Gliederung
1. Einleitung 2. Ausgangslage für die Verlage der sowjetischen Besatzungszone 2.1 Wirtschaftliche Lage 2.2 Politische Lage 2.3 Produktionstechnische Lage 3. Typische Verlage 1945 – 1949 3.1 Neuer Weg 3.2 Volk und Wissen 3.3 Private Verlage 4. Aufbau Verlag 4.1 Verlagsgründung 4.2 Gründungsmitglieder 4.4 Wirtschaftliche Situation 4.5 Programmkatalog 5. Zusammenfassung
Einleitung
Die Nachkriegsjahre von 1945 bis 1949 waren nicht nur für die deutsche Bevölkerung von einschneidender Bedeutung, auch das Verlagswesen hat in diesen Jahren prägende Umstrukturierungen erfahren. Zwar sollen die Faktoren die diese Änderungen herbeiführten nicht Thema dieser Hausarbeit sein, doch sehr wohl deren Auswirkungen auf das sich neu entwickelnde Verlagswesen.
Was sind das für Auswirkungen? Wieso prägten sie die Verlage auch über die Besatzungszeit hinaus? Warum wurde der Aufbau Verlag als Beispiel für das Verlagswesen in der SBZ gewählt? Diese drei Fragen sollen im weiteren Verlauf dieser Arbeit erläutert und beantwortet werden.
Bevor näher auf das Musterbeispiel Aufbau Verlag eingegangen werden kann, ist es nötig, die Ausgangslage der bestehenden Verlage, beziehungsweise der neu zu gründenden Häuser näher zu beschreiben. Nachdem die wirtschaftliche und politische Lage geklärt wurde, können einzelne typische Verlage kurz erwähnt werden, die neben dem Aufbau exemplarisch für die Verlagsjahre 1945 bis 1949 stehen.
Mit diesem politischen und wirtschaftlichen Vorwissen über den Zustand des Buchwesens in der sowjetischen Besatzungszone kann dann anschließend das Beispiel des Aufbau Verlages heran gezogen werden. Die Verlagsgründung mit ihren Gründungsmitgliedern ist dabei ebenso Thema wie die wirtschaftliche Situation des Verlagshauses und des eng damit verwobenen Programmkataloges.
Die Zusammenfassung am Ende dieser Hausarbeit wird sich vorrangig damit beschäftigen, in wie weit der Aufbau Verlag tatsächlich als Musterbeispiel für das Verlagswesen in der sowjetischen Besatzungszone einstehen kann und beinhaltet einen kurzen Überblick über die im Hauptteil behandelten Schwerpunkte.
Ausgangslage für die Verlage der sowjetischen Besatzungszone
Ebenso wie in den westlichen Besatzungszonen kam es auch in der Sowjetischen Besatzungszone zu umfassenden Säuberungen, deren Folgen für das Buchwesen der besetzten Zone gleichsam zahlreich wie auch schwerwiegend gewesen sind. 1
Vgl. Lokatis, Siegfried (1997), S.112
So wurden bereits kurz nach Kriegsende im Sommer 1945 allein in Leipzig etwa 2 Millionen Bücher konfisziert. Durch diese umfassende Säuberungsaktion seitens der sowjetischen Militäradministration in Deutschland sollten die Bücherbestände der Zeit von 1933–1945, die von militaristischer und faschistischer Literatur geprägt waren, nun ausfindig gemacht und sichergestellt werden. Die Gründlichkeit der SMAD bei der Sicherstellung der Bände zeigt sich in den erstellten Aussonderungs-Listen der Deutschen Bücherei die bis 1953 ganze 50.000 Titel umfassten 2 , die für die SMAD als Grundlage für deren Säuberung des
Büchermarktes diente.
Durch derartige Aktionen kam es zu einem erheblichen Bücherschwund in der Sowjetischen Besatzungszone, der nur schwer behoben werden konnte. Einerseits sorgten die Reparationszahlungen, durch beispielsweise Beschlagnahmung von Devisenbeständen oder die Demontage einzelner Fabriken, darunter auch Druckereien in der besetzten Zone, für die schwierige Ausgangslage der deutschen Verlage. Andererseits ist der generelle Zustand des Druckereiwesens und der Rohstoffmangel nach dem 2. Weltkrieg in Deutschland alles andere als zweckdienlich für einen raschen Aufbau einer neuen Verlagslandschaft nach dem Krieg gewesen. So sind in Leipzig rund drei Viertel der branchentypischen Fabriken samt der benötigten Produktionsmittel durch Kriegshandlungen zerstört worden. Zwar war in Berlin die Lage durch brach liegende Druckereikapazitäten etwas glücklicher, doch um den Schwund an Büchern auszugleichen, reichten früher oder später auch diese Kapazitäten nicht mehr aus 3 . Unter diesen Bedingungen war es teilweise nicht möglich bereits fertige Manuskripte zu drucken: „Das Fortwursteln mit Versprechungen, die nicht eingehalten werden, mit Zusagen, die verspätet und nur zum Teil erfüllt werden, mit Hoffnungen, die nicht verwirklicht werden, führen zu einem Ersticken der Arbeit [...]. Für die Buchproduktion wurde dem Verlag im zweiten Vierteljahr 1947 kein Kontingent erteilt. Die Verlagsproduktion ist dadurch zum Stillstand gekommen. Zuweisungen von Einbandmaterial erfolgen nur tropfenweise. Das Buch Wie der Stahl gehärtet wurde von Nikolaus Ostrowski kann nicht fertiggestellt werden, da das Einbandmaterial fehlt. Das gleiche gilt für andere Schriften [...]. Die Briefe, in denen die Organisationen der FDJ und die Jugendfreunde aus allen Zonen nach unseren Zeitungen und nach unserer Literatur schreien, überfluten uns“ 4 , so ein Sprecher des FDJ Verlags Neues Leben.
Verlag Neues Leben an Paul Verner (11.6.1947). BA DY 30 IV 2/16/106
2
Neben den wirtschaftlichen und strukturellen Bedingungen im Nachkriegsjahr 1945 sorgten auch die politischen Einschränkungen durch die SMAD für komplizierte Rahmenbedingungen, um die deutsche Bevölkerung mit neuen Büchern zu versorgen. So verordnete die sowjetische Militäradministration mit dem Befehl Nr.19, dass sich ab dem 02. August 1945 neben den Druckereien auch die Verlage registrieren lassen mussten. Dieser Schritt der SMAD ist das erste Anzeichen darauf, dass zukünftig vor allem durch das Verlagswesen, nicht aber durch den Buchhandel die Umerziehung, also Demokratisierung, Entnazifierung und Demilitarisierung der deutschen Bevölkerung, erfolgen sollte. Neben der Lizensierungspolitik übte die SMAD mithilfe der Deutschen Verwaltung für Volksbildung durch Zensur der Druckerzeugnisse eine weitere Form der Kontrolle aus, die später prägend für die Verlagslandschaft in der SBZ und späteren DDR werden sollte. Prägend vor allem deshalb, weil der später führende Verlagsleiter Fritz Schälike des Dietz Verlags und der 1946 ins Amt kommende Leiter des Aufbau Verlags Erich Wendt beim russischen Emigranten Verlag VEGAAR ihre verlegerischen Spuren verdienten. Dieser Verlag brachte viele
Exilautoren durch seine „stalinistischen Begutachtungsritualien“
5
in der Sowjetunion an den Rand der Verzweiflung. So schrieb Willi Bredel in den Exiljahren seinem Schriftstellerkollegen Wieland Herzfelde er könne „heulen vor Wut“, wenn er sehe wie seine Manuskripte beim VEGAAR Verlag „durchgehechelt“ würden
6
.
Typische Verlage 1945–1949
Doch die sowjetischen Besatzer hatten nicht erst mit dem Eintreffen in Deutschland 1945 damit begonnen, Überlegungen über die zukünftige Verlagswelt in der besetzten Zone anzustellen. Mithilfe von deutschen Emigranten in der Sowjetunion, darunter Schriftsteller und Politiker mit kommunistischer Gesinnung, begann die Rote Armee bereits in den Kriegsjahren des 2. Weltkrieges mit einem verlagspolitischen Konzept 7 . So erstellte Walter Ulbricht im Jahr 1944 einen Katalog von 75 Titeln, die nach Kriegsende in Deutschland gedruckt und veröffentlicht werden sollten 8 . Auch Johannes R. Becher, der spätere spiritus rector des Aufbau Verlages, nutzte die Zeit in der Emigration für ein
Lokatis, Siegfried (1997), S.113
3
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Christian Wetzel, 2009, Verlage in der SBZ am Beispiel des Aufbau Verlages 1945-1949, Munich, GRIN Publishing GmbH
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