Inhaltsverzeichnis
Einleitung 1
1 Der sächsische Bildungsplan 2
1.1 Das Bild vom Kind 2
1.2 Rolle der Erzieherin 3
1.3 Inhalte des Bildungsplanes 4
2 Grundgedanken der Montessoripädagogik 7
2.1 Das Bild vom Kind 7
2.2 Rolle der Erzieherin 8
2.3 Inhalte und methodische Umsetzung in der Praxis 9
3 Parallelen, Unterschiede, Konsequenzen 11
3.1 Welche Ideen Maria Montessoris sind noch zeitgemäß? 11
3.2 Wo divergieren Bildungsplan und Montessoripädagogik 12
3.3 Konsequenzen für die Praxis 14
Einleitung
„Im Laufe der Geschichte hat sich das Verhältnis des Erwachsenen zum Kind immer wieder gewandelt. Dies führte und führt noch immer zu einem sich ständig veränderten Verständnis von Bildung und damit auch zu neuen Anforderungen für das Bildungswesen.“ (Laner, 2007, 11) Diesen neuen Anforderungen, im Hinblick auf die frühkindliche Bildung, ist das Sächsische Staatsministerium für Soziales 2007 mit dem Sächsischen Bildungsplan nachgekommen. Er soll ein Leitfaden, eine Orientierungshilfe für pädagogische Fachkräfte in Kinderkrippen, Kindergärten und Horten sein. Gleichzeitig definiert er den Bildungsauftrag, wie er im Sächsischen Kitagesetz §2 Absatz 2 festgeschrieben ist. (vgl. SMS, 2007, 9) Die Ausrichtung auf einen speziellen pädagogischen Ansatz bleibt dabei völlig offen. „Der pädagogischen Vielfalt, die sich in Sachsen nach der politischen Wende 1989 entwickelt hat, soll Rechnung getragen werden.“ (SMS, 2007, 15) Zahlreiche Ansätze haben sich seit 1989 in Sachsens Kindereinrichtungen etabliert. Nach meiner Fachschulausbildung 1992 war auch ich auf der Suche nach einem pädagogischen Ansatz, mit dem ich mich identifizieren konnte. 2001 erwarb ich das Montessori-Diplom und war begeistert von den Ansichten Maria Montessoris, von ihrem Bild vom Kind. Die Beobachtungen in der alltäglichen Praxis allerdings und die theoretischen Kenntnisse, die ich im Laufe der Jahre bei Fort- und Weiterbildungen gewann, ließen mich teilweise meine pädagogische Arbeit und die Prinzipien der Montessori-Pädagogik in Frage stellen. Sind die, vor über 100 Jahren entwickelten Ideen Maria Montessoris überhaupt noch zeitgemäß? Sind sie geeignet, um den gesetzlich vorgeschriebenen Bildungsauftrag zu erfüllen? Werden sie dem Bildungsplan und dem darin enthaltenen Verständnis vom kindlichen Lernen gerecht? Welche Konsequenzen ergeben sich für die Praxis? Diese, für mich aktuelle und brisante Thematik, wurde zum Anlass, sich intensiver mit dieser Fragestellung auseinanderzusetzen. Inhaltlich gliedert sich die Hausarbeit in drei Teile. Der erste Teil beschäftigt sich mit dem Sächsischen Bildungsplan, im Speziellen mit dem „Bild vom Kind“, der Rolle der Erzieherin und den inhaltlichen Schwerpunkten. Teil zwei beschreibt diese Aspekte für die Montessoripädagogik. In Teil drei werden Bildungsplan und die Prinzipien Maria Montessoris gegenübergestellt und verglichen. Welche Parallelen, welche Unterschiede und welche Konse- quenzen für die Gestaltung der pädagogischen Arbeit ergeben sich daraus?
In den Ausführungen werden der Einfachheit halber die männliche und weibliche Form zwanglos gemischt. Jede Aussage gilt für beide Geschlechter. 1. Der Sächsische Bildungsplan
1.1 Das Bild vom Kind
Dem Sächsischen Bildungsplan liegt ein Verständnis zugrunde, welches jedes Kind im „Hier und Jetzt“ mit seinen aktuellen Bedürfnissen und Entwicklungserfordernissen betrachtet. (vgl. Honig/Leu/Nissen 1996, zitiert nach SMS, 2007, 16) Des Weiteren wird das Kind „als Akteur seiner eigenen Entwicklung im sozialen Miteinander“ verstanden. (vgl. SMS, 2007, 12) Das bedeutet, Kinder sind aktive Gestalter ihrer Bildungsprozesse. Sie machen sich über ihre Sinneserfahrungen und ihr Handeln ein „Bild von der Welt“, entwickeln so innere Strukturen, auf denen alles spätere Denken und Fühlen aufbaut. Die „Aneignung von Welt“ ist eine Aktivität der Kinder, die nie-mand für sie übernehmen kann, welche aber in Auseinandersetzung mit anderen und mit Anregung von außen geschieht. (vgl. Laewen, 2002, 40) Der dem Bildungsplan zugrunde liegende Bildungsbegriff orientiert sich damit am Gedanken der Selbstbildung. (vgl. SMS, 2007, 23) Um die Motivation für Bildungsaktivitäten und Selbstbildungsprozesse herzustellen und aufrecht erhalten zu können, benötigt das Kind „Selbstbewusstsein, Selbstwert und Vertrauen in die Wirksamkeit der eigenen Bemühungen“. (SMS, 2007, 21) Dazu müssen Erfolge und Leistungen der Kinder durch gezielte Beobachtung wahrgenommen und Kompetenzen und Ressourcen zum Ansatzpunkt der Bildungsarbeit werden. (vgl. ebd.)
Eine wichtige Funktion bei der Aneignung von Welt haben entwicklungsgleiche Partner. Die Kinder können miteinander auf gleicher Ebene und auf einem ungefähr gleichen Kompetenzniveau interagieren und haben die Möglichkeit, „gleichberechtigte Beziehungen kennen zu lernen und sich in der Kooperation mit einem anderen zu üben.“ (Laewen, 2002, 63) Dafür ist es wichtig, durch offene Arbeit oder altersgemischte Gruppen diese Ko-Konstruktion unter Entwicklungsgleichen zu ermöglichen. Das Spiel gilt als Hauptaneignungstätigkeit der Kinder im frühkindlichen Bereich. Es kann als „wichtiger und eigenständiger Lernprozess gesehen werden.“ (SMS, 2007, 26) „Im Spiel erschließen sich Kinder die sie umgebende Welt und lernen dabei.“ (ebd.)
Der Sächsische Bildungsplan weist auf die Verschiedenheit der Kinder in Bezug auf Geschlecht, Alter, soziale, religiöse, ethnische und kulturelle Herkunft, physische und psychische Besonderheiten, Sozialisations- und biographische Erfahrungen hin und sieht Heterogenität als Chance.
Jedes Kind soll in seiner Einzigartigkeit wahrgenommen, akzeptiert und entsprechend seiner individuellen Bedürfnisse unterstützt werden. „Verschiedenheit verweist auf Vielfalt und ist ein Bildungspotential für alle Kinder.“ (SMS, 2007, 19)
1.2 Rolle der Erzieherin
Die Rolle der Erzieherin wird im Sächsischen Bildungsplan als partnerschaftlich, fördernd und begleitend beschrieben. (vgl. SMS, 2007, 31) Bildung als Selbstbildung verstanden „braucht begünstigende Bedingungen und muss vielfältige Unterstützung erfahren.“ (SMS, 2007, 23) Dies für jedes Kind zu gewährleisten, ist die Aufgabe der pädagogischen Fachkräfte. Sie müssen die Bildungsprozesse der Kinder ermöglichen, unterstützen, erweitern und herausfordern. Dies geschieht durch die Gestaltung der Umwelt und der Interaktion zwischen Erwachsenen und Kind, durch das Beantworten und Zumuten von Themen. Damit hat die Erzieherin „durchaus Einflussmöglichkeiten auf Bildungsprozesse der Kinder. Sie kann sie nur nicht direkt steuern, sondern auf der einen Seite nur anregen oder herausfordern, auf der anderen Seite aber auch behindern oder auf einem niedrigen Niveau festhalten.“ (Laewen, 2002, 44) Eine zentrale Rolle spielt dabei die Beobachtung, die Analyse der Bildungsprozesse und deren Dokumentation. Eine Erzieherin muss genau beobachten, um die Themen jedes einzelnen Kindes wahrzunehmen und die Einmaligkeit und Potenziale eines jeden Kindes zu erkennen, wertzuschätzen und nutzbar für Bildungsprozesse zu machen. (vgl. SMS, 2007, 17) Sie hat die Aufgabe „Kindern zu helfen, ihre Wege der Bedeutungskonstruktionen zu erkennen - also das Lernen zu lernen, Probleme zu lösen und miteinander zu kommunizieren.“ (SMS, 2007, 89) Einen unmittelbaren Einfluss auf die Bildungsmöglichkeiten der Kinder hat die Gestaltung der pädagogischen Umwelt. Dazu zählt ein vielfältiges und qualitativ hochwertiges Angebot an Spielmaterial, welches übersichtlich geordnet dem Kind eine freie Auswahl ermöglicht und das Angebot an Kulturgütern, wie zum Beispiel klassische Musik, moderne Kunst, Konstruktionszeichnungen und Computer. (vgl. Andres, 2002, 115)
Zum professionellen Handeln im pädagogischen Alltag gehören weiterhin der fachliche Dialog, die Entwicklung demokratischer Strukturen, ein geschlechtsbewusster Umgang mit Kindern, das Sichern des Wohlbefindens jedes einzelnen Kindes, das Wahrnehmen individueller Fähigkeiten und die Reflexion der eigenen pädagogischen Arbeit. (vgl. SMS, 2007, 29)
Die Neugier der Erzieherin, ihre Lust am Entdecken, das Aufwerfen von Fragen, das Suchen von Antworten und eine Offenheit für die Fragen und Theorien der Kinder, sowie die Dokumentation der Entwicklungsprozesse sind wichtige Voraussetzungen, um die Bildungsprozesse von Kindern zu begleiten. (vgl. SMS, 2007, 87)
1.3 Inhalte des Bildungsplanes
Der Bildungsplan gliedert sich in drei Kapitel: Grundlagen, Bildungsbereiche und Kontexte. Der erste Abschnitt Grundlagen beinhaltet grundsätzliche Aussagen zum neuen Bildungsverständnis, dem neuen Bild vom Kind und dem Verständnis frühkindlicher Bildungsprozesse. (vgl. SMS, 2007, 10)
Der zweite Abschnitt strukturiert sich in sechs Bildungsbereiche: Somatische, Soziale, Kommunikative, Ästhetische, Naturwissenschaftliche und Mathematische Bildung. Jeder einzelne Bereich gliedert sich in eine fachliche Einführung zur Thematik, Ausführungen zum Leitbegriff, Beschreibung von Inhalten und Anregungen zum Weiterdenken. (vgl. SMS, 2007, 32) Die sechs Bildungsbereiche stellen einerseits jeder für sich eine abgeschlossene Einheit dar, gleichzeitig sind sie miteinander verbunden und nicht losgelöst voneinander zu betrachten. (vgl. SMS, 2007, 10) Im Folgenden wird kurz auf die Inhalte der einzelnen Bildungsbereiche eingegangen. Die „Somatische Bildung“ „umfasst Bildungsaspekte, die den Körper, die Bewegung und die Gesundheit betreffen.“ (SMS, 2007, 33) „Körperpflege, Hygiene, Körperhaltung, Bewegung, Kleidung, Ernährung, Sexualität und Gesundheit“ sind Bestandteile der körperbezogenen Gestaltung des Alltagslebens. (ebd.) Im Bereich „Soziale Bildung“ geht es um die Ausbildung sozialer Kompetenzen, wie zum Beispiel Kooperationsfähigkeit, Perspektivenübernahme, Konfliktfähigkeit, Toleranz und Übernahme von Verantwortung.“ (SMS, 2007, 43) Die Inhalte gliedern sich in soziales Lernen, Differenzerfahrungen, Werte, Weltanschauungen und Demokra- tie. (vgl. ebd.)
Arbeit zitieren:
Kathleen Siebert, 2010, Montessori noch zeitgemäß?, München, GRIN Verlag GmbH
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