1. EINLEITUNG 2
2. HERLEITUNG UND DARSTELLUNG DES BEGRIFFES „REGIONALE IDENTITÄT“ 4
2.1 Identität und damit verwandte Begriffe 4
2.2 Region 6
2.3 regional + Identität = Regionale Identität. Der Versuch einer Definition. 8
3. WIE SIEHT SIE AUS - DIE REGIONALE BRANDENBURGER IDENTITÄT? DIMENSIONEN UND EINFLUSSFAKTOREN. 10
3.1 Geschichte oder: historische Dimension 10 3.1.1 Interpretation und Handlungsfelder bezogen auf die historische Dimension 11
3.2 Geographische, soziale und wirtschaftliche Dimension. Oder: der Einfluss der Lebensbedingungen auf die regionale Identität. 12 3.2.1 Geographische und demographische Gegebenheiten im Land Brandenburg 13 3.2.2 Interpretation der Daten 14 3.2.3 Handlungsfelder bezogen auf die geographischen / demographischen Gegebenheiten 16
Wirtschaftliche Gegebenheiten 17 3.2.4 3.2.5 Interpretation der Daten 20
Handlungsfelder bezogen auf die wirtschaftlichen Gegebenheiten 21 3.2.6
3.3 Exkurs: Identität durch Abgrenzung von anderen 21 3.3.1 Die gescheiterte Fusion der Länder Berlin und Brandenburg 22 3.3.2 Die Ausländerfeindlichkeit im Land Brandenburg 25
4. FAZIT 28
5. LITERATUR 31
1. Einleitung
Sozialer und gesellschaftlicher Wandel, europäischer Einigungsprozess, Globalisierung und Internationalisierung sind Schlagworte unserer Zeit. Die Welt wird größer durch wachsende Weltmärkte, das Internet und sich öffnende Grenzen. „Die aktuellen gesellschaftlichen Umbrüche gehen ans ‚Eingemachte’ in der Ökonomie, in der Gesellschaft, in der Kultur, in den privaten Welten und auch an die Identität der Subjekte.“ 1 Betrachtet man den Einfluss des Wandels in allen Bereichen bezogen auf den Menschen und sein Leben, kann man einerseits von einer zunehmende Individualisierung andererseits von einer Pluralisierung der Lebensformen sprechen. So ist der Mensch in allen Bereichen des Lebens zunehmend auf sich gestellt, weil Werte und Normen ihre Allgemeingültigkeit verlieren, gleichzeitig bieten sich im Zuge der Globalisierung und Internationalisierung vielfältigere Möglichkeiten. Bedenkt man diese Entwicklungen, stellt sich die Frage, welche Bedeutung heute „Heimat“ noch hat. Regionale Verbundenheit - wozu ist sie heute noch wichtig? Doch gerade aufgrund der Globalisierung, der europäischen Einigung und anderer gesellschaftlicher Veränderungen kann „Heimat“ oder regionale Verbundenheit an Bedeutung gewinnen. Die wachsenden Möglichkeiten, die sich auflösenden Strukturen und im Wandel begriffenen Werte und Normen bringen auch erhebliche Unsicherheiten und Ängste mit sich, deren Folge eine engere Identifikation mit etwas dem täglichen Leben näher stehendem, unmittelbar Beeinflussbarem sein kann. „Vor 20 oder 30 Jahren war Heimat für viele Menschen mit ‚Enge’, mit ‚Provinzialität’ verbunden. [...] Diese Zeiten sind vorbei. Heimat, Brauchtum, Traditionspflege, die kleine Einheit, das überschaubare Lebensumfeld - sie stehen wieder weit höher in der allgemeinen Wertschätzung.“ 2
Studien belegen dies: wie aus dem ALLBUS 2004 3 hervorgeht, fühlen sich etwa 82 Prozent der Deutschen „sehr eng -“ bzw. „eng verbunden“ mit dem Wohnort 4 . Geringer, aber dennoch nicht als niedrig zu bezeichnen, fällt die Verbundenheit mit dem Bundesland aus: rund 74 Prozent der Befragten fühlen sich „sehr eng-„ bzw. „eng verbunden“ mit ihrem jeweiligen
1 Jung, H.: Heimatgefühl und Identität im Spiegel empirischer sozialwissenschaftlicher Studien. In: Heimat Bayern - Identität mit Tradition und Zukunft. Politische Studien Sonderheft 2 / 2003, S. 25.
2 Glück, A.: Heimat - Bayern: Eine Annäherung aus der Perspektive der Politik. In: Heimat Bayern - Identität mit Tradition und Zukunft. Politische Studien Sonderheft 2 / 2003, S. 35.
3 ALLBUS. Allgemeine Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften. Codebuch 2004 - ZA-Nr. 3762
4 Ebenda, S. 423.
2
Bundesland. 5 Die Verbundenheit mit der Nation, also Deutschland, liegt wieder - wie auch bei der Kategorie „Wohnort“ - bei etwa 82 Prozent. 6 Für die Vertrautheit mit Europa allerdings sprechen sich dagegen nur rund 60 Prozent aus.
Neben der Tatsache, dass eine regionale Verbundenheit - sei es mit dem Wohnort, dem Bundesland oder der Nation - den Menschen ein Sicherheitsgefühl gibt, gewissermaßen einen Anker bietet, ist eine weitere bedeutsam: Identifikation der Bürgerinnen und Bürger mit einer Region ist eine wichtige Voraussetzung für die demokratische Grundordnung sowie für politische Planungen. 7 Wenn sich Menschen mit einer Region verbunden fühlen, werden sie diese z.B. nicht ohne weiteres verlassen, sind vielleicht politisch oder gesellschaftlich aktiv und können damit zur politischen Stabilität der Region und zur besseren Planungen in ihrer Heimatregion beitragen. Eine hohe regionale Verbundenheit ist damit auch für Wirtschaft und Politik bedeutsam.
Welche Faktoren aber gibt es, die eine Verbundenheit mit der Region - eine regionale Identität hier am Beispiel Brandenburgs - beeinflussen? Von welcher Art ist die regionale Brandenburger Identität? Es wird in dieser Arbeit zwar vorausgesetzt, dass es eine regionale Brandenburger Identität gibt, doch kann von einer einheitlichen regionalen Brandenburger Identität gesprochen werden? Es stellt sich die Frage, welche Faktoren sie beeinflussen sowie, welche Handlungsmöglichkeiten sich daraus jeweils im politischen bzw. gesellschaftlichen Bereich ergeben. Im Rahmen der Arbeit ist es nicht möglich, eigene empirische Untersuchungen zur Identität in Brandenburg vorzunehmen, es kann auch auf keine derartigen Studien zurückgegriffen werden. In welchem Umfang man also von einer regionalen Brandenburger Identität sprechen kann, lässt sich demnach nur aus der Darstellung der die regionale Identität beeinflussenden Faktoren interpretieren.
In einem ersten Schritt werden die der Arbeit zugrundeliegenden Begriffe „Identität“ und „Region“ sowie „regionale Identität“ definiert. Im zweiten Kapitel sollen die Dimensionen regionaler Identität, also die Einflussfaktoren, anhand ausgewählter Brandenburger Daten dargestellt werden. Die sich daraus ergebenden Handlungsmöglichkeiten werden im Anschluss benannt. Mit zwei Exkursen, einmal zum Thema Fremdenfeindlichkeit in Brandenburg und ein weiterer zur Fusion der beiden Länder Berlin und Brandenburg soll dargestellt werden, inwiefern die regionale Brandenburger Identität sich aus der Abgrenzung
5 ALLBUS. Allgemeine Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften. Codebuch 2004 - ZA-Nr. 3762, S. 424.
6 Ebenda.
gegenüber anderen Gruppen ableiten bzw. ablesen lässt. In einer kurzen Zusammenfassung soll der Versuch einer Antwort auf die Frage nach der Gestalt der Brandenburger Identität unternommen werden.
2. Herleitung und Darstellung des Begriffes „Regionale
Identität“
2.1 Identität und damit verwandte Begriffe
Der erste Versuch der Annäherung an den Begriff Identität führt zum Ursprung des Wortes in das Lateinische. Es leitet sich ab von idem, das der bzw. das selbe oder der bzw. das Gleiche bedeutet. Näher an dem deutschen Wort Identität ist dann aber das lateinische identitas, das mit Wesenseinheit oder Identität übersetzt wird. Laut DUDEN heißt Identität die völlige Gleichheit. Das dazugehörige Adjektiv identisch wird auch im Alltagsgebrauch als Ausdruck der vollkommenen Übereinstimmung verwendet. Die bloße wörtliche Herleitung jedoch genügt nicht um den Begriff Identität zu fassen, fehlt doch zunächst auch der Vergleichspunkt. Eine völlige Gleichheit mit wem oder was ist gemeint? Identität kann offenbar nicht alleine stehen. Im Brockhaus 8 findet sich unter dem Stichwort die Angabe: Identität sei die Gleichheit mit sich selbst. Eine plausible Erklärung, findet man doch das Wort Identität in zahlreichen Ländern, z.B. in Österreich, der Schweiz oder Frankreich zur Bezeichnung des Personalausweises wieder. Will jemand die Identität eines anderen feststellen, so will er das ihm Eigene, Unverwechselbare, also z.B. ein Foto sehen, einen Fingerabdruck nehmen oder den Namen und Angaben zu Alter und Geburts- bzw. Wohnort erfahren. Unter Identität kann also die Gleichheit mit sich selbst, die Unverwechselbarkeit oder auch die Erkennbarkeit verstanden werden. Ipsen nennt dies die Außenperspektive, also die Eigenschaften, durch die eine Person identifiziert werden kann. 9 Weiter führt noch die Definition nach dem DUDEN. Politik und Gesellschaft 10 : „Identität“, so heißt es dort, sei „die Gleichheit oder Übereinstimmung in bezug auf Dinge oder Personen, das Existieren von
7 Vgl. Rohrbach, C.: Regionale Identität im Global Village - Chance oder Handicap für die Regionalentwicklung. Frankfurt am Main 1999, S. 10.
8 Der Brockhaus in einem Band. Leipzig 2000.
9 Vgl. Ipsen, D.: Regionale Identität. Überlegungen zum politischen Charakter einer psychosozialen Raumkategorie. In: Lindner, R. (Hrsg.): Die Wiederkehr des Regionalen: über neue Formen kultureller Identität. Frankfurt / Main; New York 1994, S. 232 - 254, S. 236.
10 Schüler-DUDEN. Politik und Gesellschaft. Ein Lexikon zur politischen Bildung und Gemeinschaftskunde. Mannheim 1992.
4
jemandem als ein bestimmtes, Individuelles, Unverwechselbares; in der Psychologie die (bewusste) Einheit oder Eigenart einer Person oder Gruppe.“ 11 Hier nun treten zwei neue Aspekte hinzu: einmal die Aussage, dass sich Identität sowohl auf Personen als auch auf Dinge / Objekte beziehen kann und zum anderen, dass mit Identität nicht nur das Unverwechselbare einer Person, sondern sehr wohl auch einer Gruppe gemeint sein kann. Zudem sind offenbar nicht nur Äußerlichkeiten (Aussehen, Name, etc.) bestimmend für die Identität einer Person / einer Gruppe, sondern innerliche, nicht sichtbare Merkmale, wie z.B. Emotionen oder Kognitionen. Von Ipsen wird dies als „Innenperspektive“ 12 bezeichnet. An der wissenschaftlichen Diskussion um den Begriff Identität, der in der wissenschaftlichen Literatur einhellig als „diffus“ 13 bezeichnet wird, sind mehrere Fachrichtungen beteiligt, so u.a. die Psychologie und die Soziologie. Für diese Arbeit soll eine Beschränkung auf die soziologische Sichtweise genügen. „Identität ist ein Konzept zum Verständnis von Selbstbildern. Mit Hilfe des Identitätskonzepts werden sich ständig wandelnde Antworten auf die Frage ‚Wer bin ich?’ gegeben. Identitäten werden in einem Wechselspiel von bestehenden sozialen Strukturen und verändernder Aneignung gebildet.“ 14 Identität ist wichtig zur Einordnung des Selbst in die Gesellschaft. Antworten auf die Frage, wer man selbst ist, werden zudem unter dem Einfluss des sozialen Umfeldes sowie unter dem Einfluss persönlicher Dispositionen, gefunden. Identität muss damit zugleich als etwas Persönliches, jedoch niemals vom gesellschaftlichen Umfeld Trennbares verstanden werden. Identität muss jedoch gegenüber dem verwandten Begriff Identifikation zunächst als etwas Statisches angesehen werden. Identität ist zwar veränder- und wandelbar, jedoch ist es die Identitätsbildung, die als dynamisch, als ein fortwährend im Fluss befindlicher Prozess, hier mit Identifikation bezeichnet, betrachtet werden muss. 15 „Identität hat man nicht, sondern man kann sie gewinnen und verlieren.“ 16 Es wird hier davon ausgegangen, dass ein gewisses Maß
11 Ebenda, S. 186.
12 Ipsen, D.: Regionale Identität. Überlegungen zum politischen Charakter einer psychosozialen Raumkategorie. In: Lindner, R. (Hrsg.): Die Wiederkehr des Regionalen: über neue Formen kultureller Identität. Frankfurt / Main; New York 1994, S. 232 - 254, S. 237.
13 Ebenda, S. 236.
14 Liebsch, K.: Identität und Habitus. In: Korte, H.; Schäfers, B. (Hrsg.): Einführung in Hauptbegriffe der Soziologie. Opladen 2002, S. 71.
15 Vgl. Rohrbach, C.: Regionale Identität im Global Village - Chance oder Handicap für die Regionalentwicklung. Frankfurt am Main 1999, S. 13.
16 Ipsen, D.: Regionale Identität. Überlegungen zum politischen Charakter einer psychosozialen Raumkategorie. In: Lindner, R. (Hrsg.): Die Wiederkehr des Regionalen: über neue Formen kultureller Identität. Frankfurt / Main; New York 1994, S. 232 - 254. S. 236.
an Identität von jedem Menschen entwickelt wird, entwickelt werden muss. Insofern ist Identität immer ein relatives Zwischenergebnis der Identifikation, das jedoch durch erneute eventuell entstehende Notwendigkeit sich mit sich selbst oder einer Sache zu identifizieren revidiert werden kann.
Identifikation kann in vielen Bereichen erfolgen, so identifizieren sich Menschen mit einer Gruppe (z.B. Vereinen, Schulklasse), mit einer Institution (z.B. Arbeitsumfeld bzw. der Firma, in der jemand arbeitet) oder mit einer geographischen Größe (z.B. Wohnort, Land). Es gibt demnach verschiedene Arten der Identität, auf deren Vielfältigkeit hier dennoch aufgrund der Fragestellung der Arbeit nicht eingegangen wird. Die Ausprägung einer jeweiligen Identität bezogen auf die unterschiedlichen Formen von Identität hängt stark vom jeweiligen Menschen und seiner Bereitschaft zur Identifikation ab. Was bedeutet es nun aber, wenn sich jemand mit jemandem oder etwas identifiziert. Nach Mühler und Opp bezieht sich die Identifikation nicht auf die „bloße kognitive Überzeugung“ 17 . Identifikation bedeute nicht allein, dass man glaubt, bestimmte Eigenschaften des Objektes bzw. der Personen mit dem bzw. denen man sich identifiziert, selbst verinnerlicht zu haben sondern, dass man sie auch positiv bewertet. 18 Identifikation (und als Ergebnis Identität) wird hier also verstanden als „das Ausmaß, in dem eine Person eine Objekt mehr oder weniger positiv bewertet, oder sich mit einem Objekt mehr oder weniger verbunden fühlt.“ 19
2.2 Region
Auch die Wurzeln des Wortes Region und aller sich daraus ableitenden Begriffe liegen im Lateinischen. Regio bedeutet zum einen Richtung, dann vor allem aber Gegend oder Landschaft. Der geographischen Bedeutung des Wortes wird auch im Brockhaus 20 Rechnung getragen. So heißt es dort, Region sei ein Bezirk, ein Gebiet mit bestimmten geographischen, wirtschaftlichen und politischen Merkmalen. Region ist also etwas, was man theoretisch auf einer Landkarte finden kann. Der geographisch-territoriale Bezug ist unstrittig. 21 Bei der alltäglichen Verwendung fehlt jedoch oft die eindeutige Größe. Karl-Heinrich Pohl spricht von Regionen als kleinen, überschaubare Räume, die unter der nationalen Ebene angesiedelt
17 Mühler, K.; Opp, K. D.: Region und Nation. Zu den Ursachen und Wirkungen regionaler und überregionaler Identifikation. Wiesbaden 2004, S. 15.
18 Ebenda..
19 Ebenda.
20 Der Brockhaus in einem Band. Leipzig 2000.
21 Vgl. Mühler, K.; Opp, K. D.: Region und Nation. Zu den Ursachen und Wirkungen regionaler und überregionaler Identifikation. Wiesbaden 2004, S. 12.
sind. 22 Unter Regionen verstehen Menschen unterschiedliche Bereiche eines geographischen Abschnitts. Oft genug werden eine gemeinsame Sprache, eine gemeinsame Kultur oder eine gemeinsame Geschichte als Merkmale einer Region und damit maßgeblich für die Abgrenzung herangezogen. Diese Aussage findet sich auch bei Pohl: „Für Regionen ist kennzeichnend, dass sich die Menschen in ihnen durch (häufig kulturelle) Gemeinsamkeiten gegen andere abzugrenzen versuchen. Das kann eine politische Dimension besitzen, muss es aber nicht unbedingt.“ 23 Dem gegenüber stehen eindeutig politisch-administrative
Verwendungen des Begriffes Region, bei denen die Grenzen und damit die Größe einer Region eindeutig festgelegt sind, wenn man z.B. von einer Region spricht und ein Bundesland oder ein Stadtgebiet meint. Im Alltäglichen sind jedoch, wie Mühler und Opp ausdrücklich hervorheben, die Merkmale, die für eine Abgrenzung einer Region von Bedeutung sind, nicht für alle Akteure identisch. 24 Eine Verständigung auf eine gemeinsame Definition des Begriffes Region muss demnach einer Diskussion darüber in jedem Fall vorangehen. Ebenfalls betont wird bei Mühler und Opp die Tatsache, dass der Begriff Region nicht nur „eine denotative Bedeutung“ 25 habe, also sich nicht nur auf bestimmte Sachverhalte beziehe, wie z.B. die geographische Größe, sondern ihm auch ein „konnotative Bedeutung“ 26 innewohne, das heißt, dass der Begriff Region auch Emotionen auslösen kann. Wird in dieser Arbeit von Region gesprochen, so ist das Bundesland Brandenburg mit seinen festgelegten Grenzen gemeint. Auf die Schwierigkeit, dass innerhalb des Bundeslandes viele unterschiedliche Regionen unterschieden werden müssten, wird, sofern es für den Inhalt der Arbeit bedeutsam ist, eingegangen. Als regional wird alles das verstanden, was sich auf die Region bezieht.
22 Vgl. Pohl, K.H.: Die Bedeutung der Regionalgeschichte für Forschung, lehre und pädagogische Praxis. In: Pohl. K.H. (Hrsg.): Regionalgeschichte heute. Das Flüchtlingsproblem in Schleswig-Holstein nach 1945. Bielefeld 1995, S. 13-22
23 Ebenda.
24 Vgl. Mühler, K.; Opp, K. D.: Region und Nation. Zu den Ursachen und Wirkungen regionaler und überregionaler Identifikation. Wiesbaden 2004, S. ???
25 Ebenda, S. 14.
26 Ebenda.
2.3 regional + Identität = Regionale Identität. Der Versuch einer Definition.
Nachdem nun die für die Arbeit zentralen Begriffe einzeln hergeleitet und abgegrenzt wurden, soll im Folgenden der Versuch unternommen werden, den Begriff als Gesamtes zu definieren. „Was ‚regionale Identität’ genau meint, ist in den historischen, soziologischen, philosophischen und psychologischen Disziplinen noch unklarer als die Basisbegriffe ‚Region’ und ‚Identität’. Es hat ganz den Anschein, dass ‚regionale Identität’ zu definieren dem Versuch gleichkommt, einen ‚Pudding an die Wand zu nageln’.“ 27 Dennoch soll eine für die Arbeit grundlegende Eingrenzung des Begriffes versucht werden. Führt man die beiden oben beschriebenen Definitionen zusammen, so bedeutet regionale Identität, das Ausmaß, in dem sich die Bewohner mit einer Region (hier ihrem Bundesland Brandenburg) verbunden fühlen, den Umfang, in dem Merkmale und Verhaltensweisen der Region verinnerlicht werden und wie positiv sie die Merkmale desselben bewerten. Für die Zeit, in der die Menschen in der Region leben, teilweise von Geburt an, teilweise nur für einen gewissen Zeitraum, eignen sich die Menschen die „für die Region üblichen Verhaltensweisen etc.“ 28 an. Natürlich kann diese Aneignung ausbleiben bzw. mehr oder weniger stark ausfallen, insbesondere bei Menschen, die entweder eine starke Bindung an eine andere Region verinnerlicht haben, oder, wenn der Zeitraum, den Menschen in der Region verbringen, zu kurz ist. Wesentliche Voraussetzung für die Herausbildung einer so verstandenen regionalen Identität ist die Kenntnis der Merkmale der Region. 29 Woraus setzen sich nun aber die Merkmale einer Region zusammen? Eine Antwort soll mit der Darstellung der Dimensionen der regionalen Identität gegeben werden. Zugleich soll damit ein Rahmen für den Begriff geschaffen werden. Zunächst einmal lässt sich mit Werner Weidenfeld die zeitliche Dimension der regionalen Identität herausstellen: „Geschichte begründet Identität. ... Soziale und politische Ortsbestimmung in der Gegenwart stiftet Identität. ... Zukunft formt Identität.“ 30 Eine gemeinsame Geschichte, gleiche aktuelle soziale und politische Verhältnisse und eine gemeinsam gestaltete Zukunft oder gemeinsame
27 Mütter, B.; Uffelmann, U. (Hrsg.): Regionale Identität im vereinten Deutschland. Chance und Gefahr. Weinheim 1996, S. 14.
28 Rohrbach, C.: Regionale Identität im Global Village - Chance oder Handicap für die Regionalentwicklung. Frankfurt am Main 1999, S. 13.
29 Vgl. ebenda, S. 13.
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Franziska Carl, 2006, Regionale Brandenburger Identität, München, GRIN Verlag GmbH
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