Inhalt
1 Einleitung 4
2 Von den Anfängen des Christentums bis zum Augsburger Religionsfrieden 1555 4
2.1 Die Anfänge 4
2.2 Spätantike und frühes Mittelalter 6
2.3 Hoch- und Spätmittelalter 8
2.4 Die Reformation 11
2.5 Beginnende Neuzeit 12
3 Die Zeit nach dem Augsburger Religionsfrieden bis in die Neuzeit 13
3.1 Die Folgen des Augsburger Religionsfriedens 13
3.2 Bi-, bzw. Mehrkonfessionelle Städte nach dem 30-jährigen Krieg 13
3.3 Augsburg - eine bikonfessionelle Stadt zwischen 1648-1806 14
4 Die Neuzeit - Säkularisierung oder „Zweites konfessionelles Zeitalter“? 15
4.1 Säkularisierungstheorie 15
4.2 Theorie des „Zweiten Konfessionellen Zeitalters 16
4.3 Weitere Theorien 17
4.3.1. Das ökonomische Marktmodell 17
4.3.2. Individualisierungsthese 18
4.4 Geographische Relevanz der einzelnen Theorien 18
5 Die Veränderungen des 19. Jahrhunderts 19
5.1 Ein neues Kirchenverständnis 19
5.2 Die Entwicklung der kirchlichen Struktur innerhalb der Städte 20
5.3 Kirche als Organisation 21
6 Rückorientierung zu Beginn des 20. Jahrhundert 21
7 Die Kirchenreformbewegung in der Moderne 22
7.1 Kritik am gottesdienstlichen Gemeindeverständnis 22
7.2 Der Einfluss des gesellschaftlichen Wandels 23
7.3 Folgen des demographischen Wandels 24
2
7.3.1 Der veränderte Altersaufbau der Bevölkerung 24
7.3.2 Die Rolle der Einpersonenhaushalte 25
7.3.3 Einfluss von Binnenwanderungen auf die Ressourcenverteilung 26
8 Lösungsansätze und raumstrukturelle Zielkonflikte 27
9 Fazit 28
10 Literaturverzeichnis 30
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1 Einleitung
Neben dem Judentum und dem Islam ist das Christentum die weitverbreitetste Religion auf der Welt. Der schon in der Bibel fest verankerte Missionsgedanke ist einer der Faktoren, der dies begründet. Über Jahrhunderte senden Klöster ihre Missionare in noch „wildes“ und „unzivilisiertes“ Gebiet, um die dort ansässige Bevölkerung vor dem kommenden „Jüngsten Gericht“ und ihrer ewigen Verdammnis nach dem Tod zu retten. Oft gehen die Bekehrer nicht nur friedlich vor. Kriegerische Auseinandersetzungen zur Befriedung der Völker und zur Vereinheitlichung des Glaubens sind seit dem Aufkommen der christlichen Religion bis in die Neuzeit zu verzeichnen. Es ist immer wieder festzustellen, dass es in der Geschichte Westeuropas (das Gebiet, auf die diese Arbeit beschränkt ist) zum Teil bis ins Mittelalter noch nicht einheitlich dem christlichen Glauben anhängt. Die Städte, als Sitzt der Machthaber und damit der Bestimmer der jeweiligen Religion des Landes, oder der zu beherrschenden Region, hatten schon immer einen enormen Einfluss auf die dortige Glaubensrichtung.
Die wichtigste Frage, die in dieser Arbeit behandelt wird ist, ob die Städte, von den Anfängen des Christentums bis in die heutige Zeit, wirklich einen solch großen Einfluss auf die Verbreitung, den Erhalt, oder auch die Umformung der Religion hatten und haben. Anhand weiterer wissenschaftlicher Arbeiten werden wir weiterhin der Frage nachgehen, wie kirchliche Institutionen mit modernen Strömungen umgehen, wie die der Säkularisierung inhärenten Theorie der absoluten Verweltlichung und tatsächlichen Problemen, wie der Aufrechterhaltung einer „christlichen Grundversorgung“ aller Menschen in Deutschland.
2 Von den Anfängen des Christentums bis zum Augsburger Religionsfrieden 1555
2.1 Die Anfänge
Die Geschichte des Christentums beginnt mit dem Tod Jesu, dem Sohn Gottes, um ca. 30 n. Chr. in der Stadt Jerusalem. Jesu Wirken konzentrierte sich großenteils auf Jerusalem und dessen Umgebung und so ist es nicht verwunderlich, dass auch seine Jüngerschar, die zwölf Apostel, die Verbreitung der neuen Lehre von hier aus beginnen (vgl. NT). An Pfingsten empfangen sie den Heiligen Geist, der sie in fremden Zungen reden lässt, so dass sie die Frohe Botschaft in den jeweiligen Muttersprachen an alle in Jerusalem ansässigen oder durchreisenden Menschen weitertragen können (APG 2,1 -13). Mit dieser Auserwählung der zwölf Apostel zu Stellvertretern Jesu auf Erden ist eine erste Hierarchie der Gläubigen
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geschaffen: Aus ihnen gehen später die Bischöfe bzw. aus Petrus, dem Fels der Kirche, das Papsttum hervor (LORETZ 1962: 41).
Man kann in der Tat davon sprechen, dass es sich beim Christentum von Beginn an (bis zur Neuzeit) um eine Stadtreligion handelt: Angefangen in Jerusalem springt die neue Lehre quasi von Stadt zu Stadt über (KRAUSE 2001: 92). Maßgeblich entscheidend für diese Entwicklung ist der Apostel Paulus, der mit seiner Heidenmission gezielt Städte von überregionaler Bedeutung aufsucht, z.B. Damaskus oder Antiochia, und zwar aus dem Grund, da dort die nötige Infrastruktur vorhanden ist: Die Öffentlichkeit, die er erreichen will, sowie Versammlungsräume und auch Beschäftigungsmöglichkeiten. Paulus war ja von Haus aus Zeltmacher und natürlich konnte er nicht vom Glauben alleine leben (vgl. Briefe des Apostels Paulus und APG 13-28; ANDRESEN 1971; KRAUSE 2001: 93). Nach der Gründung der Gemeinde in Antiochia, wo im Jahr 44 auch erstmals die Bezeichnung „christianoi“ (zunächst noch als Brandmarkung für die Anhänger des neuen Glaubens, einige Jahre später von Bischof Ignatius als Eigenbezeichnung eingeführt) aufkommt, beginnt Paulus seine Missionsreisen durch den Mittelmeerraum (LORETZ 1962: 41; APG 11, 26). Zunächst in Kleinasien, dann bis nach Griechenland und einmal sogar bis nach Rom. Er bereist Städte wie Ephesus, Korinth, Philippi und Thessaloniki, in denen er jeweils Christengemeinden gründet. Dabei verfolgt er außerdem die Strategie, Städte mit Synagogen aufzusuchen, vermutlich deshalb, da er nur dort die Thora entsprechend auslegen kann (ANDRESEN 1971: 17; GALLING 2004: 1657; GAEDE 2007: 639).
Zwei weitere Formen der Ausbreitung sind nachvollziehbar: Zum einen die regionale Missionierung, d.h. in Städten und deren direktem Umland, so dass hier regionale Ballungszentren des Christentums entstehen, zum anderen die Ausbreitung entlang von Knotenpunkten des damaligen (antiken) Reiseverkehrs, was wiederum nichts anderes bedeutet als Städte. Dabei ist eine Tendenz Richtung Westen ganz deutlich erkennbar (ANDRESEN 1971: 17; GALLING 1999: 239; LORETZ 1962: 55). Ein weiterer entscheidender Vorteil dieser Städte bildet deren Funktion eben als Reise-, aber vor allen Dingen auch als Handelszentrum. Hier kommen viele Menschen aus vielen Ländern zusammen, um ihre Waren zu verkaufen, doch geht das nur, wenn man sich verbal verständigen kann. In all diesen Städten ist man der griechischen Sprache - dem damaligen internationalen Kommunikationsmedium - mächtig, was eine Mission deutlich erleichterte. Auf dem Land jedoch gibt es eine solche gemeinsame Sprache nicht, hier herrschen regionale Dialekte vor, was ein massives Hindernis für die Missionierung darstellt. Außerdem lebt auf dem Land das konservative Bauerntum, das erstens stark naturfrömmig und abergläubisch
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verhaftet ist, was eine Überzeugung von irgendwelchen Heilsversprechungen damit quasi unmöglich macht. Zweitens sind die ländlichen Sippen stark miteinander verflochten, wodurch eine hohe gegenseitige Kontrolle besteht. Würde eine Familie plötzlich zum Christentum übertreten, hätte das vermutlich so manche negative Folge für sie. Die Missionare, allen voran Paulus, sind damit im Grunde dazu gezwungen, sich auf Städte zu konzentrieren (ANDRESEN 1971: 18ff).
Einer Stadt kommt dabei eine ganz bedeutende Rolle zu: Als Hauptstadt des römischen Reiches und infolge des intensiven Wirkens Petrus und Paulus in ihr erlangt Rom die Stellung eines zentralen Bezugspunktes für das noch junge Christentum, die es bis heute beibehalten hat. „Ohne Rom hätte es, historisch gesehen, auf die Dauer keine geistliche Selbstregierung der Kirche gegeben.“ (LORETZ 1962: 50; 121)
Zu alledem kommt noch eine erste Christenverfolgung hinzu, aufgrund derer viele Christen bereits im Jahre 68 n.Chr. aus Jerusalem fliehen. Da sie so ihre Heimat verlieren, müssen sie sich neue Ziele suchen. Diese sind personell gesehen die Heiden, geographisch betrachtet Rom und Europa. Damit beginnt ganz allmählich die Ausbreitung im europäischen Raum (LORETZ 1962: 48).
2.2 Spätantike und frühes Mittelalter
Bereits im 3. Jhd. finden sich in nahezu allen großen Städten zwischen Kleinasien und Skandinavien christliche Gemeinden, die von einem Bischof geleitet werden. Zum damaligen
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Zeitpunkt gibt es nur das Bischofsamt als geistliche Funktion, Kardinäle, Pfarrer, Diakone, Kapläne etc. tauchen erst einige Zeit später auf. Und diese Stadtgebiete, diese Stadtpfarreien sind es, die dann auch als Diözesen bezeichnet werden, wie man sie heute noch kennt (KRAUSE 2001: 94; LORETZ 1962: 117).
Auch zu dieser Zeit wird das Land hauptsächlich von den Städten aus missioniert (LORETZ 1962: 117). Die um 376 einsetzende Völkerwanderung führt zu einer weiteren Ausbreitung des Christentums, insbesondere nördlich des Mittelmeers, sprich: Wiederum in (Zentral-) Europa (GALLING 1999: 239).
Eine entscheidende Rolle spielt in der spätantiken Zeit Kaiser Konstantin (306-337), der erste christliche Kaiser des römischen Reiches. Er verhilft dem Christentum 313 zu einer gleichberechtigten Stellung neben den römischen und heidnischen Religionen und Weltanschauungen (sog. Konstantinische Wende). Außerdem lässt er zahlreiche Kirchen bauen, darunter die alte Peters-Basilika, an deren Stelle heute der Petersdom und die Vatikanstadt stehen, mit der er dem ersten Bischof von Rom ein Andenken setzen und den christlichen Glauben sichtbar machen will. Weiterhin schenkt er dem Papst (der inzwischen so genannt wird) den Lateranspalast, womit der römische Bischof in eine weltlich und sozial gehobene Stellung rückt. Gleichzeitig überträgt Konstantin ihm diverse wichtige Funktionen wie die Gerichtsbarkeit über seine Gemeindemitglieder. Als vielleicht offensichtlichste Maßnahme lässt er Byzanz vergrößern und verschönern, welches er schließlich nach sich selbst Konstantinopel (Konstantin-Stadt) benennt. Damit schafft er bewusst eine christliche Stadt, ein christliches Zentrum im Osten des Reiches, wodurch er Rom und das Papsttum quasi auch ein Stück weit von der nicht ungefährlichen unmittelbaren Nähe des Kaisers, also der weltlichen Macht, befreit. Unter Konstantin werden zudem die Strukturen der Kirche (Territorium, Recht etc.) den staatlichen angepasst (LORETZ 1962: 111ff; GALLING 2004: 1657; KRAUSE 2001: 94).
Unter Kaiser Theodosius (379-395) schließlich wird das Christentum zur offiziellen Reichsreligion erhoben (LORETZ 1962: 105).
Am Beginn des frühen Mittelalters steht die Taufe des merowingischen Frankenkönigs Chlodwig um das Jahr 500. Damit ist der Grundstein für eine relativ hindernisfreie Expansion des Christentums im fränkischen Reich gelegt. Auch unter seinen Nachfolgern im 6. und 7. Jhd. findet eine nachhaltige Christianisierung im Frankenreich statt und ein regelrechter Kirchenbauboom setzt ein (KRAUSE 2001: 94; GATZ 2009: 25). Die Merowinger unterstützen außerdem aus politischem Kalkül die Missionierung der Völker jenseits des Rheins, die vornehmlich von irischen und angelsächsischen Mönchen getragen wird. Diese
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gründen zahlreiche Klöster, die als Zentren der Gelehrsamkeit gelten. Bonifatius beispielsweise ruft 741 die Bistümer Büraburg, Würzburg und Erfurt sowie 744 das Kloster Fulda ins Leben 1 (WOLFF 2004: 56; KNEFELKAMP 2003: 61). Zugleich beginnen sich auch auf dem Land Bischofssitze zu etablieren, deren Leitung schon bald - stellvertretend für den Bischof - die ersten Priester übernehmen. Aufgrund der stetig wachsenden Mitgliederzahl müssen diese Gemeinden bereits recht bald aufgeteilt werden, da ein Presbyter sich nicht mehr um alle Angehörigen kümmern kann. So kommt es zu einer weiteren Hierarchisierung: Der ursprüngliche Gemeindepfarrer gewinnt an Autorität gegenüber den nun nachfolgenden Priestern in den aufgeteilten Landsprengeln und wird zum Erzpriester (LORETZ 1962: 117). Die Einteilung der Kirchenprovinzen entspricht zu dieser Zeit der der staatlichen. Dabei hat der Bischof in der Hauptstadt (Metropolit) die Aufsicht und den Vorstand über die Provinzbischöfe. Er ist es, der Synoden einberuft und ihnen vorsitzt (LORETZ 1962: 118). Auch in der oströmischen Kirche bauen die Bischöfe ihre Stellung aus. Hier kommt es schließlich zur Bildung von Patriarchaten (zunächst Antiochia und Alexandria, später auch Jerusalem und Konstantinopel), was zu einer Spaltung der morgenländischen Kirche führt 2 . Die abendländische Kirche hingegen behält ihre Einheit mit dem Papst als einzigem Patriarchen bei, was sich im Lauf der kommenden Jahrhunderte angesichts unzähliger Kriege bewähren wird (LORETZ 1962: 118; GALLING 1999: 239).
2.3 Hoch- und Spätmittelalter
„Die Verbindung von Kirche und Stadt gehört zu den markanten Merkmalen der urbanen Entwicklung im Mittelalter.“ (GATZ 2009: 155) In der Tat ist es so, dass die bestehende Kirchenorganisation, sprich die Hierarchie der Ämter mit dem Bischof als geistlichem Oberhaupt in der Stadt teilweise das Überleben der Städte im Mittelalter sichert. Gemeint sind dabei v.a. die Freien und die Reichsstädte, denn diese unterstehen nur dem Kaiser, der jedoch zu selten persönlich anwesend ist, um sich um deren Leitung kümmern zu können. Mit dem Bischof ist nun aber eine Führungsfigur in der Stadt vorhanden, die die Ordnung des Lebens und der Aufgaben darin in seiner Hand zusammenführt und kontrolliert. Denn kirchenrechtlich ist festgesetzt, dass der Bischof seinen Sitz in der Stadt hat. Dies wiederum führt zur Herausbildung eines neuen Stadttyps: Der Bischofs- oder Kathedralstädte. Diese zeichnen sich durch eine ausgeprägte Zweiteilung aus: Im Zentrum befindet sich der Kirchenbezirk mit der Kathedrale, den Klöstern und den Wohn- und Wirtschaftshäusern der
1 Auch: Kolumban (Bodensee), Kilian (Würzburg), Emmeram (Regensburg), Pirmin (Allemanien)
2 Noch heute existiert diese Aufspaltung in römisch-orthodox, griechisch-orthodox, russisch-orthodox usw.
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Arbeit zitieren:
Martin Mehringer, 2010, Die Städte im Hinblick auf die Expansion des Christentums, München, GRIN Verlag GmbH
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