1. Einleitung
Die Art und Weise wie der Sportlehrer mit dem Medium Sprache arbeitet, stellt für die erfolgreiche Umsetzung seines Unterrichtsvorhabens einen sehr wichtigen Faktor dar. Der Lehrer muss die oft komplizierten Bewegungsaufträge für alle Schüler und Schülerinnen 1 verständlich formulieren. Die Räumlichkeiten in denen der Sportunterricht generell stattfindet, man denke zum Beispiel an ein Schwimmbad oder eine Mehrfachhalle in der diverse Klassen den Geräuschpegel konstant hochhalten, erfordern oft kurze und dennoch sehr präzise Anweisungen von Seiten des Lehrers. In meiner Hausarbeit beschäftige ich mich mit allgemeinen Prinzipien der Verbalinstruktion im Sportunterricht. Es sollen allgemeine Probleme der Kommunikation im Sportunterricht aufgezeigt werden. Anschließend sollen Möglichkeiten aufgezeigt werden, wie man diese Probleme beseitigt oder erst gar nicht aufkommen lässt. Einige wichtige Ansätze zur besseren Nutzung des Mediums Sprache werden vorgestellt. Unter dem weiten Begriff ‚Medium‘ verstehe ich in dieser Arbeit soviel wie ‚Informationsträger‘ zwischen dem Lehrer auf der einen und den SuS auf der anderen Seite der Kommunikation (Sender-Empfänger Model 2 ).
2. Merkmale des Sportunterrichts
Wissenschaftlich kann man sich dem Unterricht als Lehr-Lern-Geschehen auf verschiedene Arten nähern, zum Beispiel kommunikationstheoretisch, lerntheoretisch oder sozialisationstheoretisch. Egal welchen Zugang man wählt, der Unterricht muss immer „als eine besondere Form sozialer Interaktion, an der das Medium Sprache entscheidend beteiligt ist“ 3 , gesehen werden. Dies lässt sich für Unterricht im allgemeinen sagen. Im Sportunterricht liegt jedoch eine besondere Verwendung des Mediums vor. Durch die Sprache sollen nicht nur die affektiven und kognitiven Verhal-
1 Imweiteren Verlauf der Arbeit soll die Abkürzung ‚SuS‘ für Schüler und Schülerinnen stehen.
2 Vgl.: Unfried, M.: Kommunikation als essentieller Bestandteil von Selbsorganisation, S. 6f.
3 Vgl.: Drexel, G. & Hildenbrandt, E.: Verbalinstruktion als Lehrkompetenz im Sportunterricht, S. 259.
tensweisen der SuS beeinflusst werden, sondern auch auf die beobachtbaren, motorischen soll nachhaltig Einfluss genommen werden. 4
Dieses Themengebiet empirisch valide zu untersuchen stellt die Wissenschaft noch immer vor eine große Hürde. Aufgrund der hohen Komplexität des Gegenstandes ist es schwer die wichtigen Elemente in die Fragestellung mit einzubeziehen. Hilden-brandt merkt zu der Problematik an: „Auch uns haben Skrupel ständig verfolgt, und der Vorwurf einseitiger Betrachtung wurde mehrfach erhoben.“ 5 Untersuchungen wie die von Köppe aus dem Jahre 1977 zeigen jedoch, dass man fundierte Erkenntnisse aus Unterrichtsexperimenten ableiten kann. Drexel und Hildebrandt gehen in ihren Untersuchungen davon aus, dass im Sportunterricht, ebenso wie in anderen Fächern, die Sprache das wichtigste Vermittlungsmedium zwischen Lehrer und SuS ist. In der Vergangenheit wurde diesem wichtigen Instrument nicht die nötige Aufmerksamkeit geschenkt, so dass die Ausbildung der Fachkräfte (und deren Ausbilder) auf diesem Gebiet meist nur rudimentär vorhanden war, beziehungsweise ist. 6 Dazu sagt Hildenbrandt treffend: „Die Sprache wird im Sportunterricht häufig, nicht selten inflationistisch gebraucht und an die Kompetenz des Sportlehrers, dieses Medium richtig und gezielt einsetzen zu können, werden hohe Anforderungen gestellt.“ 7 Diese Tatsache ist den meisten nicht bewusst. Dies hat zur Folge, dass der angehende Sportlehrer (oder die angehende Sportlehrerin) meist nicht die Gelegenheit bekommt, sich diese Kompetenzen anzueignen. 8 Inzwischen ist die Sportlehrerausbildung praxisnäher geworden und die Studenten haben die Gelegenheit ihre Sprachfähigkeit in Unterrichtssituationen auszuprobieren und im Anschluss darüber in der Gruppe zu reflektieren.
Bei Drexel und Hildenbrandt ist die zentrale Fragestellung: „Was bewirken eigentlich verbale Äußerungen des Sportlehrers beim Schüler?“ 9 Welche Funktionen haben also die Aussagen des Lehrers bei der Planung und Durchführung von Bewegungsaufgaben im Unterricht? Auf was muss der Sportlehrer während seiner Verbalinstruktion besonders achten? Diese Fragestellungen versuche ich in den nächsten Kapiteln meiner Arbeit zu beantworten.
4 Vgl.: Drexel, G. & Hildenbrandt, E.: Verbalinstruktion als Lehrkompetenz, S. 259.
5 Vgl.: Ebd., S. 259.
6 Vgl.: Ebd., S. 260.
7 Vgl.: Ebd., S. 260.
8 Vgl.: Ebd., S. 260.
9 Vgl.: Ebd., S. 260.
3. Welche Inhalte werden wie im Sportunterricht vermittelt?
Was müssen die SuS an Informationen erhalten um eine Aufgabe korrekt umzusetzen? Was muss übermittelt werden und was ist dabei von entscheidender Bedeutung? Wie kann man möglichst kurz und eindeutig formulieren und in welcher Reihenfolge sollten die Informationen den SuS übermittelt werden? Mit diesen Fragestellungen hat sich auch Annemarie Seybold in ihrem Aufsatz Zum Problem der verbalen Information im Sportunterricht auseinandergesetzt. 10 Das Hauptaugenmerk liegt auf der verbalen Informationsvermittlung.
3.1 Warum sollen die SuS im Sportunterricht informiert werden?
Die SuS sollten zusätzlich zu den herkömmlichen Bewegugsaufgaben noch weitere Hintergrundinformationen über den Sport erhalten, den sie ausüben. Damit soll eine persönliche Reflexion der Unterrichtsinhalte ausgelöst werden. Die SuS sollen ihr eigenes Handeln begründen lernen und dazu kritisch Stellung beziehen können. Durch das stärkere Auseinandersetzen mit dem Sport kann die Motivation und das Interesse an ihm gestärkt werden. Außerdem werden die SuS zum Mitdenken aktiviert und angehalten selbstständig Probleme zu lösen. Die so zusätzlich erworbenen Erkenntnisse sollen die SuS lernunabhängiger werden lassen. Sie sollen nachhaltig zum aktiven Sport treiben animiert werden. Dies gilt besonders jenseits des Grundschulalters, wenn die Primärmotivation sich zu bewegen bei vielen Menschen nachlässt. 11
3.2 Worüber soll im Sportunterricht informiert werden?
Die SuS sollten generell über die Techniken, Regeln und Taktiken der jeweiligen Sportart informiert werden. Außerdem kann man in höheren Schulstufen, zum Beispiel den Gesundheitsaspekt ansprechen, um die Sekundärmotivation zu steigern. Ein Sportlehrer sollte seine SuS auch über den Auftrag des Faches in der Schule, den Lehrplan, die zu erreichenden Lernziele, sowie deren Begründung informieren. 12
10 Vgl.: Seybold, A.: Zum Problem der verbalen Information im Sportunterricht, S. 127.
11 Vgl.: Ebd., S. 128.
12 Vgl.: Ebd., S. 128.
Dies dient dazu den SuS die Leistungsbewertung am Ende eines Halbjahres so transparent wie möglich zu gestalten.
3.3 Wie können Informationen im Sportunterricht vermittelt werden?
Der Sportlehrer kann die SuS auf drei Arten mit Informationen versorgen: visuell, taktil und verbal.
Visuelle Informationen können hauptsächlich über Videoclips, Skizzen und vor allem über das ‚Vormachen‘ der Bewegung gegeben werden. Die Hilfestellung beim Aufschwung am Reck ist zum Beispiel eine taktile Information. Man führt die SuS in die richtige Stellung und unterstützt sie in ihren Bewegungen. 13
Die verbalen Informationen sollen die Reflexionsprozesse auslösen und durch bewusste Einflussnahme die Bewegung steuern. 14
Die visuelle und taktile Informationsvermittlung möchte ich an dieser Stelle nicht weiter vertiefen. Anschließend soll eine nähere Analyse der verbalen Informationen oder auch Instruktionen im Sportunterricht erfolgen.
3.3.1 Wie soll verbal informiert werden?
Die verbalen Informationen sollten entwicklungsgemäß aufbereitet werden. Komplizierte Bewegungsanweisungen müssen didaktisch reduziert werden, damit sie alle SuS kognitiv verarbeiten und motorisch umsetzen können. Jedoch sollte man die korrekten Fachtermini von Beginn an verwenden. 15 Nur wo Fragen sind müssen Antworten her. Der Sportlehrer soll also seinen Unterricht nach Möglichkeit so strukturieren, dass die SuS nach der praktischen Einheit in einer Reflexionsphase die Möglichkeit haben nachzufragen. Er muss die Informationen also situationsgemäß darbieten. Der Praxis- muss nicht zwingend eine Theoriestunde folgen. Der theoretische Part soll die Praxis nachhaltig reflektieren. Je jünger die SuS sind, desto kürzer und präziser muss die verbale Anweisung formu-
13 Vgl.:Seybold, A.: Zum Problem der verbalen Information, S. 128.
14 Vgl.: Ebd., S. 128f.
15 Vgl.: Ebd., S. 129.
Arbeit zitieren:
Bastian Einck, 2007, Allgemeine Prinzipien der Verbalinstruktion im Sportunterricht, München, GRIN Verlag GmbH
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