Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Ursachen für den inneren Konflikt in der Liebesbeziehung zwischen
Luise und Ferdinand. 3
2.1. Der Einfluss der Erziehung. 3
2.2. Die Vaterbeziehung 4
2.3. Ferdinand als Sturm-und-Drang-Held. 7
2.4. Liebe als Religion 7
3. Fazit - Unüberwindbare Verständnisbarrieren 9
4. Literaturverzeichnis. 12
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1. Einleitung
Der Titel von Friedrich Schillers drittem Jugenddrama, dem bürgerlichen Trauerspiel „Kabale und Liebe“, lässt bereits auf einen engen kausalen Zusammenhang zwischen den beiden Begriffen schließen. Es ist die Liebe zwischen dem Adligen Ferdinand von Walter und der bürgerlichen Tochter eines Musikers, Luise Millerin, gemeint, die - so scheint es - durch eine Kabale zerstört wird. Diese höfische Intrige, angezettelt von Ferdinands Vater, Präsident von Walter, seinem Sekretär Wurm und der Lady Milford, treibt Ferdinand so weit, seine Geliebte und sich selbst durch Gift zu töten.
Bei genauerer Betrachtung stellt sich jedoch die Frage, ob äußere Einflüsse die Macht besitzen, wahre Liebe in todbringenden Hass umzuwandeln, denn dass ihre Liebe stark und sogar himmlisch sei, davon sind beide Figuren, sowohl Ferdinand als auch Luise, überzeugt. Man muss also untersuchen, welchen Anteil die Kabale am Scheitern der Liebe tatsächlich hat oder ob sie nur der Katalysator für eine bereits vorhandene Krise in der Beziehung zwischen der Bürgerstochter und dem Major ist. Im Folgenden möchte ich die innere Problematik zwischen zwei Figuren beleuchten, die verschiedener kaum sein könnten. Dabei werde ich auf die einzelnen Ursachen der Verständnisbarrieren zwischen Luise und Ferdinand eingehen: auf ihre unterschiedliche Herkunft und Erziehung, ihr Vaterverhältnis und ihre moralischen sowie religiösen Vorstellungen.
2. Ursachen für den inneren Konflikt in der Liebes-
beziehung zwischen Luise und Ferdinand
2.1. Der Einfluss der Erziehung
Die Autoritätsperson schlechthin in Luises Leben ist ihr Vater, Miller. Dieser ist folglich größtenteils für die Erziehung seiner Tochter verantwortlich. Dass die Mutter weder für Luises Erziehung noch im Drama überhaupt eine wichtige Rolle spielt, wird durch ihr plötzliches Verschwinden nach dem 2. Akt deutlich. Luise ist in einer bürgerlichen Kleinfamilie aufgewachsen. Um den Begriff des Bürgertums in „Kabale und Liebe“ richtig zu verstehen, muss man wissen, dass es sich im ausgehenden 18. Jahrhundert nicht mehr um ein homogenes Bürgertum handelt,
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sondern dass es aus zwei Gruppierungen besteht. Auf der einen Seite gibt es das ständische Zunftbürgertum, das durch eine streng lutherisch-orthodoxe Religiosität geprägt ist; auf der anderen Seite beginnt sich ein liberales Bürgertum zu entwickeln, das das Ideal eines ständeübergreifenden Selbstverwirklichungsanspruch vertritt. 1 Die Familie Miller lässt sich dem ständischen Zunftbürgertum zuordnen. Vater Miller hat seiner Tochter die Leitbegriffe des bürgerlichen Ideals eingeprägt: Er hat sie zu Tugend, Sittlichkeit, Pflichtbewusstsein, Vaterbindung, Moral und Religiosität erzogen, aber auch die Vermittlung des bürgerlichen Standesbewusstseins spielt eine große Rolle. Luise ist in dem Glauben aufgewachsen, dass die herrschende Ordnung des Feudalismus gottgegeben ist und sie akzeptiert ihre dem Adel unter-geordnete Stellung. Dies führt zu einem Konflikt mit Ferdinands Vorstellungen von der weltlichen Ordnung, die mit den Gedanken des liberalen Bürgertums konform gehen.
Im Gegensatz zu Luise ist Ferdinand in der Welt des absolutistischen Hofes aufgewachsen. Sein Vater ist der Adlige Präsident von Walter, der am Hof eines deutschen Fürsten arbeitet. Durch seine Erziehung und dem höfischen Umgang weist Ferdinand verschieden höfische Eigenschaften auf, die die Beziehung zu Luise belasten. Er tritt ihr gegenüber fordernd auf und macht des Öfteren einen für ihn selbstverständlichen Herrschaftsanspruch gegenüber seiner Geliebten geltend:
„Du bist meine Luise! Wer sagt dir, daß du noch etwas sein solltest?“ 2 (I, 4)
„Richter der Welt! Fodre sie mir nicht ab! Das Mädchen ist mein!“ 3 (IV, 4)
Außerdem ist sein Misstrauen durch die Erfahrungen mit der höfischen Welt, in der Intrigen an der Tagesordnung sind, geschärft, so dass sein Vertrauen in Luise nicht besonders groß ist.
2.2. Die Vaterbeziehung
Die Beziehungen zu ihren Vätern haben bei Ferdinand und Luise zur Ausbildung ganz unterschiedlicher Vaterbilder und zu verschiedenen Auffassungen hinsichtlich der Unterordnung unter den Vater als Autoritätsperson geführt.
1 Maier, Konrad: Zerstörungsformen einer verabsolutierten Moral im Frühwerk Friedrich Schillers, Saarbrücker Beiträge zur Literaturwissenschaft, hrsg. von Karl Richter, Gerhard Sauder und Gerhard Schmidt-Henkel, Bd. 30, St. Ingbert: Röhrig, 1992, S. 329. 2 Schiller, Friedrich: Kabale und Liebe, Husum: Hamburger Lesehefte, o. J., S. 11. 3 Ebd., S. 59.
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Arbeit zitieren:
Annika Milz, 2003, Friedrich Schillers „Kabale und Liebe“ - Die Intrige als Katalysator einer inneren Krise, München, GRIN Verlag GmbH
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