Inhalt
1. Einleitung 3
2. Erklärungsansätze für die Entstehung von Geschlechtsidentitäten 4
2.1 Biologistische Erklärungsansätze 5
2.2 Das sex-gender-Konzept - Unterscheidung zwischen einem biologischen und
einem sozialen Geschlecht. 8
2.3 Interaktionistisch und Konstruktivistisch - das „doing-gender“-Konzept 10
3. Chancen und Risiken der Unterstellung unterschiedlicher Geschlechtsidentitäten
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3.1 Chancen: Fähigkeit zur Interaktion 12
3.2 Risiken: Reproduktion patriarchaler Strukturen 12
4. Fazit 13
5. Literaturverzeichnis 15
5. 15
2
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1. Einleitung
„Die eigene Verortung als Frau oder Mann ist hingegen immer wieder gefordert. Bspw. bei
Zugängen zu Berufen, zu Organisationen, im Umgang mit Behörden, beim Formulieren von
Begehren, beim Leben von Sexualität, in Kaufhäusern, nicht zuletzt vor den Toiletten wird eine
Entscheidung abverlangt, und es drohen Sanktionen von Mitmenschen und Gesellschaft, falls
mensch nicht dem jeweils als „passend" betrachteten Geschlecht entspricht“ (vgl. Reiche,
Reimut (2008) „Wie für dich gemacht“ S.155).
In unserer Gesellschaft beherrscht ein binäres Geschlechtersystem unser Denken. Es besteht die Annahme, dass es zwischen Männern und Frauen grundlegende Unterschiede gibt. Diese Unterschiede herrschen sowohl im Verhalten und im Handeln sowie in den Fähigkeiten und Fertigkeiten. Jedes Individuum unserer Gesellschaft hat sich in dieses binäre Geschlechtersystem einzuordnen und sich seines Geschlechts entsprechend zu verhalten.
Die Frage, die ich in dieser Hausarbeit beantworten möchte, ist, wie diese Unterschiede zwischen den Geschlechtern entstehen und welche Prozesse für die Entstehung von Geschlechtsidentitäten ausschlaggebend sind. Dabei erscheint nicht nur interessant, welche Prozesse entscheidend sind, sondern weshalb die Gesellschaft diese Prozesse entwickelt und welche Folgen, negativ wie positiv, eine Einordnung von Individuen in ein Geschlechtersystem birgt. Zunächst möchte ich die gängigsten Theorien zur Ausbildung eines binären Geschlechtersystems mit zwei polaren Geschlechtsidentitäten erläutern. Dabei werde ich historisch vorgehen und die traditionellste Theorie, den bis heute etablierten Biologismus erläutern. Das soziologische sex-gender-Konzept, das versucht die biologistischen Theorien in ihren Grundannahmen zu überwinden stellt das zweite behandelte Theorem dar. Zuletzt werde ich auf die neuste gängige Theorie, der konstruktivistischen Theorie, zur Herausbildung von verschiedenen
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Geschlechtsidentitäten in unserer Gesellschaft eingehen. Jeweils zum Ende der Darstellung einer Theorie werde ich die bedeutendsten Gegenargumente und Widersprüche zusammenfassend erörtern.
Zum Abschluss werde ich auf die bedeutsamsten Chancen und Risiken der Bildung eines binären Geschlechtersystems eingehen und dabei darstellen inwiefern Zuweisungen zu Geschlechtsidentitäten einerseits notwendig sind und welche Gefahren sich andererseits aus unreflektierten Zuweisungen ergeben.
2. Erklärungsansätze für die Entstehung von Geschlechtsidentitäten
Die Geschichte der Erklärungsansätze für die Entstehung von unterschiedlichen Geschlechtsidentitäten ist relativ neu und rückte mit der Entstehung der Psychologie und Soziologie im 19. Jahrhundert ins Blickfeld der Wissenschaft. Zwar stellte bereits Galenos von Pergamon im 2. Jahrhundert mit Männern ohne primäre Geschlechtsmerkmale 2 ein drittes Geschlecht vor, das er mit den Frauen gleichsetzte (vgl. Voß, Heinz (2008) „Wie für dich gemacht“ S. 158), jedoch erst im ausgehenden 18. Jahrhundert wurden biologische Merkmale zur Erklärung für die Entstehung von zwei gegensätzlichen Geschlechtern herangezogen. In der Mitte des 20. Jahrhunderts entstand im angelsächsischen Raum das sexgender-Konzept. Es stellt ein Konzept dar, das den vorangegangenen, absoluten Biologismus relativiert, indem es unterscheidet zwischen einem angeborenen, biologischen Geschlecht (sex) und einem anerzogenen, soziologischen Geschlecht (gender).
Eine Überwindung des absoluten Biologismus und des sex-gender-Konzeptes stellt der interaktionistisch-konstruktivistische Ansatz dar. Dieser geht von einem „doinggender“ aus. Das bedeutet, dass eine Geschlechtsidentität entsteht immer nur in Interaktion mit der Umwelt, das biologische Geschlecht spiele keine Rolle in der Konstruktion von Geschlechtsidentitäten.
2 Hiermit meine ich bei Männern Penis, Hoden und Hodensack, bei Frauen dementsprechend Vulva,
Vagina, Eierstöcke, Klitoris, Gebärmutter und Eileiter
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2.1 Biologistische Erklärungsansätze
Die biologistischen Erklärungsansätze haben die längste Tradition in der Erforschung der Geschlechtsidentitäten. Grundlegend hierbei ist die Annahme, dass es zwischen den Geschlechtern biologisch determinierte Unterschiede gibt, diese würden zu qualitativen Differenzen im Handeln und Verhalten führen. Bis zum ausgehenden 18. Jahrhundert wurden physische Merkmale wie der unterschiedliche Körperbau, Behaarung und physiologische Prozesse wie die Menstruation der Frau zur Begründung eines binären Geschlechtssystems mit zwei inhärenten vorhandenen und polaren Geschlechtsidentitäten herangezogen. Im 19. Jahrhundert entsteht der ‚Glaube an die Keimdrüsen‘; die Eierstöcke und die Hoden geraten in den Blickpunkt der Erklärungsansätze für Verhaltensdispositionen bei Männer und Frauen 3 . Seit Beginn des 20. Jahrhunderts sind die Erbanlagen bzw. die geschlechtsbestimmenden Chromosomen 4 bestimmend in der Debatte darüber welche mikrobiologischen Komponenten zur Ausbildung eines binären Geschlechtssystems geführt habe (vgl. Voß, Heinz (2008) „Wie für dich gemacht“ S. 158-159).
Derzeit herrscht neben der genetisch-biologischen Richtung ferner eine evolutionärbiologische Richtung vor, beide biologistischen Richtungen erfahren besonders populärwissenschaftliche Resonanz im deutschsprachigen Raum. Bei der genetisch-biologischen Richtung werden bestimmte Fähigkeiten und Fertigkeiten auf Grund der biologischen, körperlichen Ausstattung den entsprechenden Geschlechtern zugeordnet. Beispiel für eine genetisch-biologische Erklärung von Geschlechterdifferenzen ist die Intelligenz. So wurde zu Beginn des 21. Jahrhunderts festgestellt, dass genetische Grundlagen für Intelligenz hauptsächlich auf dem X-Chromosom zu finden seien und demnach Intelligenz ein Merkmal ist, das Frauen auf Grund der doppelten Ausstattung mit X-Chromosomen besser zur Verfügung stünde (vgl. http://www.focus.de/wissen/wissenschaft/mensch/ x-chromosom_aid_119869.html vom 17.07.2009). 5
3 Als Beispiel könnte man hier „Freuds Studien zur Hysterie“ bei der Freud Zusammenhänge zwischen
dem Vorhandensein der Gebärmutter bei Frauen zum Auftreten von Hysterie (von grch. Hystera:
Gebärmutter) herstellt. Damit reiht sich Freud jedoch nur in eine lange Tradition, bei der versucht
wurde geschlechtliche, körperliche Merkmale mit auffälligen Verhaltensmustern in Verbindung zu
bringen.
4 Gonosomen: XX für genetische Frauen und XY für genetische Männer
5 Bei der Eingabe von: „Intelligenz x Chromosom“ bei Google erhält man ca. 42.000 Einträge
5
Arbeit zitieren:
Katharina Rahmer, 2009, Chancen und Risiken eines binären Geschlechtersystems, München, GRIN Verlag GmbH
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