1 Situation und Lösungsansätze zur Einzelhandelsversorgung peripher ländlicher Räume
Inhalt
1 Einleitung 2
2 Definition: „ländlicher Raum“ 2
2.1 Abgrenzung: „peripher ländlicher Raum“ 3
3 Entwicklung des peripher ländlichen Raumes in Deutschland 4
3.1 Demographie 6
4 Einzelhandelsversorgung in peripher ländlichen Räumen in den alten 7
Bundesl ändern
4.1 Fallbeispiel: Münsingen 8
4.1.1 Lösungsstrategien 14
5 Einzelhandelsversorgung in peripher ländlichen Räumen in den neuen 14
Bundesl ändern
5.1 Fallbeispiel: Lübz 17
5.1.1 Lösungsstrategien 19
6 Vergleich der Situation in Ost- und Westdeutschland 20
7 Langfristige Lösungsstrategien 21
8 Fazit 21
9 Literaturverzeichnis 23
1 Einleitung
Diese Arbeit soll die Situation der Einzelhandelsversorgung im peripher ländlichen Raum darstellen und Lösungsansätze für bestehende Probleme aufzeigen. Hierzu wird zunächst eine allgemein gültige Definition von „ländlicher Raum“ gegeben, um diese dann zum Begriff „peripher ländlicher Raum“ abzugrenzen. Um die momentane Situation erläutern zu können, ist es wichtig ein Verständnis für die besonderen Gegebenheiten im peripher ländlichen Raum zu Grunde zu legen. Hier für soll in Kapitel 3 kurz die Entwicklung des peripher ländlichen Raumes in Deutschland, und der daraus resultierende und damit verbundene
Bedeutungswandel dargestellt werden.
Wie dieser Wandel sich auf die Einzelhandelsversorgung ausgewirkt hat wird in den folgenden Kapiteln beschrieben und anhand von Fallbeispielen erläutert. Hier werden explizit die Situation sowie vorhandene Lösungsstrategien beschrieben. Aufgrund der unterschiedlichen Entwicklung in Ost- und Westdeutschland werden auch die Fallbeispiele differenziert. Besonders an ihnen lassen sich die eventuellen Lösungsansätze aufzeigen sowie deren Notwendigkeit verdeutlichen. Anschließend wird die Situation im Osten Deutschlands mit der im Westen zusammenfassend verglichen.
2 Definition: ländlicher Raum
Ländliche Räume haben sich aufgrund von historischen, geographischen und sozioökonomischen, ungleichen Entwicklungen herausbilden können. Spricht man heute allgemein von „ländlicher Raum“, so treffen auf eine solche Region unterschiedlichste Aussagen zu:
„- geringe Bevölkerungsdichte und disperse Siedlungsstruktur
- hohes Potenzial für landschaftliche Nutzungen wie Siedlung, Gewerbe, Freizeit, Tourismus, Natur- und Ressourcenschutz etc.
- große Einzugsgebiete erschweren die Einrichtung und Erreichbarkeit zeitgemäßer Infrastruktur und Versorgungseinrichtungen
- geringe Erwerbsquote
- geringe Arbeitsplatzdichte mit der Folge eines hohen Anteils von Berufspendlern
- vergleichsweise hoher Anteil landwirtschaftlicher Aktivitäten, geringe Anteil an Dienstleistungen“( MLR Baden-Württemberg 2008, S.1).
Dennoch ist eine strenge Abgrenzung des ländlichen Raumes nach Maßzahlen, wie zum Beispiel Bevölkerungsdichte, nicht möglich. Eine allgemein gültige Definition ist auf Grund der komplexen unterschiedlichen Ausprägungen verschiedener ländlicher Räume auch nicht möglich (vgl. Grothues R. 2006, S.6).
2.1 Abgrenzung: „peripher ländlicher Raum“
Da es verschiedene Ausprägungen von ländlichen Räumen nach dem oben genannten Aussagen gibt, muss differenziert werden. Ländliche Räume in der Nähe von großen Städten oder Verdichtungsräumen „verschmilzen“ zunehmend mit den Agglomerationen und lassen sich nicht mehr klar abgrenzen, so entsteht ein sogenanntes Stadt-Land-Kontinuum (vgl. Heineberg, H. 2004, S.253). Da für diese Arbeit speziell der peripher ländliche Raum von Bedeutung ist, kann hierfür eine Typisierung des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung herangezogen werden. Hier wird unterschieden zwischen „Ländlichen Räumen höherer Dichte“ und „Ländlichen Räumen geringerer Dichte“ (vgl. Abb.1).
Abb.1 Typisierung des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung für unterschiedliche ländliche Räume
Quelle: Bundesamt für Bauordnung und Raumplanung (Hrsg.) 2007.
Für die Typisierung nach Kreisen bzw. Kreisregionen gilt: (1.) „Ländliche Kreise höherer Dichte“ weisen mehr als 100 Einwohner pro qkm auf und (2.) „Ländliche Kreise geringerer Dichte“ weisen weniger als 100 Einwohner pro qkm auf (vgl. Eglitis, A. 1999, S.3).
Peripher ländliche Räume weisen also eine geringere Einwohnerdichte auf und liegen geographisch weiter von Agglomerationsräumen entfernt. Somit sind sie weniger intensiv mit ihnen verflochten (vgl. Neuer, B. / Thieme, G. 2006, S.15). Als Indikator hierfür kann beispielsweise die Zeit herangezogen werden, welche benötigt wird um mit dem PKW das nächstgelegene Oberzentrum zu erreichen. In „Ländlichen Räumern höherer Dichte“ beträgt der Wert im Mittel 39 Minuten und in „Ländlichen Räumen geringerer Dichte“ 45 Minuten (vgl. Neuer, B. / Thieme, G. 2006, S.15). Diese Zahlen spiegeln bereits die Notwendig einer Nahversorgung mit Einzelhandel (nicht nur) in den peripher ländlichen Räumen wieder, denn viele Personengruppen können sich nicht am motorisierten Individualverkehr partizipieren.
3 Entwicklung des peripher ländlichen Raumes in Deutschland
Die ländlichen Räume in Deutschland haben einen starken Bedeutungswandel, und damit verbunden, einen strukturellen Wandel durchlaufen.
Beginnend mit dem Bedeutungsrückgang der Landwirtschaft und stagnierender Bevölkerungszahlen in der Nachkriegszeit, kam es zu einem physischen Verfall der Bausubstanz sowie zu Defiziten in der Infrastrukturausstattung. Der Strukturwandel in der Wirtschaft führte zu weiterem Bedeutungsverlust der Landwirtschaft sowie deren vor- und nachgelagerten Branchen. Erhöhte Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung waren die Folge. Industrie siedelte sich häufig nur in Gebieten mit Nähe zu Agglomerationsräumen an, so dass dieser wirtschaftliche und strukturelle Impuls in peripher ländlichen Regionen auch meist aus blieb. Wichtige Förderprogramme für diese Regionen waren die „Gemeinschaftsaufgaben Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ und „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ des Bundes. Auch die EU beteiligte sich mit Strukturfonds an den Bemühungen Impulse in peripher ländlichen Regionen zu erzielen. Fördermaßnahmen bezogen sich in der Vergangenheit lediglich auf die
Modernisierung der Landwirtschaft und die soziale Absicherung der in der Landwirtschaft Tätigen (vgl. Eglitis, A. 1999, S.5f). Während ländliche Räume in Nähe zu Ballungsräumen ein breites Spektrum an Funktionen erfüllen (vgl. Abb.2), und davon stark profitieren, sind die peripher ländlichen Regionen nach wie vor von Defiziten betroffen. Es herrscht ein Mangel an Arbeitsplätzen, vor allem mit höherem Qualifikationsniveau und außerhalb des primären Sektors. Hinzu kommen infrastrukturelle Defizite, besonders in den Bereichen Verkehr, ÖPNV und auch Bildung.
Abb.2 Funktion des ländlichen Raumes
Quelle: Heineberg, H. 2004, S. 245
Aus diesen Entwicklungen resultieren entscheidende demographische Entwicklungen, welche wiederum mit für die Situation des Einzelhandels in solchen Regionen verantwortlich gemacht werden können.
Arbeit zitieren:
B.Sc. Fabian Seyffarth, 2008, Situation und Lösungsansätze zur Einzelhandelsversorgung peripher ländlicher Räume, München, GRIN Verlag GmbH
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