Inhaltsverzeichnis
1 Inhaltsverzeichnis 2
2 Übersetzung 3
3 Textkritik 4
4 Sprachliche Beschreibung 4
5 Literarkritik 8
8
5.1 Abgrenzung des Textes
9
5.2 Kohärenzprüfung
10
5.3 Wortwahl und Stil
10
5.4 Einheitlichkeit
6 Formkritik 12
13
6.1 Gattungsbestimmung
13
6.2 Sitz im Leben
7 Überlieferungskritik 13
8 Traditionskritik 14
9 Redaktionskritik 16
16
9.1 Entstehungsort
17
9.2 Entstehungszeit
10 Einzelexegese 18
11 Gesamtinterpretation 22
12 Literaturverzeichnis 23
2
1 Und auf der ganzen Erde waren eine Sprache und dieselben Worte.
2 Und es war als sie wanderten von/nach Osten: da fanden sie eine Ebene im Lande Schinear und sie ließen sich dort nieder.
3 Und sie sprachen, jeder zu seinem Genossen: „Wohlan, wir ziegeln Ziegel und brennen sie zu Brand.“ Und so ward ihnen der Ziegel zu Stein und der Asphalt ward ihnen zu Mörtel. 4 Und sie sprachen: „Wohlan, wir bauen uns eine Stadt und einen Turm und seine Spitze in den Himmel und wir schaffen uns einen Namen, damit wir uns nicht zerstreuen übers Angesicht der ganzen Erde.“
5 Und Jahwe stieg herab, zu sehen die Stadt und den Turm, von denen gilt, es bauten sie die Söhne des Menschen.
6 Und Jahwe sprach: „Siehe, ein Volk und eine Sprache ist bei ihnen allen und dies ist der Beginn ihres Tuns; und nun: nichts von dem, wonach sie zu tun trachten, wird für sie unerreichbar sein. 7 Wohlan, wir steigen hinab und verwirren dort ihre Sprache, dass nicht hört ein Mann die Rede seines Genossen.“
8 Und Jahwe zerstreute sie von dort übers Angesicht der ganzen Erde und sie ließen ab, zu bauen die Stadt.
9 Darum nennt man ihren Namen Babel, denn dort verwirrte Jahwe die Sprache der ganzen Erde und von dort zerstreute Jahwe sie [die Menschen] übers Angesicht der ganzen Erde.
3
3 Textkritik
Der textkritische Apparat merkt zu Genesis 11, 1-9 lediglich drei Dinge an; so fügt LXX in Vers 1 „πασιν“ (etwa: „für sie alle“) hinzu. Da damit keine Lese- oder Verständnisschwierigkeit überbrückt wird, handelt es sich gemäß der „Lectio brevior lectio potior“ wahrscheinlich um einen Zusatz, der in der ältesten Version dieses Textes nicht zu finden war. 1 In Vers 8 setzen Smr und LXX zwischen den beiden letzten Worten „wt“ hinzu. Diese Lesart scheint grammatikalisch flüssiger zu sein als die masoretische Version; wieder kann die Regel „Lectio brevior lectio potior“, wenn nicht sogar die „Lectio difficilor lectio probabilior“ angewandt werden. Das bedeutet, dass das Subjekt wohl in einer späteren Bearbeitung des Textes ergänzt wurde. 2
Ebenfalls in Vers 8 fügen Smr und LXX am Satzende „ksdov-wtu“ hinzu und wiederholen damit die aus den Versen 4 und 5 bekannte Formulierung „Stadt und Turm“. Auch hier hilft die „Lectio brevior lectio potior“ weiter, also lässt sich diese Ergänzung als späterer Zusatz deuten. 3
4 Sprachliche Beschreibung
Vers 1
Bei Vers 1 handelt es sich um einen Nominalsatz, den man aufgrund seiner Funktion im Text auch als vorangestellten Zustandssatz bezeichnen kann 4 , da er einen Ausgangszustand schildert, aus dem heraus sich erst die Geschichte entwickelt und der zudem im Gegensatz zu Vers 9 steht. Daher bildet Vers 1 zusammen mit diesem den Rahmen der Erzählung - die Einheitlichkeit des Textes vorausgesetzt (siehe 5 Literarkritik). 5
Das „hvhu“ zu Beginn des Textes ist sinngemäß als eine Art „Es war einmal“ zu verstehen, welches die in weiter zeitlicher Ferne verortete Geschichte einleitet. Ähnlich eingesetzt findet sich das „hvhu“ an verschiedenen Stellen der Bibel, z. B. in 1.Sam 1,1. 6 Bei Vers 1 handelt es sich um die Einleitung der Erzählung.
Vers 2
Das Subjekt des zweiten Verses lässt sich nur aus dem Kontext erschließen (`die Menschen´), denn es bleibt ungenannt. 7
Eine sprachliche Schwierigkeit ergibt sich aus dem „nsen“. Während Westermann das vorangestellte „in“ eindeutig als „von“ übersetzt 8 , diskutiert Soggin auch die Möglichkeit, dass es
1 Kreuzer, Siegfried / Vieweger, Dieter u.a.: Proseminar I. Altes Testament, Stuttgart / Berlin / Köln 1999. S. 45
2 Kreuzer / Vieweger, Proseminar I. S. 45
3 Kreuzer / Vieweger, Proseminar I. S. 45
4 Westermann, Claus: Genesis 1-11, BK.AT I/1, Neukirchen-Vluyn, 1974. S. 710/722
5 Westermann, Claus: Am Anfang - 1. Mose; Teil 1, Die Urgeschichte / Abraham, Neukirchen-Vluyn 1986. S. 121
6 Soggin, J. Alberto: Das Buch Genesis, Darmstadt 1997. S. 176
7 Westermann, Genesis. S. 723
8 Westermann, Genesis. S. 724
4
als „nach“ / „in Richtung“ verstanden werden kann, wie dies möglicherweise auch in Gen 2,8 und Gen 4,16 der Fall ist. Verhielte es sich so, dann wäre die Herkunft des Subjektes der syropalästinische Raum. Verhielte es sich anders und müsste die Präposition als „von“ interpretiert werden, wäre eine Gegend im Bereich der iranischen Hochebene die ursprüngliche Heimat der Menschen dieser Geschichte. Dies könnte mit der sumerischen Tradition verbunden werden, nach der die Bewohner Mesopotamiens aus dem heutigen (südlichen) Iran eingewandert seien. 9 Die Exegetin ließ dies in der Übersetzung offen, tendiert aber zu letztgenannter Deutungsmöglichkeit.
Vers 2 hat die „Sprachform des Itinerars“. 10 Dieses besteht aus drei verschiedenen Vorgängen, welche alle in Vers 2 genannt sind: dem Aufbruch - dem Finden - dem Sich-Niederlassen. 11 Wie Westermann anmerkt, bewegt sich das Itinerar „aus dem fernen Dunkel der Vorzeit in die hellen Anfänge der Geschichte.“ 12
Damit erfüllt es hier zwei Funktionen: einerseits tritt hier das geschichtliche Geschehen andeutungsweise aus der Urgeschichte hervor 13 (wie dies insgesamt für den ganzen Text gilt - 11 Gesamtinterpretation), andererseits kann erst aus dem Zustand des Sich-Niederlassens die im weiteren Verlauf des Textes beschriebene Handlung heraustreten. 14
Dass es sich in Vers 2 um einen Übergang der Urgeschichte zur Geschichte handelt, erhellt der Umstand, dass eine geographische Bezeichnung - „Lande Schinear“ - gebraucht wird, was dem geschichtlichen Geschehen zuzuordnen ist. 15
Dass „Schinear“ als Babel zu verstehen ist (siehe Vers 9) zeigt bereits Gen 10,10. 16 Vers 2 enthält die Exposition.
Vers 3
In Vers 3 setzt die eigentliche Handlung ein, indem die Menschen einen Beschluss fassen und ihn verbal ausdrücken. Ihre Rede lässt der Erzähler mit einem Imperativ („vcv“; kal m.pl.) beginnen, der als „Gib!“ übersetzt, im Textzusammenhang aber mehr im Sinne von „Wohlan!“ zu deuten ist. Im weiteren Verlauf der Rede wird eine Figura etymologica verwandt („ziegeln Ziegel (…) brennen zu Brand“).
In 3b werden zwei verschiedene Bauweisen einander gegenübergestellt, nämlich auf der einen Seite die mit Ziegel und Asphalt und auf der anderen Seite die mit Stein und Mörtel. 17 Dies lässt Schlüsse auf die Herkunft des Textes zu, und soll daher in der Redaktionskritik (9) näher erörtert werden. Vers 4
Auch Vers 4 enthält eine Rede des Menschen, welche erneut mit dem schon erwähnten Imperativ („Wohlan!“) beginnt. Diese konstruierte Parallele durch eine Anapher lässt erkennen, dass der Gedanke aus dem vorhergehenden Vers hier wieder aufgegriffen und fortgeführt wird, indem
9 Soggin, Genesis. S. 180
10 Westermann, Urgeschichte. S. 122
11 Westermann, Genesis. S. 724
12 Westermann, Urgeschichte. S. 123
13 Westermann, Urgeschichte. S. 122
14 Westermann, Genesis. S. 723
15 Westermann, Genesis. S. 724
16 von Rad, Mose. S. 123
17 Westermann, Genesis. S. 726f
5
nämlich nun gesagt wird, was mit den hergestellten Ziegeln (deren Herstellung selbst nicht berichtet wird), geschehen soll. Durch das „iP” in 4b werden zwei Motive miteinander verbunden, die voneinander unabhängig sein könnten 18 , nämlich die zu verhindernde Zerstreuung sowie das Schaffen eines Namens, bzw. der Stadt-/Turmbau. 19
Die Absicht, den Turm bis in den Himmel ragend zu erbauen, ist nicht notwendigerweise als Wunsch nach Himmels-Stürmung zu verstehen, sondern vielleicht als hyperbolischer Ausdruck zu deuten, wie ein Vergleich mit Dtn 1,28 nahe legt; 20 die Vorstellung des Himmels als Wohnort Gottes tritt erst in den Psalmen (z.B. 2,4; 11,4) deutlich hervor. Vers 4b ist nur von den Versen 8a und 9b her zu verstehen 21 , weist also auf diese hin.
Vers 5
In Vers 5 tritt ein neues Subjekt, vuvh, in das Geschehen. Das den Vers einleitende Verb „srh“ wird von Soggin als „Absicht, zu handeln“ 22 gedeutet, während Westermann es als „erzählendes Imperfekt“ 23 interpretiert. Diese Deutungsmöglichkeit wurde auch in der Übersetzung berücksichtigt.
Einige Kommentatoren deuten Vers 5 als Ausdruck der Ironie; Gott muß hinabsteigen, um sich das Menschenwerk zu betrachten, da es der von den Erbauern angestrebten Größe zum Trotz so klein ist. 24
Vers 6
Auch in Vers 6 ist vuvh Subjekt. Das zu Satzbeginn stehende „rnthu“ leitet hier nicht zwangsläufig eine Rede ein, sondern ist möglicherweise im Sinne einer Reflexion zu verstehen. 25 Die Rede/der Gedanke, die/der hier vuvh zugeschrieben wird, beginnt mit einer Zustandsfeststellung und wiederholt beinahe wörtlich die Exposition aus Vers 1. 26 Im weiteren Verlauf drückt sich die Befürchtung aus, welche zur Grundlage der im Textverlauf erfolgenden Geschehnisse werden wird.
Westermann betrachtet das „nicht wird für sie unerreichbar sein alles, von dem gilt, sie trachten danach es zu tun.“ als den Höhepunkt des Textes 27 , doch teilt die Exegetin diese Meinung nicht (vgl. Vers 8).
Vers 7
Vers 7 führt die in Vers 6 begonnene Rede/den Gedanken zu Ende. Der vom Erzähler vuvh in den Mund gelegte auf ihn selbst bezogene Imperativ „vcv“ imitiert die Rede des Menschen in Versen 3 und 4 28 und ist also vielleicht auch als Ausdruck der Ironie (vgl. Vers 5) zu verstehen.
18 Westermann, Genesis. S. 727
19 Westermann, Genesis. S. 727
20 von Rad, Mose. S. 124
21 Westermann, Genesis. S. 730
22 Soggin, Genesis. S. 177
23 Westermann, Genesis. S. 731
24 vgl. Procksch, Otto: Die Genesis 3 1924; nach von Rad, Mose. S. 124
25 Westermann, Genesis. S. 731
26 Westermann, Genesis. S. 733
27 Westermann, Genesis. S. 733
28 Soggin, Genesis. S. 178
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Arbeit zitieren:
Andrea Gropp, 2005, Exegetische Arbeit über Genesis 11,1-9, München, GRIN Verlag GmbH
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Exegese: Der Turmbau von Babel (Gen 11, 1-9)
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