannte Wiederholungszwang. Der Mensch reinszeniert im Laufe seines Lebens immer wieder frühe Beziehungskonstellationen (insbesondere primäre Objektbeziehungen). Dieser unbewusste Vorgang wird sich auch in der psychoanalytischen Situation abspielen. So projiziert der Analysand beispielsweise Aspekte der Beziehung zu seinem Vater auf den Analytiker. Diese Reaktivierung früher Beziehungs- und Verhaltensmuster nennt man Übertragung. Sie stellt neben der Traumdeutung und der freien Assoziation das wichtigste Werkzeug des Analytikers dar. Mittels genauester Beobachtung der eigenen Reaktionen (Gegenübertragung) auf das Verhalten des Analysanden, gelingt es dem Analytiker die innere Welt des Analysanden zu verstehen. Er wird nun versuchen, mit Hilfe seiner Eindrücke und seines fachlichen Wissens seine Erkenntnisse dem Analysanden durch Deutungen nahe zu bringen.
Ziele der psychoanalytischen Behandlung
Ziel einer psychoanalytischen Behandlung - wenn sie nicht aus reinem Interesse angestrebt wurde - ist wie bei jeder anderen Therapieform auch die Aufhebung eines Leidensdrucks. Mit den unter 1.1. aufgeführten Mitteln wird es dem Analysanden gestattet, in sicherer Umgebung und stützender Funktion des Analytikers die Abwehr des Ichs zu lockern, bewusster zu werden und langsam zu regredieren. Vormals vergessenes psychisches Material wird der Erinnerung und dem bewussten Erleben zugänglich gemacht. Es findet eine Reintegration statt. Dadurch ist es dem Analysanden möglich, frühere Handlungsmuster oder Coping-Strategien abzulegen, nachzureifen und sich nach Abschluss der Analyse alters- und situationsgerecht zu verhalten.
Aufdeckung der Selbsttäuschung
Allgemein gesprochen ist eine grundlegende Idee der Psychoanalyse die, dass vermeintliche Fehlleistungen wie Vergessen oder Versprechen eben keine
Arbeit zitieren:
Dipl.-Psych. Lars Tischler, 2010, Justiz und Psychoanalyse, München, GRIN Verlag GmbH
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