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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 5
2. Rolle und Bedeutung von Moral 5
3. Bedeutung und Aufgabe von Ethik 6
3.1 Negative Abgrenzung 7
3.2 Positive Abgrenzung 8
4. Ethik im wirtschaftlichen Kontext Japans 9
5. Wirtschaftsbürgerethik 10
5.1. Wirtschaftsbürger als kritischer Kapitalanleger 10
5.2. Der Organisationsbürger 11
5.3. Wirtschaftsbürger als reflektierender Konsument 12
6. Unternehmensethik 14
6.1. Defizite unternehmerischen Handelns 15
6.2. Der Instrumentalistische Ansatz 15
6.3. Der Korrektive Ansatz 16
6.4. Der Integrative Ansatz 17
7. Ordnungsethik 18
8. Ethisches Handeln 20
9. Unternehmensethisches Handeln 21
- 3 -
10. Integrative Wirtschaftsethik 22
11. Der Fall Enron 25
11.1. Ordnungsethik - Diagnose 25
11.2. Ordnungsethik - Therapie 27
11.3. Unternehmensethik - Diagnose 28
11.4. Unternehmensethik - Therapie 30
11.5. Ordnungsbürgerethik - Diagnose 31
11.6. Ordnungsbürgerethik - Therapie 32
12. Schlussbemerkung 33
13. Literaturverzeichnis 34
Seite
Abb. 1: Das Gefangenendilemma in Normalform 19
Abb. 2: Unternehmensethik als Integration ökonomischer und ethischer Vernunft 21
„Ethik entsteht nicht per Gesetz, sondern über Vorleben, Herzensbildung und stimmige Kultur“, so Reinhard Clemens Vorstandsmitglied der Deutschen Telekom auf dem Deutschen Wirtschaftsforum 2009“ [Die Zeit vom 10.12.2009]. Diese Aussage zeigt worin der Kern einer gelebten Ethik besteht. Nämlich um eine Bewusstwerdung über den Einfluss von Moral und Ethik auf die Gesellschaft und insbesondere auf das Wirtschaftsgeschehen weltweit. Diese Hausarbeit umfasst zum Großteil das Konzept der Integrativen Wirtschaftsethik von Peter Ulrich. Das aus der Wirtschaftsbürgerethik, der Unternehmensethik und der Ordnungsethik besteht. Alle drei Bereiche werden vorgestellt und anhand von Beispielen, überwiegend durch Shell und deren Bohrinsel „Brent Spar“ untermauert. Dazu wird geklärt was „richtiges“ und „gutes“ unternehmensethisches Handeln ausmacht und welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen.
Darauf wird das Konzept der Integrativen Wirtschaftsethik von Peter Ulrich in fünf Thesen kompakt präsentiert und nochmals durch eine andere Perspektive vorgestellt, weil dies die Ausrichtung gibt, um die dort festgehaltenen ethischen Einsichten auf Enron anwenden zu können. Wie hat Enron gehandelt und wie hätte das Unternehmen mit Hilfe des Konzepts der Integrativen Wirtschaftethik handeln können um sich vor der Insolvenz zu bewahren? Als erstes jedoch wird ein Fundament geschaffen, auf dem die Integrative Wirtschaftsethik aufgebaut werden kann. Indem Moral und Ethik voneinander getrennt definiert werden. Die Moral wird dann anhand des Konfuzianismus erläutert und die Ethik anhand des Shintoismus aus Japan.
2. Rolle und Bedeutung von Moral
Unter Moral (lat. morus, Sitte, Brauch) werden Normen und Werte verstanden, die Handlungsregeln und Sinnvorstellungen einem Menschen in die Hand geben, so dass er sein individuelles Verhalten gegenüber sich selbst und den Mitmenschen rechtfertigen bzw. begründen kann. Die Handlungen stoßen dabei nie auf Ablehnung oder Kritik, solange sich der Moralist unter seines gleichen befindet, weil er moralisch handelt - es herrscht also Konsens über die faktisch herrschenden Normen. Deshalb ist ein Moralist in seinem Verhalten immer schon sicher.
- 6 -Der chinesische Konfuzianismus der in China und Ostasien als praktische und moralische Philosophie von großer Bedeutung ist, hat beispielsweise drei unumstößliche Beziehungsordnungen [vgl. z.B. OSEC (2001, S. 3)], nämlich die Unterordnung: des Sohnes unter den Vater, des Volkes unter den Herrscher und der Frau unter den Mann.
Dabei ist zu beachten, dass jede Moral ein geschichtlich entstandener und sich verändernder Regelkanon ist, der sich auf einen abgegrenzten Kulturkreis oder auf eine bestimmte Menschengruppe bezieht [vgl. z.B. Pieper (1997, S. 32 -35)]. Moral kann also als eine sich zeitlich ändernde gruppenspezifische Variable bezeichnet werden, die Entwicklung, Kulturstufe, Klima und sogar geographische Lage wiederspiegelt. Wohlgemerkt widerspricht die oben genannte Beziehungsordnung der westlichen Moralvorstellung, das bedeutet jedoch nicht, dass diese Ansichten moralisch falsch oder verfehlt sind, es zeigt vielmehr auf, dass die konfuzianischen Moralvorstellungen nicht eins zu eins auf einen anderen Kulturkreis angewendet werden können, etwa auf die Europäer. Es lässt sich somit sagen, dass Moral Gewissheiten hat, die sich aus dem religiösen Glauben, aus der Tradition und aus gesellschaftlichen Konventionen herleiten lassen.
Im nächsten Abschnitt wird gezeigt, dass der Begriff Moral wie er gerade definiert wurde nicht mit Ethik gleich gesetzt werden kann, obwohl umgangssprachlich beide Begriffe oftmals synonym Verwendung finden und gemeinsame Schnittmengen bilden können.
3. Bedeutung und Aufgabe von Ethik
Ethik (griech. ethos, Wohnstätte, Haltung, Charakter) kann als eine Teildisziplin der Philosophie mit einer langen Geschichte betrachtet werden. Aristoteles gilt als Begründer der Ethik [vgl. Horn (1996, S. 29)]. Ethik ist die Lehre von der Moral, also vom moralischen (richtigen) Handeln [vgl. Pieper (1997, S. 17)]. Dabei hat Ethik die Aufgabe, Probleme die durch moralische Handlungen oder Verhaltensweisen entstehen auf einer allgemeineren, grundsätzlicheren und abstrakteren Ebene zu reflektieren. Niklas Luhmann nennt daher die Ethik eine Reflexionstheorie der Moral [vgl. Luhmann (1989, S. 358)]. Festgehalten werden kann also, dass Ethik Moral und Moralität als Gegenstand hat und sie sich auf einem höheren Abstraktionsniveau mit der herrschenden Moral auseinandersetzt. Dies setzt ein methodisch
- 7 -diszipliniertes Nachdenken über faktisch herrschende Moralen voraus. Eine kritische Überprüfung moralischer Traditionen führt zu einer systematischen Blicköffnung und zu einem selbstbestimmten eigenverantwortlichen Handeln in einer Gesellschaft. Wahrscheinlich lässt sich Ethik in einer pluralistischen und individualistischen Gesellschaft nicht mehr scharf abgrenzen, weil kein Konsens über das Prinzip des guten Handelns besteht. So wie sich individuelles Handeln durch die Erfordernisse der Situation ergeben ist ökonomisches Handeln kontextabhängig. Festgenagelte ethische Prinzipien die gutes Handeln vorschreiben, ersticken die Ethik bereits bei ihrer Geburt. Ein Moralist der Wirtschaft sollte eine Antwort haben auf die von Karl Homann gestellte Frage: „Ist die Marktwirtschaft bzw. unter welchen Bedingungen ist die Marktwirtschaft „gut“ bzw. „moralisch richtig“ oder gar „moralisch geboten“?“ [Homann und Lütge (2004, S. 13)]. Wie oben bereits erwähnt sollte Ethik als Reflexion der Moral verstanden werden, die als Ziel hat, dass der Moralist Verantwortung in konkreten Handlungssituationen übernimmt. Nun wird im nächsten Abschnitt Ethik zu sich selbst abgegrenzt. Es wird der Unterschied zwischen praxistauglicher und praxisuntauglicher Ethik gezeigt, anhand von zwei Ansichten von Peter Singer.
3.1 Negative Abgrenzung
Singer behauptet, dass Ethik kein ideales System ist, das zwar edel in der Theorie, aber untauglich für die Praxis wäre [Singer (1994, S. 16)]. Somit lehnt Singer die Ethik die Kant begründet hat ab. Laut Kant gilt das Verbot zu lügen auch dann, wenn die Schergen eines Diktators nach dem Aufenthaltsort eines Unschuldigen fragen [Homann (1995, S. 182)]. Der kategorische Imperativ von Kant hat eine nicht ungefährliche Naivität zu eigen, die untauglich ist für die Praxis, weil eine Ausblendung des jeweiligen situationsspezifischen Zusammenhangs stattfindet [Horn (1996, S. 46)]. Deswegen fordert Singer eine Ethik die für den Menschen praktikabel ist und in der Praxis Anwendung finden kann [Singer (1999, S. 194)].
Ethik und Religion sollten laut Singer kontextunabhängig sein [Singer (1994, S. 18)]. Das bedeutet, dass ethisches Verhalten einen Glauben an eine Religion nicht voraussetzt bzw. der Ungläubige einen Grund hat ethisch zu handeln. Dieser Standpunkt steht im Widerspruch zur kalvinistischen Ethik auf die Peter Ulrich seine fünf Thesen zur integrativen Unternehmensethik aufbaut [Ulrich (1998a, S. 15 - 27)].
- 8 -Der Kontextunabhängigkeit von Religion und Ethik kann nicht vorbehaltlos zugestimmt werden, weil nachweislich Religionen deutlichen Einfluss haben auf ethisch-moralische Vorstellungen des Menschen; „most of the world’s ethical systems are the product of religions“, formuliert Hill [Hill (2001, S. 86)]. Das „most“ bezieht sich auf die christliche Ehtik, die islamische Ethik und auf die bekannte protestantische Wirtschaftsethik von Max Weber aus dem Jahre 1904 und nicht auf den Konfuzianismus, weil er keine Religion ist und dennoch als Grundlage für ethisches und moralisches Handeln in Teilen Asiens gilt [Hill (2001, S. 93)].
Praxisbezogene Ethik scheitert im Wesentlichen daran, dass sie nicht von Jedermann anerkannt und befolgt wird. Genau das aber sind die Anforderungen die eine Ethik prinzipiell erfüllen muss. Wie das möglich ist, wird als nächstes veranschaulicht.
3.2 Positive Abgrenzung
Ethik sollte nach Singer einen universalen Standpunkt einnehmen [Singer (1999, S. 194)]. Dabei stehen die Interessen der Gruppe oder des Einzelnen im Vordergrund und die Handlung muss dergestalt sein, dass sie vor allen Menschen verantwortbar ist. Das bedeutet der Moralist handelt rein aus Eigennutzen, ohne dabei in seine Entscheidung den möglichen Vorteil oder Nachteil zu suchen und trägt die Verantwortung für die aus der Handlung entstehenden Konsequenzen.
Dass diese Überlegung nicht praxisfremd ist verdeutlicht das Gedankenexperiment des TV-Tests: Wie würde ich mich fühlen, wenn ich meine Entscheidung vor laufenden TV-Kameras und damit vor der gesamten Weltöffentlichkeit rechtfertigen müsste und die dadurch entstehenden Konsequenzen trage? [Ulrich (1996, S. 25)]. Das Ziel einer solchen universalisierbaren Ethik ist der Versuch ein allgemeingültiges humanistisches Moralprinzip zu begründen, in dessen Licht die normative Gültigkeit moralsicher Ansprüche kritisch geprüft werden können und darüber hinaus universale Bedingungen und Formen des guten Lebens, des gerechten Zusammenlebens und des verantwortlichen Handelns untersucht werden - möglichst unabhängig von Moral- und Ethostraditionen, wohl aber in kritischer Auseinandersetzung mit ihnen [Ulrich (2001, S. 43)].
Da nun geklärt worden ist was unter praxistauglicher Ethik verstanden werden kann, soll nun am Beispiel der japanischen Wirtschaft aufgezeigt werden, dass Moralen die innerhalb eines Wirtschaftssystems Gültigkeit haben nicht nur positive Auswirkungen mit sich bringen.
Arbeit zitieren:
Matthias Müller, 2010, Integrative Wirtschaftsethik nach Peter Ulrich, München, GRIN Verlag GmbH
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