Inhaltsverzeichnis
Einleitung 1
Was ist Berlinisch’? 1
Sprachliche Einflüsse auf das Berlinische 2
Berlinisch in Ost und West 2
Bewertung und Gebrauch des Berlinischen in Ost und West 3
Was ist die Berliner Schnauze ? 3
Die Berliner Schnauze und die Theorie des Witzes 3
Die Berliner Schnauze als sprachschöpferisches Instrument 4
Analyse 5
Vorgehensweise....................................................................................................................................... 5
„Icke, dette, kieke mal, Oogen, Fleesch und Beene. Die Berliner allzumal sprechen jar zu scheene“ -
Die Lautung des Berlinischen 6
„Ick liebe dir, ick liebe dich, wie’t richtig heißt, dit weeß ick nich“ 7
- Die Grammatik des Berlinischen. 7
Die Lexik des Berlinischen und die Berliner Schnauze 7
Bewertung 9
Literatur - und Quellenverzeichnis 10
Anhang 11
Einleitung
Dem Berliner wird seit Jahrzehnten ein ganz spezieller, derber Humor zugesprochen, der nicht erst seit Zille und Tucholsky bekannt ist, durch sie aber seine Verbreitung in weiten Teilen Deutschlands fand. Auch heute noch ist die berühmt-berüchtigte ‚Berliner Schnauze‘ anzutreffen und - nicht nur in der Hauptstadt - beliebt, was die derzeit sehr erfolgreichen Komiker Mario Barth, Kurt Krömer oder Cindy aus Marzahn, die sich der „schnoddrigen Lustigkeit“ 1 bedienen, belegen.
Im Rahmen dieser Hausarbeit möchte ich die so genannte ‚Berliner Schnauze‘ sowie den ihr anhaftenden Humor eingehender untersuchen. Hierzu werde ich im ersten Teil der Arbeit eine knappe Einführung in das Berlinische geben und dabei auch kurz auf die Zeit der Teilung Berlins zurückblicken und deren Auswirkung auf die Sprache knapp erläutern. Im Anschluss soll die ‚Berliner Schnauze‘ genauer betrachtet und dargelegt werden, was sie im Einzelnen ausmacht. Hieran anschließend folgt der Analyse-Teil der Arbeit, in dem ich anhand von transkribierten Videosequenzen von Liveauftritten der verstorbenen DDR-Komikerin Helga Hahnemann und des derzeit erfolgreichen Neuköllner Komikers Kurt Krömer die Besonderheiten des Berlinischen aufzeigen und feststellen möchte, ob in deren Sprechweise die ‚Berliner Schnauze‘ nachzuweisen ist und ob eventuell Unterschiede bzgl. Ihrer Herkunft herauszufiltern sind.
Für die Erstellung dieser Hausarbeit habe ich mich hauptsächlich auf SCHLOBINSKI, DITTMAR und SCHÖNFELD gestützt, deren Studien aus den 80er und 90er Jahren die Basis des Forschungsgebietes ‚Berlinisch‘ waren und sind.
Was ist ‘Berlinisch’?
Nach SCHÖNFELD ist Berlinisch „die berlinische Umgangssprache, die von den in Berlin Aufgewachsenen vor allem im zwanglosen Gespräch verwendete Sprache“, 2 die auf allen sprachlichen Ebenen regelmäßig vom Standarddeutschen abweicht. Es handelt sich bei dieser Mundart um eine heterogene Sprachform, die sich aus einer Vielzahl von koexistierenden Varietäten zusammensetzt und die je nach Alter, Geschlecht, Wohnbezirk und Bildungshin-tergrund der Sprecher/innen verschieden sprachlich ausgeprägt ist. Darüber hinaus ist das Berlinische eine Stadtsprache bzw. ein Urbanolekt, die sich gemeinhin dadurch auszeichnet, dass sie in einer Austauschbeziehung zum städtischen Umland steht, dass sie regional d. h.
1 P. Schlobinski: Berlinisch für Berliner und alle, die es werden wollen, Berlin: 1984, S. 29.
2 H. Schönfeld: Die berlinische Umgangssprache im 19. und 20. Jahrhundert, Berlin: 1986, S. 219.
1
stadtteilspezifisch unterschiedlich ausfällt und durch ethnische Differenzierung der Einwohner geprägt ist. 3
Sprachliche Einflüsse auf das Berlinische
Der Einfluss verschiedener Sprachen und Dialekte - bedingt durch den Zuzug vieler Bevölkerungsgruppen und der damit einhergehenden starken Heterogenität der Stadtbevölkerung - ist eine der wichtigsten Ursachen für die Variationsbreite des Berliner Lexikons. In ihm finden sich u. a. Wörter aus dem Niederdeutschen, dem Französischen, dem Jiddischen, dem Slawischen und auch aus der Gaunersprache, dem sog. Rotwelsch, wieder. Da in der Forschungsliteratur genügend Beispiele für solche entlehnten Wörter existieren, wird an dieser Stelle darauf verzichtet, diese aufzulisten.
Berlinisch in Ost und West
Die Heterogenität innerhalb des Berlinischen liegt aber nicht nur in dem Fakt begründet, dass Berlin ein Schmelztiegel unterschiedlichster Nationen ist, sondern vor allem auch darin, dass in den Jahren der deutsch-deutschen Teilung eine Kommunikation der Berliner aus Ost und West kaum möglich war. Das geteilte Berlin gilt in der Linguistik daher als ein Paradebeispiel für den Fall einer Sprachgemeinschaft, die in zwei Kommunikationsgemeinschaften - auf der Basis zweier Gesellschaftssysteme - zerfällt. Dass die Berliner/innen 40 Jahre lang in zwei getrennten Kommunikationsgemeinschaften gelebt haben, musste sich zwangsläufig - auf-grund der Distanz und der Kontaktbarrieren - auf die Sprachnormen und das Sprachsystem auswirken. 4
Das kommunikative Netz der Menschen in Berlin-Ost und Berlin-West war zwar zerrissen, jedoch gab es immer eine Sprachgemeinschaft, die das Berlinische als eine historische gewachsene Varietät teilte. Der Kernwortschatz des Deutschen blieb in beiden deutschen Staaten, bzw. in Ost- und Westberlin immer erhalten, selbst als es zu divergierenden Entwicklungen auf allen sprachlichen Ebenen kam. 5 Diese Unterschiede sind besonders im lexikalischsemantischen Bereich angesiedelt.
Die Wortschatzdifferenzen entwickelten sich zwar in allen gesellschaftlichen Bereichen, insbesondere aber in denjenigen, die von den unterschiedlichen politischen und ideologischen Systemen am massivsten berührt waren. Die Schwerpunkte der Differenzierung lagen folglich in den Bereichen Politik und Propaganda (z.B. Antifaschistischer Schutzwall vs. Mauer), In-
3 Vgl.N. Dittmar, D. Haedrich: Gibt es die ‚Berliner Schnauze‘?, Berlin: 1988, S. 105.
4 Vgl. P. Schlobinski: Stadtsprache Berlin, Berlin: 1987, S. 234.
5 Vgl. Ebd.
2
stitution und Organisation (z. B. Kinderkrippe/garten vs. Kita) sowie Wirtschaft und Arbeit (z. b. Kollektiv vs. Team/Arbeitsgemeinschaft oder Eingabe vs. Beschwerde). 6
Bewertung und Gebrauch des Berlinischen in Ost und West
Eine vergleichende Studie zur Sprachentwicklung des Berlinischen in den Bezirken Zehlen-dorf, Wedding und Prenzlauer Berg hat ergeben, dass die dialektalen Varianten bestimmter Wörter im Ostberliner Bezirk Prenzlauer Berg häufiger realisiert werden als in den beiden Westberliner Bezirken. Das heißt verkürzt, dass Berlinisch in den (ehemaligen) Ostbezirken mehr gesprochen wird. Gründe hierfür liegen vor allem in der unterschiedlichen Bewertung des Berlinischen. Während in Westbezirken (mit divergierenden Unterschieden zwischen dem ‚bürgerlichen‘ Zehlendorf und dem ‚Arbeiterbezirk‘ Wedding, auf die ich hier platzbedingt im Einzelnen nicht eingehen kann) das Berlinische eher negativ konnotiert und ein starker Dialektschwund zu verzeichnen ist, gilt es im ehemaligen Ost-Berlin als prestigebesetzte Hauptvarietät, deren Gebrauch eher der Normalfall ist. 7
Was ist die ‚Berliner Schnauze‘?
Die Berliner Schnauze wird nach DITTMAR als „regionaler Sprechstil mit bestimmten phonetischen, lexikalischen, morphosyntaktischen, pragmatischen und rhetorischen Merkmalen“ 8 definiert. Jedoch zeichnet sie sich durch mehr als nur diese sprachlichen Eigenheiten aus. Ihr haften ein eigener, derb-schnoddriger Witz und Humor und eine große Portion Schlagfertigkeit an. Darüber hinaus ist ihr Scharfsinn und Ironie, sowie eine gewisse Spottsucht und Grobheit zu Eigen. Nach GARBE besticht der Berliner Dialekt nicht gerade durch „besondere Zartheit und Anmut“. 9
Während nun berlinische Begriffe wie Stulle oder Boulette rasch in den Wortschatz von Zugezogenen integriert werden können, ist ein späteres Erlernen der ‚Berliner Schnauze‘ durchaus schwieriger, denn sie zeichnet sich durch mehr aus, als nur durch dialektale Phonetik oder Lexik - nämlich durch ihre ganz spezielle ‚Alltagsrhetorik‘, welcher im folgenden Punkt nachgegangen wird.
Die ‚Berliner Schnauze‘ und die Theorie des Witzes
In der soziolinguistischen Studie „Gibt es die Berliner Schnauze?“ von 1988 haben DITT-MAR und HAEDRICH eine Neuköllner Fußballmannschaft über einen längeren Zeitraum
6 Vgl. H. Schönfeld: Auch sprachlich beigetreten?, Berlin: 1993. S. 189 ff.
7 Vgl. O. Eckert: Geteilte Stadt - geteilte Sprache?, Berlin: 1988, S. 173 ff.
8 N. Dittmar, P. Schlobinski, I. Wachs: Berlinisch, Berlin: 1986, S. 9.
9 H. Garbe: Berlinisch auf Deutsch, München: 1974, S.5.
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Arbeit zitieren:
Sarah Böhme, 2009, Die Berliner Schnauze, München, GRIN Verlag GmbH
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