sinnstiftend die Grundlage für das Leben des Protagonisten, der zugleich auch Bechdels größter Widersacher ist. Während Roland Barthes bestimmt
„Lingustisch gesehen, ist der Autor immer nur derjenige, der schreibt […]. Es gibt nur dir Zeit der Äußerung und jeder Text ist immer hier und jetzt geschrieben.“ 4 ,
schafft Bechdel in ihrer Graphic Novel eine Art Überbau, der Barthes Model parodiert, überdenkt und ihm zugleich Recht gibt.
In Fun Home kann nicht die Rede davon sein der Autor sei tod. Der Text lebt von Intertextualitätsverhältnissen bis hin zu Übernahmen biographischer Muster, die weder zu Lasten Bechdels innovativem Charakters fallen, noch ein Eigenleben entwickeln. Außergewöhnlich ist in dem Comic Strip, dass sich die intertextuellen Bezüge oftmals auf zwei unterschiedlichen Ebenen abspielen. Im ersten Kapitel mit der Überschrift Old Father, Old Artificer wird explizit auf James Joyce Portrait of the Artist as a Young Man verwiesen, denn Joyce` Alter Ego, das größtenteils das Leben des Autors wiederspiegelt, nennt sich Stephen Dedalus - in Anlehnung an den griechischen Mythos. Daedalus, der Architekt, der das Labyrinth baute, in dem König Minos den Sohn seiner Frau einsperrte.
„Indeed, the result of that sheme […] He hid the Minotaur in the labyrinth - a maze of passages and rooms opening endlessly into one another and from which, as stray youths and maidens discovered to their peril. Escape was imspossible.“ 5
Bruce, Alisons Vater, wird dargestellt als unermüdlicher Schöpfer und zugleich Wärter des seelischen Gefängnisses Alisons.
Bechdel arbeitet quasi mit Interexten aus Intertexten, es scheint nicht als bediene sie sich der Elemente aus anderen Texten, sondern als gäben diese Texte die exakte Vorlage in bestimmten Lebensabschnitten ihrer Familie als eine Art Bedienungs- oder Dechiffrierungsanleitung. Die Graphic Novel Fun Home lebt und konstituiert sich aus ihrer Liebe zur Literatur, ebenso wie das Familienleben Bechdels.
Ähnlich verhält es sich im zweiten Kapitel A Happy Death. A Happy Death von Albert Camus handelt von dem menschlichen Streben nach Glück, Geld und die dafür aufgewendete Zeit. Camus hat bei der Niederschrift von „Der Glückliche Tod“ viele eigene Lebenserfahrungen aufgearbeitetdie finanzielle Misere nach dem Studium, der Bruch mit der Geliebten, Europareisen, u. a. nach Prag, Breslau und Wien. Eine Zeile in Fun Home ist bereits markiert, die explizit Paralellen zu Bruce` Leben eröffnet
„He discovered the cruel paradox by which we always deceive ourselves twice about the people we love - first to their advantage, then to their disadvantage.“ 6 .
4 http://teaching.eduhi.at/kulturpaedagogik/Downloads/laengsschnitte_09/Barthes_Tod_Autors.PDF
5 Bechdel, A.: Fun Home (Seminarausgabe online), S. 12
6 Bechdel, A.: Fun Home (Seminarausgabe online), S. 28
Arbeit zitieren:
Lena Kleinschmidt, 2010, Intertextuelle Verfahren der Literatur in Alison Bechdel´s Fun Home (Kapitel 1-2) in Bezug auf Roland Barthes´ Der Tod des Autors, München, GRIN Verlag GmbH
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