Inhaltsverzeichnis
1
Einleitung... 4
2
Übersetzung... 5
3
Analyse/ Interpretation... 6
4
Vergleich mit anderen künstlerischen Formen... 12
4.1
Seneca: ,,De brevitate vitae"... 12
4.2
M.C. Escher: ,,Das Auge"... 13
4.3
Franz Kafka: ,,Kleine Fabel" ... 14
4.4
Pink Floyd: ,,Time"... 15
5
Resümee... 16
6
Anhang... 17
7
Literaturverzeichnis ... 20
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Einleitung
Der etwa um 4 v. Chr. im spanischen Corduba geborene Seneca gehört heute neben
Cicero zu den meistgelesenen Autoren im Unterricht. Sein vielfältiges Repertoire reicht
von Trostschriften (consolationes), über philosophische Texte (dialogi), zu einer Satire,
Tragödien und Episteln.
Im Jahre 65 wurde Seneca der Beteiligung an der Pisonischen Verschwörung
verdächtigt und von Nero gezwungen, sich das Leben zu nehmen.
Seneca erhält großen Zuspruch von vielen bekannten Philologen. Jedoch wird auch
häufig die fragliche Einheit von Leben und Lehre diskutiert.
Besonders beliebt sind seine Briefe an Lucilius, die sich gut für einen sanften Einstieg
in die Beschäftigung mit der Philosophie eignen.
Als ,,Epistulae morales ad Lucilium" wird eine Sammlung von 124 Briefen bezeichnet,
die in 20 Büchern erhalten geblieben ist. In diesen Episteln erteilt Seneca Ratschläge,
wie Lucilius zu einem guten Stoiker werden kann und vermittelt somit verschiedene
Aspekte seiner stoischen Philosophie, die zumeist lebensnahe Themen aufweisen und
zum Nachdenken über menschliches Miteinander anregen.
In dem von mir bearbeiteten ersten Epistel des Briefcorpus´, fordert Seneca seinen etwa
10 Jahre jüngeren Freund Lucilius auf, die ihm gegebene Zeit sinnvoll zu nutzen. Er
handelt dabei ganz im Sinne des bekannten Ausspruchs aus Horaz´ Ode 1, 11 an
Leuconoe: ,,Carpe diem." Selbst jeder Nichtlateiner kennt diese Sentenz, die uns alle
dazu auffordert, die Zeit zu nutzen und die Hand auf den heutigen Tag zu legen, anstatt
das Leben immer wieder aufzuschieben und somit den Tod als viel zu früh zu
empfinden.
Doch nicht nur Seneca beschäftigte sich mit dem Thema der Zeit, sondern auch
zahlreiche andere Künstler trugen ihr Gedanken zu diesem Sachverhalt bei. In einem
Vergleich sollen Unterschiede und Gemeinsamkeiten der verschiedenen Formen
dargestellt werden.
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Übersetzung: Ad Lucilium Epistulae Morales I, 1
Seneca grüßt seinen Lucilius.
(1) Mache es so, mein Lucilius: befreie dich für dich und sammle und bewahre dir die
Zeit, die bis jetzt weggetragen wurde, gestohlen wurde oder entglitten ist.
Überzeuge dich davon, dass es so ist, wie ich dir schreibe: eine gewisse Zeit wird uns
gestohlen, heimlich weggenommen, einige verrinnt. Der schlimmste Verlust ist der, der
durch Sorglosigkeit passiert. Und wenn du beachten willst: Ein großer Teil des Lebens
entgleitet uns, während wir Schlechtes tun, der größte Teil vergeht, während wir gar
nichts machen, das ganze Leben vergeht, weil wir irgendetwas anderes tun.
(2) Wen wirst du mir zeigen, der irgendeinen Wert der Zeit beimisst, der den Tag
schätzt, der einsieht, dass er täglich stirbt? In diesem Fall nämlich täuschen wir uns,
dass der Tod vor uns liegt: ein großer Teil liegt hinter uns. Was also an Lebenszeit
vorbei ist, das gehört dem Tod.
Also mache, mein Lucilius, was du zu tun schreibst- halte alle Stunden fest. So wirst du
weniger vom morgigen Tag abhängen, wenn du deine Hand auf den heutigen Tag legst.
Während das Leben aufgeschoben wird, eilt es vorbei.
(3) Alle Dinge, Lucilius, sind fremdes Gut, nur die Zeit gehört uns. Die Natur hat uns in
den Besitz dieser einen, flüchtigen Sache gesetzt, aus der uns vertreiben kann, wer auch
immer Lust dazu hat. Und die Dummheit der Menschen ist so groß, dass sie die Dinge
als Schuld anrechnen lassen, die klein und unbedeutend und sicher zu ersetzten sind.
Niemand aber sieht ein, dass er irgend etwas schuldet, der Zeit erhalten hat, obwohl Zeit
doch das einzige ist, was nicht einmal ein Dankbarer zurückgeben kann.
(4) Vielleicht wirst du dich fragen, was ich mache, der dich jenes unterrichtet. Ich werde
es aufrichtig verraten: Was bei einem Wohlhabenden, aber Aufmerksamen üblich ist,
die Rechnung über meine Aufopferung ist richtig. Ich kann nicht sagen, dass ich nichts
verliere, aber was ich verliere und warum und auf welche Weise, kann ich sagen; über
die Gründe meiner Armut will ich berichten. Aber mir geht es, wie den meisten, die
ohne eigene Schuld in Not gekommen sind: Alle verzeihen, niemand eilt zur Hilfe.
(5) Was also ist es? Ich halte den nicht für arm, dem genug ist, wie wenig es auch
immer ist. Du aber, möchte ich, bewahre das Deine und zu einer guten Zeit wirst du
damit anfangen. Denn wie schon unsere Vorfahren wussten: Zu spät kommt die
Sparsamkeit, wenn man am Boden des Fasses angekommen ist, es bleibt nämlich nicht
nur wenig darin zurück, sondern das Schlechteste. Lebe wohl!
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Analyse/ Interpretation
Der erste Brief Senecas an Lucilius ist ein dringender Appell und eine Aufforderung an
seinen Freund, das eigene Leben bewusst zu gestalten und die ihm gegebene Zeit
sinnvoll zu nutzen. Der größte Teil der Menschen verkennt den Wert und die Bedeutung
der Zeit und geht deshalb auch rücksichtslos mit der Zeit anderer um. Lucilius hingegen
soll sich nicht der breiten Masse anschließen, ganz nach dem Motto: ,,Etiam sie omnes,
ego non", sondern sich immer wieder bewusst machen, dass keine Sekunde
wiederholbar ist, jeder verstrichene Augenblick dem Tod gehört.
Bei seinem Vorhaben tritt Seneca jedoch nicht als Lehrer auf, der bereits vorgefertigte
Meinungen an seine Schüler weitergibt. Vielmehr versucht er, ein Lebensgestalter zu
sein, Denkanstöße zu geben und den Leser eigenständig zu seiner Erkenntnis zu führen.
Dazu gliedert er seinen Brief grob in drei Abschnitte.
Der erste Teil enthält die Zustimmung zur Vorgehensweise des Lucilius- ,,Ita fac, mi
Lucili"
1
. Mit dieser eindringlichen und zugleich liebevollen Anrede versucht Seneca,
eine warme, aufmunternde und bestärkende Stimmung zu erzeugen und ein Gespräch
auf freundschaftlicher, vertrauter Ebene zu führen. Er bestätigt, dass sich Lucilius
bereits auf dem richtigen Wege befindet und nimmt dem angehenden Schüler somit die
Zweifel des oft schwierigen Anfangs.
Gleichzeitig erweckt dieser Einstieg den Eindruck, als stünde er nicht am Anfang eines
Briefwechsels, sondern sei bereits die Antwort auf einen vorausgegangenen Brief des
Lucilius, in welchem dieser das Thema ,,Zeit" anspricht". Auf diesen Ansatz weißt auch
,,[...] ut scribo"
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und ,,[...] facere te scribis [...]"
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hin. Trotzdem lässt sich begründen,
dass dieser Epistel einen Anfang beschreibt, denn ,,[...] bono tempore [...]"
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weist auf
einen Beginn hin.
Im zweiten Teil seiner Ausführungen füllt er seine Aufforderungen, die er auch
stilistisch mit fünf Imperativen (,,fac", ,,vindica", ,,collige", ,,serva", ,,persuade tibi")
verdeutlicht, mit Inhalt.
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Seneca: Epistulae Morales ad Lucilium, 1, 1, 1
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Seneca: Epistulae Morales ad Lucilium, 1, 1, 1
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Seneca: Epistulae Morales ad Lucilium, 1, 1, 2
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Seneca: Epistulae Morales ad Lucilium, 1, 1, 5
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