Inhalt
Seite Kapitel
3 Einleitung
5 Von der Apokalypse der Bibel zur Technik des 20. Jahrhunderts
7 Apokalypse - die Wandlung eines Sinnbildes von der Offenbarung bis zur
„post-apokalyptischen Vision“
9 Maschinen: Definition
11 Huldigung an die Maschine und an die Zukunft
12 Untergang und Neuanfang
13 Internet, Spiel und Wirklichkeit im Kalten Krieg
14 Roboter, Androiden, Cyborgs
16 Meine Freunde, die Roboter
19 Meine Feinde, die Roboter
20 Sendbote der Apokalypse
24 Kleine Roboter bringen großes Verderben
26 Das post-apokalyptische Leben in der Maschine
35 Wissenschaftlicher Exkurs: Die Macht der Maschinen - was heute schon
m öglich ist
50 Schlussbetrachtung
53 Quellenverzeichnisse
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Einleitung
Apokalypse - was ist das eigentlich? Wenn man sich im Rahmen einer wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der Apokalypse beschäftigt, gilt es zunächst zwangsläufig, verschiedene „Bilder“ und Begriffe einzuordnen und zuzuordnen, um sich einer Definition anzunähern. 1
Im Fall der Apokalypse stellt man dabei sehr schnell fest, dass eine klare Definition eher schwer ist - wenn nicht sogar unmöglich. Der Wandel der Begriffsdefinition soll in dem später folgenden Abschnitt „Von der Apokalypse der Bibel zur Technik des 20. Jahrhunderts“ kurz umrissen werden.
Im Vorgriff darauf soll an dieser Stelle aber die Verwendung des Begriffes der Apokalypse im weiteren Text in den richtigen Zusammenhang gestellt werden. „Apokalypse“ heißt „Offenbarung“ , so dass eigentlich die Apokalypse als historischer Text gemeint wäre, wenn von der „Offenbarung“ des Johannes die Rede ist. Allerdings ist der Begriff „Apokalypse“ mittlerweile in anderer Weise in den Sprachgebrauch eingegangen, nämlich als Synonym für den Untergang der Welt oder der Menschheit. Wenn im Folgenden also von der Apokalypse die Rede ist, so wird der Begriff im Sinne des allgemeinen Sprachgebrauchs als Synonym für den „Weltuntergang“ und in Abgrenzung zum Begriff der Offenbarung als Synonym für den historischen Text verwendet, auch wenn das theologisch und religionswissenschaftlich eigentlich nicht korrekt ist.
Was nun berechtigt dazu, die Apokalypse thematisch in einen Zusammenhang mit „Maschinen“ zu stellen? Maschinen sind die technologischen Wegbereiter unserer Zeit - ohne Maschinen wäre die Industrialisierung nicht denkbar gewesen, ohne die Industrialisierung gäbe es keine Massenproduktion, ohne die Massenproduktion hätten wir keine Autos ... und so weiter und so weiter.
Allerdings hat die fortschreitende Automatisierung durch Maschinen auch dafür gesorgt, dass viele Menschen keine Arbeit haben, dass unsere Atmosphäre schwer mit Giften belastet ist, dass jährlich Tausende Menschen bei Verkehrsunfällen sterben - weshalb es nicht verwundert, dass Maschinen nicht allen Menschen als Heilsbringer gelten. So stellt etwa Walter Bühl in seinem Buch „Die Angst der Menschen vor der Technik“ fest, dass gerade Wohlstandsgesellschaften im stärkeren Maße zu einer gewissen Technikfeindschaft neigen. 2 Die Technik wird sogar als etwas Dämonisches empfunden: „Man sitzt dem uralten Stereotyp der Technik auf, das in der Technik eine unabhängige und dämonische Kraft der Unterwelt sieht, die den Menschen versklavt - oder der sich der Mensch gerne ausliefert, um der Verantwortung ledig zu sein.“ 3
Hier haben die Apokalypse in der Bedeutung nach der Offenbarung des Johannes und die Maschinen etwas gemeinsam: Sie künden nicht nur von großartigen Dingen, sondern auch von schrecklichen. Ohne Maschinen hätte es die Weltkriege nicht gegeben, ohne Maschinen
1 Die Bezeichnung „Apokalypse“ stammt aus dem ersten Vers der Offb (1,1), der eine Art Titel darstellt: „Offenbarung (griech. Apokalypsis) Jesu Christi, die Gott ihm gegeben hat, damit er seinen Knechten zeigt, was bald geschehen muss...“ Kalyptein (griech.) heißt „verhüllen, verbergen“, apo-kalyptein dementsprechend „enthüllen, offen legen“. Klaus Berger spricht in diesem Zusammenhang von der „aufklärerischen Funktion der Apokalyptik“ (Berger, Jahrtausendwende und Apokalypse, Nr. 3, 6).
2 Bühl, a.a.O., S. 10.
3 Bühl, a.a.O., S. 15
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sähe die Welt heute vielleicht sogar lebenswerter aus, vielleicht aber auch nur rückständiger - darüber gehen die Meinungen auseinander.
Und es gibt noch einen rechtfertigenden Bezug, der direkt in die Zeit des Johannes zurückreicht: die Maschine als Folterinstrument. Maschinenartige Folter- und Tötungsinstrumente wurden während der ganzen Geschichte der Christenverfolgung immer wieder eingesetzt, um den Glauben zu brechen und oder die Menschen auf bestialische Weise hinzurichten. Letztlich ist auch das Kreuz, das die Römer für ihre Hinrichtungen verwendeten, nichts weiter als ein Tötungsinstrument, ein Werkzeug, ein Vorläufer der Maschinen. 4 Als sich das Jahr 1999 seinem Ende näherte, kam eine Art von Weltuntergangshysterie auf, und das nicht nur, weil das Jahr 2000 allein wegen des Datums den zeitgenössischen Untergangsaposteln sehr geeignet für eine apokalyptische Abrechnung schien, sondern auch weil man befürchtete, dass die Computersysteme, von denen wir in großen Teilen der Gesellschaft - man denke nur an Krankenhäuser, Banken, Versicherungen, Militär - abhängig sind, den Sprung in das neue Millennium nicht schaffen würden. Ein weltweiter Computer-Kollaps zur Jahrtausendwende - der so genannte „Millennium-Bug“ 5 - wurde als apokalyptisches Schreckgespenst aufgebaut. Der Untergang unserer von Computern schon so sehr abhängigen Gesellschaft schien direkt bevorzustehen.
Angesichts der heutigen Abhängigkeit von Technik im Allgemeinen und von Maschinen und Elektronik im Besonderen nimmt es also nicht Wunder, dass in zeitgenössischen apokalyptischen Szenarien das „Ende der Welt“ - was genau das ist, wird später noch zu klären seineben durch diese Maschinen und Elektronik eingeläutet wird 6 .
Hartmut Frey stellt in seiner Arbeit „Technischer Fortschritt zwischen Mythos und Aufklärung“ fest, dass der Mensch nicht mehr daran glaubt, die Kontrolle ihm an Speicherkapazität und Ausdauer überlegenen Kommunikations- und Informationssysteme zu haben, sondern das technische System selbst. Der Mensch gäbe demnach die Rolle des Kontrolleurs an die technischen Systeme ab und die Segmente menschlichen Verhaltens sänken auf die Ebene von gesteuerten Maschinenteilen herab. 7
Diese Arbeit widmet sich auch der Suche nach den Wurzeln der „Maschinen-Apokalypse“, ohne sich dabei in diesem feinen Geflecht der Ursprünge verheddern zu wollen, so dass sicher längst nicht alle Facetten beleuchtet werden können. Sicher könnte man bis weit in die Anfänge der Industrialisierung zurückgehen und dort nach literarischen Vorlagen und wissenschaftlichen Auseinandersetzungen forschen, aber diese Arbeit soll sich im Sinne und zum Wohle der Sache auf das 20.Jahrhundert (und auf die wenigen Jahre des 21. Jahrhunderts) beschränken.
4 Vgl. Bauer, a.a.O., S. 8f.: „Zwei Generationen, bevor die Bewegung der Anachoreten einsetzte und Christenbekämpfung Thema war, wurden Maschinen als Leidensinstrumente erfunden und eingesetzt. Die Heiligenlegenden (Legenda Aurea) des Jacobus de Voragine (geb. ca. 1229) beinhalten eine reiche Ansammlung solcher Gerätschaften. Die Legenden erzählen davon, wie durch die Maschine das Martyrium und damit die MärtyrerInnen für das Christentum erst erzeugt wurden. (...) Diese Berichte demonstrieren, dass Maschinen auch damals schon erfunden wurden, um unsere Leidensfähigkeit zu prüfen.“
5 „Bug“ heißt eigentlich Käfer (engl.), wird in der Fachsprache der Computertechnik aber als „Fehler“ übersetzt.
6 Vgl. Bauer, a.a.O., S.4: „ Während und gegen Ende des 20. Jahrhunderts werden die Anzeichen des Weltuntergangs durch Berichte verschiedenster Art (Ökokatastrophe etc.) wieder vermehrt. Die Beschleunigung durch die Medientechnologie verstärkt das Gefühl eines raschen Alterns. Die Jahrtausendwende dient den neuen Propheten als Zeitkulisse, um die Modi der Gesellschaft hintergründig umzubauen.“
7 Vgl. Frey, a.a.O., S. S. 86f.
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Trotzdem ist die Arbeit mit „Apokalypse des 21. Jahrhunderts“ überschrieben, denn besonders den „technischen“ Apokalypse-Visionen, um die es hier ja in der Hauptsache geht, ist zu eigen, dass sie den Zeitpunkt des Eintreffens in die Zukunft verlegen. Je weiter die Vision von der heutigen technischen „Machbarkeit“ entfernt ist, desto weiter wird das Eintreffen in die Zukunft verlegt. So genügen zum Beispiel im Film „Terminator“ rund 40 Jahre, um die Erde in eine Maschinen-Hölle zu verwandeln.
Zunächst möge der folgende Abschnitt aus einem Aufsatz 8 der Philosophin Sabine Bauer der Arbeit als ein „Motiv“ voranstehen:
„Die Vorstellung, das Scheinbare als das Reale gelten zu lassen, wird heute mit großem Enthusiasmus vorgetragen, sie nimmt den Status einer Offenbarung ein. Im Zentrum der Aufmerksamkeit ist eine von Menschenhand gefertigte und erdachte Maschine ..., die bereits den Auftrag hat, sich selbst zu zeugen. Dem Computer wird die Gottebenbürtigkeit aufgebürdet. Vordergründig avancierten die Techniker zu Göttern, nachhaltig wird die spirituelle Erlösung von der Maschine selbst erwartet. Der Kult um die Maschine als Leidens- und Imaginationswerkzeug hat gegen Ende des 20. Jahrhundert den Menschen völlig neu zu generieren, um den Traum Descartes’ wahr werden zu lassen: den Menschen als gut gehendes Uhrwerk zu verwirklichen. Mehr noch: Die Maschine hat die phantasmatische Macht erhalten, den Anthropos außer Kraft zu setzen, indem sie selbst mit den Insignien des Göttlichen beladen werden kann, denn Gott ist tot, hat Nietzsche uns wissen lassen. Der Cyborg nimmt Gestalt an und vertritt die Position der Engel: halb Maschine, halb Gott. Ist der direkte Draht zum Göttlichen (im Menschen) gekappt, versorgen uns Kanäle mit Informationen, die keine Botschaften mehr sind. Die Verquickung von Mensch-Maschine-Gott verspricht Lösungsqualität im Augenblick, sie entsteht durch das Gefühl des Informiertseins. Es ist die Wirkung, die manifestiert wird, was bedeutet: nichts erscheint mehr, weil alles uns scheint.“
Von der Apokalypse der Bibel zur Technik des 20. Jahrhunderts Apokalypse - Himmelfahrt - Raumfahrt - Apokalypse?
Der Apokalyptiker Johannes ist bekanntlich nicht identisch mit dem Apostel Johannes - Der Apokalyptiker Johannes saß vermutlich in der Abgeschiedenheit der griechischen Insel Patmos, die als Ort der Verbannung bekannt war 9 , als er um 90 oder 100 n.Chr. seine Visionen oder besser Offenbarungen zu Pergament brachte. Nach Ansicht der Historiker und auch einiger Theologen 10 spiegelt die Offenbarung des Johannes die Umstände jener Zeit wider: Die Minderheit der Christen in Klein-Asien wird unbarmherzig von den Häschern des römischen Reiches 11 verfolgt, geknechtet, gefoltert, gekreuzigt, getötet 12 . Angesichts der ernüch-
8 Vgl.Bauer, a.a.O., S. 10
9 Vielleicht aber auch in Rom - darüber gibt es keine gesicherten Erkenntnisse.
10 Unter anderen z.B. Kuno Füssel in seiner materialistischen Bibelauslegung zur Offenbarung.
11 Annen, a.a.O.: Als unterdrückende Macht wird an vielen Stellen das römische Imperium greifbar, am deutlichsten in der Schilderung der großen Hure Babylon, die auf sieben Hügeln sitzt (Offb 17,9). Sie „ist betrunken vom Blut der Heiligen und vom Blut der Zeugen Jesu“ (17,6). In ihr ist „das Blut von Propheten und Heiligen und von allen, die auf der Erde hingeschlachtet worden sind“ (18,24). Im Jubelhymnus nach ihrem Sturz heißt es: Gott „hat Rache genommen für das Blut seiner Knechte, das an ihren Händen klebt“ (19,2). Die Beschreibung der Hure Babylon und die Schilderung ihres Sturzes lassen keinen Zweifel daran, dass hier die imperiale Macht Roms angesprochen ist. Unter ihrer Verfolgung haben die Christen der Adressaten-Kirchen offenbar zu leiden.
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ternden Übermacht der römischen Staatsmaschinerie können sich die Christen nur in unterirdischen Katakomben verstecken und Hoffnung aus ihrem Glauben schöpfen. Die Offenbarung des Johannes erzählt in farbigen und eindringlichen Bildern, wie bedroht sich die Christen durch den römischen Moloch gefühlt haben müssen - und worin sie ihre einzige Hoffnung sahen: dass das himmlische Gericht eines Tages über das unbarmherzige Tier „Rom“ richten werde, um all seine verblendeten Anhänger in das ewige Verderben zu stürzen und den wenigen Aufrechten ihren Platz im Himmel zu gewähren. 13 Historiker, Religionswissenschaftler und Theologen gleichermaßen haben sich darum bemüht zu erschließen, was die Offenbarung den Menschen denn tatsächlich offenbart - den Menschen zu jener Zeit und den Menschen zu dieser Zeit.
Der bei der Berliner Wochenzeitung „Freitag“ tätige Journalist Michael Jäger, mittlerweile auch wegen seiner religions-, kultur- und gesellschaftskritischen Aufsätze und Bücher 14 bekannt, kommt in Bezug auf die gesellschaftlichen Auswirkungen der Offenbarung zu einer gewagten These: Die heutige Raumfahrt sei eine direkte Folgeerscheinung der in der Offenbarung beschriebenen Himmelfahrt, eine materialistisch zu Ende gedachte Himmelfahrt unter Umgehung jeglicher Metaphorik der Ur-Schrift. Jäger vermutet, dass in der europäischen Säkularisierung „viele Strukturen der christlichen Botschaft, ihrer unmittelbaren Heilsbedeutung oder vielleicht auch nur ihrer Ursprungssprache entkleidet, fortgewirkt haben“ 15 . Jäger weist zu Recht darauf hin, dass die Himmelfahrt in ihrer ursprünglichen Metaphorik keineswegs einen Ortswechsel bedeuten musste, dass aber die Säkularisierung allgemein dafür sorge, dass metaphorische Texte entmetaphorisiert und gelesen werden, als beschrieben sie die Realität.
Schon im Mittelalter prognostizierte der Scholastiker Roger Bacon (1214-1294), dass es einst Maschinen geben werde, die den göttlichen Plan von der Himmelfahrt verwirklichen würden: „Es wird Wagen geben, die ohne ein Lebewesen mit unermesslichem Schwunge bewegt werden, und Maschinen zum Fliegen mit einem Menschen, sitzend inmitten von Instrumenten, den Geist darauf gewandt, dass künstliche Flügel die Luft schlagen nach Art des fliegenden Vogels“ 16 .
12 Annen, a.a.O.: Der Text der Offb selbst gibt an mehreren Stellen zu erkennen, dass sie in einer Zeit der Bedrängnis und der Verfolgung für die Adressaten-Kirchen in Kleinasien geschrieben wurde. Der Verfasser sagt es gleich am Anfang deutlich (1,9): „Ich, euer Bruder Johannes, der wie ihr bedrängt ist, der mit euch an der Königsherrschaft teilhat und mit euch in Jesus standhaft ausharrt, ich war auf der Insel Patmos um des Wortes Gottes willen und des Zeugnisses für Jesus.“ Der Verfasser wie seine Adressaten sind also bedrängt und harren standhaft aus. Der Seher Johannes scheint sich als Verbannter auf Patmos aufzuhalten, so wird jedenfalls die nicht ganz deutliche Stelle meist interpretiert.
13 Annen, a.a.O., S. 6: Es geht um den Kampf zwischen den bösen Mächten, welche die Welt verführen und verderben, und dem Heil Gottes, das der Welt im Christusgeheimnis geschenkt ist. Sie scheut sich auch nicht, die bösen Mächte aus der Anonymität herauszuholen und sie beim Namen zu nennen. In vielfältigen Bildernoft kaum versteckt - wird vor allem immer wieder die imperiale Macht Roms als Verkörperung des Bösen und Widergöttlichen enthüllt. Diesen und anderen Mächte des Bösen stellt die Offb die christliche Botschaft von der Herrschaft Gottes und vom Sieg des „Lammes“ gegenüber, das geschlachtet ist und mit Gott im Himmel thront. Auf der Erde ist zwar der Kampf noch im Gange. Das müssen die Christen der kleinasiatischen Städte schmerzlich erfahren. Aber im Himmel, dort, wo die Entscheidungen fallen, ist der Sieg schon errungen (vgl. besonders Kapitel 12). Auch auf der Erde wird Gott dem letzten Aufbäumen des Bösen bald ein Ende setzen. Das ist die zentrale Botschaft, die Aufklärung, welche die Offb geben will.
14 Z.B. : Jäger, Michael: Probleme und Perspektiven der Berliner Republik (1999)
15 Jäger, a.a.O., S.4, Vierter Kontext: Raumfahrt als Himmelfahrt.
16 Zitiert in Der Name der Rose von Umberto Eco, Ausg. München 1986, S. 27f.
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Nach Ansicht Jägers ist auch die Entwicklung der Maschine schon in der Gesellschaft angelegt: „Vorbild der modernen Maschine ist die Gesellschaft von Thomas Hobbes, die sich freiwillig autoritär beherrschen lässt 17 , ist das barocke Musikorchester, ..., ist die Parade der frühneuzeitlichen Armee; Phänomene, die eins gemeinsam haben: in ihnen wirken Menschen nicht irgendwie zusammen, sondern in der historisch bestimmten Art, dass sie Gleichschritt, Gleichtakt, Gleichklang üben. Zusammenwirken durch Gleichklang hat dann die Arbeitswelt erobert, wobei auch die Manufaktur noch keine Maschine ist, doch geht die Maschine aus ihr hervor.“ 18
Jäger geht sogar soweit, den Ursprung der Maschine in der Bibel zu sehen: „Gleichschritt als Paradigma des Zusammenwirkens, wo kommt das her, wenn nicht wiederum aus der Bibellektüre? Die ‚Brüder’ des Herrn Jesus üben Gleichheit, und letztlich suchen sie sich seiner absoluten Gleichung mit Gott dem Vater anzuähneln, von der zwar in der Bibel keine Rede ist, dafür aber im seit 325 nach Christus offiziellen Trinitätsdogma.“ 19 Zusammenfassend gelangt Jäger zu einer modernen Apokalypse-Definition, die den Übergang zum nachfolgenden Kapitel bilden soll:
„Ich fasse die bisherigen Kontexte ... zusammen: Erstens, die Erde wird nicht nur zerstört, sondern auch verlassen, beides ist vorgeprägt in einer bestimmten Lektüre der christlichen Apokalypse. Zweitens, a) sie wird kollektiv verlassen, und zwar von einem Kollektiv von ‚Brüdern’, die sich nicht irgendwie zusammenschließen, sondern als absolut Gleiche; b) das Fetischbild dieses Kollektivs aus sich angleichenden Teilen ist die moderne Maschine; c) die Maschine entwickelt sich scheinbar von selbst dahin, immer entwurzelter und immer schneller zu werden, vom überall stationierbaren Dampfkessel zur Eisenbahn auf Schienen, von da zum Auto auf Straßen, von da zum Flugzeug, von da zur Raumfähre. Drittens, wenn mit der Raumfähre die zerstörte Erde verlassen wird, dann, um eine neue Erde anzupeilen - wie es in der Bibel heißt, ‚einen neuen Himmel und eine neue Erde’ - denn auf Vernichtung folgt Ersatz.“ 20
Apokalypse - die Wandlung eines Sinnbildes von der Offenbarung bis zur „postapokalyptischen Vision“.
Die Offenbarung des Johannes beschreibt - zusammengefasst - den finalen Kampf zwischen Gut und Böse, in welchem die Anhänger der einen gegen die der anderen Seite antreten. In dieser Armageddon genannten Schlacht siegen die Mächte des Himmels über die Mächte des Bösen .
Franz Annen beschreibt das sehr anschaulich: „Was den Inhalt angeht, handeln die Apokalypsen von den Geschehnissen der Endzeit. Sie gehen davon aus, dass die ganze Geschichte und vor allem die Endereignisse einem Plan folgen, der von Gott zum voraus festgelegt ist.
17 Hobbes orientiert sich bei seinem Gesellschaftsbild an der mechanischen Uhr, die ihrerseits im christlichen Kloster entwickelt wurde. In: Leviathan oder Stoff, Form und Gewalt eines kirchlichen und bürgerlichen Staates, 1651.
18 Jäger, a.a.O., S. 5, Fünfter Kontext: Maschinen.
19 Jäger, a.a.O., S. 5f., Fünfter Kontext: Maschinen. Diese Ansicht oder Auslegung ist aber vom theologischen Standpunkt her eher zweifelhaft, denn die von den Jüngern geübte Gleichheit (griechisch „homousios“) bedeutet „wesenseins“, also Einheit im Wesen. Das hat mit „Gleichschritt“ als Synonym für uniformes Zusammenwirken eher wenig zu tun.
20 Jäger, a.a.O., S. 5f., Sechster Kontext: Vernichtung und Ersatz.
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Der gegenwärtige Äon ist vom Kampf zwischen guten und bösen Mächten bestimmt. Vorläufig haben die Bösen noch die Oberhand. Aber das machtvolle Eingreifen Gottes steht nahe bevor. Die gegenwärtige verderbte Welt wird untergehen. Die bösen Mächte werden gerichtet und vernichtet. Für die treugebliebenen Menschen wird ein neuer, guter Äon anbrechen. Die Apokalypsen gehen also von einem ausgeprägten Gegensatz zwischen dem gegenwärtigen bösen, total verdorbenen und dem zukünftigen guten Äon aus und sehen den Übergang zwischen beiden als Bruch, als Weltuntergang und Neuschöpfung.“ 21 Betrachtet man die Absicht des Verfassers, so liegt der Offenbarung durchaus ein zeitloses Gerüst zu Grunde, das ohne weiteres auch auf die heutige Zeit übertragbar ist. Franz Annen stellt treffend fest: „Für diese (die Offenbarung, d. Verf.) ergibt sich somit aus der Berücksichtigung ihrer literarischen Gattung, dass sie die Zukunft mit Hilfe von Bildern darstellt, die sie der Tradition und der Umwelt entnimmt. Sie gibt also nicht Auskunft über den Ablauf der künftigen Ereignisse und deren Zeitpunkt, sondern über die Erwartungen und Hoffnungen des Verfassers ..., die sich in diesen Bildern ausdrücken.“ 22 In der Offenbarung wird den Gläubigen ein neues Zuhause versprochen, wie auch Franz Annen konstatiert: „Der gegenwärtige Äon ist ihrer Ansicht nach so vollständig vom Bösen beherrscht, dass man nur hoffen kann, dass Gott ihm bald ein Ende macht und einen neuen Himmel und eine neue Erde schafft.“ 23
Ob dieses neue „Zuhause“ auf der Erde liegt oder in einem dem Irdischen entrückten Himmel, ist nach Ansicht der Forschung nicht eindeutig zu klären. So sagt die Offenbarung: „Wer überwindet, den will ich machen zum Pfeiler in dem Tempel meines Gottes, und soll nicht mehr hinausgehen. Und will auf ihn schreiben den Namen meines Gottes und den Namen des neuen Jerusalem, der Stadt meines Gottes, die vom Himmel hernieder kommt, von meinem Gott, und meinen Namen, den neuen.“ 24
Jedenfalls gibt es einen Neuanfang für die aufrechten Christen, das ist die hoffnungsvolle Botschaft der Offenbarung, eines ihrer Kernelemente.
Zusammenfassend könnte man die Offenbarung nach Johannes demnach auf folgende Kernpunkte reduzieren, die für eine Herleitung der „Apokalypse“ aus dem Ur-Text maßgeblich sind:
1. Den gläubigen Menschen geschieht zunächst großes Unrecht, verursacht von einer überlegenen Macht.
2. Es gibt die Hoffnung oder gar Gewissheit einer Erlösung und Belohnung der Gläubigen.
3. Es gibt die Gewissheit der Bestrafung oder gar Vernichtung der Ungläubigen, der Feinde der Gläubigen - und auch derer, die nicht „richtig“ glauben. 25
21 Annen, a.a.O., S. 4
22 Annen, a.a.O., S. 5
23 Annen, a.a.O., S. 9
24 Offb 3:12
25 Annen, a.a.O., S. 7: „Zum ersten geht es um kompromisslose Entschiedenheit. Dem Leser wird sehr schnell deutlich, dass der Verfasser der Offb alles andere als ein Kompromissler ist. Es gibt für ihn nur Schwarz und Weiß, Gut und Böse. Grautöne haben keinen Platz, gewöhnliche Menschen und Durchschnitts-Christen, wie wir es meistens sind, anscheinend auch nicht. Auf der einen Seite steht Gott bzw. Christus, auf der andern die bösen Mächte. Zwischen ihnen gibt es keinen Kompromiss, sondern nur eine klare Entscheidung, auch wenn diese
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4. Es gibt eine entscheidende Schlacht, in der das Unrecht von der Welt getilgt wird, die nur die Gläubigen unbeschadet überstehen können.
5. Nach der Entscheidungsschlacht gibt es einen Neuanfang für die überlebenden „Guten“.
6. Die Einläutung der Entscheidungsschlacht ist an das Erscheinen eines Erlösers geknüpft.
Diese sechs Kernpunkte sollen für die spätere Beurteilung und Einordnung neuerer Apokalypse-Visionen maßgeblich sein.
Die Forschung ist sich darüber weitgehend einig, dass die Offenbarung vor allem eine Schrift ist, die den Adressaten Mut machen soll. Dennoch diente sie in den folgenden Jahrhunderten bis zum heutigen Tag viel häufiger dazu, Untergangsszenarien heraufzubeschwören und Ängste zu schüren. 26
Davon sind auch die allermeisten Medienprodukte nicht auszunehmen. Besonders der Film als Medium an sich neigt dazu, die Gegensätze zwischen Gut und Böse drastisch herauszustreichen. Moralische Grauschattierungen, wie sie in unserer Gesellschaft überwiegen, sind in der Offenbarung ebenso wenig zu finden wie in den noch näher zu besprechenden Science-Fiction-Filmen.
Maschinen: Definition
Um dem Thema gerecht werden zu können, bedarf es für den Übergang zu den folgenden Ausführungen einer einschränkenden Definition, was genau unter „Maschinen“ zu verstehen ist.
Auch wenn man sicherlich ausführlich darüber streiten könnte, so müssen doch an dieser Stelle Maschinen von der Betrachtung ausgeschlossen werden, die einen „schleichenden“ Weltuntergang bewirken. Hier wären insbesondere die von Benzin- und Diesel-Motoren angetriebenen Autos und Lastwagen dieser Welt zu nennen, aber es kämen - um noch ein paar weitere Ecken gedacht - etliche weitere Maschinen in Betracht, die der Erde Schaden zufügen und viele kleine Nägel zu ihrem Sarg sind.
Im Rahmen dieser Arbeit sollen aber nur Maschinen betrachtet werden, die einen „schnellen“ Weltuntergang bewirken können, denn diese stehen auch im Mittelpunkt sämtlicher Weltuntergangsszenarien, die sich auf Maschinen beziehen.
Niemand käme auf die Idee, einen apokalyptischen Film darüber zu drehen, wie die gesamte Menschheit in den Abgasen ihrer Autos und Fabriken erstickt oder an den mit Umweltgiften
das Risiko des Martyriums einschließt. Denn es geht dabei um die Entscheidung zwischen Heil oder Unheil. Mit halben Christen kann der Verfasser nichts anfangen. Was er der Gemeinde von Laodizea im entsprechenden Sendschreiben vorwirft, ist bezeichnend dafür (3,15-16): ‚Ich kenne deine Werke: Du bist weder kalt noch heiß. Wärest du doch kalt oder heiß! Weil du aber lau bist, weder heiß noch kalt, will ich dich aus meinem Mund ausspeien.’“
26 Annen, a.a.O., S. 7: „Fast jede Seite der Offb bestätigt es: Ihre Hauptabsicht ist es, Mut zu machen und die Hoffnung zu stärken. Auch die Offb ist also in Übereinstimmung mit dem übrigen Neuen Testament Evangelium, „Frohbotschaft“, keineswegs „Drohbotschaft“. Sie formuliert in der Sprache und mit den Bildern der Apokalyptik die Hoffnung, die sich aus der christlichen Botschaft ergibt. Wer sie missbraucht, um Schrecken zu verbreiten und Weltuntergangsängste zu schüren, missbrauch sie gegen ihren Sinn.“
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verseuchten Lebensmitteln zu Grunde geht - vielleicht erscheint das im Vergleich zu den bekannten Vernichtungsszenarien durch Seuchen und Krieg auch schon zu unrealistisch -oder gerade zu realistisch, als dass man den Gedanken gern weiterdenken möchte. Hinzu kommt ein nicht unwesentlicher Hinderungsgrund: Die Apokalypse nach der Offenbarung des Johannes arbeitet ebenso wie alle neueren Apokalypse-Visionen mit einem einfachen Schwarzweiß-Schema: Hier die Guten, da die Bösen. Das funktioniert jedoch mit Autos und Fabriken nicht, denn hier greift die „organisierte Unverantwortlichkeit“, wie es der Soziologe Ulrich Beck nennt 27 - da irgendwie alle an der Schädigung der Umwelt beteiligt und mitschuldig sind, gibt es kein klares Schwarzweißbild.
Die Maschinen, die - real oder fiktiv - eine Weltzerstörung bewirken könnten, lassen sich weiterhin unterteilen in „passive“ und „aktive“ Systeme, also gewissermaßen nicht denkende und denkende Maschinen.
Problematisch wird die Kategorisierung im Fall der so genannten „Kriegsmaschinerie“. Diese kann man sicher nicht als Ganzes als „eine Maschine“ bezeichnen, auch wenn - wie schon ausgeführt - das Zusammenwirken von Menschen und einzelnen Maschinen im Grunde nur eine Weiterentwicklung menschlichen Synchronverhaltens ist und mithin ein Zwischenschritt von der Manufaktur zur selbsttätigen Maschinerie, die den Menschen nicht mehr braucht. In einer einzelnen Bombe eine Maschine zu sehen, ist eher schwierig. Wenn aber an dem Entscheidungsprozess, ob eine Atombombe gezündet wird oder nicht, Maschinen - in Form von Computern - wesentlich beteiligt sind, dann fungiert die Bombe als ausführendes Organ oder verlängerter Arm des Maschinensystems. Charakteristisch für die Visionen einer durch Maschinen bedingten Apokalypse ist aber, dass die Kotrolle über die Maschinen den Menschen entglitten ist.
Sicher am klarsten zu definieren ist die „denkende Maschine“, auch wenn sie bis heute nur fiktiv ist. Die Riege des Vorstellbaren reicht von intelligenten Computersystemen bis hin zu wandelnden Maschinen: den Robotern, Androiden oder Cyborgs. Gemeint sind hier freilich nicht die bereits vielfach in Verwendung befindlichen Industrieroboter, die auf eine bestimmte Aufgabe programmiert sind und nicht zu eigenem Denken und Handeln fähig sind. Denkende Computer und denkende Maschinen - das ist sicher die bedrohlichste Kombination von allen, die zugleich so wenig entfernt von den heutigen Möglichkeiten scheint - weshalb sie auch in modernen Apokalypse-Szenarien auftaucht. Es ist sicher bezeichnend, dass Filme wie „Terminator“ und „Matrix“, die genau mit dieser Kombination spielen, auch kommerziell so erfolgreich sind - ihre Visionen von der nahen Zukunft sind mit der Realität so gut verzahnt, dass ihre Handlung beinahe glaubwürdig erscheint.
Die Anfänge der heutigen, „industrialisierten“ Untergangsvisionen sind zu Beginn des 20. Jahrhunderts in der Bewegung des Futurismus zu suchen, dessen bedeutendster Künstler Marinetti den ersten Cyborg des Jahrhunderts entstehen ließ.
27 Zitiert nach Ulrich Beck, Risikogesellschaft - Auf dem Weg in eine andere Moderne, Suhrkamp Verlag, Frankfurt 2001
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Huldigung an die Maschine und an die Zukunft
Filippo Tommaso Marinetti: Mafarka der Futurist (1909) und die Bewegung des Futurismus
Der Futurismus als eine intellektuelle Bewegung zu Beginn des 20. Jahrhunderts bildet die konsequente Weiterführung der bereits von Michael Jäger konstatierten gesellschaftlichen Entwicklung zur Maschinisierung.
Der Futurismus begann mit der Veröffentlichung des „Futuristischen Manifests“ im Jahr 1909 durch Filippo Tommaso Marinetti. Marinetti huldigt in elf Thesen und einigen nachgestellten, geradezu prophetischen Äußerungen einer Beschleunigung der Welt, einer Verkürzung der Lebenszyklen und einer Ablösung der Tradition und Geschichte durch Leidenschaft, Kampf und Technik: „... besingen werden wir die nächtliche vibrierende Glut der Arsenale und Werften, die von grellen elektrischen Monden erleuchtet werden; die gefräßigen Bahnhöfe, die rauchende Schlangen verzehren; die Fabriken, die mit ihren sich hochwindenden Rauchfäden an den Wolken hängen; die Brücken, die wie gigantische Athleten Flüsse überspannen, die in der Sonne wie Messer aufblitzen; die abenteuersuchenden Dampfer, die den Horizont wittern; die breitbrüstigen Lokomotiven, die auf den Schienen wie riesige, mit Rohren gezäumte Stahlrosse einher stampfen, und den gleitenden Flug der Flugzeuge, deren Propeller wie eine Fahne im Wind knattert...“ 28
Besonders das Auto hat es Marinetti angetan, so dass er darin sogar den legitimen Nachfolger der unvollkommenen Frau sieht: „Wir erklären, dass sich die Herrlichkeit der Welt um eine neue Schönheit bereichert hat: die Schönheit der Geschwindigkeit. Ein Rennwagen, dessen Karosserie große Rohre schmücken, die Schlangen mit explosivem Atem gleichen ... ein aufheulendes Auto, das auf Kartätschen 29 zu laufen scheint, ist schöner als die Nike von Samothrake.“ 30
In seinem Roman „Mafarka der Futurist“ offenbart Marinetti seine Liebe zum Automobil, das für ihn nicht nur fortschrittlicher Technologieträger ist, sondern auch erotische Vollkommenheit: „Wir gingen zu den drei schnaufenden Bestien 31 , um ihnen liebevoll ihre heißen Brüste zu streicheln. (...) Ich streckte mich in meinem Wagen wie ein Leichnam auf der Bahre aus, aber sogleich erwachte ich zu neuem Leben unter dem Steuerrad, das wie eine Guillotine meinen Magen bedrohte.“ 32
Bei Marinetti (und den anderen Futuristen 33 ) taucht - neben einiger faschistischer Dialektik - somit eine Verbindung zwischen Technologie und Untergang auf, symbolisiert durch das Bild des Leichnams auf der Bahre und durch die bedrohliche Guillotine. Aber auch eine Wiedergeburt des Menschen durch die Technik steckt in diesem Bild. Der Futurismus artete oftmals in eine Ästhetik des Kriegs- und Maschinenkults aus. Entsprechend besteht die Künstlerbewegung des Futurismus, die in Italien ihren Anfang nahm und dann nach Russland übergriff 34 , genau aus dieser Verknüpfung von Technik-Faszination und der Lust auf den Untergang - einer Verbindung, die auch in weiten Teilen die heutige Science Fiction prägt.
28 Marinetti (2), a.a.O., These 11.
29 Eine Art von Geschossen; d. Verf.
30 Marinetti (2), a.a.O., These 4.
31 Gemeint sind drei Autos.
32 Marinetti (1), a.a.O., S. 23f.
33 Etwa Giacomo Balla, Umberto Boccioni, Alexander Krutschonych, Wladimir Majakowskij und andere.
34 Daneben beeinflusste der Futurismus auch künstlerische Strömungen der Moderne, etwa den Expressionismus, Surrealismus, den Dadaismus und den Konstruktivismus. Künstler wie Alfred Döblin oder Marcel Duchamp bezogen Anregungen aus dem Futurismus.
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Arbeit zitieren:
Holger Pinnow-Locnikar, 2003, Die Apokalypse des 21. Jahrhunderts, München, GRIN Verlag GmbH
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