Inhaltsverzeichnis
1.
Konkretisierung
des
Arbeitsziels
S.
2
2.
,Lector in fabula' als Hintergrund für ,Sei passeggiate nei
boschi
narrativi'
S.
2
2.1.
Vergleich
der
Textgattungen
S.
2
2.1.1.
,Lector in fabula' als wissenschaftliche Abhandlung
S. 2
2.1.2.
,Sei passegiate nei boschi narrativi' als Vorlesung
in
schriftlicher
Form
S.
3
2.2.
Aus ,Lector in fabula' übernommene
Ideen
S.
4
2.2.1.
Textbeispiele
S. 4
2.2.2.
Begriffe der allgemeinen Erzähltheorie
S. 5
2.2.3.
Ecos
eigene
Konzepte
S.
6
2.3.
Weiterentwickelte Konzepte und neue Begriffe in ,Sei
passeggiate nei boschi narrativi'
S. 8
2.3.1. Die ,Wald' Metapher
S. 8
2.3.2.
Die Begriffe ,patto finzionale' und ,privilegio aletico'
S.9
2.3.3.
Die Weiterentwicklung des ,Modell-Lesers'
S.9
2.3.4.
Das ,Verweilen'
S.11
2.3.5.
Die Welt als unendlicher Roman
S.11
3. Konklusion S.12
4. Literaturverzeichnis S.13
2
1.
Konkretisierung des Arbeitsziels
1979 erschien Umberto Ecos ,Lector in fabula'
1
, eine theoretische Abhandlung über
Textsemiotik mit dem Schwerpunkt auf der Rolle des Lesers. 13 Jahre später hielt Eco die
sogenannten ,Norton Lectures' an der Harvard University, die sich in Hinblick auf
allgemeine Erzähltheorien ebenfalls mit der Rolle des Lesers beschäftigten. Diese sechs
Vorlesungen sind 1994 in schriftlicher Form mit dem Titel ,Sei passeggiate nei boschi
narrativi'
2
(im Folgendem abgekürzt mit ,Sei passeggiate', d. Verf.) erschienen. Eco
verweist in den Vorlesungen mehrere Male auf ,Lector in fabula' und greift darin
entwickelte Konzepte auf. Es stellt sich nun die Frage, inwiefern die Ideen Ecos aus ,Lector
in fabula' in die ,Sei passeggiate' Einzug gefunden haben und ob sich eine gewisse
Weiterentwicklung der früheren Konzepte feststellen läßt. Dieser Frage wird im Folgendem
nachgegangen. Es wird darauf hingewiesen, daß der Focus dieser Untersuchung von den
,Sei passeggiate' ausgeht und auf ihre Wurzeln in ,Lector in fabula' gerichtet ist. Das heißt,
daß die Ideen aus ,Lector in fabula', die nicht in die ,Sei passeggiate' eingegangen sind,
hier keine Erwähnung finden werden.
2.
,Lector in fabula' als Hintergrund für ,Sei passeggiate nei boschi
narrativi'
2.1. Vergleich der Textgattungen
Als Voraussetzung für den Vergleich der erzähltheoretischen Konzepte in ,Lector in
fabula' und ,Sei passeggiate' sollte auf die Unterschiede der beiden Werke hinsichtlich der
Gattung hingewiesen werden. Denn aus diesen ergibt sich auch eine unterschiedliche
Darstellung der Theorien, was den Umfang, die Genauigkeit und den Stil betrifft.
2.1.1.
,Lector in fabula' als wissenschaftliche Abhandlung
Schon auf den ersten Blick läßt der Umfang von ,Lector in fabula' erahnen, daß hier mit
größerer Genauigkeit ans Werk gegangen wird, als bei den ,Sei passeggiate'. Schlägt man
1
Umberto Eco: Lector in fabula. La cooperazione interpretativa nei testi narrativi, Mailand 1979.
2
Umberto Eco: Sei passeggiate nei boschi narrativi, Mailand 1994.
3
dann das Buch auf, verraten Tabellen, Formeln und Schaubilder, daß es sich um eine
wissenschaftliche Abhandlung handelt. Bei genauem Lesen zeigt sich, daß das Werk an ein
Zielpublikum mit Vorkenntnissen auf den Gebieten der Erzähltheorie und der Semiotik
gerichtet ist. Eco verwendet sehr viele Fachbegriffe, die teilweise als bekannt vorausgesetzt
werden. Er setzt auch allgemeine Kenntnisse anderer Erzähltheorien voraus, z.B. zieht er
Vladimir Propps Märchentheorie als Vergleich heran, ohne diese näher zu beschreiben
3
.
Die Rechtfertigung für die Verwendung mancher Begriffe und die Angabe von Quellen,
falls ein fremdes Konzept aufgegriffen wird, sprechen für eine solide wissenschaftliche
Arbeit (so gibt Eco hier Van Dijk als Begründer des Begriffspaars ,narrativa naturale e
narrativa artificiale' an
4
, was in ,Sei passeggiate' unerwähnt bleibt). Die Fülle von
Beispielen zeigt Ecos didaktische Bemühungen, die seltenen Abweichungen vom
wissenschaftlichen Stil wirken jedoch in diesem Werk unpassend .
2.1.2. ,Sei passegiate nei boschi narrativi' als Vorlesung in schriftlicher Form
Da einer Vorlesung normalerweise ein zeitlicher Rahmen gesetzt ist, ergibt sich die relative
Kürze der ,Sei passegiate' schon aus ihrer Gattung. Die ursprünglich mündliche Form hat
zur Folge, daß die Sprache einfacher gehalten ist und die Theorien nicht en detail
ausgeführt werden, sondern es gelegentlich auch nur bei Denkanstößen bleibt. Auch
inhaltlich verlagert sich der Schwerpunkt von der Textsemiotik zu allgemeinen
Erzähltheorien. Die angesprochene Zielgruppe besteht in erster Linie aus Studenten, was
einen eher lockeren Stil mit wenigeren Fachtermini zu Folge hat und auch etwas anstößige
Beispiele, wie die Untersuchung von Pornofilmen
5
, erlaubt. Die Vorlesungen sind
praxisorientiert, die Beispiele sind noch zahlreicher und ausführlicher als in ,Lector in
fabula' und Eco scheut sich auch nicht, sich selbst als Negativbeispiel darzustellen und in
die Rolle eines ,paranoiden Lesers' zu schlüpfen
6
. Die Anreicherung mit persönlichen
Informationen über Eco selbst trägt ebenfalls zur Auflockerung der Atmosphäre in den ,Sei
passeggiate' bei und macht dem Leser die Theorien schmackhaft.
Obwohl sich also die beiden Werke in einigen formalen Punkten nicht entsprechen,
gehören sie doch beide zur Klasse der nicht-fiktionalen, theoretischen Texten und
3
Eco: Lector in fabula, S.105.
4
Ebd., S.69.
5
Vgl.Eco: Sei passeggiate, S. 75-77.
6
Vgl.ebd., S.124-128.
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