Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 4
2. Frauenberatung und Frauentherapie 5
2.1. Feministische Kritik an konventionellen Therapien. 6
2.2. Theoretische Grundlagen und Konzepte feministischer Arbeit 7
3. Geschlechterverhältnis und Sozialisation 10
3.1. Der weibliche Körper und Sexualität in feministischer Sichtweise 11
3.2. Weibliche Aggression 17
4. Schlusswort 18
Literaturliste 20
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1. Einleitung
Für den Bereich der feministischen Psychotherapie existiert eine Reihe von Veröffentlichungen während Literatur zur feministischen Beratung im deutschsprachigen Raum so gut wie nicht auffindbar ist, sie beschränkt sich auf einige wenige Artikel, in denen sehr kurz grundlegende Fragen thematisiert werden. Die Beiträge aus Forschung und Theorieentwicklung beziehen sich größtenteils auf Einzelbereiche, so z.B. Suchtberatung, Weiterbildungsberatung, Beratung für ausländische Frauen und Mädchen in der Erziehungsberatung. Außerdem gibt es Schriften, die sich auf Aspekte der beruflichen Rolle von Beraterinnen beziehen. Selbst in den USA oder Großbritannien finden sich nur sehr pragmatisch orientierte Beiträge, die sich vorrangig auf spezielle Felder, wie Beratung von Opfern männlicher Gewalt beziehen(vgl. Sickendieck/ Engel /Nestmann 1999, S.72). Da die meisten Beratungsmethoden aus therapeutischen Methoden abgeleitet sind, werde ich mich in dieser Arbeit vorrangig auf die feministische Therapie beziehen und nur partiell den Bezug zur Beratung herstellen.
In dieser Arbeit möchte ich im zweiten Kapitel die geschichtliche Entstehung von feministischer Therapie skizzieren sowie Grundbegriffe der feministischen Diskussion klären. D.h. für mich, die Ansätze herauszuarbeiten, die es notwendig machten, neben herkömmliche Therapieformen die Feministische Therapie zu setzen. Diese sah ihre Aufgabe darin, traditionelle und männerdominierte Therapieansätze zu hinterfragen und in kritischer Auseinandersetzung mit diesen neuartige Konzepte, die besonders den Frauen gerechter werden konnten, herauszuarbeiten. Dass die feministische Kritik und Forschung neue Impulse in die gesamte Beratungs- und Therapielandschaft eingebracht hat, lässt sich nicht leugnen. Im dritten Kapitel werde ich anhand zweier (frauen-) therapeutischer Problembereiche die weibliche Sozialisation (auf diese Problembereiche zugeschnitten) näher betrachten, die Störungen, die sich daraus ergeben können und therapeutische Handlungsmöglichkeiten aufzeigen. Für mich ist dabei wichtig, den Zusammenhang einzelner Symptomatiken zu erkennen und zu einem Gesamtbild zusammenzufügen. Das bedeutet für mich, dass sämtliche Problembereiche, die in Frauentherapie eine Rolle spielen auf sozialisatorische und gesellschaftliche Faktoren zurückgeführt werden können. Diesen Zusammenhang möchte ich anhand dieser Beispiele zeigen.
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Anschließend gestatte ich mir den Raum für persönliche Anmerkungen.
2. Frauenberatung und Frauentherapie
Die so genannte zweite Frauenbewegung brachte ab 1968 unter anderem neue Aspekte in die Beratungs- und Therapie- Landschaft ein. Zugrunde lag eine massive Kritik an traditionellen Therapieangeboten und an der Gesellschaft.
Dabei war in erster Linie der Selbsthilfeansatz von großer Bedeutung, von der Münchner Gruppe werden die Wurzeln des Ansatzes als „eine Möglichkeit der Überwindung von Fremdbestimmung im psychosozialen Lebensbereich“ (Scheffler 1986, S.25) beschrieben. Deshalb entwickelten sich ab 1972 im psychotherapeutischen Bereich als erstes Selbsthilfe-, Beratungs-, und Therapieansätze aus den „Consciousness-Raising-Groups“ („CR“-Gruppen), welche in den USA verbreitet waren. In der BRD wurden sie Selbsterfahrungsgruppen genannt (vgl. ebd.). Diese Gruppen verstanden sich als antiprofessionell und stellten die klassische Therapie bzw. eine professionalisierte Therapie in Frage. Ab 1975 gab es verschiedene Frauenberatungsinitiativen und therapeutische Selbsthilfegruppen, die ebenfalls antiprofessionell arbeiteten. Sie verstanden sich als frauenfreundliche Alternative zu konventionellen Therapien (vgl. Blessing 1991, S.47). In diesem Zusammenhang wurde heftig diskutiert, ob sich Feminismus und Professionalität bzw. Therapie miteinander vereinen lassen. Beide letzteren wurden als unpolitisch, Männertheorien und -Systemen aufsitzend und Machtstrukturen verfestigend kritisiert. Von 1974 bis ´81 war das Interesse an Selbsthilfegruppen und an Vernetzung untereinander noch sehr groß, mittlerweile werden viele Gruppen zentral vorgeschlagen oder professionell unterstützt (vgl. ebd. S.50f.).
1977 wurde die erste professionelle Frauentherapieeinrichtung in Berlin gegründet, und im selben Jahr fand der erste Frauentherapiekongress statt (vgl. ebd. S. 47). Mittlerweile hat sich die Feministische Therapie als eigener Zweig etabliert und „frauenbewusste“, „frauenfreundliche“ und feministische Ansätze konnten auch in traditionellen Ver-sorgungseinrichtungen Einzug halten (vgl. Sickendieck/ Nestmann 2001, S.669). Frauenprojekte im Westen verstehen sich als feministisch orientiert und vorrangig als alternativ und oppositionell zur Mehrheitskultur.
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Im Osten haben sich Frauenprojekte seit 1989 gegründet. In diesen Frauenprojekten existiert nur teilweise das Verständnis, wie in denen im Westen. Viele ostdeutsche Frauenprojekte setzen eher auf familienorientierte und geschlechterkooperative Maßnahmen (vgl. ebd.670f.).
2.1. Feministische Kritik an konventionellen Therapien
Die Wurzeln der feministischen Therapie liegen, wie bereits oben beschrieben, in einer massiven Kritik an traditionellen Therapien. Diese Kritikpunkte möchte ich kurz darstellen. Massive Kritik übte die psychosoziale Frauenforschung an der vorgeblichen Geschlechtsneutralität in der allgemeinen psychosozialen Versorgung. Die Behauptungen, dass Geschlecht höchstens als ein Klientenmerkmal unter anderen berücksichtigt würde, konnte von der Frauenforschung zurückgewiesen werden. Sie erbrachten im Gegenteil den Nachweis, dass sich hinter dieser angeblichen Geschlechtsneutralität eine frauenfeindliche und frauenbenachteiligende Praxis verbirgt. So werden in der Beurteilung eines Falles oder einer Diagnose männliche Maßstäbe von Normalität und Pathologie zugrunde gelegt. In dem Fall, in dem doch weibliche Maßstäbe angelegt werden, richtet sich das Normalmaß an den Rollenmustern der patriarchalen Familie aus. Da Störungen von Frauen, mit denen sie sich einer Beratung oder Therapie zuwenden, oftmals als Problem in der patriarchalen Gesellschaft bzw. als indirekte Weigerung, die vorgeschriebene Rolle zu übernehmen, gewertet werden können, birgt die eben beschriebene Praxis große Gefahren. Denn in diesem Fall, wenn die Frau „aus der Rolle“ fällt, vermittelt ihr der/die TherapeutIn oder der/die BeraterIn das sie tatsächlich „unnormal“ und behandlungsbedürftig ist.
Frauentherapie wollte die scheinbare Geschlechtsneutralität durch reflektierte Parteilichkeit ersetzen(vgl. Sickendieck/ Nestmann 2001, S.669).
Herkömmliche Begriffe von Gesundheit und Krankheit wurden in Frage gestellt. Bis 1979 wurde dazu in Vorarbeit die Etikettierung durch psychiatrische Diagnosen kritisiert. Diese wurden als Mittel entlarvt, „Frauen zu disziplinieren die gegen Geschlechtsrollennormen rebellieren oder nicht mehr darin funktionieren können....Frau soll wieder funktionieren, zumindest aber nicht lästig werden“(Blessing 1991, S.50). Schließlich musste noch hinzugefügt werden, dass nicht nur strukturelle sondern auch offene Gewalt krankmachende Faktoren darstellen (vgl. ebd.)
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Arbeit zitieren:
Stefanie Fischer, 2002, Feministische Therapie. Grundlagen und ausgewählte Problembereiche, München, GRIN Verlag GmbH
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