Währungskrisenmodell der dritten Generation von Aghion, Bacchetta und Banerjee
0. Einleitung
„Man erkennt sie oft erst wenn es schon zu spät ist“. 1
Die Krise bzw. die Währungskrise wovon Krugman eine minutiöse Analyse gestellt hat, offenbart einen unbekannten Zeitpunkt. Die Geschichte der Asienkrise 1997 hat eine Reihe von Erklärungsversuchen auf der Bühne der Wirtschaftwissenschaft gebracht. Die sogenannten Modelle dritter Generation. Eines davon ist Bestandteil dieser Arbeit.
Das Werk von Philippe Aghion, Philippe Bacchetta und Abhijit Banerjee versucht zu erklären, warum eine Währungskrise im asiatischen Raum stattgefunden hat, obwohl die Regierungen keine defizitäre Fiskalpolitik auf Kosten der Notenpresse gefahren sind, wie es das Modell der ersten Generation plausibel begründet. Warum entstanden Krisen in den Ländern mit ausgeglichenem Staatshaushalt, hohen Devisenreserven und kaum registrierter Arbeitslosigkeit wo die Regierungen in einer Hochkonjunkturperiode sich nicht zu scheuen haben die Kosten des Kampfes um die Währung zu tragen wie es das Modell zweiter Generation erklärt?
Die Arbeit wird sich zuerst Rahmen schaffen, indem bestimmte Fachbegriffe definiert werden. Dann wird der asiatische Raum ex-ante der Krise dargestellt und die Historie der Krise entwickelt. Das Grundmodell dritter Generation wird daraufhin umrissen und erläutert. Zum Schluss wird die Kompatibilität des Modells zur asiatischen Krise überprüft und Kritik an dem Modell ausgeübt.
1. Definitionen
Eine Krise
Das Wort "Krise" bedeutet soviel wie "entscheidende Wendung" 2 und meint eine schwierige Situation bzw. Zeit, die den Höhe- und Wendepunkt einer gefährlichen Entwicklung darstellt. Entsprechend kann man eine Kausalität (lat.: causa = Ursache) erkennen. Also die Beziehung zwischen Ursache und Wirkung, die ursächliche Verbindung zweier Ereignisse.
Geht man auf diesen ursprünglichen Wortsinn zurück, dann ergibt sich daraus notwendigerweise, dass eine allgemein gültige Definition von Krise nicht möglich ist. Denn eine solche allgemein gültige Definition müsste ubiquitär Bestand haben können. Deshalb wird die Krise in den verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen auf sehr unterschiedliche Weise thematisiert.
Als Wirtschaftskrise bezeichnet man in der Volkswirtschaftslehre die Phase einer deutlich negativen Entwicklung des Wirtschaftswachstums. Daneben bezeichnet man auch negative Entwicklungen bei anderen makroökonomischen Variablen (z. B. Preisniveau, Beschäftigung, Kapitalströme etc.) als Wirtschaftskrise. Eine
1 Krugman 2000 S1.
2 Duden.
Währungskrisenmodell der dritten Generation von Aghion, Bacchetta und Banerjee
Wirtschaftskrise kann einzelne oder mehrere Volkswirtschaften oder sogar die gesamte Weltwirtschaft betreffen.
Finanzkrisen sind größere Verwerfungen im Finanzsystem, die durch einen Rückgang der Vermögenswerte und die Zahlungsunfähigkeit zahlreicher Unternehmen der Finanzwirtschaft und anderer Branchen gekennzeichnet sind, und welche die ökonomische Aktivität in einem oder mehreren Ländern beeinträchtigen. Prinzipiell wird nach ihrer äußeren Erscheinungsform unterschieden zwischen Bankenkrisen, Währungskrisen, Finanzsystemkrisen und Auslandsschulden-Krise.
Als Bankenkrise wird eine spezifische Unternehmenskrise bezeichnet, in der das Vertrauen in das Bankensystem durch finanzielle Probleme einzelner Kreditinstitute so schwer beschädigt wird, dass eine Kettenreaktion droht. Durch diese Kettenreaktion werden auch andere Kreditinstitute und deren Gläubiger, möglicherweise die Finanzmärkte und in der Folge die gesamte Volkswirtschaft geschädigt.
Finanzsystemkrisen sind potenziell strenge Störungen von Finanzmärkten, die die Fähigkeit von Märkten verschlechternd, effektiv zu fungieren, große entgegenstehende Effekte auf die Realwirtschaft haben können. Eine Finanzsystemkrise kann eine Währungskrise einschließen, aber eine Währungskrise schließt ernste Störung des Innenzahlungssystems nicht notwendigerweise ein, und kann sich nicht so auf eine Finanzsystemkrise belaufen.
Auslandsschulden-Krise beschreibt eine Situation in der ein Land nicht seine Auslandsschulden bedienen kann, weder souverän noch privat.
Währungskrise nennt man eine volkswirtschaftliche Krise, die durch eine plötzliche starke Abwertung einer Währung oder durch das ungewollte Aufgeben eines festen Wechselkurses zu einer oder mehreren anderen Währungen oder zum Gold ausgelöst wird. Nicht selten mündet eine Währungskrise in eine Finanz- und Wirtschaftskrise.
Währungskrisenmodell der dritten Generation von Aghion, Bacchetta und Banerjee
2. Asienkrise
Beginnend mit spekulativen Attacken auf den thailändischen Baht in der ersten Hälfte des Jahres 1997, die schließlich zu dessen Freigabe am 02.07.1997 führten, entwickelte sich die Asienkrise zu einer der schwersten Krisen in den Emerging Markets überhaupt. Die Währungskrisen Indonesiens, Koreas, Malaysias, Thailands sowie der Philippinen als die fünf primär betroffene Länder sind, gemessen an den prozentualen Abwertungen gegenüber dem US-Dollar zwischen Juli 1997 und Januar 1998, allesamt als extrem zu beurteilen. Die Abwertungen erreichten ein Ausmaß von über 40% auf den Philippinen und in Malaysia, rund 55% in Korea und Thailand sowie über 80% in Indonesien. 3 Ebenso schwerwiegend sind die realwirtschaftlichen Auswirkungen. Die oben genannten Länder erfuhren 1998 mit Ausnahme der Philippinen, deren reales Bruttoinlandsprodukt lediglich um 0,5% schrumpfte, schwere Depressionen mit einem Rückgang des realen Bruttoinlandsprodukts um 5,8% in Korea, 6,7% in Malaysia, 9,4% in Thailand sowie 14% in Indonesien. 4
Vor der Krise
Während makroökonomische Größen, die in den typischen Währungskrisenmodellen im Mittelpunkt stehen, wie beispielsweise das Budgetdefizit oder das reale Wachstum, im Vorfeld der Krise keinen Hinweis auf die spektakuläre Entwicklung der Jahre 1997/98 lieferten, signalisierten andere Indikatoren hingegen eine Krisenanfälligkeit der betroffenen Länder. Insbesondere eine hohe kurzfristige und zu großen Teilen nicht kursgesicherte Auslandsverschuldung des privaten Sektors, dem typischerweise ein wesentlich geringerer Bestand an Forderungen an das Ausland gegenüberstand, begründete eine starke Anfälligkeit gegenüber einer abrupten Kapitalflucht. Unterstützt wurde der Aufbau einer massiven Auslandsverschuldung durch die langjährige Konstanz der Wechselkurse, die zu einer weitgehenden Unterschätzung des Wechselkursrisikos führte. Zudem zeichneten sich die Bankensysteme der Krisenländer aufgrund einer nur schwachen Aufsicht und Regulierung bei gleichzeitig rapider, durch die Liberalisierung der nationalen wie internationalen Finanztransaktionen begünstigter Kreditausweitung an den privaten Sektor durch eine ausgeprägte Krisenanfälligkeit aus.
3 BIZ 1998
4 IWF 1999b
Währungskrisenmodell der dritten Generation von Aghion, Bacchetta und Banerjee
Tabelle 1: Haushaltdefizit (in % des BIP)
Das ist ein klarer Beweis, dass die asiatischen Regierungen im Schnitt keine defizitäre Fiskalpolitik gefahren sind. Und dies ist genug um das Modell erster Generation als ungeeignet zur Erklärung dieser Krise gelten zu lassen.
Ein Blick auf die Leistungsbilanz der asiatischen Länder bestätigt, dass die Krise im Grunde nicht auf eine verfehlte Wirtschaftspolitik der asiatischen Länder allein zurückzuführen ist, da die Kapitalbilanz (im weiteren Sinne), einen positiven Wert ausweisen muss.
Tabelle 2: Leistungsbilanzsaldo (in % des BIP)
Tabelle 3: BIP- Wachstum
Währungskrisenmodell der dritten Generation von Aghion, Bacchetta und Banerjee
Bis 1997 hatten die asiatischen Länder ein durchaus hohes Wachstum, das wiederum höher lag als das in den führenden Industrieländern der restlichen Wirtschaftswelt.
Nur der Vergleich mit den führenden Industrieländern, zeigt die außerordentliche Stärke der Entwicklung der asiatischen Länder. Waren nicht die meisten dieser Länder bis weit in die 50er Jahre noch Agrarländer - insbesondere Thailand?
Diese Länder hatten die größten Wachstumsraten. Dies bedeutet jedoch, die Industrialisierung des Landes. Industrialisierung setzt Investitionen voraus. Um eine längerfristige Wachstumsrate zu bekommen, muss auch das Vertrauen in die Wertbeständigkeit der Investitionen vorhanden sein und verbunden damit eine stabile Währung.
Tabelle 4: Sparrate (in % des BIP)
Tabelle 5: Investitionsrate (in % des BIP)
Hier sieht man, dass insbesondere Thailand eine sehr hohe Investitionsrate hat. Dies ist ein entscheidendes Signal, das zur Krise führen kann bzw. im Rückblick führen musste. Denn in einem „Agrarland“ existiert wenig Kapital, welches zur Investition verwendet werden kann. Das wenige Kapital ist dabei unter wenigen aber einflussreichen Familien verteilt. Die hohe Investitionsrate kann also nur dadurch erklärt werden, dass ausländisches Kapital in Form von Investitionen in das Land flossen. Hervorgerufen wurde dies durch den Überhang von billigen Arbeitskräften, und ein kaum entwickeltes staatliches Sozialsystem.
Der nicht zu vernachlässigende Punkt, dass auch die Sparrate einen relativ hohen Anteil hatte, lässt auch darauf schließen, dass auf Grund der hohen Zinsen eben nicht alles zur Verfügung stehende Kapital für Investitionszecke genutzt wurde.
Arbeit zitieren:
Kambale Kavuke, 2009, Währungskrisenmodell der dritten Generation von Aghion, Bacchetta und Banerjee, München, GRIN Verlag GmbH
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