Inhaltsverzeichnis 1
1 Einleitung 2
2 Analyse der historischen Jugendliteratur 2
2.1 Definition - Was sind historische Jugendbücher? 2
2.2 Klassifikation der Gattung an Beispielen verschiedener Theoretiker 3
2.3 Historischer Abriss zur historischen Jugendliteratur 5
2.4 Historisch-politischer Stellenwert der Literaturgattung 6
3 Werkanalyse historischer Jugendbücher an Beispielen 7
3.1 Das Jugendbuch als Quelle - Kriterien für die Analyse 7
3.2 Erich Maria Remarque: „Im Westen nichts Neues“ 8
3.3 Ernst Jünger: „In Stahlgewittern“ 12
4 Das Jugendbuch als schriftliche Quelle 14
4.1 Die Verwendung im Geschichtsunterricht 14
4.2 Gegenwartsrelevanz der Verwendung von historischen Jugendbüchern 19
5 Anlagen 24
5.1 Anlage 1: „Im Westen nichts Neues“ - Textausschnitt 24
5.2 Anlage 2: „In Stahlgewittern“ - Textausschnitt 24
6 Quellen- und Literaturverzeichnis 25
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1 Einleitung
Meine Hausarbeit befasst sich mit der Fragestellung, welche Relevanz die Verwendung von historischen Jugendbüchern als schriftliche Quelle für die Gegenwart hat. Als Lektürebeispiele zur Beantwortung dieser Frage wählte ich „Im Westen nichts Neues“ von Erich Maria Remarque und in „Stahlgewittern“ von Ernst Jünger. Anhand dieser beiden Bücher, die an sich keine Jugendbücher sind, aber dennoch als Lektüre für die Schülerinnen und Schüler verwendet werden, werde ich nachweisen, warum der Einsatz solcher schriftlichen Quellen relevant für den Geschichtsunterricht der Gegenwart ist. Beginnen werde ich mit einer Analyse der historischen Jugendbücher in Form von schriftlichen Quellen. Neben der Definition wird auch die Klassifikation der Jugendbücher in Gattungen eine Rolle spielen. Im Anschluss widme ich mich der Werkanalyse meiner gewählten Beispiele und werde dann detailliert auf die Funktion des Jugendbuches als schriftliche Quelle im Geschichtsunterricht eingehen, sowie die Gegenwartsrelevanz klären.
Wesentlich ist für das Thema, welche Wirkungen der Einsatz der benannten Literatur auf die Schülerinnen und Schüler hat. Ich werde erklären, warum der Einsatz der schriftlichen Quelle - eben des historischen Jugendbuches - welche Wirkung erzielen kann und sollte.
Ich nutzte für die Bearbeitung die neuste Literatur zum Thema („Jugendbücher im Geschichtsunterricht“ von Monika Rox-Helmer, 2006 erschienen), um eine zeitgemäße Bearbeitung zu gewährleisten. Allerdings griff ich auch auf ältere Werke, beispielsweise von Markmann zurück, um die Entwicklung in der Forschung zu verdeutlichen.
2 Analyse der historischen Jugendliteratur
2.1 Definition - Was sind historische Jugendbücher?
Laut Dietmar von Reeken seien historische Jugendbücher direkt für die Zielgruppe Kinder und Jugendliche konzipiert und spielen in der Vergangenheit. 1
1 Vgl. Reeken, Dietmar von: Das historische Jugendbuch, in: Pandel, Hans-Jürgen & Schneider, Gerhard
(Hg.): Handbuch Medien im Geschichtsunterricht, 2. Aufl., Schwalbach/Ts. 2002, S. 69.
2
Georg Veit sieht die Gattung der Jugendliteratur für Jugendliche vom 10. bis zum 16. Lebensjahr konzipiert, die eine „Pädagogisierung“ leistet. Die Wirkungsabsicht der Erziehung in der Jugendliteratur sei auffälliger, als in jedem anderen Genre. 2 Hans-Jochen Markmann versteht unter historischen Jugendbüchern jene Werke, „die historische Sachverhalte sachkundig und sachangemessen in Text und Bild nicht erwachsenen Lesern vermitteln“ sollen. 3
Für Monika Rox-Helmer ist das historische Jugendbuch „ein Buch, das in der Vergangenheit für Jugendliche geschrieben wurde und das jetzt als Quelle verstanden wird.“ 4 Dem neusten Forschungsstand folgend würde dies bedeuten, dass „Im Westen nichts Neues“ und „In Stahlgewittern“ schriftliche Quellen sind, die aus zeitlicher Distanz heraus Themen der Vergangenheit, genauer gesagt den Ersten Weltkrieg, behandeln. 5
2.2 Klassifikation der Gattung an Beispielen verschiedener Theoretiker
Holger Zimmermann beschreibt vier Grundtypen der historischen Jugendliteratur, die den Umgang mit Geschichte unterschiedlich präsentieren. Zunächst wäre laut Zimmermann die „geschichtsdidaktische Kinder- und Jugendliteratur“ zu nennen (hier kann man beispielsweise „Sofies Welt“ von Jostein Gaarder ansiedeln). Dieser Grundtypus möchte primär geschichtliche Ereignisse vermitteln und diese ideologisch oder wissenschaftlich bewerten. Die Qualität der literarischen Grundzüge wird hier vernachlässigt, vielmehr kommt es darauf an, dass der Lesen sich identifizieren und einen Bezug zur Gegenwart darstellen kann. 6 Die „geschichtliche Abendteuerliteratur“ habe primär die Motivation, Spannung zu verbreiten. Die Handlung würde hier in einer fremdartigen Welt stattfinden, ein Held bricht aus seiner Umgebung freiwillig aus, um Großartiges zu leisten. Reale Ereignisse finden laut Zimmermann durch Fantasiegebilde Anklang. 7
2 Vgl. Veit, Georg: Historische Jugendliteratur, in: Bergmann, Klaus, Schneider, Gerhard u.a. (Hg.):
Handbuch der Geschichtsdidaktik, 5. völlig neu bearbeitete Aufl., Seelze 1997, S. 440f.
3 Markmann, Hans-Jochen: Das historische Kinder- und Jugendbuch, in: Pandel, Hans-Jürgen &
Schneider, Gerhard (Hg.): Handbuch Medien im Geschichtsunterricht, Düsseldorf 1985, S. 123.
4 Rox-Helmer, Monika: Jugendbücher im Geschichtsunterricht, Schwalbach/Ts. 2006, S. 12f.
5 Vgl. ebd., S. 13.
6 Vgl. Zimmermann, Holger: Geschichte(n) erzählen. Geschichtliche Kinder- und Jugendliteratur und ihre
Didaktik, Frankfurt/M. 2004, S. 73ff.
7 Vgl. ebd., S. 87f.
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Der „Adoleszenzroman“ zeigt moderne familiäre Strukturen vor einem historischen Hintergrund auf und beschäftigt sich mit Heranwachsenden, die ihre eigene Identität formen müssen. Dieser Typus ist laut Zimmermann seit den 1970´er Jahren existent. 8 Seit den 1990´er Jahren habe sich ein neuer Typus integriert, den Zimmermann „phantastische Literatur“ nennt. Hier würde es beispielsweise um Zauberkünste und Zeitreisen gehen. Mit realen historischen Fakten bräuchte man bei diesem Typus nicht mehr zu rechnen. 9
Hans-Jürgen Markmann klassifiziert die Gattung anders als Zimmermann und beruft sich hierbei auf Hermann Bertleins Werk „Das geschichtliche Buch für die Jugend“ von 1974. Für Markmann sind gerade die gesellschaftlichen Funktionen des historischen Jugendbuches entscheidend, sodass er sich mit der Klassifikation Bertleins identifizieren kann. 10
Hermann Bertlein unterscheidet „Enzyklopädismus“ (ab 1750), „Philanthropinismus“ (ab 1780), „Nationalstaatliche Vaterlandsliebe“ (ab 1810), „Biedermeierlich verdünnte Romantik“ (ab 1840), „Obrigkeitsstaatlicher Patriotismus“ (ab 1870), „Neuromantischer Traditionalismus“ (seit 1910/20), „Völkische Ideologie“ (1933) und die „Prozessiv verstandene Geschichtlichkeit“ (ab 1945). 11
Georg Veit unterscheidet bei historischen Jugendbüchern zunächst zwischen Belletristik und Sachbuch und ordnet beiden Gruppen dann Kriterien zu, um diese genauer zu klassifizieren. Belletristik müsse laut Veit durch „ästhetische“, „rezeptionsfunktionale“, „ethische“ und „historisch-politische“ Kriterien genauer untersucht werden. Bei Sachbüchern sind die „wissenschaftliche[n]“, „ethische[n]“, „rezeptionsfunktionale[n]“ und zuletzt die „ästhetische[n]“ Kriterien nötig, um eine genaue Klassifikation vorzunehmen. 12
8 Vgl. ebd., S. 96f.
9 Vgl. ebd., S. 108f.
10 Vgl. Markmann, Hans-Jochen: Das historische Kinder- und Jugendbuch, in: Pandel, Hans-Jürgen &
Schneider, Gerhard (Hg.): Handbuch Medien im Geschichtsunterricht, Düsseldorf 1985, S. 124.
11 Vgl. Bertein, Hermann: Das geschichtliche Buch für die Jugend, Frankfurt 1974, S.61f.
12 Vgl. Veit, Georg: Historische Jugendliteratur, in: Bergmann, Klaus, Schneider, Gerhard u.a. (Hg.):
Handbuch der Geschichtsdidaktik, 5. völlig neu bearbeitete Aufl., Seelze 1997, S. 443f.
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Monika Rox-Helmer fasst eine andere Klassifikation ins Auge, weist aber darauf hin, dass die Übergänge zwischen den einzelnen Genres fließend sind. Sie unterscheidet generell Romane und Sachbücher. Der Unterschied liegt hierbei für sie in der Darstellungsform. Sachbücher seien keine fiktiven Erzählungen, sondern Bücher, in denen „ein bestimmter historischer Sachverhalt dargestellt wird“. 13 Mittlerweile sei der Trend zu erkennen, dass Bildmaterialien verwendet werden, um das Thema visuell darzustellen. Rox-Helmer zeigt auf, dass die Grenzen zwischen Sachbüchern und Romanen leicht überbrückbar sind, indem man beispielsweise eine fiktive Figur in die Handlung eines Sachbuches einsetzt. 14 Neben den genannten Genres weist die Autorin auch auf interaktive Abenteuerromane (Leser entscheidet, wie die Handlung richtig weiter gehen muss), die Nacherzählung historischer Texte und die Comics hin. 15
2.3 Historischer Abriss zur historischen Jugendliteratur
Zimmermanns historischer Abriss beginnt im 17. Jahrhundert, als die Themen historischer Jugendbücher biblische Erzählungen gewesen seien. Da sich Ende des 18. Jahrhunderts die Geschichtswissenschaft immer weiter entwickelte, löste man sich laut Zimmermann von den alten Themen und befasste sich fortan mit den Entdeckungsfahrten im 15. und 16. Jahrhundert. Nach 1815 fand eine Neuorientierung statt, weltgeschichtliche Ereignisse seien damals der deutschen Geschichte gewichen. Nach 1871 seien „Heldentum“, „Krieg“ und „Kolonialismus“ als Themen aufgegriffen wurden, Autoren waren meist durch Kultuseinrichtungen Beauftragte oder Lehrer. In der Weimarer Republik seien die Themen identisch gewesen. Während der NS-Zeit wurden laut Zimmermann vor allem der Erste Weltkrieg, sowie die Vor- und Frühgeschichte thematisiert. Die Autoren in der BRD mieden bis in die 1960´er Jahre, die NS-Zeit zu thematisieren. Seit den 1950´er Jahren nahmen in der DDR historische Jugendbücher einen wichtigen Platz ein, bekannte Autoren seien beispielsweise Renn, Bredel und Meinck gewesen. 16
13 Rox-Helmer, Monika: Jugendbücher im Geschichtsunterricht, Schwalbach/Ts. 2006, S. 14.
14 Vgl. ebd.
15 Vgl. ebd., S. 15.
16 Vgl. Zimmermann, Holger: Geschichte(n) erzählen. Geschichtliche Kinder- und Jugendliteratur und
ihre Didaktik, Frankfurt/M. 2004, S. 26-30.
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Dietmar von Reeken sieht die Anfänge des historischen Jugendbuches in der Zeit der Aufklärung. Zunächst seien in den ersten Jahrzehnten nur Sachdarstellungen veröffentlicht wurden, im 19. Jahrhundert hätten sich dann allerdings historische Erzählungen durchgesetzt. Die Entwicklung des historischen Jugendbuches nach 1871 beschreibt von Reeken ähnlich, wie Zimmermann, fügt aber hinzu, dass die „Dominanz der deutschen Geschichte“ in den 1970´er und 1980´er Jahren zugunsten anderer Themenfelder weichen musste. Laut von Reeken verzichteten die Autoren vermehrt auf die Darstellungen einzelner Geschehnisse oder Persönlichkeiten, sondern schrieben über die Alltagsgeschichten vergangener Zeiten. 17
Die Geschichtsdidaktik erkannte laut von Reeken die historische Jugendliteratur als eigenständiges Thema in den 70´er Jahren des 20. Jahrhunderts. Der Theoretiker führt Dieter Riesenberger an, der 1973 feststellte, dass historische Jugendbücher Klischees vermitteln und feststehende Werte weiter zementieren wollen, allerdings nicht kritisch hinterfragen und eher weniger geschichtliches Wissen vermitteln. Laut von Reeken fand Riesenbergers Beitrag aber kaum Anklang und wurde auch nicht in aktuelle Diskussionen integriert. Überhaupt habe die Diskussion zum historischen Jugendbuch 1985 mit der Dissertation von Elisabeth Ott ihren Höhepunkt erreicht, seitdem seien keine neuen Forschungsaspekte hinzu gestoßen und hätten die Diskussion beflügelt. Von Reeken meint, eine Forschung zum Thema sei dringend nötig. Beispielsweise möchte von Reeken Kriterien zur Analyse von historischen Jugendbüchern, Studien zur Historie der Gattung oder Studien, die international vergleichend geführt werden. 18 Georg Veit meint dagegen, dass gerade in den letzten Jahren in der Forschung neue Erkenntnisse gewonnen wurden, so zuletzt durch Kaminski im Jahre 1994, der davon ausging, sei dem Zeitalter der Aufklärung seien verstärkt pädagogische Wirkungsabsichten der Autoren erkennbar. Gerade in den letzten zwanzig Jahren seien verstärkt politisch motivierte historische Jugendbücher auf den Markt gekommen, die zur Gewaltlosigkeit, Gleichheit und Gleichberechtigung aufrufen. Helden seien jetzt verstärkt Jugendliche, die gegen den Storm schwimmen und extrem selbstbewusst sind.
17 Vgl. Reeken, Dietmar von: Das historische Jugendbuch, in: Pandel, Hans-Jürgen & Schneider, Gerhard
(Hg.): Handbuch Medien im Geschichtsunterricht, 2. Aufl., Schwalbach/Ts. 2002, S. 72f.
18 Vgl. Reeken, Dietmar von: Das historische Jugendbuch, in: Pandel, Hans-Jürgen & Schneider, Gerhard
(Hg.): Handbuch Medien im Geschichtsunterricht, 2. Aufl., Schwalbach/Ts. 2002, S. 74ff.
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Robert Griebsch, 2006, Verwendung des historischen Jugendbuches im Geschichtsunterricht, München, GRIN Verlag GmbH
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