Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Gefahren für Kulturgut unter Wasser 4
3. Maßnahmen zum Schutz von Kulturgütern 6
4. Rechtliche Fragestellungen 8
5. Zusammenfassung 11
6. Literatur 12
7. Abbildungen 13
2
1. Einleitung
Im Laufe der Menschheitsgeschichte hat sich nicht nur an Land, sondern gerade auch unter Wasser eine große Menge an Fundstellen und Einzelfunden angesammelt. Jede Seefahrernation hat im Laufe der Zeit Schiffe eingebüßt, die nun als Wracks auf dem Meeresgrund liegen. Gleichermaßen gab es immer wieder Verschiebungen der Küstenlinien, bei denen manchmal neues Land nutzbar wurde, häufig aber Regionen im Zuge von Katastrophen wie Sturmfluten oder Erdbeben verloren gingen, so daß viele Spuren menschlichen Wirkens im Meer versanken. All diese gerade genannten Hinterlassenschaften werden für gewöhnlich unter Berufung auf verschiedene Abkommen zum Schutz von Kulturgut einerseits, andererseits auf das Völkerrecht (Art. 149 und Art. 303 UN/SRÜ) mit Termini wie „kulturelles Erbe“ oder „Kulturgut“ zusammengefaßt. Nach Maßgabe der UNESCO-Konvention zum Schutz des kulturellen Erbes unter Wasser von 2001 lassen sich diese Begriffe definieren als „alle Spuren menschlicher Existenz von kulturellem, historischem oder archäologischem Charakter, die seit mindestens 100 Jahren, zeitweise oder durchgängig, zum Teil oder vollständig unter Wasser liegen“. An die Definition schließt eine Auflistung an, in der im Einzelnen geklärt wird, welche Befund-und Fundarten gemeint sind. 1 Ganz allgemein können dies Einzelfunde wie z. B. Steinwerkzeuge oder Knochen urzeitlicher Tiere und Menschenformen sein, wie sie in Nord-und Ostsee gelegentlich als „Beifang“ in Fischernetzen auftauchen. 2 Daneben gibt es in Küstennähe, aber auch weiter in seewärts gelegenen, ehemals trockenen Regionen (z. B. Doggerland) versunkene Siedlungsreste. 3 Der vom Umfang her größte Anteil entfällt dabei sicherlich auf Wracks von Schiffen, die seit Anbeginn der Seefahrt in Nord-und Ostsee untergegangen sind. 4 Im Folgenden sollen zunächst die Gefahren vorgestellt werden, die für Kulturgüter unter Wasser bestehen. Anschließend wird es einen Überblick zu den Maßnahmen geben, die präventiv und im Ernstfall zum Schutz der Fundstellen ergriffen werden. Zum Schluß wird die rechtliche Situation in Bezug auf die verschiedenen Interessengruppen, Erhaltung und Sicherstellung bzw. Bergung submariner Kulturgüter umrissen. Aufgrund der Komplexität der Thematik, nicht allein deshalb, weil es keine weltweit anerkannte Gesetzgebung in dieser Angelegenheit gibt, konzentrieren wir uns hauptsächlich auf die Situation, wie sie sich in Nord-und Ostsee darstellt. Bei einigen Beispielen müssen wir zur Veranschaulichung von Sachverhalten diese
1 Herzog, Kulturgut (2002) 27-64; Wilder, in: DCJ 67, 2000, 104f. UNESCO-Konvention nach: http://portal.unesco.org/en/ev.php-URL_ID=13520&URL_DO=DO_TOPIC&URL_SECTION=201.html (8.07. 2010).
2 Haßmann, in: AiD 6/2009, 19; Segschneider, in: AiD 6/2009, 28-30.
3 Haßmann, in: AiD 6/2009, 18f; Niederhöfer, in: AiD 6/2009, 26f; Segschneider, in: AiD 6/2009, 28-31.
4 Haßmann, in: AiD 6/2009, 18; Weski, in: AiD 6/2009, 32-35.
3
Region kurzfristig verlassen.
2. Gefahren für Kulturgut unter Wasser
Wir können bei den Gefahren für unter Wasser liegende Kulturgüter grundsätzlich natürliche Faktoren von solchen unterscheiden, die auf ein Eingreifen von Seiten des Menschen zurückgehen. 5 Zu den natürlichen Faktoren rechnet man einerseits Umwelteinflüsse wie Erosion und Sturmfluten, durch die Fundstellen verschüttet oder z. B. ein Wrack aus seiner ursprünglichen Position verlagert werden kann. 6 Parasitärer Befall (Abb. 1), z. B. durch Mikroorganismen, Pilze oder die sogenannte Pfahl-bzw. Schiffsbohrmuschel (Teredo navalis), genauso aber Korrosion andererseits sind Probleme, von dem die hölzernen und metallenen Überreste von Schiffen in küstennahen Gewässern betroffen sind, sofern sie nicht recht bald nach ihrem Untergang von Sediment überlagert wurden. 7 Um zu ermitteln, wie sich ein parasitärer Befall von Wracks auswirkt, wurden Projekte (Abb. 2) zur langfristigen Beobachtung einzelner, ausgewählter Fundplätze und Versuchsreihen, bei denen Proben unterschiedlicher Holzarten unter Wasser installiert werden, ins Leben gerufen. 8 Im Gegensatz zu den ökologischen Faktoren haben von Menschen verursachte Gefahren für die Kulturgüter gerade in letzter Zeit massiv an Bedeutung gewonnen, wofür ein immer höheres Verkehrsaufkommen auf den Seerouten, nicht zuletzt aber auch Forschritte in der Unterwassertechnologie in den letzten Jahrzehnten verantwortlich gemacht werden können. 9 In den Küstengewässern etwa kommen Projekte zur Anpassung der Tiefe von Fahrrinnen an die Bedürfnisse moderner Schiffe zum Tragen. Hierbei wird Sediment vom Meeresboden abgesaugt und an anderer Stelle wieder abgeladen, eventuell vorhandene Fundstücke also aus ihrem Kontext gerissen. Im Zuge der Fahrrinnenanpassung müssen zuweilen auch bekannte Wracks aus den Fahrrinnen entfernt werden, sollten diese sich als Hindernisse erweisen. In dem anschließenden Seegebiet (Ausschließliche Wirtschaftszone) finden, ausgelöst durch wirtschaftliche Interessen, größere Eingriffe in den Meeresboden in Gestalt von Baumaßnahmen statt, bei denen unterseeisch Öl-oder Gaspipelines und die Fundamente für Bohrplattformen oder Offshore-Windparks angelegt werden. In dieser Zone werden vermehrt in großem Maßstab Rohstoffe, wie z. B. Kies oder Erdöl ausgebeutet, was eine zusätzliche Gefährdung der Fundstellen
5 Haßmann, in: AiD 6/2009, 19f; Lüth et al., in: AiD Sonderheft (2004) 100 unterscheidet allerdings vermeidbare und unvermeidbare Faktoren. Im Ergebnis werden jedoch die gleichen Gefahren aufgezählt.
6 Haßmann, in: AiD 6/2009, 19f; Lüth et al., in: AiD Sonderheft (2004) 100.
7 Lüth et al., in: AiD Sonderheft (2004) 8. 101; Weski, in: AiD 6/2009, 34.
8 Lüth et al., in: AiD Sonderheft (2004) 8. 100f.
9 Lüth et al., in: AiD Sonderheft (2004) 15-18; Schmid, in: IKUWA ´99 (2000) 593f; Weski, in: AiD 6/2009, 33-35.
4
mit sich bringt, zumal hier ebenfalls der Boden abgesaugt und der darin enthaltene Sand umgelagert wird. Eine weitere starke Beeinträchtigung stellt schließlich die Fischerei mit Schleppnetzen dar, die über den Meeresboden geschleift werden und diesen einebnen. 10 Weitere Gefahren gehen von Sporttauchern aus, die aus Unwissenheit oder absichtlich Fundstellen beeinträchtigen können. Häufig nimmt man sich in diesem Falle eine „Souvenir“ aus einem Wrack mit, das man betaucht hat. 11 Durch eine Reihe von Fortschritten in der Tauchtechnologie (hauptsächlich neuartige Tauchgeräte und Gasgemische) ist einerseits ein längerer Aufenthalt in größerer Tiefe möglich geworden, andererseits sind auch die nötigen Geräte finzanziell erschwinglicher geworden, so daß gerade dieses Gefahrenpotential in den letzten Jahrzehnten stetig gewachsen ist. 12 Eine bedenkliche Steigerung findet dieses Phänomen in den kommerziell ausgerichteten Schatztaucherfirmen, die, teilweise ausgerüstet mit modernstem Bergungsgerät und ohne angemessene Beobachtung und Dokumentation des Kontextes, Gegenstände von Fundstellen, zumeist aus Wracks, entfernen, um sie zu verkaufen. Die geborgenen Objekte werden dabei aus ihrem Kontext gerissen und das Fundinventar zerstreut. 13 Solche auf Raubgrabungen spezialisierte Firmen sind aufgrund der eher schwierigen Tauchbedingungen zumindest in der Nordsee nicht allzu aktiv. Dennoch lassen sich einige Beispiele für Einsätze kommerzieller Bergungsunternehmen anführen. Zu nennen ist etwa die Bergung (Abb. 3 - 4) von Fundstücken aus dem Wracks des 1883 bei Borkum gesunkenen Auswandererschiffes Cimbria durch deutsche Firmen (2001: Sea Explorer; 2007: Cimbria Operations LtD & Co. KG). 14 Das gegen Kriegsende versenkte deutsche U-Boot U-534 (Typ IX C/40) wurde 1993 von der dänischen Firma DBA Research Diving Division gehoben (Abb. 5 - 7). Nachdem keine verwertbaren Funde zu Tage getreten waren, lag das Boot zunächst für zwei Jahre in Dänemark und gelangte nach Birkenhead in England. Dort schließlich wurde es zuletzt nach mehreren Jahren, in denen es vor sich hinrostete mit Geldern der Europäischen Union restauriert. 15 Die meisten derartigen Unternehmungen sind allerdings in den USA ansässig und beuten vornehmlich Wracks in lukrativeren Zonen wie der Karibik oder dem Südchinesischen Meer aus. Zum Teil treten sie allerdings als beauftragte eines Staates in Erscheinung. 16 Von solchen Schatzsucherfirmen sind allerdings private Forschungsgesellschaften klar abzugrenzen. Als
10 Haßmann, in: AiD 6/2009, 19f; Lüth et al., in: AiD Sonderheft (2004) 97f. 100; Schmid, in: IKUWA ´99 (2000) 593f. ; Weski, in: AiD 6/2009, 34f.
11 Herzog, Kulturgut (2002) 18; Lüth et al., in: AiD Sonderheft (2004) 100.
12 Herzog, Kulturgut (2002) 10-13; Lüth et al., in: AiD Sonderheft (2004) 16- 18.
13 Herzog, Kulturgut (2002) 13-15; Lüth et al., in: AiD Sonderheft (2004) 8f. 100; Weski, in: AiD 6/2009, 34f.
14 Weski, in: AiD 6/2009, 34f.
15 Schmid, in: IKUWA ´99 (2000) 608.
16 Schmid, in: IKUWA ´99 (2000) 606-612; Weski, in: AiD 6/2009, 34f; Wilder, in: DCJ 67, 2000, 92-102.
5
Arbeit zitieren:
Christian E. Schulz, 2010, Rechtliche Bedingungen für den Denkmalschutz bei Kulturgütern unter Wasser, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Kunst - Architektur, Baugeschichte, Denkmalpflege: neuer Titel erschienen: Rechtliche Bedingungen für den Denkmalschutz bei Kulturgütern unter Wasser
Christian E. Schulz hat einen neuen Text hochgeladen
Vom Aquarium - zum Videobild
Viola Weigel, Kunsthalle Wilhelmshaven
Die UNESCO-Konvention von 1970 und ihre Anwendung: Standortbestimmung ...
Beiträge der Informations- und...
Nachhaltiger Schutz des kulturellen Erbes
Zur ökologischen Dimension des...
Charalampos Katsos
Eine Bilderreise durch die Oze...
Cipriani Settimio, Valeria Camaschella, Davide Bernardini, Marcus Würmli
Bayerisches Denkmalschutzgesetz
Kommentar unter besonderer Ber...
Wolfgang Eberl, Dieter Martin, Franz Dirnberger, Wolfgang Karl Göhner, Johannes Egon Greipl
Denkmalschutzgesetz für Baden-Württemberg
Kommentar und Vorschriftensamm...
Heinz Sieche, Heinz Strobl
0 Kommentare