I. Einleitung
durch das gesprochene zu gewinnen vermag, daß jede große Bewegung auf dieser Erde ihr Wachsen den großen Rednern und nicht den großen Schreibern verdankt. Dennoch muß zur gleichmäßigen und einheitlichen Vertretung einer Lehre das
Vorwort)
Der Mythos um die Person Adolf Hitler (1925/1926 erstmals
veröffentlicht) ist eines der meistdiskutierten Themen der jüngeren Vergangenheit. Ein besonderes Augenmerk wurde häufig auf die von Hitler verwendete Sprache gelegt, sowohl in
Wort
wesentlich mehr Bedeutung bei als dem geschriebenen. Seine Popularität verdankte Hitler hauptsächlich seinen Reden; den Grundstein für seine politischen Ziele und seine ideologischen Vorstellungen verfasste er jedoch schriftlich in Form seines Hauptwerkes . Aus diesem Grund bedarf es einer ebenso gründlichen Analyse der 1 Hitlers, wie sie auch an anderer Stelle seinen Reden zuteil wird. Ersteres soll Gegenstand dieser Arbeit sein.
In der folgenden Abhandlung werde ich daher zunächst auf allgemeine Merkmale der und dann am Beispiel der Wortwahl
bezüglich der Juden das Aufbauen beziehungsweise Festigen eines Feindbildes untersuchen.
beimaß und schlussendlich kurz beschreiben, inwiefern dies Einfluss auf seine tatsächlichen Reden hatte.
1
2
II. Sprache in Mein Kampf
II.1. Allgemeine Merkmale der Semantik in Mein Kampf
Die Sprache im Nationalsozialismus wird 2 charakterisiert. hier von Hitler 3 verwendete
Sprache allgemein recht schwülstig und bemüht. Sie wirkt in vielen Teilen konstruiert und sehr pathetisch. Charakterisiert wird sie unter anderem durch sich häufende Superlative und ein aggressives Vokabular.
Klemperer (1975, S.296) unterscheidet drei Gruppen von Superlativen im
(S.219) 4 (S. 392)), daneben Worte mit superlativischer
(S. 581)). Derartige Hyperbeln bestimmen das P
jene übertriebenen Ausdrücke offenbar, um die Stimmung des Lesers aufzuheizen, um ihn für sich zu gewinnen. Diese Gigantomanie führt allerdings nicht nur zu einer Emotionalisierung, sondern auch zu einem Bedeutungsverlust der Begriffe; denn durch den ständigen Gebrauch von Superlativen verlieren diese ihren Wert, gerade bei inhaltlich bereits selbigen ausdrückenden Adjektiven , die dann zusätzlich noch gesteigert werden.
Weiterhin auffällig ist die oftmals aggressive Wortwahl, beispielsweise gekennzeichnet durch eine inflationäre Verwendung des Morphems {kampf} in zahlreichen Formulierungen wie Mittels drastischer Begriffe 6 wird eine
Gewalt ausdrückende Atmosphäre im Text geschaffen, die Hitlers Weltanschauung unterstreicht. Des Weiteren findet durch den Gebrauch von Tautologien, Akkumulationen und
2 Rash, 2006, S. 29
3 Strittig: Verschiedene Personen sollen an der Niederschrift beteiligt gewesen sein, u.a. Rudolf Heß und Max
- wortlichist.
4 Alle Beispiele ohne explizite Quellenangabe, sondern nur mit Seitenzahl, entstammen auch im Folgenden -Verlag, München 1943.
5 Klemperer, 1975, S. 296
6 Alle Beispiele aus: Rash, 2006, S. 191 ff., zitiert nach: Mein Kampf, 1942
3
Wiederholungen 7 tatt; einige Aussagen
auffasst, möglichst begreiflich zu machen. 8
Folgendes:
Anhänger der Bewegung, die mit dem Herzen ihr gehören und deren Verstand nun nach innig
Diese Einstellung äußert sich durch den wiederholten Gebrauch der ersten Person Plural, der - bzw. der
Bewegung und wird vereinnahmt. Dies geschieht ebenso durch das Stellen rhetorischer Fragen sowie durch Imperative und Appelle 9 , die den Interessierten involvieren. Diverse Ausrufe und Modalpartikeln 10
die möglicherweise eine Art Sympathiegefühl im Leser aufkommen lässt. Auch eben jenes
dient es der Schaffung eines
Zusammengehörigkeitsgefühls der Deutschen, andererseits der Verleumdung der - in diesem Falle Juden.
Es ist weiterhin auffällig, dass Hitler viele religiöse Begriffe verwendet. Dies wirkt fast wie eine Rechtfertigung; er
scheint sich als eine Art Erlöser und Befreier des deutschen Volkes von allen Gefahren und
r geläufig waren.
Wie auch allgemein in der Sprache des Nationalsozialismus, welche laut Klemperer (1975;
ismen kennzeichnend für Hitlers Sprach
beschönigenden Formulierungen, welche zunehmend in allen Bereichen der
7
8 Jede Propaganda hat volkstümlich zu sein und ihr geistiges Niveau einzustellen nach der Aufnahmefähigkeit des Beschränktesten unter denen, an die sie sich zu richten gedenkt. Damit wird ihre rein geistige Höhe um so
tiefer zu stellen sein, je größer die zu erfassend Zitiert nach: Mein Kampf, S.197
9 , S.715,S.434
10 , S.548
4
Arbeit zitieren:
Sina Volk, 2010, Rhetorik und Feindbildkonstituierung in Hitlers "Mein Kampf", München, GRIN Verlag GmbH
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