Inhaltsverzeichnis
1 Vorbemerkung 3
2 Vorgehensweise 3
3 Begrifflichkeiten 4
4
mikweh
5
niddah
5
tahara und tumah
4 Historische Herkunft 6
5 Ablauf 7
6 ursprüngliche Bedeutung 8
7 Fragen und Ergebnisse 10
10
Fragen
12
Ergebnisse
8 Vor- und Nachteile 14
14
Vorteile
16
Nachteile
9 Fazit 17
10 Quellenangaben 19
2
1 Vorbemerkung
Zwecks besserer Lesbarkeit habe ich keinen hebräischen Schriftsatz verwandt, sondern die die dieser Sprache entstammenden Begriffe - sofern nicht im Deutschen ebenfalls gebräuchlich wie z.B. Tora - durchgehend klein und kursiv ausgeschrieben
2 Vorgehensweise
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der frauenspezifischen Unreinheit im Judentum, das heißt mit dem durch die Menstruation verursachten Zustand der niddah. Auch nach einer Geburt oder bei gewissen Krankheiten gilt der niddah-Status, doch soll das Hauptaugenmerk nicht auf diesen Formen liegen, sondern die durch Menstruation verursachte Unreinheit im Fokus dieser Arbeit stehen.
Nach der notwendig erscheinenden Klärung der diese Thematik betreffenden Begrifflichkeiten soll ein Überblick über den historischen Ursprung dieser Idee und der damit zusammenhängenden Bräuche gegeben werden; daran anschließend wird der Umgang mit niddah und mikweh im heutigen Judentum beispielhaft beschrieben. Im Anschluss daran soll das Thema in seinem Kern, nämlich seiner Bedeutung, betrachtet werden; dazu wurde eine qualitative und explorative Befragung von sechs Frauen durchgeführt und ihre Aussagen entsprechend ausgewertet.
Ein Fazit wird die Arbeit zusammenfassen und abschließen.
3
3 Begrifflichkeiten
Zur besseren Einordnung der im weiteren Verlauf der Arbeit häufig auftretenden Begriffe seien die wichtigsten hier in Kürze genannt und erläutert.
mikweh
Als mikweh („Wassersammlung“) wird das zur rituellen Reinigung genutzte Wasserbassin bezeichnet. Ursprünglich hatte die Errichtung eines solchen Tauchbades sogar Vorrang vor der Errichtung einer Synagoge. 1 Für eine solche Anlage gelten besondere Regeln: bei dem hier zur Verwendung kommenden Wasser muß es sich um sogenanntes majim chajim, also fließendes Wasser handeln. 2 Dieses muß aus natürlichen Quellen (z.B. Fluss-, Regen- oder Meerwasser) stammen, 3 und darf nicht gepumpt oder geschöpft worden sein. Die zum korrekten Vollzug der tewilah (Untertauchen) benötigte Wassermenge beträgt mindestens 800 Liter. 4
Damit nicht für jedermann direkt erkennbar ist, wer die mikweh wann besucht, ist sie - sofern möglich - in einem unscheinbaren Gebäude untergebracht. 5 Tatsächlich gehen auch nicht nur Frauen in die mikweh, sondern alle Menschen, die zum Judentum konvertieren wollen, 6 aber auch einige Männer vor Schabbatbeginn oder vor hohen Festtagen; 7 dies ist nicht von der Halacha vorgeschrieben, wird jedoch zum Teil als Brauch praktiziert. 8 Auch Tora-Schreiber gehen vor Beginn ihrer Arbeit in die mikweh, 9 und Geschirr wird hier gekaschert, 10 doch dies sei nur am Rande bemerkt.
1 Fonrobert, Charlotte Elisheva: Ein Mikwe für Feministinnen, 2000 auf http://www.bet-debora.de/2001/juedische-familie/fonrobert.htm am 28.04.2007 / Reese, Carolin Hannah: Streitfall Mikweh auf http://www.talmud.de/cms/Die_Mikweh.98.0.html am 28.04.2007.
2 Reese: Streitfall / Wasserfall, Rahel R. (ed.): Women And Water - Menstruation in Jewish Life and Law, Hanover 1999; 264.
3 Bebe, Pauline: isha - Frau und Judentum, Egling an der Paar 2004; 214.
4 http://www.politische-bildung-brandenburg.de/juden/religion/frauen.htm am 25.06.2007
5 Aitken, Lisa: To Be A Jewish Woman, London 1992; 164f.
6 Fonrobert: Feministinnen.
7 Bebe: isha: 214 / Wasserfall: Water; 264.
8 Fonrobert: Feministinnen.
9 Ruerup, Susanna: Taharah, Tumah und Mikvvah auf http://www.hagalil.com/judentum/torah/rabbi-waskow/reinheit.htm am 19.05.2007.
10 Bebe: isha: 214.
4
niddah
Der Begriff niddah bezeichnet die Gesetze, welche sich in der Regel 11 auf eine menstruierende oder eine kürzlich entbunden habende Frau beziehen, den damit einhergehenden Status der „Unberührbarkeit“, die Zeit, in der dieser Status gilt sowie die sich in diesem Zustand befindende Frau selbst. 12
Die Etymologie des Wortes ist nicht ganz klar; die Wurzel lautet vermutlich entweder ndd 13 (fliehen) oder ndh 14 (verjagen). Da sich eine tatsächliche soziale Ausgrenzung der Frauen nicht nachweisen lässt (wie es die Worte nahelegen könnten), bezieht sich der Ausdruck möglicherweise nicht auf die Frau, sondern eher auf das vergossene Blut. 15 Eine gewisse Separation oder zumindest „Sonderstellung“ der Betroffenen aber schwingt dennoch in dem Ausdruck niddah mit. 16
tahara und tumah
Der Begriff tahara wird gemeinhin mit „Reinheit“, tumah in der Regel mit „Unreinheit“ übersetzt. Dies ist zwar nicht falsch, kann im Deutschen allerdings leicht missverstanden werden, da beide Ausdrücke hier mit hygienischen Vorstellungen konnotiert sind. In dem Zusammenhang, in dem sie bei der dieser Arbeit zugrundeliegenden Thematik Verwendung finden, handelt es sich jedoch um Begriffe einer ausschließlich rituellen bzw. kultischen Konzeption, welche ihren Sitz im Leben vormals im Tempelkult hatte. 17 Wenn diese Bezeichnungen in dieser Arbeit verwendet werden, sollten sie also in diesem ihrem ursprünglichen Sinne verstanden werden!
11 Auch eine Frau, welche an nicht durch die Menstruation bedingten Unterleibsblutungen leidet, gilt als niddah. -Ruerup: Taharah.
12 Bebe, Pauline: isha - Frau und Judentum, Egling an der Paar 2004; 229.
13 Fonrobert, Charlotte Elisheva: Menstrual Purity - Rabbinic And Christian Reconstructions Of Biblical Gender, Stanford 2000; 17 / Fonrobert: Feministinnen / Wasserfall: Water; 265.
14 Fonrobert: Reconstructions; 17 / Fonrobert: Feministinnen.
15 ebd..
16 Aitken: Woman; 159.
17 Batmarta, Ina Petermann: Machen Geburt und Monatsblutung die Frau „unrein“?, Zur Revisionsbedürftigkeit eines mißverstandenen Diktum; in: Schottroff, Lusie / Wacker, Marie-Theres (Hrsg.): Von der Wurzel getragen. Christlich-feministische Exegese in Auseinandersetzung mit Antijudaismus. Leiden 1996; 44 / Ruerup: Taharah.
5
4 Historische Herkunft
Die Idee von der Unreinheit einer menstruierenden Frau findet sich im Buch Levitikus; interessanterweise gibt es offenbar zwei unterschiedliche Konzeptionen, dieser Unreinheit und des Umgangs mit ihr:
-Lev 15, 19-30 beschreibt die von der niddah ausgehende und auf Menschen und Gegenstände übertragbare Unreinheit; bei Menschen, welche die Frau oder von ihr verunreinigte Gegenstände berühren, währt die Unreinheit bis zum Abend; Männer, die mit ihr schlafen, werden für sieben Tage unrein. Prinzipiell ist dies jedoch nicht verboten oder mit irgendwelchen Sanktionen verbunden.
-Lev 18,19 dagegen ist Teil einer Aufzählung verbotener Sexualkontakte und untersagt den Geschlechtsverkehr mit einer menstruierenden Frau; dies wird gesteigert in Lev 20,18, wo nämlich sowohl der niddah als auch dem mit ihr verkehrendem Mann die Ausrottung aus der Mitte des Volkes angedroht wird; dies sind ähnliche Sanktionen wie sie für Ehebruch und Inzest gelten 18 und steht in krassem Gegensatz zu der sieben Tage währenden Unreinheit aus Lev 15!
Da es sich bei dieser Arbeit nicht um eine Exegese handelt, soll nun nicht näher auf textkritische Erklärungen für diesen scheinbaren Widerspruch eingegangen werden; festzuhalten ist aber, dass die niddah-Regeln auf zwei unterschiedlichen Kontexten fußen: (kultische) Reinheit/Unreinheit einerseits und Sexualgesetze andererseits. 19
Laut biblischem Befund war eine Waschung für die niddah nicht obligatorisch; ihre Unreinheit verschwand nach sieben Tagen von allein 20 (Lev 15,28), allerdings sollte sie dem
18 Bebe: isha; 231.
19 Greenberg, Blu: On Women And Judaism - A View from Tradition, Philadelphia 1981; 71, 112.
20 Wasserfall, Rahel R.: Menstrual Blood into Jewish Blood;
in: Wasserfall, Rahel R. (ed.): Women And Water - Menstruation in Jewish Life and Law, Hanover 1999; 5.
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Arbeit zitieren:
Andrea Gropp, 2007, Niddah im zeitgenössischen Judentum, München, GRIN Verlag GmbH
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