Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Vorgehensweise 3
2. Definition und Diagnosekriterien
2.1 Kriterien nach ICD-10 4
2.2 Kriterien nach DS-MIV 5
2.3 Zwangsgedanken und Zwangshandlungen. 5
3. Makro-Aspekte: Epidemiologie, Komorbidität, Verlauf
3.1 Epidemiologie. 6
3.2 Komorbidität. 7
3.3 Verlauf. 8
4. Mögliche Ursachen 8
5. Subtypen von Zwangsstörungen 10
6. Diagnostik
6.1 Probleme bei der Diagnosestellung 11
6.2 Diagnostische Verfahren
6.2.1 Klinische und strukturierte Interviews. 12
6.2.2 Verhaltensbeobachtung. 13
6.3 Differentialdiagnosen 14
6.4 Problemanalyse. 15
7. Interventionsmöglichkeiten
7.1 Pharmakologische Behandlung 16
7.2 Verhaltenstherapie: Konfrontation und Reaktionsvermeidung 17
7.3 Kognitive Therapie 18
8. Schlussteil 20
I Quellenverzeichnis. 21
II Anhang. 22
2
1. Einleitung und Vorgehensweise
Alle Menschen kennen harmlose Formen eines Zwangs, die man im Alltag immer wieder antreffen kann. So werden Dinge immer wieder in der gleichen Reihenfolge erledigt, nochmals geschaut, ob der Herd auch wirklich aus ist oder es wird vermieden, mit bestimmten Symbolen, welche Unglück bringen sollen, in Berührung zu kommen. Diese Gedanken und Handlungen kommen häufig vor, behindern allerdings das Alltagsgeschehen kaum. Anders ist es bei Menschen mit einer psychischen Störung einer Zwangsstörung:
Ich kann meine Handlungen nicht abschalten. Ich habe keine Kontrolle. Ich weiß, dass es unnütz ist, aber ich tue es trotzdem.
Diese oder andere Zitate kann man oft von Menschen mit Zwangsstörungen innerhalb ihrer Therapie hören. Negative Gedanken, die Angst und Unruhe auslösen, werden von Zwangspatienten immer wieder gedacht, oft wird die Angst durch Zwangshandlungen neutralisiert. Die Zwangsstörung zählt zu den häufigsten psychischen Störungen im Erwachsenenalter, wird aber dennoch von vielen Menschen als unverständlich betrachtet, da die meisten Ängste so unnötig scheinen, dass man sich nicht vorstellen kann, wie ein Mensch solch massive Angst vor dieser Sache entwickeln kann. Zwänge nehmen im Leben der Patienten einen zentralen Stellenwert ein, sodass der Alltag von vielen Zwangspatienten nicht mehr in seinem normalen Ablauf bewältigt werden kann. Der Zwang bestimmt den Tagesrhythmus und nimmt erheblich viele Stunden (wenn nicht gar den ganzen Tag) in Anspruch. Mittlerweile wurden effektive Möglichkeiten der Behandlung von Zwängen entwickelt, die in folgender Arbeit ebenso vorgestellt werden sollen, wie die Störung selbst. Die Ursachen für Zwangsstörungen sind (noch) nicht hinreichend genau geklärt, sodass auf diese nur spekulativ eingegangen werden kann. Da der Schwerpunkt dieser Arbeit auf Diagnostik und Intervention liegen soll, wird diesen Punkten der meiste Inhalt gewidmet. In der Vergangenheit wurden zahlreiche diagnostische Methoden zur Feststellung einer Zwangsstörung entwickelt, die ebenso vorgestellt werden sollen, wie klinische Interviews oder Verhaltensbeobachtungen.
3
2. Definition und Diagnosekriterien
Zwangshandlungen auftreten. Bei etwa zwei Drittel der Patienten kommen diese Zwänge 1 Die Definition der Zwangsstörung stimmt in nahezu allen Fachbüchern zum Thema überein. Immer beinhaltet sie die Begriffe Zwangsgedanken und Zwangshandlungen, die, entweder allein oder gemeinsam auftretend, eine Zwangsstörung ergeben. Es muss somit unterschieden werden zwischen Zwangsgedanken und Zwangshandlungen welche im Punkt 2.3 ausführlicher behandelt werden sollen. In diesem Punkt soll ebenso die Verknüpfung der beiden Zwänge genauer dargestellt werden. Zunächst allerdings ist es notwendig, die allgemeinen Diagnosekriterien für Zwangsstörungen (hier nach ICD-10 und DSM-IV) aufzuzeigen.
2.1 Kriterien nach ICD-10
Das ICD-10 ordnet die Zwangsstörungen in den Bereich der neurotischen, belastungs- und somatoformen Störungen ein 2 und bezeichnet Zwangsstörungen als Zwangsgedanken und
3 Die Gedanken und Handlungen müssen dazu als die eigenen (und nicht durch andere Faktoren beeinflussten) wahrgenommen werden und mit einem unangenehmen Gefühl als Reaktion auf den als ungemessen betrachteten Gedanken bzw. Handlung verbunden sein. Ebenso ist ein Kriterium, dass die Person, die die Zwangsgedanken hat bzw. Zwangshandlungen ausführt, diese zu unterdrücken versucht, was aber bei mindestens einer dieser nicht funktioniert. Weiterhin beeinflussen die Gedanken und Handlungen das Leben und den Alltag der Person negativ, was vor allem auf den Zeitmangel, der bei der Ausführung zustande kommt, zurückzuführen ist. Das ICD-10 führt weiterhin ein Ausschlusskriterium auf, sodass es Zwangsgedanken und Zwangshandlungen nicht als Ergebnis eine psychischen Störung, wie Schizophrenie oder verwandten Störungen bzw. Affektiven 4 beschreibt.
1 Barnow, Freyberger et. al: Von Angst bis Zwang. Ein ABC der psychischen Störungen: Formen,
Ursachen und Behandlung, 2. Auflage, Verlag Hans Huber, Bern 2003, S. 60
2 ICD-10: Kapitel 5 Psychische und Verhaltensstörungen (F00-F99). Neurotische, Belastungs- und
somatoforme Störungen [URL: http://www.dimdi.de/static/de/klassi/diagnosen/icd10/htmlamtl2006/fr-
icd.htm], Stand: 27.07.2010
3 Emmelkamp, van Oppen: Zwangsstörungen. Fortschritte der Psychotherapie, Hogrefe Verlag GmbH
& Co. KG, Göttingen 2000, S. 3
4 Ebd., S. 3
4
2.2 Kriterien nach DSM-IV
Ebenso nach DSM-IV sind Zwangsstörungen durch Zwangsgedanken und/oder Zwangshandlungen gekennzeichnet. Das DSM-IV ordnet Zwangsstörungen den Angststörungen zu. 5 Um eine Zwangsstörung zu diagnostizieren, müssen diese
6 Zeitaufwendig meint in diesem Fall, dass die
Person für die Zwangsgedanken oder Zwangshandlungen täglich mind. 1 Stunde aufbringen muss. Weiterhin muss die Störung während des Verlaufes vom Patienten als unbegründet oder übertrieben erkannt werden, was bei Kindern allerdings oft nicht der Fall ist, da sie ber die für diese Erkenntnis notwendigen kognitiven 7 Es wird ebenso darauf verwiesen, dass die Störung nicht durch ein anderes Krankheitsbild oder auf die Wirkung einer Substanz zurückzuführen ist.
2.3 Zwangsgedanken und Zwangshandlungen
Wie oben schon beschrieben, sind Zwangsstörungen durch Zwangsgedanken und/oder Zwangshandlungen gekennzeichnet. Zwangsgedanken gehen meist der Zwangshandlung voraus und werden vom Patienten als aufdringlich und lästig wahrgenommen. Sie treten wiederholt auf und bereiten der Person ein Gefühl von Angst und Unruhe. 8 Die häufigsten Zwangsgedanken beinhalten die Themen Schmutz und Krankheiten, Schuld und Verantwortung, aber auch Aggression und sexuelle Thematiken.
9 stehen, werden von Personen mit
einer Zwangsstörung immer wieder und in der gleichen Weise vollzogen. Sie werden demnach wie eine Art Ritual durchgeführt, welches festen Regeln folgt und nicht gestört 10
muss. Ängste, die vorher durch Zwangsgedanken entstanden sind, werden durch die Zwangshandlung unterdrückt bzw. abgewehrt.
5 Saß, Wittchen, Zaudig: Diagnostisches und Statistisches Manual Psychischer Störungen. DSM-IV,
Hogrefe-Verlag, CD-Rom, Göttingen 2000
6 Ebd.
7 Ebd.
8 Barnow, Freyberger et. al (2003), S. 61
9 Ebd., S. 60
10 Ebd., S. 61
5
11 12
So kann auch die Verknüpfung von Zwangsgedanken und Zwangshandlung erklärt werden. Eine Person, die ständig Angst verspürt, sich mit Keimen oder Viren zu identifizieren, wird Lebensmittel mehrmals gründlich waschen, um die Angst (bzw. den Gedanken, der diese Angst auslöst), zu unterdrücken bzw. zu neutralisieren. Andersherum können Zwangshandlungen ebenso Zwangsgedanken nach sich ziehen. Eine Person, die beispielsweise immer wieder die Straße nach möglichen Anzeichen für einen von ihm verursachten Unfall kontrolliert, könnte sich zu Hause mit der Frage quälen, ob er auch wirklich alles richtig abgesucht hat. Daraus kann sich schließlich wieder eine Zwangshandlung ergeben, indem er zu der Stelle zurückfährt und nochmal alles nach den entsprechenden Anzeichen kontrolliert. Allerdings können Zwangsgedanken auch weitere neutralisierende Zwangsgedanken 13 auslösen. So könnte eine Mutter, die Angst hat, ihrem Kind etwas anzutun, diesen Gedanken mit einem anderen neutralisieren: die Vorstellungen der besonders positiven und liebenswerten Eigenschaften des Kindes. 14 Neutralisierende Gedanken haben demnach die gleiche Funktion wie Zwangshandlungen, d.h. die aktive Funktion.
3. Makro-Aspekte: Epidemiologie, Komorbidität, Verlauf
3.1 Epidemiologie
Die Zwangsstörung weist eine Prävalenz von 2 bis 3 % in der Gesamtbevölkerung auf 15 , wobei Frauen und Männer in etwa gleich stark betroffen sind. Allerdings gibt es Unterschiede in den Subtypen von Zwangsstörungen, wobei Frauen häufiger an Waschzwängen leiden, Männer an reinen Zwangsgedanken. Bei drei Vierteln aller Zwangspatienten beginnt die Störung vor dem 30. Lebensjahr; kaum findet man Neuerkrankungen nach dem 40. Lebensjahr. 16 Durchschnittlich beginnt eine Zwangsstörung in der Adoleszenz bzw. im frühen
11 Saß, Wittchen, Zaudig: Diagnostisches und Statistisches Manual Psychischer Störungen. DSM-IV 2000
12 Ebd.
13 Das DSM-IV bezeichnet neutralisierende Zwangsgedanken als Zwangshandlungen.
14 Barnow, Freyberger et. al (2003) S. 62
15 Diese Zahl wurde durch verschiedene Studien belegt und gibt die Punktprävalenz im Jahr 2007 an. (vgl.
Tominschek, Schiepek: Zwangsstörungen. Ein systemisch-integratives Behandlungskonzept, Hogrefe
Verlag GmbH & Co. KG, Göttingen 2007, S. 29f.)
16 Emmelkamp & van Oppen (2003) definieren diese Zahl genauer und berufen sich dabei auf
Emmelkamp 1990. Sie legen dabei die Neuerkrankungen nach dem 40. Lebensjahr auf 9% fest und das
Auftreten der Beschwerden vor dem 10. Lebensjahr auf 10% der Patienten.
6
Arbeit zitieren:
Monique Wicklein, 2010, „Wenn Zwänge das Leben einengen“ - Diagnostik und Intervention bei Zwangsstörungen, München, GRIN Verlag GmbH
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