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1. Einleitung
„Sport stärkt das Immunsystem“ ist ein weit verbreiteter Volksglaube. Aber wieso steigt die Infektrate von Läufern nach einem Marathon? (vgl. Liesen 1997)
Wieso ist die zweithäufigste Ursache für einen Trainings- und Wettkampfausfall bei Leistungssportlern eine infektiöse Erkrankung? (vgl. Weineck 2001) Scheinbar beeinflusst Sport unser Immunsystem negativ. Was löst Sport in unserem Immunsystem aus, dass wir dadurch infektanfälliger werden? In dieser Hausarbeit möchte ich mich den oben geschilderten Fragen widmen. Die Tatsache, dass akute Körperarbeit eine Leukozytose, also eine Erhöhung der Leukozytenanzahl, als Reaktion auf erhöhten Bedarf, hervorruft, erfasste Schultz schon 1893. So wurde schon im vorletzten Jahrhundert der Zusammenhang zwischen körperlicher Belastung und dem Immunsystem erkannt.
Doch das Immunsystem ist komplex. Dies erschwert seine Erforschung. Die Komplexität zeigt sich in der großen Anzahl der beteiligten Stoffe, Verbindungen, Zellen, Organen und Hormonen, die untereinander in Beziehung stehen und in den verschiedenen Einflussfaktoren wie, Ernährung, das Alter, Schlaf, das Genom und seit den letzten Jahren zählt nachweislich auch die Psyche dazu.
Diese Faktoren begrenzen die Aussagekraft der geringen und aufwendigen Studien über Sport im Zusammenhang mit dem Immunsystem sowie die Studien über das Immunsystem an sich.
So stammen die Grundstudien, die man in den Büchern findet meist aus den 90er Jahren. Dort wurden aber meist nur die großen Strukturen des Immunsystem erforscht, da tiefer Studien technisch noch nicht möglich waren bzw. zu hohe Kosten verursacht hätten. Andererseits wurden viele Stoffe noch nicht mit dem Immunsystem in Verbindung gebracht. Des Weiteren erschließt sich erst jetzt - Stück für Stück - die wirklich nachweißliche Bedeutung einiger Stoffe oder Vorgänge des Immunsystems.
Um den Rahmen dieser Hausarbeit nicht zu sprengen werde ich aus Sicht der Immunologie nur die Leukozyten betrachten und dort verstärkt auf die Lymphozyten eingehen. Zu diesen zähle ich in dieser Arbeit die T- und B- Lymphozyten. Definitionsgemäß gehören hierzu allerdings auch die natürlichen
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Killerzellen (NK-Zellen), die ich zum besseren Verständnis explizit benennen werde.
2. Das Immunsystem
Das Immunsystem bekämpft in den Körper eingedrungene Mikroorganismen wie Viren, Pilze, Bakterien, Würmer und ihre Toxine. Zusätzlich „reinigt“ es unseren Organismus von virusinfizierten und entarteten Zellstrukturen. Diese Aufgaben erfüllt das Immunsystem mit einer sehr effektiven Präzision. Durch verschiedene Wirkmechanismen und seinen netzartigen Aufbau ist das Immunsystem hierzu im Stande
Ein wichtiger Teil des Immunsystems stellen die Leukozyten dar. Sie sind häufig in die ersten Immunreaktionen involviert. (vgl. Weineck 2001) Aber was genau sind Leukozyten?
2.1 Die Leukozyten
Die Leukozyten, auch als weiße Blutkörperchen bekannt, sind Einzeller und können in allen Organen vorkommen. Sie werden unterteilt in die Granulozyten, Lymphozyten und Monozyten. Die Granulozyten werden durch ihre unterschiedliche Anfärbbarkeit nach neutrophilen, basophilen und eosinophilen Granulozyten unterschieden.
Die Lymphozyten bestehen aus den, dem spezifischen Immunsystem zugeordneten B- und T- Lymphozyten und den, dem unspezifischen Immunsystem zugeordneten Natürlichen Killer-Zellen. Die Lymphozyten zirkulieren zeitlebens vom Blut in die lymphatischen Organe 1 und ins Gewebe und von dort über das Lymphgefäßsystem 2 zurück ins Blut. So pattroulieren sie in unserem Körper auf der ständigen Suche nach Antigenen 3 .
1 zu den lymphatischen Organen gehören z.B. Lymphknoten, Milz, Tonsillen (Mandeln),Thymus(vgl. Lüllmann-Rauch 2003)
2 Lymphgefäßsystem: Ist ein Kapillarnetzwerk was die Flüssigkeiten und Stoffe aufnimmt, die durch das Bluthochdrucksystem aus dem Gewebe austreten. Es führt sie über die rechte Hauptarterie wieder in den Blutkreislauf ein. (vgl. Weineck 2004)
3 Antigen: „Ist eine Substanz, die von einem Organismus als fremd erkannt wird und eine spezifische Immunantwort auslöst. ( Bildung von Antikörpern)“ (De Gruyter 2001 S.88)
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Aus Monozyten werden, nachdem sie ca. 2 Tage im Blutkreislauf zirkulierten, ortsbeständige Makrophagen. Das heißt, sie wandern aus dem Blutkreislauf in ein Gewebe des Körpers, passen sich ihm an und verweilen hier bis zu ihrem Tod.
Es ist bekannt, dass Monozyten unter Umständen aus neutrophilen Granulozyten gebildet werden können.(vgl. De Gruyter 2001) Schon dieser kurze Einblick in die Aufteilung der Leukozyten, lässt deutlich werden, wie komplex unser Immunsystem ist.
2.2 Die Aufgabenverteilung der Leukozyten
Eine weitere Aufteilung der Leukozyten zeigt ihre Aufgabenverteilung. Die B- und T- Lymphozyten unterstützen die spezifische Bekämpfung von Krankheitserregern. Das heißt sie bilden für die unterschiedlichen Erreger einen bestimmten Antikörper, um den Erreger höchst effektiv zu bekämpfen (Primärantwort). Nicht alle dieser Zellen bilden Antikörper, sondern einige werden zu so genannten Gedächtniszellen, die die Information für diesen Spezifischen Antikörper gespeichert haben. So kann unsrer Immunsystem bei einer erneuten Infektion mit diesem Erreger schneller reagieren (Sekundärantwort). (vgl. Lüllmann-Rauch 2003) Die natürlichen Killerzellen sind spezialisiert auf die Bekämpfung von virusinfizierten Zellen. Sie binden an die Zielzelle und transportieren Stoffe über die Kontaktstelle, die dazu führen, dass in der Membran der Zielzelle Poren gebildet werden. Die Virusinfizierte Zelle ist nun kein abgeschlossenes System mehr und kann ihr Ionengleichgewicht nicht mehr aufrechterhalten. Die Zelle geht zu Grunde. Weiterhin können die NK-Zellen Faktoren in die Zielzelle sezernieren, die in ihr den programmierten Zelltod (Aportose) auslösen. (vgl. Böcker 2004)
Die basophilen und eosinophilen Granulozyten sind für die Parasitenabwehr zuständig und gelten auch als Auslöser allergischen Reaktionen. (vgl. Herrmann 2004)
Die neutrophilen Granulozyten, die Monozyten und die Makrophagen sind zur Phagozytose befähigt. (vgl. Weineck 2001) Dies ist die weit verbreitete Art Fremdkörper, Geweberückstände, virusinfizierte Zellen und Mikroorgnismen zu
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vernichten. Bei der Phagozytose nimmt die Zelle das Zielobjekt auf verschiedene Arten und Weisen in sich auf und zerlegt dese im Inneren der Zelle chemisch und enzymatisch. (vgl. De Gruyter 2001)
3. Auswirkungen von Belastungen
3.1 Schwankungen von Leukozyten- und Hormonkonzentrationen
Die Leukozytenpopulationen in unserem Körper schwanken in ihrer Größe und Verteilung. Die großen Schwankungen sind häufig ausgelöst durch Krankheitserreger. Doch auch körperliche Belastungen haben zur Folge, dass sich Leukozytenkonzentrationen verändern. Diese Veränderungen werden durch Hormone ausgelöst, die durch die körperliche Betätigung ausgeschüttet werden. Es sind hauptsächlich die Stresshormone Cortisol, Adrenalin und Noradrenalin. Die Menge der ausgeschütteten Hormone hat eine proportionale Abhängigkeit. Je intensiver die Belastung, desto mehr Hormone werden freigesetzt.
Diese Auswirkungen von akuten körperlichen Belastungen auf den Organismus teilt man in eine „Sofortreaktion“, die mit dem Beginn der Belastung eintritt und in die Reaktionen, die nach dem Belastungsende beginnen. Diese bezeichnet man als die „verzögerte Immunreaktion“. (vgl. Weineck 2001) 3.1.1 „Die Sofortreaktion“
Schon wenige Minuten nach dem Belastungsanfang beginnt die Leukozytose. Entscheidend ist hier, dass alle Leukozyten an dem Anstieg beteiligt sind, Einige mehr und Einige weniger.(vgl. Weineck 2001) Im Zustand der Ruhe befinden sich etwa 50% der Leukozyten im Blut. Die restlichen 50% teilen sich auf, in Wenige die sich im Gewebe aufhalten, zum Beispiel die Makrophagen und in die große Mehrheit, die sich an die Blutgefäßwände geheftet hat. Durch die Belastung wird unser vegetatives Nervensystem gereizt, besonders der Symphatikus und sorgt dafür, dass Adrenalin und Noradrenalin ausgeschüttet werden. Bei längeren Belastungen wird zusätzlich verstärkt Cortisol ausgeschüttet. Diese Hormone lösen die Bindung der Leukozyten an
Arbeit zitieren:
Master of Education Frank Huhndorf, 2007, Stärkt Sport das Immunsystem?, München, GRIN Verlag GmbH
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