Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Historischer Kontext 1
2.1 Antisemitismus 2
2.2 Sexualmoral 3
2.3 Bedeutung der Psychoanalyse 3
3. Literatur der Wiener Moderne 4
4. Arthur Schnitzler 5
5. „Reigen“ - Entstehungs- und Publikationsgeschichte 6
6. Aufbau, Inhalt und Interpretation des „Reigen“ 6
6.1 skandalöse Elemente in Schnitzlers „Reigen“ 8
7. Rezeptions- und Aufführungsgeschichte 9
8. Der Umgang mit Schnitzlers Werken in der NS-Zeit 11
9. Fazit 12
10. Literaturverzeichnis 13
1. Einleitung
Ich werde mich in der vorliegenden Hausarbeit der Rezeptionsgeschichte und dem Skandal um Arthur Schnitzlers Drama Reigen widmen. Das 1896/97 entstandene Werk löste besonders in den Kultur- und Literaturzentren der Jahrhundertwende - Wien und Berlin - heftige politisch und religiös motivierte Debatten aus, welche teilweise in handgreiflichen Aus-einandersetzungen gipfelten.
Um die Brisanz des Reigens darlegen zu können, ist es unabdingbar, die politischen, gesellschaftlichen und moralischen Hintergründe zur Zeit des Erscheinens zu analysieren, da ein Skandal wie jener um den Reigen monokausal nicht zu erklären ist. Ich beginne meine Arbeit daher mit der Betrachtung der Situation im Wien des ausgehenden 19. Jahrhunderts und werde hierbei insbesondere auf den aufkeimenden politischen Antisemitismus, der den bis dato vorhandenen religiösen Antijudaismus ablöste, eingehen. Weiterhin werde ich den Umgang mit der Sexualität im zeitgenössischen Kontext betrachten und die Bedeutung der Psychoanalyseeine grundlegende Errungenschaft für den Weg in die Moderne - darlegen. Daran anschließend möchte ich für den Gesamtüberblick die unterschiedlichen Strömungen der Literatur in der Wiener Moderne wie Décadence, Fin de Siècle und Ästhetizismus kurz erläutern. Nachfolgend werde ich mich dem Autor selbst widmen, eine ausführliche Biographie jedoch aussparen. Hernach soll die Entstehungs- und Publikationsgeschichte des Reigens kurz skizziert, sowie Aufbau und Inhalt - mit besonderem Augenmerk auf die skandalösen Elemente Stückes - dargelegt werden. Vor meiner Abschlussbetrachtung werde ich noch genauer auf die schwierige Rezeptions- und Aufführungsgeschichte des Reigens eingehen, die von verbalen und handgreiflichen Ausschreitungen und Ge-richtsverhandlungen geprägt war und einen knappen Ausblick auf den Umgang mit Schnitzlers Werken im Nationalsozialismus geben.
2. Historischer Kontext
Schnitzlers Reigen entstand in der Zeit des großen Umbruchs. Die österreichisch-ungarische Doppelmonarchie befand sich Mitte des 19. Jahr- hunderts in einem großen politischen und gesellschaftlichen Wandel. Die
Zeit war geprägt von Industrialisierung und Technisierung, die in einem nie zuvor für möglich gehaltenen Tempo voranschritten. Als eine der Folgen dieser Umbruchszeit, der modernen Intensivierung, Beschleunigung und Verunsicherung des Lebens reagierten die Intellektuellen kollektiv mit den (Mode-)Krankheiten Neurasthenie (Nervenschwäche) oder Hysterie, zu denen u. a. Sigmund Freud umfassende Studien anstellte.
Durch den raschen industriellen Fortschritt kam es - besonders in Wienin den 1860er Jahren zu einer Zunahme der Bedeutung des liberalen Bürgertums. Dieses erlangte in der Krisenzeit mehr Mitbestimmungsrechte und aktive wie passive politische Teilhabe, zur Beschneidung des monarchischen Einflusses. Viele Juden gliederten sich wiederum in jenes an Einfluss gewinnende Bürgertum ein, da ihnen nunmehr der Zugang zu vielen freien Berufen möglich war.
Der Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn war außen- wie innenpolitisch stark geschwächt. Zur Jahrhundertwende befand das Reich sich in der Position, die unterschiedlichsten Absichten der einzelnen Nationen des multinationalen Staats nicht mehr in Einklang bringen zu können. Die Bevölkerungsgruppen organisierten sich in Parteien, derer die Liberalen nicht standhalten konnten und sie bereits in den 1890er Jahren wieder an Einfluss verloren. Bezwungen wurde die liberale Führung letztlich durch Vereinigungen wie die antisemitische Christlich-Soziale Partei und die antisemitische Deutschnationale. 1
2.1 Antisemitismus
Mit dem Niedergang des Liberalismus, erstarkte der rassistisch motivierte Antisemitismus, welcher zur Jahrhundertmitte an die Stelle des religiösen Antijudaismus trat. Das Judentum wurde nun nicht mehr als Religionsgemeinschaft, sondern als eigenständiges Volk mit eigener Abstammung aufgefasst. Es wurde als fremdes, zersetzendes Element unter angeblich ethnisch einheitlichen Völkern öffentlich denunziert. 2
1 Vgl. Lehnert: 1996, S. 292/293
2 Vgl. Beier: 2008, S.23.
Das propagierte Problem mit ‚den Juden’ erfüllte wie auch später in der NS-Zeit zwei grundlegend wichtige Funktionen. Man konnte erstens von den wirklichen Problemen der Monarchie ablenken und zweitens ein gemeinsames Feindbild schaffen. Dieses kollektive Feindbild wiederum stärkt die eigene Identität, welche im Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn dringend notwendig war, um ein Auseinanderdriften der unterschiedlichen Interessen zu unterbinden.
2.2. Sexualmoral
In vielen Bereichen des Lebens herrschte am Übergang zur Moderne starke Unsicherheit und schneller Wandel. Es gab nur wenige Dinge, auf die sich die Menschen verlassen konnten. Darum hielt die Gesellschaft umso mehr am alten Moralkodex fest. Demzufolge gab es Geschlechtsverkehr nur in der Ehe und auch dann nur sehr dosiert und kontrolliertdie Realität sah jedoch anders aus. Nach außen hin wahrte man den Schein des moralischen Bürgers, heimlich gab man sich jedoch oft sexuelle Eskapaden und Liebschaften hin, die gemeinhin auch akzeptiert wurden, solange nicht öffentlich darüber gesprochen wurde. Die sexuellen Freiheiten der Männer und Frauen wurden dennoch mit zweierlei Maß gemessen. Von Frauen wurde weiterhin erwartet, bis zur Eheschließung „unberührt“ zu bleiben, Männern hingegen wurden amouröse Abenteuer mitunter zugestanden.
2.3. Bedeutung der Psychoanalyse
Maßgeblich prägend für die Epoche der Moderne und der darin entstandene Literatur waren Sigmund Freunds umstrittene Publikationen zur Psychoanalyse und der damit verbundenen Entdeckung des Unterbewussten, der Traumdeutung und der Triebe. Es gab kaum ein Autor der Moderne, der sich nicht spätestens nach der Erscheinung von Freuds Die Traumdeutung mit dessen Theorien zur Tiefenpsychologie beschäftigte. Freud vertrat in seiner Triebtheorie die Auffassung, derzufolge das menschliche Verhalten und Handeln wesentlich durch angeborene Triebe gesteuert sei. Der Trieb, der einem körperlichen Bedürfnis entspricht, ent- stamme einem physischen Spannungszustand. Triebe lösen jedoch nicht
Arbeit zitieren:
Sarah Böhme, 2009, Die Literatur der Wiener Moderne am Bespiel von Arthur Schnitzlers „Reigen“, München, GRIN Verlag GmbH
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Daily Life in Victorian England: The Middle Class and its Values
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