Fakult ät I - Institut für Sozialwissenschaften // WiSe 09/10
AM3 - Einführung in die Methoden
der Empirischen Sozialforschung
Gliederung
1. Einleitung 2
2. Das zu untersuchende Spektrum: Der Oldenburger Rat 2
3. Rahmenbedingungen (Ort, Zeit Umfeld der Interviews) 3
4. Verlaufsbeschreibung 3
5. Konzeptionelle Ergebnisse (Stärken Schwächen des Fragebogens) 4
6. Hypothesenüberprüfung 4
7. Fazit Ausblick 6
8. Impressionen 7
9. Literaturliste 8
1. Einleitung
Ehrenamtliches Engagement erfährt innerhalb unserer Gesellschaft in den letzten Jahren einen
rasanten Aufschwung - sei es auf politischer, sportlicher oder sozialer Ebene. Vielerorts werden
sogar Titel wie „Mensch des Jahres“ an besonders engagierte Mitmenschen vergeben. So auch in
Oldenburg , wo unlängst über den „Oldenburger des Jahres“ abgestimmt wurde 1 Diese
bemerkenswerte Entwicklung ist Grund genug, die ehrenamtlichen Helfer in Oldenburg
hinsichtlich geschlechtsspezifischer Unterschiede einmal zu untersuchen. Gibt es Abweichungen
in Art, Motivation und Ausmaß ehrenamtlicher Tätigkeit bei Oldenburger Männern und Frauen im
Alter von 18 - 63 Jahren und in welchem Umfang (h/Monat) wird das Ehrenamt eigentlich
betrieben ? Und lässt sich vielleicht eine Aussage treffen bezüglich der Beweggründe für den
unentgeltlichen freiwilligen Dienst an der Gemeinschaft?
Diese Fragen galt es anhand einer Interviewreihe zu beantworten, die ich zusammen mit einem
Kommilitonen im Rahmen der Sitzung des Oldenburger Rats am 22. Februar 2010 durchführte.
2. Der Oldenburger Rat
Der Oldenburger Rat, bestehend aus 50 Mitgliedern aus den verschiedenen Parteien sowie sieben
Mitgliedern aus der Verwaltung, tagt, bestimmt und entscheidet zum Wohle Oldenburgs, indem
er Beschlüsse und Satzungen verabschiedet, welche unmittelbaren Einfluss auf die Oldenburger
B ürger haben 2 Die Mitglieder des Rates erhalten eine Aufwandsentschädigung für ihre Tätigkeit 3 ,
ihr Engagement ist ansonsten rein ehrenamtlich.
1 Vgl. Nordwest-Zeitung v. 02.03.2010.
2 Vgl. dazu: Ratsinformationssystem der Stadt Oldenburg, http://www.oldenburg.de/stadtol/index.php?id 4648 L ,
Zugriff :11.03.2010.
3 Ebd.
2
3. Die Interviews
Passend zur zweiten Ratssitzung am 22. Februar 2010 erschien die Möglichkeit, möglichst viele Ratsmitglieder für unsere Fragebögen- und Interviews über einen bestimmten Zeitraum zur Verfügung zu haben, sehr gelegen. Im ehemaligen Peter-Friedrich-Ludwig-Hospital in Oldenburg fanden sich die Ratsmitglieder ab 17.00 Uhr zu ersten Vorbesprechungen mit den Fraktionen ein, um danach gemeinsam ab 18.20 Uhr im großen Sitzungssaal die Versammlung zu beginnen. Im Vorfeld der geplanten Interviews erkundigten wir uns bei der Ratsvorsitzenden, Fr. Dr. Niewert-Baumann, ob eine Durchführung unseres Vorhabens zu vertreten sei. Nach ihrem Einverständnis schrieb ich ebenfalls die einzelnen Fraktionen des Rats an, um auch dort die jeweilige Zustimmung für unsere Interviews zu bekommen, um Irritationen oder Missverständnisse seitens der Mitglieder zu vermeiden.
Gegen 17.15 Uhr erreichten wir dann den großen Vorraum des Sitzungssaales, wo wir uns mit zwei Stehtischen positionierten, um auch für die Befragten eine möglichst angenehme (Interview-)Situation zu schaffen. Vereinzelt fanden sich dann die Mitglieder ein und wir fragten freundlich, ob sie uns für eine kurze Befragung zum Thema „Ehrenamtliches Engagement in Oldenburg“ zur Verfügung stehen würden.
Während der Durchführung der Interviews wurde mir besonders bewusst, dass die Fragen nicht nur in einer entsprechenden, also gut zu verstehenden Lautstärke gestellt werden mussten, und dass es außerdem hilfreich war, sie nicht nur trocken abzulesen, sondern während der Frage den Blickkontakt zu suchen. Vielen Befragten gab dies ein Gefühl des Interesses an ihrer Meinung und es bestätigte sie in ihren Aussagen. Neben diesen grundlegenden Feinheiten einer Befragung spielte auch die Körperhaltung eine enorm wichtige Rolle. Ich achtete selbst sehr genau darauf, immer offen zugewandt sowie gerade zu stehen, so dass die Befragung hinsichtlich Körpersprache und Gestik stets eindeutig verstanden werden konnte. Die Interaktion zwischen dem Befragten und mir empfand ich selbst als äußerst spannend, da z.B. die Betonung der Fragen hinsichtlich einzelner Formulierungen den eigentlichen Sinn und die zu erwartende Antwort enorm beeinflussen konnte.
4. Verlaufsbeschreibung
Die Interviews selbst verliefen durchweg ohne nennenswerte Komplikationen, so dass von einem reibungslosen Ablauf gesprochen werden kann. Im Vorfeld war mit der Ratsvorsitzenden vereinbart worden, dass wir die Ratsmitglieder ansprechen und daraufhin interviewen dürfen. So nutzten wir die Zeit von 17.15 Uhr bis zum Beginn der Sitzung um 18.20 Uhr auch sehr rege, indem wir möglichst viele Personen ansprachen und alle unserer Bitte für eine kurze Befragung nachkamen. Nach Beginn der Ratssitzung gegen 18.20 Uhr standen uns bis zum Ende der Sitzung keine Mitglieder zur Befragung mehr zur Verfügung, so dass wir die Befragung erst nach der Sitzung wieder aufnehmen konnten. Die Atmosphäre während der Interviews war trotz des teilweise hektischen wie lauten Geräuschpegels im Hintergrund (bedingt durch das ebenfalls anwesende Team des Lokalsender O-Eins, mehrerer Jugendlicher und weiterer anwesender Rats-
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mitglieder) sehr gut und die Befragten standen uns geduldig „Rede und Antwort“. Vereinzelt ergaben sich zwischendurch und auch darüber hinaus kleine und kurzweilige Schilderungen der einzelnen Ratsmitglieder über Art, Herkunft und persönliches Interesse am jeweiligen Ehrenamt. Was daneben überraschte, war die Tatsache, dass sich viele Befragte nach dem Ziel sowie den Modulverantwortlichen unseres Projektes erkundigten, teils aus allgemeinem Interesse oder aus der Tatsache resultierend, dass viele beruflich mit der Fakultät I, Bildungs- und Sozialwissenschaften der Universität Oldenburg in Kontakt stehen (mehrere Befragte sind selbst Soziologen oder Politologen). Die Befragung indes gestaltete sich unproblematisch, wobei sich einige Schwächen des Fragebogens zeigten, auf die ich im Folgenden kurz eingehen möchte.
5. Konzeptionelle Ergebnisse
Nach dem Pretest, den ich mit mehreren Freunden durchführte, entstanden die ersten Eindrücke, die für die weitere Entwicklung der Interviews ungemein wichtig waren, so war es bereits hier möglich, erste (konzeptionelle, begriffliche wie inhaltliche) Schwächen aufzudecken und zu bereinigen. Nachdem diese Änderungen mit eingearbeitet und auch die Anregungen seitens der Dozentin mit eingeflochten waren, hatte der Fragebogen seine aktuelle wie endgültige Form erreicht. Während der Befragung tauchten jedoch mehrere Eigenheiten auf, die im Vorfeld nicht bedacht wurden bzw. in der Form eines Pretests nicht in Erscheinung traten. So zum Beispiel die Beantwortung der Motivationsgründe für ehrenamtliches Engagement. Hier gab es jeweils eine Frage nebst fünf oder sechs Antwortmöglichkeiten. Während des Interviews selbst war es für den Befragten ungemein schwierig sich sechs (teilweise recht ausführliche) Antworten anzuhören und danach eine jeweils individuelle Zuordnung zu treffen. Die Antworten waren in der Anzahl schlicht zu umfangreich und teilweise zu lang formuliert, so dass sich oftmals die Situation des Nachfragens durch den Befragten oder Wiederholens einzelner Antwortmöglichkeiten durch den Interviewer ergab.
Positiv zu erwähnen sind hingegen die allgemeinen Fragen ab Frage 13, die aufgrund ihrer Kürze nicht nur sehr zügig beantwortet wurden, sondern auch inhaltlich mit interessanten Kommentaren seitens der Befragten versehen wurden (Kommentar zu Frage 18: „Wie viele Stunden ich arbeite? Neben meinem Beruf, meiner Familie und meiner Tätigkeit im Bürgerverein verbringe ich die meiste Zeit eigentlich damit, mir diesen Kindergarten hier im Rat anzutun. Sie glauben gar nicht, wie viel Zeit und Nerven DAS kostet!“).
6. Hypothesenüberprüfung
Hinsichtlich der im Vorfeld der Befragung aufgestellten Hypothesen war es besonders wichtig auf eine ausgewogene Mischung zwischen weiblichen und männlichen Befragten zu achten, galt es schließlich herauszufinden, ob sich z.B. Frauen in stärkerem zeitlichen Umfang ehrenamtlich engagieren. Grundlage dafür ist eine konstante Gewichtung innerhalb der Befragten selbst. Da sich an diesem Abend von den insgesamt 50 Ratsmitgliedern nur 34 Personen bereit erklärten, an unserer Befragung teilzunehmen, entsteht an dieser Stelle leider ein eingeschränktes Bild. Die Verteilung von Frauen und Männern, hinsichtlich der Beantwortung unserer Hypothese nach geschlechtsspezifischen Unterschieden enorm wichtig, betrug 70% (Männer) zu 30% (Frauen), so
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Arbeit zitieren:
Roman Behrens, 2010, Das freiwillige Ehrenamt - eine Feldstudie, München, GRIN Verlag GmbH
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