Inhalt
Elly Beinhorn Die erste Frau, Vorwort die alle Erdteile überflog Königinnen der Lüfte Seite 47 in Europa Seite 11 Vera von Bissing Eine Kunstfliegerin Dank / Seite 13 der 1930-er Jahre Seite 57 Elsa Andersson Die erste Pilotin Sophie Blanchard in Schweden Die erste professionelle Seite 15 Luftschifferin Seite 63 Jacqueline Auriol Sie durchbrach Adrienne Bolland als erste Europäerin Die erste Frau, die Schallmauer die über die Anden flog Seite 21 Seite 71 Liesel Bach Hélène Boucher Deutschlands erfolg-Die französische reichste Kunstfliegerin „Wunderfliegerin“ Seite 25 Seite 75 Maryse Bastié Hélène Dutrieu Die Fliegerin, Die erste Pilotin die acht Weltrekorde brach in Belgien Seite 33 Seite 81 Melli Beese Marga von Etzdorf Die erste Deutsche Die erste Kopilotin mit Pilotenlizenz der „Deutschen Luft Hansa“ Seite 39 Seite 85
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Margret Fusbahn und Thea Knorr Ludwig Werner Fusbahn Die erste Das „fliegende Ehepaar“ Schleißheimer Fliegerin Seite 95 Seite 131 Elise Garnerin Raymonde de Laroche Die „Venus Die erste Pilotin im Ballon“ der Welt Seite 99 Seite 137 Sabiha Gökçen Anne Die erste Löwenstein-Wertheim türkische Pilotin Die fliegende Prinzessin Seite 103 Seite 141 Hilda Hewlett Rita Maiburg Die erste Einer der ersten weiblichen britische Fliegerin Linienflugkapitäne Seite 107 Seite 145 Maryse Hilsz Beryl Markham Die Rekordfliegerin Die erste Berufspilotin aus Frankreich in Ostafrika Seite 111 Seite 149 Luise Hoffmann Marie Marvingt Die erste Die „Mutter deutsche Einfliegerin der Luftambulanz“ Seite 115 Seite 159 Amy Johnson-Mollison Käthe Paulus Englands erste Deutschlands Flugzeugmechanikerin erste Luftschifferin Seite 121 Seite 163
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Thérèse Peltier Lisl Schwab Die erste Flugzeug-Eine Kunstfliegerin passagierin der Welt aus den 1930-er Jahren Seite 169 Seite 237 Thea Rasche Melitta Gräfin Die erste Deutsche Schenk mit Kunstflugschein von Stauffenberg Seite 173 Deutsche Heldin mit Gewissensbissen Marina Raskowa Seite 247 Eine fliegende „Heldin der Sowjetunion“ Walentina Tereschkowa Seite 187 Die erste Frau im Kosmos Wilhelmine Reichard Seite 253 Die erste Ballonfahrerin in Deutschland Élisabeth Thible Seite 197 Die erste Passagierin einer Montgolfière Hanna Reitsch Seite 259 Die Pilotin der Weltklasse Seite 203 Sabine Trube Die deutsche Swetlana Jewgenjewna Düsenjet-Kommandantin Sawizkaja Seite 263 Die erste Spaziergängerin im All Beate Uhse Seite 213 Deutschlands erste Stuntpilotin Christl-Marie Schultes Seite 267 Die erste Fliegerin in Bayern Seite 219
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Weitere Galina Iwanowna „Königinnen der Lüfte“ Dzhunkovskaya 301 Regula Eichenberger 302 Andrea Amberge 277 Ilse Fastenrath 303 Eudocie V. Anatra 278 Rosina Ferrario 304 Lady Mary Bailey 279 Claudia Jakolewna Mary du Caurroy Fomicheva 305 Herzogin von Bedford 281 Ljuba Galanschikoff 306 Martha Behrbohm 282 Agathe Gerdes 307 Susanne Bernard 282 Therese Görgen 308 Fiorenza de Bernardi 283 Pauline Gower 309 Lena Bernstein 284 Walentina Stepanowna Lilian Bland 285 Grisodubowa 310 Elisabeth Boselli 286 Hertha von Gronau 311 Jekaterina Budanova 287 Claudie Haigneré 312 Ursula Bühler-Hedinger 288 Elisabeth Hartmann 313 Winnie Buller 290 Else Haugk 313 Lucie Byczkowski 291 Hay Drummond-Hay, Elena Caragiani-Stoenescu Grace Marguerite 314 291 Lady Mary Heath 316 Madeleine Charneaux 292 Käthe Heidrich 318 Marcelle Choisnet 293 Sonja Hertig 319 Julia Clark 293 Jeanne Herveux 320 Edith Maud Cook 294 Lotte Hogeweg 321 Lettice Curtis 294 Anne-Marie Imbrecq 321 Carmen Damedoz 295 Gidsken Jakobsen 322 Nadeshda Degtereva 296 Anna Alexandrowna Prinzessin Sophie Jegorowa 323 Alexandrowna Nina Kamnewa 324 Dolgorunaya 297 Svetlana Kapanina 324 Mariya Dolina 298 Rayna Kasabova 325 Marie Louise Driancourt Tamara Kazarinova 326 299 Valeria Dmitrievna Rosemarie Dröscher 300 Khomyakova 327
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Olga Klepikowa 328 Gudrun-Maria Osterkamp Jelena Wladimirowna 354 Kondakowa 328 Jeanne Pallier 355 Hanna Kunath 329 Tamara Pamyatnykh 356 Bozena Láglerová 330 Felicity Peake 357 Evi Lausmann 330 Ivy May Pearce 358 Anna Leska 331 Gaétane Picard 359 Janina Lewandowska 332 Ursula Pielsticker 360 Anneliese Lieben 333 Jadwiga Pilsudska 361 Elizabeth Lion 333 Martha Pix 362 Lydia Litvyak 334 Hélène de Plagino 363 Vera Lomako 337 Rosalie Poitevin 364 Nicole Lunemann 338 Marthe Betenfeld Richer Marie-Luise Maar 338 365 Angelika Machinek 339 Rosl Richter 366 Elsie Mackay 341 Beatrix de Rijk 366 Eva Mahlkuch 343 Elfriede Riotte 367 Pelagia Majewska 344 Else Roos 368 Nicole Malachowski 345 Jewgenija Rudneva 368 Leyla Mammadbeyova 345 Helena P. Samsonova 369 Karin Mannesmann 346 Eva Schmidt 369 Katarina Matanovic-Feodora („Dolly“) Schmidt Kulenovic 347 370 Natalya Meklin 348 Henny Schmidt 371 Martha Mendel 349 Margret Schmidt 372 Charlotte („Lotte“) Möhring Lola Schröter 372 350 Sheila Scott 373 Denise Moore 351 Prinzessin Eugenie Gabrielle Musy-Lüthi 351 Michailowna Erika Naumann 352 Shakhovskaya 374 Marthe Niel 352 Dolly Shepherd 376 Lotte Orthband 353 Irena Sosnowska-Karpik Polina Denissowna 377 Ossipenko 353 Winifred Spooner 377
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Lilly Steinschneider 378 Daten und Fakten Cheridah de Beauvoir Seite 397 Stocks 379 Antonie Straßmann 380 Literatur Marie Surcouf 381 Seite 427 Lidija Swerewa 382 Irma Thomas 383 Bildquellen Mutz Trense 384 Seite 433 Nezihe Viranyah 385 Gretel Völker 385 Der Autor Diana Barnato Walker 386 Seite 435 Margrit Waltz 387 Gisela Weinreich 388 E-Books über Ann Welch 388 „Königinnen der Lüfte“ Tony Werntgen 389 Seite 437 Marie-Luise Wessel 389 Inge Wetzel 390 Bücher von Ernst Probst Turi Wideroe 391 Seite 441 Iris Wittig 392 Olga Yamshchikova 393 Liesel Zangemeister 395 Jekaterina Zelyenko 395
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VORWORT
Königinnen der Lüfte
in Europa
D ie Französin Jacqueline Auriol durchbrach als erste
Europäerin die Schallmauer und galt zeitweise als die „schnellste Frau der Welt“. Maryse Bastié erreichte acht Weltrekorde. Adrienne Bolland flog als erste Frau über die Anden. Hélène Boucher erregte als französische „Wunderfliegerin“ großes Aufsehen. Die Deutsche Hanna Reitsch wurde erster weiblicher Flugkapitän, flog als erste Frau einen Hubschrauber und stellte mehr als 40 Rekorde aller Klassen und Flugzeugtypen auf. Elly Beinhorn überflog als erste Frau alle Erdteile. Die Russin Walentina Tereschkowa war die erste Frau im Weltall. Swetlana Jewgenjewna Sawizkaja gebührt die Ehre, die erste Spaziergängerin im All gewesen zu sein. Diesen und anderen „Königinnen der Lüfte in Europa“ ist das gleichnamige Taschenbuch gewidmet. Es stellt berühmte Fliegerinnen, Ballonfahrerinnen, Luftschifferinnen, Flugzeugpassagierinnen, Fallschirmspringerinnen und Astronautinnen in Wort und oft auch mit Bild vor. Wie ein „roter Faden“ zieht sich durch das Taschenbuch, wie schwer es früher Frauen von Männern gemacht wurde, das Fliegen zu lernen und in der Luftfahrt Fuß zu fassen. Bis in jüngste Zeit hatten Pilotinnen weltweit unter Vorurteilen zu leiden.
Ernst Probst
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Dank
Für Auskünfte, mancherlei Anregung, Diskussion und andere Arten der Hilfe danke ich herzlich:
Vladislav A. Arhipov, Ufa, Russland Jacqueline Auriol †, Pilotin, Frankreich Jürgen Becker, Spacefacts.de, www.spacefacts.de, Mainz-Laubenheim Elly Beinhorn †, Pilotin, Deutschland Fiorenza de Bernardi, Pilotin, Italien Werner Bittner, Deutsche Lufthansa AG, Public Relations Dienste, Firmenarchiv, Köln Bücker-Museum Rangsdorf Regula Eichenberger, Pilotin, Schweiz Josef Eimannsberger, München, Bayerische Flugzeug Historiker. e.V., Oberschleißheim Knut Hentzschel,
Mitglied des Vorstandes Förderverein Bücker-Museum Rangsdorf e.V. Dr. David Lam, Everberg, Belgien
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Günter Lang, Diplom-Kaufmann, München Nachlassverwalter der Fliegerin Thea Knorr Luftfahrt-Bundesamt, Braunschweig Horst Lutter, Autor Alois Maiburg, Architekt, Wesseling Maurice G. Meyer,
Conseilleur Honoraire Extérieur de la France, Straßburg Waltraud Moog, Troisdorf Präsidentin von Ninety Nines, Deutsche Sektion Professor Dr. med. Bernd Rosemeyer, München Wolf-Dieter Schaller, Flughafen Frankfurt Main AG Susanne Schödel,
1. Vorsitzende des Dr.-Angelika-Machinek-Förderverein e.V., Kirchheim Dr. Horst-Walter Schwager, 1. Vorsitzender Luftsportclub Bad Homburg, Usingen Karl-Dieter Seifert, Berlin Stadt Ingolstadt Sabine Trube, Flugkapitän, Neuss Beate Uhse †, Beate Uhse Deutschland AG, Flensburg
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D ie erste Pilotin und die erste Fallschirmspringerin Schwe-
dens war Elsa Andersson (1897-1922). Im Volksmund hat man diese aus Schonen (Skana) stammende Fliegerin und Fallschirmspringerin als „Die verwegene Schonin“ (schwedisch: „Den käcka Skanskan“) bezeichnet. Sie kam in jungen Jahren bei einem Auftritt als Fallschirmspringerin in ihrem Heimatland auf tragische Weise ums Leben. Elsa Andersson wurde 1897 als ältestes von sechs Kindern auf dem Bauernhof Petersgard bei Vegeholm auf Schonen geboren. Ihre Familie zog später in das nicht weit davon entfernte Dorf Strövelstorp unweit von Ängelholm auf Schonen. Strövelstorp wird in der Literatur oft irrtümlich als ihr Geburtsort bezeichnet. Der Bauernhof Petersgard bei Vegeholm, in dem Elsa tatsächlich zur Welt kam, hieß später Sandakra und wurde 1926 abgerissen. Elsa war die Tochter des Bauern Edvard Andersson und dessen Ehefrau Alma Svensson. Ihr Vater betätigte sich auch als Schöffe, Treuhänder, Auktionator und Jäger. Ihre Mutter starb früh bei der Geburt von Elsas jüngerer Schwester Stina. Dieser Schicksalsschlag traf die kleine Elsa 1903 im Alter von sechs Jahren. Stina war als Erwachsene eine beliebte Kranken-
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schwester. Ihr Bruder Sture wanderte als Erwachsener in die USA aus.
Im Kindesalter konnte Elsa gut zeichnen und malen. Außerdem liebte sie die Musik. 1913 erlebte sie als Teenager eine Luftschau des schwedischen Flugpioniers und Flugzeugkonstrukteurs Enoch Thulin (1881-1919), wobei ihr Interesse für die Fliegerei erwachte. Ein anderes Mal sah sie eine Luftschau in Ljungbyhed. Die bei diesen Veranstaltungen fliegenden Maschinen waren kleine und klapprige Konstruktionen aus Holz, Leinwand und Klavierdraht und hatten nur eine Motorleistung von 20 bis 25 PS.
Ab 3. Juli 1919 besuchte Elsa Andersson die seit 1915 bestehende Flugschule von Enoch Thulin in Ljungbyhed. Thulin hatte vor dem Ersten Weltkrieg (1914-1918) mehrere vielbeachtete Langstreckenflüge - zum Beispiel von Paris nach Landskrona - unternommen. In Landskrona gründete er eine Flugzeugfabrik, in der verschiedene Flugzeugtypen konstruiert wurden, und plante die Herstellung von Autos und Motorrädern. Doch er konnte seine Pläne nicht mehr verwirklichen, weil er am 14. Mai 1919 bei einem Flugzeugabsturz in Landskrona im Alter von nur 38 Jahren ums Leben kam. Eine Pilotenausbildung war damals ein teures Vergnügen, das sich in der Regel nur Flugschüler aus reichen Familien leisten konnten. Jeder Flugschüler musste insgesamt 4.000 schwedische Kronen aufbringen, wovon eine Hälfte auf den Studienbeitrag entfiel und die andere Hälfte für eine eventuelle Instandsetzung des Flugzeugs hinterlegt werden musste. Diese Kosten hat angeblich der Vater von Elsa Andersson übernommen.
Am 30. Mai 1920 erhielt Elsa Andersson ihren Pilotenschein ( Lizenz Nr. 203). Damit war sie die erste schwedische Pilotin und mit der Nummer 101 die letzte Frau, die Thulins Flugschule besuchte. Ruth Bergman, die vor Elsa bei Thulin in die Lehre gegangen war, hatte ihre Ausbildung nicht abgeschlossen.
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Im August 1920 erschien in der Publikation „Flying“ ein Pressebericht, in dem Elsa Andersson über ihre Ausbildung zur Pilotin erzählte. Ein weiterer Pressebericht im Sommer 1920 schilderte einen Flug von Elsa mit einem Journalisten als Passagier von Ljungbyhed nach Göteburg. Ihr Passagier fühlte sich dabei krank, litt unter dem Motorenlärm und wunderte sich darüber, dass die Pilotin offenbar keine Nerven hatte. 1920 entstand auch eine Zeichnung mit dem Porträt von Elsa Andersson, die ihre Freundin, die in Vegeholm aufgewachsene Malerin und Modeschöpferin Astrid Dahl, angefertigt hat.
Nach dem Erhalt des Pilotenscheins wollte sich die unabhängige, mutige und unkonventionelle Elsa Andersson in Schweden zur Fallschirmspringerin ausbilden lassen. Doch dazu kam es nicht, weil sich der einzige auf diesem Gebiet tätige schwedische Experte, der Fallschirmspringer Raoul Thörnblad (1891-1956), weigerte, eine Frau zu unterrichten. Elsa ließ sich dadurch nicht entmutigen, reiste nach Deutsch-land, besuchte dort die Fallschirmspringerschule des Luftschiffbau-Ingenieurs Otto Heinecke in Berlin und erhielt theoretischen Unterricht. Ihre praktische Ausbildung erhielt sie von der holländischen Fallschirmspringerin Lisa Bamberg. Am 28. September 1921 nahm Elsa glücklich ihr Zertifikat über die im Elsass zugelassene Fallschirm-Ausbildung entgegen. Elsa Anderssons erster Fallschirmsprung in Schweden erfolgte bereits am Sonntag, 2. Oktober 1921, bei einem Flugtag auf dem Truppenübungsplatz Boden Nasby in Kristianstad. Bei herrlichem Herbstwetter sprang sie vor Tausenden von Zuschauern/innen aus rund 700 Meter Höhe ab und landete feucht, aber völlig unversehrt am Meeresstrand. Damit war sie auch die erste schwedische Fallschirmspringerin. Eine Woche später wagte Elsa Andersson am Sonntag, 9. Oktober 1921, einen zweiten Absprung bei einem Flugtag in Helsingborg, bei dem sie sich einen Fuß verstauchte. Vorher
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hatten sich ein deutscher und ein schwedischer Pilot geringschätzig über ihren Fallschirm geäußert, den sie abfällig - nach seinem Erfinder Otto Heinecke - als „Heinecke-Tasche“ bezeichneten. Der Deutsche wollte diesen Fallschirm nicht für eine Millon benutzen, der Schwede nur in Todesgefahr.
Vor mehr als 4.000 Zuschauern unternahm Elsa Andersson am Sonntag, 22. Januar 1922, bei einem von der Örebro-Fluggesellschaft organisierten Flugtag über dem zugefrorenen Alsen-See bei Askersund ihren dritten Fallschirmsprung. Sie sprang aus einer Höhe von etwa 700 Metern aus dem von dem Piloten Carl Albin Lundberg gesteuerten Flugzeug ab, wobei sich unglücklicherweise die Leinen des Fallschirms verhedderten. Kurz über Baumwipfeln in etwa 50 Meter Höhe konnte Elsa zwar noch den Fallschirm öffnen, aber dies war zu spät und sie schlug nahezu ungebremst im bergigen Gelände neben dem See auf und war sofort tot. Einige Tage später wurde Elsa Andersson am Montag, 30. Januar 1922, unter großer Anteilnahme der Bevölkerung auf dem Kirchenfriedhof von Strövelstorp beigesetzt. An der Beisetzung nahmen Tausende von Menschen teil. Die Fahnen standen auf Halbmast und die Straße vor ihrem Geburtshaus bei Vegeholm und vor der Kirche in Strövelstorp war mit Tannenzweigen geschmückt. Königin Victoria (1862-1930) von Schweden schickte dem Vater von Elsa Andersson ein Telegramm und drückte ihm darin ihr tiefes Bedauern über den Tod seiner Tochter aus. Dieses Telegramm blieb bis heute erhalten. Auf dem Friedhof in Strövelstorp wird das Grab von Elsa häufig besucht und oft mit frischen Blumen geschmückt.
Elsa Andersson ist in Strövelstorp unvergessen. Alte Briefe, Fotos, vergilbte Zeitungsausschnitte, der Ausbildungsvertrag an der Flugschule von Enoch Thulin und ein kleines Notizbuch von ihr werden wie Reliquien sorgfältig aufbewahrt. In das
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Notizbuch hatte sie mit schöner Handschrift 49 Rätsel und Antworten eingetragen. Der Platz für das 50. Rätsel blieb leer. Vier Jahre nach dem tödlichen Fallschirmsprung von 1922 errichtete der königliche schwedische Aero-Club 1926 am Sterbeort von Elsa Anderssson einen drei Meter hohen Gedenkstein in Form eines Obelisken. 1996 veröffentlichte der schwedische Autor Jacques Werup den Roman „Den ofullbordade himlen“ („Der unvollendete Himmel“, in dem er das Leben von Elsa Andersson schilderte. Basierend auf diesem Roman entstand 2001 der 154 Minuten lange Film „Sa vit som en snö“ („So weiß wie der Schnee“), in dem die schwedische Schauspielerin Amanda Ooms (geboren 1964) die Rolle der schwedischen Luftfahrtpionierin spielte. Am 16. Februar 2001 feierte dieser Film in Schweden seine Premiere.
Die Handlung dieses Films, der 2001 bei den „Nordischen Filmtagen Lübeck“ gezeigt wurde: Elsa Andersson wächst zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf einem schwedischen Bauernhof auf. Sie ist ein einfühlsames und rebellisches Kind, das nie verwinden kann, dass die Mutter bei der Geburt der jüngeren Schwester Stina gestorben ist und der Vater bald darauf die Haushälterin Frida Bengtsson geheiratet hat. Mit 22 Jahren wird Elsa als erste Frau an der Fliegerschule in Ljungbyhed aufgenommen. Viele Männer verehren sie, aber der, den sie liebt, kommt bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Sie folgt einem deutschen Fallschirmfabrikanten nach Berlin und lässt sich von der Holländerin Lise Bamberg im Fallschirmspringen ausbilden. Zurück in Schweden fordert sie als Fallschirmspringerin bei Schausprüngen das Schicksal heraus.
Regie bei dem Film „So weiß wie der Schnee“ führte der schwedische Regisseur Jan Troell. Er kam 1931 in Linhamn bei Malmö im südschwedischen Schonen zur Welt. In dieser Landschaft, aus der - wie erwähnt - auch Elsa Andersson
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stammt, spielen viele seiner Filme. Dort arbeitete er zunächst neun Jahre lang als Lehrer und drehte gleichzeitig seine Kurz-und Dokumentarfilme. 2002 wurde „So weiß wie der Schnee“ von den schwedischen Filmkritikern mit dem „Guldbagge“ als bester schwedischer Film des Jahres ausgezeichnet. Im „Ängelholm Flygmuseum“ in Ängelholm erinnert eine Gedenkausstellung an das Leben der ersten schwedischen Pilotin und Fallschirmspringerin Elsa Andersson.
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D ie erste Europäerin, die schneller als der Schall flog, war
die französische Pilotin Jacqueline Auriol (1917-2000), geborene Jacqueline Marie-Thérèse Suzanne Douet. Sie stellte einige Weltrekorde auf, war mehrfach - abwechselnd mit Jacqueline Cochran - „die schnellste Frau der Welt“ und galt international als eine der besten Pilotinnen. Jacqueline Marie-Thérèse Suzanne Douet wurde am 5. November 1917 in Challans Vendée als Tochter eines Holzhändlers geboren. Sie besuchte die Institution „Blanche-de-Castille“ in Nantes sowie die Pariser Schulen „Notre-Damede-Sion“ und „École du Louvre“. Im Februar 1938 heiratete die 20-Jährige den nahezu gleichaltrigen Paul Auriol (1918-1992), den Sohn des späteren Präsidenten der französischen Republik. Aus dieser Ehe gingen 1938 der Sohn Jean-Claude und 1941 der Sohn Jean-Paul hervor. 1947 begegnete die 29-Jährige bei einem Dinner im Präsidentenpalais dem französischen Flieger Raymond Guillaume. Er schwärmte: „Beim Fliegen bleibt alles am Boden zurück. Es gibt nur zwei Dinge dort oben: Leben und Tod“. Seine Worte fielen bei der zweifachen Mutter auf fruchtbaren Boden. Denn die High Society und Repräsentationspflichten an der
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Seite ihres Mannes, der als Sekretär seines Vater arbeitete, füllten sie nicht aus. Die Kinder sind bereits dem Babyalter entwachsen gewesen.
Ihr Gatte, der früher selbst Kampfflieger gewesen war, zeigte sich von der Idee Jacquelines begeistert, der Schwiegervater dagegen weniger. Als sich zeigte, dass Jacqueline eine große Begabung für die Fliegerei besaß, ließ sie sich auch im Kunstflug ausbilden. Zwischen 1948 und 1954 erwarb sie sechs verschiedene Pilotenscheine für sämtliche Flugzeugtypen, auch für Segelflugzeuge. Aufgrund ihres fliegerischen Könnens konnte sie bald als Einfliegerin und Testpilotin arbeiten. Im Juli 1949 startete Jacqueline Auriol als einzige Frau unter 20 männlichen Kunstfliegern. Nach diesem Auftritt als tollkühne Luftakrobatin verlieh man ihr den Spitznamen „La Lionne“ („die Löwin“). Eine Woche später stürzte Jacqueline als Kopilotin in einem Wasserflugzeug in die Seine. Sie überlebte das Unglück, erlitt aber schwere Gesichtsverletzungen. Danach musste sie eine Stahlmaske tragen, monatelang flüssig ernährt werden und fast anderthalb Jahre in Kliniken verbringen. Selbst ihre eigenen Kinder erkannten sie nicht mehr.
Um sich von den Unfallfolgen abzulenken, studierte die ans Bett gefesselte und entstellte Jacqueline Auriol eifrig Aeronautik, Algebra und Trigonometrie. In den USA gelang es Schönheitschirurgen, innerhalb von drei Jahren mit 22 Eingriffen das ehedem liebreizende und photogene Gesicht wiederherzustellen. Später erzählte Jacqueline, sie sei sich zwölf Jahre lang beim Blick in den Spiegel fremd vorgekommen. Gleich nach ihrer letzten Operation in den USA absolvierte Jacqueline Auriol ihr Diplom als Hubschrauberpilotin. Nach ihrer Gesundung wollte sie den von der amerikanischen Fliegerin Jacqueline Cochran (1906-1963), einer Freundin von ihr, gehaltenen Geschwindigkeitsrekord für Frauen brechen. Dieses Vorhaben gelang ihr am 13. Mai 1951 auf dem Flugplatz
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Villacoublay bei Paris mit einem „Vampire“-Düsenjäger: Mit 818,181 Stundenkilometern wurde sie die „schnellste Frau der Welt“. Im September 1952 erhielt Jacqueline in Frankreich das „Kreuz der Ehrenlegion“.
Der amerikanische Präsident Harry Spencer Truman (1884-1972) verlieh Jacqueline Auriol im November 1952 im „Weißen Haus“ in Washington die „Internationale Harmon Trophy“ für hervorragende fliegerische Leistungen. Diese „Harmon Trophy“ wird seit 1926 alljährlich international in drei Ka-tegorien vergeben: 1. an einen herausragenden Flieger, 2. an eine herausragende Fliegerin und 3. an Aeronauten (Ballonfahrer oder Luftschiffer). Die vierte Kategorie ist die „National Trophy“ in jedem der Mitgliedsstaaten. Der Name der „Harmon Trophy“ erinnert an den amerikanischen Ballonfahrer und Piloten Clifford B. Harmon (1866-1945), den wohlhabenden Sponsor dieser Auszeichnung. Die „Internationale Harmon Trophy“ als „beste Fliegerin der Welt“ erhielt Jacqueline auch 1951, 1953, 1955 und 1956. Im Dezember 1952 glückte Jacqueline Auriol ein neuer Weltrekord für Frauen: Mit einer „Mistral 76“ erreichte sie zwischen Avignon und Istres über 100 Kilometer Flugstrecke eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 856 Stundenkilometern. Damals wurde Jacqueline Auriol und Jacqueline Cochran abwechselnd der Ehrentitel „schnellste Frau der Welt“ verliehen.
Im August 1953 durchbrach Jacqueline Auriol als erste Europäerin mit einem Düsenjäger des Tpys „Mystère“ die Schallmauer (Mach 1): Sie erreichte 1.195 Stundenkilometer. Ein neuer Geschwindigkeits-Weltrekord für Frauen folgte im Juli 1955: Nun überbot Jacqueline Auriol mit einem Düsenjäger vom Typ „Mystère IV“ mit 1.200 Stundenkilometern den Rekord von Jacqueline Cochran.
Mitte der 1950-er Jahre besaß der Titel „Schnellste Frau der Welt“ nur noch repräsentative Bedeutung. Denn vom 1. Juli
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1955 bis Anfang 1956 hatte der „Internationale Luftsport-verband“ den Geschwindigkeits-Weltrekordtitel für Frauen abgeschafft.
Im August 1959 übertraf Jacqueline Auriol ihre eigene Bestleistung vom Juli 1955 deutlich: Sie schaffte mit einem Düsenjäger vom Typ „Mirage III“ eine Rekordgeschwindigkeit von 2.150 Stundenkilometern. Der Flug fand über dem Flughafen Istres statt. Drei Jahre später, am 22. Juni 1962, brach Jacqueline mit einem neuen französischen Düsenjäger, dem „Mistral III“, mit 1.849 Stundenkilometern erneut den internationalen Schnelligkeitsrekord für Frauen über eine Strecke von 100 Kilometern.
Mit einer „Mirage III-R“, glückte Jacqueline Auriol am 14. Juni 1963 in Istres ein neuer Rekord. Dabei erreichte sie 2.038,7 Stundenkilometer. 1964 gelang ihr ein weiterer Rekord. Nach ihrem folgenschweren Absturz vom Juli 1949 absolvierte Jacqueline Auriol unfallfrei noch mehr als 4.000 Flugstunden. Sie rauchte und lachte gerne und war auf ihren ältesten Sohn stolz, der bereits im Alter von 17 Jahren seinen Pilotenschein erworben hat. Die „Süddeutsche Zeitung“ bescheinigte ihr nach einem Auftritt beim „Internationalen Flugtag 1956“ in München-Riem, in ihren Augen liege jener Blick, der manchmal aus fernen Weiten zurückzukehren scheine, der Blick der besessenen Fliegerin.
Die „schnellste Frau der Welt“ starb am Abend des 11. Februar 2000 im Alter von 82 Jahren in ihrer Pariser Wohnung. 2003 wurde sie von der „Women in Aviation International“ („WAI“) anlässlich des Jubiläums „Centennial of Flight Woman in Aviation“ als eine der 100 wichtigsten Frauen in der Luft- und Raumfahrtindustrie geehrt.
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D ie erfolgreichste deutsche Kunstfliegerin zwischen 1930
und 1970 dürfte Liesel Bach (1905-1992) gewesen sein. Zu ihren herausragendsten fliegerischen Leistungen gehört der erste Flug einer Frau über den Himalaja im Jahre 1951. Elisabeth Bach kam am 14. Juni 1905 in Bonn am Rhein als Tochter eines Fabrikanten zur Welt. Statt Elisabeth wurde sie immer Liesel genannt. Sie war - laut ihren eigenen Erinnerungen - ein wildes und ungestümes Kind. Wenn Nachbarskinder nach ihr fragten, antwortete ihre Mutter oft, Liesel sei unten im Hof oder auf einem Baum.
Einmal löste Liesel im Auto ihres Vaters die Handbremse und das Fahrzeug kam erst an einem Baum zum Stehen. Ein anderes Mal kletterte sie auf den Bock des Bierwagens, den der Kutscher vor dem Haus ihrer Eltern abgestellt hatte, und lenkte den Wagen durch die Straßen, wobei die Pferde immer schneller wurden. Zum Glück konnte ein mutiger Passant, der unter Lebensgefahr den Pferden in die Zügel griff, die rasante Fahrt stoppen.
Liesel Bach war erst elf Jahre alt, als ihre Mutter viel zu früh starb. Ihr Vater heiratete danach wieder. Ihren aus der zweiten Ehe hervorgegangenen Halbbruder Guido liebte Liesel sehr.
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Der Vater schickte Liesel in ein Pensionat, damit sie endlich ein gesittetes Leben beginnen sollte. Dort war das intelligente und sportliche Mädchen trotz zahlreicher Streiche eine gute Schülerin. Beim Abschied von Liesel aus dem Pensionat sagte dessen Direktor, nun werde es in seinem Haus ja wieder ruhig werden.
Nach der Rückkehr ins Elternhaus war Liesel sportlich sehr aktiv. Sie schwamm gerne, sprang vom Zehnmeter-Turm, wurde Mitglied in der „Deutschen Turnerschaft“ und gewann als Jugendschwimmerin im 5-Kilometer-Stromschwimmen ihren ersten Lorbeerkranz.
Auf Wunsch ihres Vaters machte Liesel in einem Mode-Atelier für Damen eine dreijährige Lehre und schloss diese mit einem Gesellenbrief ab. Danach arbeitete sie zwei Jahre lang als Schneiderin, kündigte dann unerwartet und trat in ein Turnerinnenseminar ein. Sie bestand das Examen als Turn- und Sportlehrerin und nahm als vielseitige Sportlerin an Wettkämpfen verschiedener Sportarten teil. Bei den Schwimm-Meisterschaften der „Deutschen Turnerschaft“ wurde sie Siegerin im Turmspringen, dies war ihre erste „Deutsche Meisterschaft“, der weitere folgten. Nachdem sie erstmals mit einem Bekannten, der sich ein Flugzeug gekauft hatte, in Bonn-Hangelar mitfliegen durfte, interessierte sich Liesel Bach auch für die Fliegerei und wollte Pilotin werden. Von diesem Wunsch ließ sie auch nicht ab, als die Maschine, in der sie zum ersten Mal geflogen war, zwei Tage später bei einem Flugtag abstürzte und dabei der Pilot sowie mehrere Besucher starben.
Spontan wurde Liesel Bach das einzige weibliche Mitglied im Ortsverein des „Deutschen Leichtathlektik-Verbandes“ („DLV“) und in der dortigen Segelfliegergruppe. Fortan war sie oft auf dem Flughafen Bonn-Hangelar zu Gast. Als sie dort eines Tages in einem Raum mit Sportgeräten am Barren turnte, bemerkte sie, dass der Fluglehrer der Kölner Flieger-
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schule, Jakob Möltgen (1888-1975), mit einem Schüler auf dem Rollfeld landete. Sie rannte in kurzen Turnhosen zur Maschine und fragte Möltgen atemlos, ob er sie in Köln schulen könnte. Er sah sie an, nickte dann und kümmerte sich nicht mehr weiter um sie.
Bald danach fuhr Liesel Bach zum Kölner Flughafen, wo sich Möltgen an sie erinnerte, mit ihr einen kurzen Probeflug unternahm und ihr einen Freiflugschein der Lufthansa zum großen Rhön-Segelflugwettbewerb auf der Wasserkuppe schenkte. Möltgen hatte mit sicherem Blick das sportliche Talent von Liesel erkannt.
Kurze Zeit nach dem Wettbewerb in der Rhön erhielt Liesel Bach von Willy Kanstein, dem Leiter der Kölner Polizeiflugwache, einen der wohl wichtigsten Briefe ihres Lebens. Darin stand, dass sie beim „Kölner Klub für Luftfahrt“ für insgesamt 500 Reichsmark geschult werden könne. 200 Reichsmark müsse sie sofort anzahlen, weil dies die Prämie für die Versicherung sei. Wenn sie sich gut anstelle, sei der Club bereit, ihr die restlichen 300 Reichsmark zu erlassen, müsse sich dann aber verpflichten, bei Veranstaltungen des Clubs zu fliegen.
Am 10. September 1929 begann die zierliche Liesel Bach, die den Spitznamen „Bachstelze“ trug, in Köln mit dem Flugunterricht. Nach 14 Stunden flog sie erstmals allein. Am 26. November 1929 schloss sie mit einem Überlandflug von Köln über Frankfurt am Main nach Bonn und zurück nach Köln die Prüfung für den A2-Schein ab. Ein Bonner Pilot hatte geunkt, wenn eine Frau nach Frankfurt finde, wolle er Michel heißen. Obwohl das Wetter hundsmiserabel war und sie sich anfangs „verfranzte“, fand Liesel schließlich doch den richtigen Weg am Rhein entlang und landete sicher in Frankfurt am Main. In Köln wartete ihr Fluglehrer Möltgen wie auf Kohlen auf seine Schülerin und war sehr erleichtert, als Liesel mit ihrer „Klemm“ in Köln eintraf. Sie war nun die erste Kölner Pilotin.
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Im April 1930 erwarb Liesel Bach auch den Kunstflugschein. Zuvor hatte sie unter der Anleitung von Möltgen gelernt, Steilkurven, den „Turn“ (eine hochgezogene Kehrtkurve), den „Slip“ links und rechts sowie einen Looping zu fliegen. Der Kunstflug war nun eine Leidenschaft, die sie nicht mehr losließ. Mit einem vom Klub ausgeliehenen Flugzeug des Typs „Klemm L 26a“ (D-1798) meldete sich Liesel Bach für die „Deutsche Kunstflugmeisterschaft für Damen“ am 29. Mai 1930 in Bonn-Hangelar an. Obwohl sie erst drei Wochen einen Kunstflugschein besaß und somit ein Neuling war, gewann sie bei einem Wettbewerb gegen ihre acht teilweise merklich erfahreneren Konkurrentinnen. Als Siegespreis erhielt sie ein funkelnagelneues Auto (Opel), das sie mit nach Hause nehmen durfte. Ihren Titel konnte sie in den folgenden Jahren mehrfach erfolgreich verteidigen. Bei ihren ersten Wettbewerben flog sich noch mit einer ausgeliehenen Maschine, bald aber mit einer eigenen „Klemm L 26a“, die ihren Namen trug. Im Juni 1931 gewann Liesel Bach in Mailand die Europameisterschaft im Damenkunstflug. Am 10. August 1931 wurde sie - laut „Munzinger-Archiv“ - die erste Frau in Deutschland, welche die Genehmigung zur Fliegerausbildung erhielt. Einige Wochen später hatte sie erneut Grund zur Freude, als sie am 6. September 1931 auf dem Flugplatz Berlin-Tempelhof zum zweiten Mal die „Deutsche Kunstflugmeisterschaft für Damen“ gewann.
Ende 1931 wagte Liesel Bach ihren ersten Fernflug mit Ziel Sardinien. Weil sie wegen schlechten Wetters nicht auf dieser Mittelmeerinsel landen konnte, flog sie nach Italien zurück. Dort musste sie wegen Treibstoffmangels in Rom eine Außenladung machen. In den 1930-er Jahren wandte sie sich dem Nationalsozialismus zu, den sie bei ihren Auslandsreisen verteidigte.
1930 und 1931 gewann Liesel Bach in Mailand den noch inoffiziellen Titel als „Internationale Kunstflugmeisterin“. Am
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28. April 1934 siegte sie mit einer „Klemm K1 28 XIV (D-2495) in Vincennes bei Paris bei der „Internationalen Damen-Kunstflugmeisterschaft“ („Coupe Féminines“), was damals der Weltmeisterschaft entsprach. Einzige ernsthafte Konkurrentin war die Französin Hélène Boucher (1908-1934), weil die Deutsche Vera von Bissing (1906-2002) wegen Krankheit und die Französin Adrienne Bolland (1896-1975) wegen technischer Probleme an ihrem Flugzeug nicht teilnehmen konnten. Auch diesen Titel konnte sie ein Jahr später in Rouen erfolgreich verteidigen.
1935 nahm Liesel Bach an der „Deutschen Kunstflugmeistrerschaft“ teil und erkämpfte dabei als einzige Frau unter den Teilnehmern einen respektablen dritten Platz. Weil ihre Klemm auf einem von Jakob Möltgen durchgeführten Überführungsflug nach einer Notlandung verbrannt war, hatte sie Gerhard Fieseler (18966-1987) dessen „Raka RK 26a Tigerschwalbe“ (D-1616) abgekauft und damit mehrere Flugtage und Wettbewerbe bestritten. Anlässlich der Olympiade 1936 in Berlin fanden auch zwei Kunstflugveranstaltungen statt: Erstens der Damen-Kunstflugwettbewerb zur Eröffnung des Flugplatzes in Rangsdorf im Juli 1936, wo Liesel Bach nach knapper Führung in der Pflicht am Ende den Sieg noch Vera von Bissing überlassen musste. Zweitens der Großflugtag in Tempelhof einige Tage später, wo das Publikum als Bewerter die beiden Fliegerinnen in genau umgekehrter Reihenfolge beurteilte, Liesel Bach also zur Siegerin erkor.
Beim „IV. Internationalen Flugmeeting 1937“ in Zürich traten Liesel Bach und Vera von Bissing lediglich im Schauprogramm auf. Dabei flog Liesel mit einer „Bü 133 Jungmeister“. Ein neuer sportlicher Wettstreit zwischen Liesel Bach und Vera von Bissing folgte 1938 beim Zuverlässigkeitsflug der Sportfliegerinnen. Dabei flogen alle 13 Teilnehmerinnen mit einer Maschine des Typs „Klemm K1 25“. Siegerin war Melitta
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Schiller (1903-1945). Im Jahr darauf gewann Liesel Bach mit einer „Bücker Bü 180 Student“ wieder diesen Wettbewerb.
Laut Online-Lexikon „Wikipedia“ ist über die Tätigkeit von Liesel Bach während des Zweiten Weltkrieges (1939-1945) wenig bekannt. Zunächst soll sie für die Luftwaffe als Kunstfluglehrerin gearbeitet, später als Angehörige des „Überführungsgeschwaders 1“ Flugzeuge zu den Flugparks überführt haben. Es seien Maschinen bis zur „Junkers JU 87“ gewesen, für die ihr B2-Schein ausreichte, erklärte sie. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges glichen Überführungsflüge in Westdeutschland wegen Lufthoheit der Alliierten oft Himmelfahrtskommandos. Liesel Bach war zwar für den Notfall bewaffnet, aber es war nicht ihre Aufgabe, Luftkämpfe auszutragen, sondern Feindberührung zu vermeiden und die jeweilige Maschine heil an Ort und Stelle zu bringen. Deswegen flog sie meistens dicht über Wäldern und verschwand bei Sichtung von Feindfliegern in irgendeiner Waldschneise. Einmal geriet sie bei der Überführung eines „Stukas“ nach Köln im Nebel in eine Sperrzone mit Fesselballonen und wurde beinahe von der eigenen Flak abgeschossen. Nur dank ihrer Kunstflugakrobatik kam sie heil aus dem Gewirr von Drähten und Seilen seitwärts heil heraus. Vor Kriegsende setzte sich Liesel Bach mit ihrem Überführungsgeschwader aus dem eingeschlossenen Berlin ab. Über Flensburg gelangte sie auf den Flughafen Leck. Weihnachten 1945 war sie wieder zu Hause im zerstörten Köln. 1950 erhielt Liesel Bach vom Präsidenten des indischen Aero-Clubs eine Einladung. Sie sollte einige Monate in Kalkutta als Gast des Clubs verbringen. In Indien durfte man damals im Gegensatz zu Deutschland fliegen. Liesel flog Weihnachten 1950 von Düsseldorf aus nach Kalkutta. In Indien gab man ihr die Möglichkeit, den indischen und den internationalen Flugschein zu erwerben. Statt drei bis vier Monate - wie
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ursprünglich geplant - blieb sie insgesamt drei Jahre in diesem Land.
Im Februar 1951 trat Liesel Bach mit einer „Tiger Moth“ auf dem Flugplatz Kampur vor rund 100.000 Zuschauern zum „Asiatischen Kunstflugwettbewerb“ an und siegte. Der damalige Präsident der indischen Republik, Rajendra Prasad, überreichte ihr die Siegestrophäe. Um Liesel Bach einen Traum zu erfüllen, stellte ihr der Chiefminister der Vereinigten Provinzen, Sir Govind Ballabh Pant, sein zweimotoriges Flugzeug „Beech 18“ zur Verfügung. Mit dieser Maschine startete sie Ende März 1951 auf dem Flugplatz Halvani an der Grenze zu Nepal zum ersten Flug einer Frau über den Himalaja. Nach zweieinhalb Stunden kehrte sie wieder zurück. Die „Indische Luftwaffe“ erlaubte ihr sogar, einige Platzrunden mit einer Spitfire zu drehen, wenngleich in einer zweisitzigen mit Sicherheitspilot, der aber nie eingreifen musste.
1952 konnte Liesel Bach auf Ceylon (Sri Lanka) ihren Kunstflugtitel erfolgreich verteidigen. Dabei musste sie in der Herrenklasse antreten, weil keine eigene Damenkonkurrenz geflogen wurde. In der Gesamtwertung kam sie auf den zweiten Platz, als Frau auf den ersten Rang. Vor ihrer Rückehr nach Deutschland wurde Liesel Bach 1953 vom Ministerpräsidenten Jawaharlal Nehru (1889-1964), genannt Pandit Nehru, empfangen. In ihrem Heimatland feierte sie ihr silbernes Flieger-Jubiläum und erhielt sie von der „Divina-Film GmbH“ das Angebot, für deren Film „Sterne über Colombo“ (1954) Flugszenen zu drehen und in einer kleinen Rolle selbst aufzutreten. 1955 erhielt Deutschland wieder die Lufthoheit zurück. Nun konnte sich Liesel Bach ein neues Flugzeug zulegen. Nämlich eine „Klemm Kl 35 B“ mit einem 160 PS starken Motor. Mit dieser Maschine beteiligte sie sich an verschiedenen Wettbewerben, beispielsweise Deutschlandflügen und an der
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„10. Deutschen Kunstflugmeisterschaft“ und 1963 an der „Europameisterschaft für Damen“, die sie gewann. Dieses Flugzeug steht jetzt im „Deutschen Technikmuseum“ in Berlin. Bis zum Alter von 70 Jahren ist Liesel Bach geflogen. Danach spielte sie wieder Tennis, was sie bereits als junges Mädchen getant hatte. Aus diesem Grund zog sie in eine entsprechende Anlage nach Bandol-Var in Südfrankreich, wo sie am 21. Januar 1992 im Alter von 86 Jahren starb.
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F rankreichs berühmteste Fliegerin war Maryse Bastié (1898-
1952), geborene Marie-Louise Bombec. Sie erwarb 1928 als erste Französin den Führerschein für Passagierflugzeuge und stellte in den 1930-er Jahren acht Weltrekorde auf. 1952 kam die tüchtige Pilotin auf tragische Weise bei einem Flugzeugunglück ums Leben. Zu ihren Lebzeiten bezeichnete man sie respektvoll als „Sprinterin der Luft“, „Himmels-Trumpf“ oder „Dauerläuferin am Firmament“. Marie-Louise („Maryse“) Bombec wurde am 27. Februar 1898 als eines von acht Kindern der armen Eheleute Joseph Bombec und Céline Filhollaud in Limoges (Departement Haute Vienne) geboren. Im Alter von elf Jahren verlor sie ihren Vater. Als Mädchen soll sie ungestüm und stur gewesen sein. Nach dem Verlassen der Schule arbeitete sie in einer Schuhfabrik, wo sie Leder nähte. Am 11. Februar 1915 heiratete die 16-Jährige den Porzellanmaler Baptiste Gourinchas. Aus dieser Ehe, die später geschieden wurde, ging ein Sohn hervor, der jung an Typhus starb.
Am 22. Mai 1922 schloss die geschiedene Maryse Gourinchas ihre zweite Ehe mit dem ehemaligen Militärpiloten und entlassenen Fliegerleutnant Louis Bastié (1897-1926). Zu-
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nächst führten Maryse und Louis ein Schuhgeschäft. Später arbeitete ihr Mann als Fluglehrer in Bordeaux-Merignac. Er stürzte am 15. Oktober 1926 während eines Probefluges vor ihren Augen tödlich ab.
Durch ihren Gatten hatte sich auch Maryse Bastié für die Fliegerei begeistert. Am 29. September 1925 erhielt sie den Pilotenschein und 1928 den Führerschein für Passagierflugzeuge. Bei einer Flugschule arbeitete sie sechs Monate lang als Fluglehrerin.
Mit ihren letzten Ersparnissen kaufte sich Maryse Bastié ein gebrauchtes kleines Flugzeug des Typs „Caudron C109“, das sie liebevoll „Trottinette“ („Radelrutsch“) nannte. Danach hatte sie kein Geld zum Fliegen, aber der Pilot Maurice Drouhin unterstützte sie finanziell. Ihren ersten Rekord stellte sie am 13. Juli 1928 zusammen mit Drouhin bei einem 1.058 Kilometer langen Flug von Paris nach Treptow in Pommern auf.
1929 kreiste Maryse Bastié 26 Stunden 48 Minuten lang über dem Pariser Flughafen Le Bourget und brach damit den Alleinflug-Dauerrekord für Frauen. Die in Deutschland ge-borene und in Frankreich lebende russisch-stämmige Pilotin Lena Bernstein (1906-1932) blieb kurz darauf noch länger mit ihrer Maschine in der Luft als sie. 1930 erkämpfte sich Maryse in 22 Stunden 40 Minuten mit ihrem 40 PS starken deutschen Leichtflugzeug des Typs „Klemm KL25“ die Urkunde für den „Internationalen Rekord in geschlossener Bahn“. Im September 1930 triumphierte sie über Lena Bernstein, als sie mit ihrem Klemm-Leichtflugzeug 37 Stunden 55 Minuten flog, ohne zu tanken, und einen neuen Alleinflug-Dauerrekord für Frauen aufstellte. Dabei kämpfte sie bis zur Erschöpfung gegen die Kälte, den Mangel an Schlaf und Abgase des Motors.
Am 28. Juni 1931 startete Maryse Bastié zu einem aufsehenerregenden Langstreckenflug. Mit diesem fast 3.000 Kilometer
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weiten Direktflug von Frankreich (Paris) über Deutschland nach Russland (Urino bei Nishni Nowgorod in Sibirien) in 30 Stunden 30 Minuten brach sie den bis dahin von Lena Bernstein gehaltenen Frauen-Weltrekord und stellte den absoluten Weltrekord für Kleinflugzeuge auf. Fortan galt sie als berühmte Fliegerin und konnte von den Einnahmen, die ihr die Flüge mit der eigenen Maschine sowie Werbung einbrachten, leben.
1931 erhielt Maryse Bastié als erster Franzose die renommierte „Internationale Harmon Trophy“ als „beste Fliegerin der Welt“. Die „Internationale Flieger-Liga“ verlieh ihr 1932 den offiziellen Weltmeistertitel für Frauen. 1934 flog sie als erste Frau von Paris nach Tokio und zurück. Im Jahr darauf gründete sie 1935 auf dem Flugplatz Orly die Flugschule „Maryse Bastié Aviation“. Laut Online-Lexikon „Wikipedia“ arbeitete sie in den 1930-er Jahren auch als Verkaufsdirektorin bei einem Motoren- und Flugzeughersteller.
Louise Bastie und die französische Fliegerin Adrienne Bolland (1895-1975) unterstützten die 1934 von der Politikerin, Feministin, Schriftstellerin und Journalistin Louise Weiss (1893-1983) und Cécile Brunsvicg gegründete Vereinigung „La femme nouvelle“ („Die neue Frau“). Diese strebte das Frauenwahlrecht und die Stärkung der Rolle der Frauen im öffentlichen Leben an.
Kurz nach dem Verschwinden des französischen Fliegers Jean Mermoz (1901-1936) über dem Atlantik krönte Maryse Bastié ihre fliegerische Leistung im Dezember 1936, als sie durch Nebel und Gewitterwolken von Dakar in Westafrika über den Südatlantik nach Natal in Brasilien flog. Dabei war sie 12 Stunden 5 Minuten unterwegs, also eine Stunde schneller als die bisherige Rekordhalterin Jean Batten (1909-1982) aus Neuseeland, und erreichte eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 260 Stundenkilometern. Für diesen Ozeanflug hatte ihr der französische Luftfahrtminister eine Maschine des Typs
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„Caudron Simoun“ zur Verfügung gestellt. Nach der triumphalen Heimkehr verlieh er ihr 1937 den Titel eines „Offiziers der Ehrenlegion“. Im Sommer 1937 flog Maryse zusammen mit der französischen Pilotin Suzanne Tillier von Paris nach Krasnojarsk und zurück. Im Zweiten Weltkrieg (1939-1945) meldete sich Maryse Bastié freiwillig als Pilotin zu den Luftstreitkräften. Sie konnte aber als Frau wegen der damaligen Bestimmungen nicht angenommen werden und wurde statt dessen Fahrerin eines Ambulanzwagens. Während der deutschen Offensive im Mai 1940 arbeitete sie für das „Rote Kreuz“ und half vor allem französischen Kriegsgefangenen im Lager Drancy. Bei der Abfahrt eines Zuges mit Kriegsgefangenen nach Deutschland wurde Maryse von einem deutschen Wachtposten gestoßen, brach sich dabei den rechten Ellenbogen und behielt fortan eine Behinderung. Unter dem Deckmantel des „Roten Kreuzes“ sammelte sie Informationen über die Insassen des Lagers. 1940 starb der einzige Sohn von Maryse Bastié als Soldat in Tunis. Daraufhin schloss sie sich der französischen Wider-standsbewegung („Résistance“) an. Nach der Befreiung von Paris trat sie der „Women’s Auxiliary“ der „Air Force“ bei und hatte den Rang eines Leutnants. 1946 wurde sie entlassen. 1947 erhielt sie als erste Frau den Rang eines Kommandanten der Ehrenlegion. Ab 1951 arbeitete sie für die PR-Abteilung eines Testflug-Centers.
Maryse Bastié, die bis dahin ohne schwere Unfälle geflogen war, verlor am 6. Juli 1952 im Alter von 54 Jahren bei einem Sommer-Flugmeeting auf dem Flugplatz Lyon-Bron ihr Leben. Sie wurde nach dem Absturz eines zweimotorigen Transportflugzeuges „Nord 2501 Noratlas“ aus rund 200 Metern Höhe unter den Trümmern begraben und erschlagen. Auch die fünfköpfige Besatzung starb. Die berühmte Fliegerin wurde in Paris auf dem Montparnasse-Friedhof beigesetzt, wo ihr Grab noch heute erhalten
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ist. In Frankreich tragen viele Schulen - zum Beispiel in ihrem Geburtsort Limoges in Reims und in Hayange-Marspichden Namen von Maryse Bastié. 1955 wurde sie mit ihrem Porträt auf einer französischen Briefmarke geehrt.
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A ls erste Frau, die in Deutschland die Prüfung zum Erwerb
der Pilotenlizenz ablegte, ging die gebürtige Sächsin Amelie Hedwig Boutard-Beese (1886-1925), geborene Beese, in die Geschichte der Luftfahrt ein. Besser bekannt ist sie allerdings unter ihrem Rufnamen Melli Beese. Amelie Hedwig Beese kam am 13. September 1886 als einzige Tochter eines Architekten in Laubegast bei Dresden zur Welt. Von ihren wohlhabenden Eltern wurde sie auf vielen Gebieten gefördert. Von 1906 bis 1909 studierte Melli an der „Königlichen Akademie der freien Künste“ in Stockholm Bildhauerei.
In Schweden begeisterte sich Melli für das Hochseesegeln. Sie war aber auch fasziniert von den Berichten und technischen Fortschritten in der so genannten „Aviatik“ (Flugkunst). Aus diesem Grund las und sammelte sie Berichte über die Flugversuche der berühmten Brüder Wilbur Wright (1867-1912) und Orville Wright (1871-1948). Im November 1910 kehrte Melli Beese nach Deutschland zurück und hörte am „Technikum Dresden“ (heute „Technische Universität“) externe Lesungen in Mathematik, Schiffbau und Flugmechanik.
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Noch 1910 suchte Melli Beese auf dem Flugplatz Johannisthal bei Berlin einen Fluglehrer. Zunächst versuchte sie bei den Albatros-Flugzeugwerken ihr Glück. Dort wurde sie wegen mangelnder Erfahrung mit weiblichen Schülern abgelehnt und zur „Flugmaschine Wright GmbH“ weitergeschickt, wo bereits die Ballonfahrerin Käthe Paulus (1868-1935) Flugstunden genommen hatte. Aber Paul Engelhardt (1868-1911) weigerte sich, noch einmal eine Frau zu unterrichten und empfahl Melli, sich an die „Ad Astra Fluggesellschaft“ zu wenden. Zur großen Freude von Melli nahm deren Fluglehrer Robert Thelen (1884-1968) sie als Schülerin an.
Damals mussten Flugschüler manchmal wochenlang in den Hallen eines Flugplatzes warten, bis sich endlich eine Gelegenheit für einen Start bot. Denn man wagte nur dann einen Flug, wenn ein entfaltetes, in die Luft gehaltenes Taschentuch sich nicht bewegte. Männliche Flugschüler betrachteten Melli Beese als unwillkommene Konkurrentin und versuchten, ihren ersten Flug zu verhindern. Erst als sie ihren Fluglehrer zur Rede stellte, durfte sie 1910 erstmals in die Luft aufsteigen.
Bei Melli’s zweiter Flugstunde am 12. Dezember 1910 setzte der Motor des Wright-Doppeldeckers wenige Augenblicke nach dem Start aus. Die Maschine stürzte mit Fluglehrer und -schülerin aus rund 20 Metern Höhe zu Boden. Thelen blieb unverletzt, aber Melli erlitt einen komplizierten Knöchelbruch. Wegen ihrer starken Schmerzen behandelte man sie mit Morphin, was eine lebenslange Sucht auslöste. Wenige Tage nach diesem Unfall erlag der Vater von Melli einem Herzinfarkt.
Mitte Januar 1911 kehrte Melli Beese - immer noch mit Krücken gehend - auf den Flugplatz Johannisthal zurück und hörte dort Unerfreuliches. Für ihren Fluglehrer Robert Thelen war ihre Bruchlandung vom 12. Dezember 1910 der Beweis dafür, dass „Frauen im Flugzeug eben Unglück
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Ernst Probst, 2010, Königinnen der Lüfte in Europa, München, GRIN Verlag GmbH
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