1. EINFÜHRUNG 4
1.1 DAS SINO-JAPANISCHE VERHÄLTNIS IN DER GEGENWART 4
1.2 GRENZKONFLIKTE CHINAS. 5
1.3 ENTSTEHUNG DES SEEGRENZKONFLIKTES ZWISCHEN CHINA UND JAPAN 6
2. ENERGIEHUNGER IN OSTASIEN 12
2.1 ALLGEMEINE ENERGIESITUATION ASIENS 12
2.2 ZUNEHMENDE ENERGIEABHÄNGIGKEIT IM ASIATISCH-PAZIFISCHEN RAUM. 12
2.2.1 Rohölkonsum in Ostasien. 13
2.2.2 Hohe Abhängigkeit vom Ölimport aus dem Nahen und Mittleren Osten: am
Beispiel Japans 15
2.3 VERSCHLECHTERTE ENERGIESITUATION IN DER VR CHINA. 18
2.3.1 Schnell steigender Erdölkonsum. 18
2.3.1.1 Beschleunigende Abhängigkeit des Erdölimports. 21
2.3.1.2 Begrenzte Erdölreserven. 22
2.3.2 Ungünstige Aufteilung des Energieträgers. 23
2.3.2.1 Abhängigkeit von Kohle. 23
2.3.2.2 Umweltunfreundlicher Energieträger - Kohle 25
2.3.2.3 Entwicklung des Erdgassektors 26
2.4 ZUSAMMENFASSUNG DER ENERGIEVERSORGUNG CHINAS. 27
3. ANALYSE DES GRENZKONFLIKTES IM OSTCHINESISCHEN
MEER ZWISCHEN VR CHINA UND JAPAN 29
3.1 HINTERGRÜNDE DES KONFLIKTES. 29
3.2 AUSLÖSER DES KONFLIKTS 31
3.3 DEFINITION DER AWZ UND DES FESTLANDSOCKELS IN DER U-N
SEERECHTSKONVENTION 37
3.3.1 Entstehung der Seerechtskonvention der Vereinten Nationen. 37
3.3.1.1 Historischer Überblick über den Festlandsockel auf der Ersten und
Zweiten Seerechtskonferenz der Vereinten Nationen (UN-Seerechtskonferenz) 37
3.3.1.2 Die Dritte Seerechtskonferenz der Vereinten Nationen (UNCLOS III) 40
3.3.2 Definition der Ausschließlichen Wirtschaftszone und des Festlandsockels 42
3.3.2.1 Rechte der Ausschließlichen Wirtschaftszone. 42
3.3.2.2 Rechte des Festlandsockels. 44
3.3.2.3 Problematik der Vorschriften über die Ausschließliche Wirtschaftszone
und den Festlandsockel. 45
a) Fehlende konkrete Normen zur Abgrenzung von AWZ und Festlandsockel
benachbarter und gegenüberliegender Staaten 45
b) Ungenaues Verhältnis zwischen der AWZ und dem Festlandsockel. 47
3.4 ANALYSE DER KONKRETEN PROBLEME BEI DER SEEGRENZE IM OSTCHINESISCHEN
MEER ZWISCHEN CHINA UND JAPAN. 48
3.4.1 Standpunkt der chinesischen Seite. 49
3.4.2 Die Ansprüche Japans 52
3.4.3 Analyse der bezüglichen Fragen bei der Abgrenzung im Ostchinesischen Meer
zwischen China und Japan 54
3.4.3.1 Anwendungen der Rechte über die AWZ und über den Festlandsockel 54
2
3.4.3.2 Das natürliche Verlängerungsprinzip und das 200 sm-
Entfernungskriterium 57
3.4.3.3 Anwendung der Äquidistanzlinie-Methode. 62
3.4.3.4. Anwendbarkeit der Okinawa-Tiefenlinie als natürliche Grenze zwischen
China und Japan. 66
3.4.3.5. Welche Rolle spielen die Diaoyu-Inseln im Ostchinesischen Meer bei der
Abgrenzung des Festlandsockels? 70
3.5 ZUSAMMENFASSUNG. 78
4. AUSSICHT AUF DIE LÖSUNGSMÖGLICHKEITEN DES SINO-
JAPANISCHEN SEEGRENZKONFLIKTS 80
4.1 KRIEGSMACHT 80
4.2 JURISTISCHE ENTSCHEIDUNG 82
4.3 POLITISCHE LÖSUNG - AUF DIPLOMATISCHEM WEGE. 84
4.3.1 Abgrenzungsalternative 84
4.3.1.1 Zwei Grenzlinien (AWZ Festlandsockel) im Ostchinesischen Meer? 85
4.3.1.2 Eine komplexe Grenzlinie nach der Anwendung des Verhältnismäßig-
keitsprinzips 87
4.3.2 Vorläufige Verständigung. 89
4.3.2.1 Sperrung von Ausbeutung und Erschließung der Ressourcen. 90
4.3.2.2 Gemeinsame Ausbeutung in Konfliktzonen 90
5. SCHLUSSFOLGERUNG 94
ANH ÄNGE 98
ABK ÜRZUNGSVERZEICHNIS 104
DARSTELLUNGSVERZEICHNIS 106
LITERATUR - UND QUELLENVERZEICHNIS 108
3
1. Einführung
1.1 Das sino-japanische Verhältnis in der Gegenwart
Seit der Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen China und Japan im Jahr 1972 hat sich das Verhältnis der beiden Staaten gebessert und große Fortschritte gemacht 1 , vor allem in den bilateralen Außenwirtschaftsbeziehungen 2 . Das bilaterale Handelsvolumen belief sich im Jahre 2006 auf insgesamt 211,3 Milliarde US-Dollar, damit ist China nach den USA zweitwichtigster Handelspartner Japans. 3 Dabei geht man davon aus, dass das Land noch in diesem Jahr den ersten Platz übernehmen wird. 4 Trotz ihrer geographischen Nähe und ihrer zunehmenden wirtschaftlichen Verflechtungen ist das politische Verhältnis zwischen China und Japan in den letzten Jahren distanzierter und fremder geworden. 5 Dafür gibt es eine Vielzahl von Gründen: 1. Wegen der Besuche des umstrittenen Yasukuni-Schreins (靖国神社 6 ) vom ehemaligen Premierminister Koizumi, Jûnichiro (小泉純一郎 7 ) waren die regelmä-
ßigen Gipfeltreffen der beiden Staaten von 2001 bis 2006 sechs jahrelang ausgeblieben. 8
2. Die vom japanischen Ministerium zugelassene Geschichtsbuch-Version von 2001 und 2005 beinhaltet Handlungen Japans während des Zweiten Weltkrieges, die aber allgemein vertuscht, verschönt und verdreht wurden. Die Geschichte über das Nanking-Massaker wurde z. B. verharmlost. 9
1 Wang: 2005, S. 26.
2 Vgl. Hilpert/Wacker: 2004, S.26.
3 Japan Brief des Foreign Press Center Japan vom 16.04.2007 (Internet-Version).
4 A.a.O.; auch Hilpert/Wacker: 2004, S.26.
5 Hilpert/Wacker: 2004, S.7.
6 Chin. jingguo shenshe 靖国神社. Der Yasukuni-Schrein befindet sich im Stadtbezirk Chiyoda in Tôkyô,
Japan. In diesem Schrein werden neben den Seelen von ca. 2,5 Mio. Kriegsgefallenen auch die der 1948
vom Internationalen Militärtribunal für den Fernen Osten als Kriegsverbrecher Kategorie A verurteilten
14 Japaner verehrt, allen voran Kreigspremiert Tôjô, Hideaki 東条英機 (chin. Dongtiao Yingji 东条英
机). Der Yasukuni-Schrein unterstand bis 1945 militärischer Verwaltung. Im Krieg war er ein Hort des
religiös-überhöhten Kaiserkults und wurde zum Symbol des japanischen Militarismus. Hielscher: 2006,
S. 140ff.
7 Chin. Xiaoquan Chunyilang 小泉纯一郎. Er war der Vorsitzende der Regierungspartei LDP und von
2001 bis 2006 der Premierminister Japans.
8 Vgl. Japan Brief des Foreign Press Center Japan vom 16.04.2007 (Internet-Version).
9 Vgl.: Zong: 2006 (Internet-Version); Hielscher: 2006, S.139ff. Mog-Sidor: 2006, S. 63ff; Schneppen:
F.A.Z., 12.04.2005.
4
3. Revision der japanischen Sicherheitspolitik mit Nennung Chinas als potenzieller Bedrohung. 10
4. Ausweitung der japanisch-amerikanischen Militärallianz unter indirekter Einbeziehung Taiwans. 11
5. Fortdauer und Eskalation des Territorialstreits um die Diaoyu/Senkaku-Inseln. 12 6. Konflikt um die Erschließung der Cunxiao-Gasfelder (Cunxiao youtian 春晓油田)
im Ostchinesischen Meer.
Dabei ist der letzte Konflikt im Hinblick auf die Erdöl- und Erdgaserschließung das heikelste zu lösenden Problem, das äußerlich um die Erdöl- und Erdgas-Bohrrechte im Ostchinesischen Meer geht, wesentlich jedoch sich auf den bis heute nicht gelöste Konflikt der Seegrenze zwischen beiden Ländern bezieht. 13
1.2 Grenzkonflikte Chinas
Die VR China hat insgesamt 14 benachbarte Staaten 14 und umfasst eine Grenzlinie von ca. 22.000 km. Damit ist China das Land mit der längsten Grenzlinie und den meisten angrenzenden Staaten. Zugleich stehen China sechs 15 Länder durch die Küstenlinie gegenüber, diese beträgt etwa 18,400 km (oder 32,000 km, einschließlich der Inseln 16 ). Seit Gründung der VR China hatte China mit 14 Staaten Grenzkonflikte (einschließlich Seegrenzkonflikte). Unter den Grundsätzen von friedlicher Koexistenz (heping gongchu 和 平共处) und freundschaftlicher Beziehungen mit den Nachbarländern (mulin youhao 睦 邻友好) hat China bis zum Jahr 2004 mit zwölf Nachbarstaaten jeweils ein Abkommen
über die Festlegung der Grenzlinien geschlossen. Der Seegrenzkonflikt mit Japan im Ostchinesischen Meer gehört zu einem der zwei noch gebliebenen Grenzkonflikte. 17
10 Giese: 2005, S.7.
11 A.a.O.
12 A.a.O.
13 Im Unterkapitel 1.3 wird darauf näher eingegangen.
14 Nodkorea, Russland, die Mongolei, Kasachstan, Kirgistan,Tadschikistan, Afghanistan, Pakistan, Indien,
Nepal, Bhutan, Birma, Laos und Vietnam.
15 Vom Norden nach Süden sind die folgenden sechs Länder: Südkorea, Japan, die Philippinen, Indone-sien,
Brunei und Malaysia.
16 China besitzt 6,536 Inseln, die mehr als 500 m 2 groß sind. Quelle: Woguo haiyou duoshao bianjie yu
waiguo you zhengyi (Internet-Version).
17 Der andere noch nicht gelöste Grenzkonflikt betrifft die Grenze zwischen China und Indien. Quelle:
Zhongguo yu linguo bianjie wenti xianzhuang (Internet-Version).
5
1.3 Entstehung des Seegrenzkonfliktes zwischen China und Japan
Abbildung 1-1 Lage des Ostchinesischen Meeres
Quelle: en.wikipedia.org/wiki/Image:East_China_Sea.jpg (12.01.07).
Das Ostchinesische Meer 18 (chin. Donghai 东海) ist ein Randmeer 19 zwischen der östlichen Küste des chinesischen Festlandes und dem Pazifischen Ozean. 20 Es verbindet Süd-korea und das Gelbe Meer (chin. Huanghai 黄海) im Norden, die japanischen Inseln Kyûshû (九州, chin. Jiuzhou) und Ryûkyû 21 -Archipel (chin. Liuqiu Daohu 琉球岛弧) im Osten und Taiwan sowie das Südchinesischen Meer im Süden 22 (Siehe Abb. 1-1). Um die geographische Nähe zwischen China und Japan zu bezeichnen, werden die chinesischen Worte „yi yidai shui“ (一衣带水) und „gehai xiangwang“ (隔海相望) häufig verwendet, 23 d. h. die beiden Nachbarländer werden durch den schmalen Wasserstreifen des Ostchinesischen Meeres getrennt und liegen doch einander gegenüber.
18 Jap. Higashi shina kai, 東シナ海 oder 東中国海; engl.: East China Sea.
19 Randmeere sind Nebenmeere, die am Rand der Kontinente bzw. Ozeane liegen und nur durch Insel-
ketten, im Meer liegende Schwellen und Rücken und Tiefseerinnen - also nur unvollständig vom freien
Ozean getrennt sind. Quelle: Website-Encyclopedie: encyclopediede.snyke.com (12.01.2007).
20 Li, J.: 2006, S. 153; Zhu: 2006, S. 20; Vgl. auch Zhang: 2005, S. 97;
21 Jap. Ryûkyû Quntô, 琉球群島.
22 Feulner: 1976, S. 96.
23 Vgl. Li, J.: 2006, S. 153; Wu, J. H.: 2005 (Internet-Version).
6
Donhai hat eine Breite in ostwestlicher Richtung von etwa 140 bis 280 sm, die nordsüdliche Länge beträgt ca. 300 bis 400 sm. 24 Seine Gesamtfläche beträgt ca. 752.000 Quadratkilometer (km 2 ). 25
Dank reichlicher mineralischer Schätze des Meeres, von dem etwa drei Viertel der Erdoberfläche bedeckt sind 26 , gewann es in den vergangenen Jahrzehnten mehr und mehr an Interesse und Bedeutung. 27 Die fortgeschrittene Entwicklung der Meerestechnologie und der weltweit zunehmenden Nachfrage nach Rohstoffen und Energie, insbesondere nach Erdöl und Erdgas, führen dazu, dass einerseits neue Meeresnutzungen realisierbar wurden 28 und andererseits zahlreiche seewärtige Abgrenzungsprobleme zwischen gegenüberliegenden und benachbarten Küstenstaaten entstanden. 29 Durch einen Bericht von Emery, Kenneth Orris aus den USA und seinem japanischen Kollegen, Niino, Hiroshi (新野弘) im Jahre 1969 30 , in dem sie hinwiesen, dass das Ost-
chinesischen Meer sowie das Gelbe Meer reich an Erdöl und Erdgas sein sollten, wurde das Interesse der Küstenstaaten, insbesondere der Staaten Japan 31 und Südkorea 32 , die fast nur vom Ölimport abhängig sind, erheblich geweckt. 33 Seitdem kündigten die Küstenstaaten unilaterale Ansprüche auf die jeweiligen seewärtigen Grenzen an. 34 Dadurch entstanden die Streitigkeiten um die Ressourcenausbeutung und die entsprechenden Rechtsordnungen über die Grenze der Küstenstaaten Südkorea, Japan und China (einschließlich Taiwan). 35 Zu diesem Problem zählt auch der sino-japanische Konflikt über die Abgrenzung des Festlandsockels 36 und die Souveränitätsfrage 37 der Diaoyu-Inseln 38
24 Li, J.: a.a.O.; Laut Zhao, X./Luo, G.: 2005 beträgt die ostwestliche Bereite des Donghai von 150 bis 360
sm (1sm entspricht 1,852 km); dazu vgl. auch Li, Y.: 2005, S.32; Feulner: 1976, S. 98.
25 Li, J.: 2006, S. 153; Zhu, 2006, S. 20.
26 Klemm: 1976, S. 5.
27 „Mitte der 70er Jahre betrug der Anteil der Erdölproduktion aus den Festlandsockel knapp 20 % der
gesamten Erdölproduktion, der Anteil des Erdgases 10 %. Aber auch andere Mineralien werden bereits
kommerziell aus Wasser und Meeresboden gewonnen: Japan beispielsweise deckt ¼ seines Kohlebdarfs
aus submarinen Stollen.“ Gündling: 1983, S. 3.
28 Vgl. Hasselmann: 1987, S. 19; Kwon: 1991, S. 5.
29 Vgl. Klemm: 1978, S. 512.
30 Über Emery und seine Forschung wird im Kapitel 3.1 mehr vorgestellt.
31 Die Abhängigkeit vom Rohstoffimport Japans ist sehr groß. Nach Kwon umfasse die Binnenöl produkti-
on z. B. nur 0,3 % des Gesamtbedarfs. Kwon: 1991, S. 81; vgl. auch Harrison 1979, S. 147.
32 „Die Ölsituation in Südkorea ähnelt der Japans. Darüber hinaus hat Südkorea überhaupt keine selbststän
dige Ölproduktion.“ Kwon: a.a.O., S. 83.
33 Vgl. Ma: 1984, S. 16; Kwon: 1991, S. 6;
34 Kwon: a.a.O., S. 7; Vgl. auch Ma: 1984, S. 16.
35 Vgl. Kwon: a.a.O., S. 7; Ma: a.a.O; Liu: 2002, S. 92.
36 Die Fläche zwischen Küste und Hangknick nennt man Festlandsockel. Klemm: 1976, S.5.
7
(Diaoyu Dao 钓鱼岛; jap. Senkaku Shotô 尖閣諸島) im Ostchinesischen Meer seit den 70er Jahren 39 , da sich laut dem Bericht von Emery die potenziellen Erdöl- und anderen mineralischen Schätze im Festlandsockel im Ostchinesischen Meer, besonders um die Diaoyu-Inseln herum befinden. 40 Der Konflikt zwischen China 41 und Japan 42 im Donghai ist aufgrund des enormen Energiebedarfs und der steigenden Abhängigkeit vom Erdöl-import Asiens 43 und der beschränkten Energieressourcen in der asiatisch-pazifischen Region verschärft. 44
Um neue Energiequellen zu sichern, begann China im Jahr 2004 die Chunxiao-Gasfelder 45 im Ostchinesischen Meer zu erschließen. Da sich diese Gasfelder nur etwa fünf 46 Kilometer von der Konfliktzone befinden, in der bis heute noch keine Grenzlinie zwischen China und Japan festgelegt wurde, protestierte Japan auf diplomatischem Wege gegen das chinesische Vorgehen. Japan forderte sogar die technischen Daten aller Explorationsaktivitäten Chinas. 47 Zudem propagierte die Regierung in Tôkyô die Theorie, dass in Folge der Ausbeutung von Gasfeldern durch China auch die maritimen Gasressourcen auf der japanischen Seite angezapft würden 48 (siehe Abb. 1-2).
37 China (einschließlich Taiwan) und Japan, beide Staaten machen Hoheitsansprüche auf die Diaoyu-Inseln
geltend. Aus juristischen, historischen und geografischen Gründen ist Souveränität der Inseln umstritten.
Umbach: 2006, S. 48; Vgl. auch Suganuma: 2000, S. 13.
38 Sie wird im Chinesisch auch als Diaoyu Tai 钓鱼台, Diaoyu Yu 钓鱼屿 bezeichnet. Suganuma: 2000,
S. 238.
39 Vgl. Zhu: 2005, S. 4; Wang: 2005, S. 24.
40 Vgl. Wu, H.: 2001, S. 75; Zhu: a.a.O., S. 12; Umbach: 2002 (Konflikt oder Kooperation in Asien-
Pazifik), S. 45
41 Seit 1990 ist China zum Nettoimporteur von Energie und seit November 1993 auch zum Nettoimporteur
von Rohöl geworden. Inzwischen wurde das Land mit 11 % der Weltenergienachfrage zum zweitgrößten
Energiekonsumenten der Welt, während es aber gleichzeitig weltweit größter Verbraucher von Kohle ist,
die derzeit etwa 70 % von Chinas Energieverbrauch deckt. Umbach: 2006, S. 40; Vgl. auch Kojima:
2005, S. 32; Derzeit beträgt die chinesische Abhängigkeit vom Erdölimport etwa 51 %. Nach Bustelo
(2005 Internet-Version) könnte sie sich sogar auf 85 % im Jahr 2030 erhöhen.
42 Über 99 % des Energiebedarfs in Japan muss vom Import gedeckt werden. Die Abhängigkeit vom Erdöl
import aus dem Mittleren Osten könnte nach Umbach (2002, S. 341) von 82% 2000 auf 90 % 2010 an
steigen.
43 Nach Umbach (2006, S. 38) könnte die Abhängigkeit Asiens gegenüber den Erdölimporten aus dem
Mittleren Osten und der Region des Persischen Golfes in Relation zu seinem Gesamtrohölimporten von
gegenwärtig rund 75 % bis zum Jahr 2010 auf 90 % ansteigen.
44 Vgl. Umbach: 2006, S. 35. Die Energiesituation von Japan und China wird im Kapitel 2 behandelt.
45 Mehr über diese Gasfelder wird im Kapitel 3 erläutert.
46 Zhang: 2005, S. 12; Yabuki: 2005 (Internet-Version).
47 Japan Brief vom 18.07.2005 (Internet-Version, Hg.: Foreign Press Center Japan und der Japanischen
Botschaft in Berlin); Yabuki: 2005 (Internet-Version).
48 Vgl. Umbach: 2006, S. 49; Yabuki: 2005 (Internet-Version).
8
Abbildung 1-2 Die aus chinesischer Sicht von Japan einseitig festgelegte Mittellinie
Andererseits spielt die 1982 verabschiedete Seerechtskonvention 49 der Vereinten Nationen (UNSRK) dabei eine wichtige Rolle, denn im Mittelpunkt dieser Streitigkeit stehen die unterschiedlichen Interpretationen über den Rechtsstatus und die Rechtsordnung des Festlandsockels und der Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ), die in der UNSRK als zwei verschiedene Teile abgehandelt sind. Nach der UNSKR ist Japan der Ansicht, dass die AWZ jedes Küstenstaates bis zu 200 sm legen könne. Da die maximale Breite des Ostchinesischen Meeres nur 360 sm beträgt 50 , ist ein großer Teil der AWZ zwischen den beiden Ländern überlappend. Japan ist daher der Ansicht, dass die Grenzlinie zwischen den beiden gegenüberliegenden Staaten deshalb genau auf der Mittellinie verlaufen sollte 51 . Hingegen ist China der Auffassung, dass sich laut der UNSRK die Ausbeutung sowie Erschließung von Öl- oder Gasfeldern nicht auf die AWZ sondern auf den Festlandsockel beziehen 52 und damit nach dem Prinzip der natürlichen Fortsetzung oder Verlängerung des Festlandsockels die zentrale Achsenlinie des Okinawa-Grabens 53 (chin. Chongsheng Haicao 冲绳海槽) die Grenzlinie zwischen beiden Staaten sein sollte. Danach sollte fast das ganze Gebiet im Ostchinesischen Meer zu China gehören 54 (siehe Abb. 1-3). Aus diesem Grund wurde die unilateral festgelegte Mittellinie Japans von der Regierung in Beijing bis heute nicht akzeptiert und anerkannt.
49 Es wird auch als UN-Seerechtsübereinkommen bezeichnet (UNSÜK).
50 Zhao/Luo: 2005, S. 52.
51 Vgl. Japan Brief vom 13.03.2006.
52 Vgl. Yu: 2006, S. 120.
53 Jap. Okinawa Torafu 沖縄トラフ.
54 Vgl. Zhu: 2006, S. 22ff.
9
Abbildung 1-3 Ansprüche Chinas und Japans auf die Seegrenze im Ostchinesischen Meer
Quelle: Inahara, 2006 (Internet-Version).
Darüber hinaus wird die von Japan befürwortete Mittellinie von China als ungerecht angesehen, da sie nicht nur von dem Billigkeitsprinzip 55 der UNSRK abweicht, sondern die Festlegung dieser Mittellinie Japans an sich problematisch ist. 56 Die umstrittenen Diaoyu-Inseln, auf die beide Staaten Hoheitsansprüche erheben, werden auch als Basispunkte für die japanische Mittellinie angewendet. 57
Warum wurde der Konflikt über die Seegrenzlinie zwischen China und Japan im Ostchinesischen Meer im Rahmen der UNSRK bis heute noch nicht gelöst und arum eskaliert er zusätzlich durch die UNSRK? Welcher Rechtsstatus wird der Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) und dem Festlandsockel in der UNSRK verliehen? Welche Probleme sind bei der Anwendung der AWZ und des Festlandsockels zu beachten und zu berücksichtigen? Nach welcher Rechtsordung - AWZ oder Festlandsockel - soll dieser Streit beigelegt werden? Welche Konfliktlösungen könnten sich eventuell ergeben? Zu diesen Fragen gibt die folgende Arbeit zunächst einen Überblick über die asiatische und insbesondere chinesische Energiesituation, um den auslösenden Hintergrund dieses Konfliktes darzulegen. Der Hauptteil dieser Arbeit gliedert sich in zwei Teile: Zum einen werden die Standpunkte der Staaten China und Japan aus der Perspektive der UN-Seerechtskonvention eingehend dargestellt. Anschließend widme ich mich insbesondere
55 Dieses Prinzip wird im Kapitel 3 erklärt.
56 Vgl. Yu: 2006, S.121; Yu: 2005 (Internet-Version).
57 Vgl. Yu: 2006, S. 121.
10
den Fragen, die als Hauptunterschied zwischen China und Japan in der Auffassung über die Abgrenzung im Donghai auftreten, sowie die Anwendbarkeit der bezüglichen Artikel der UNSRK für den Konflikt im Ostchinesischen Meer. Einige Begriffe wie AWZ und Festlandsockel werden in der Presse teilweise nicht genau oder nur einseitig dargestellt, ohne dabei Anwendbarkeit dieser Begriffe zu prüfen und den wesentlichen Streitpunkt zwischen Japan und China, zutreffend darzustellen.
„Japan ist der Auffassung, dass gemäß Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen die AWZ von der Küstenlinie eines Staates aus bis zu 200 Seemeilen auf die offene See reicht. Überschneiden sich die AWZ zweier Staaten, so verläuft die Grenze genau auf der Mittellinie zwischen den beiden Küstenlinien. China hingegen ist der Ansicht, dass seine AWZ vom Rand seines Festlandsockels aus gemessen beginnt und weit in Japans AWZ hineinreicht“ (Japan Brief vom 13.03.2006).
In dem vorangegangenen Absatz wird die Auffassung Chinas nicht angemessen dargestellt.
„Im Jahr 2004 begann China, ohne eine vertraglich geregelte Demarkierung der sich überlappenden AWZ von jeweils 200 sm beider Seiten abzuwarten, einseitig sein Chunxiao-Gasfeld zu erschließen.“ Umbach: 2006, S. 49.
Diese Formulierung führt zur Annahme, dass China im umstrittenen Gebiet Gasfelder bereits erschloß hat. Wie am Anfang des Kapitels dargestellt befinden sich die Chunxiao-Gasfelder auf unumstrittenem Gebiet, dessen Hoheitsbefugnis China besitzt. Die Gasfelder sind nur weinige Kilometer von der überlappenden AWZ entfernt. Um die o. g. Fragen zu beantworten, werden neben Nennung der bezüglichen Paragraphen in der UNSRK insbesondere Perspektiven des Völkerrechts in Präzedenzfällen vom Internationalen Gerichtshof (IGH) in der Praxis analysiert sowie die Auffassungen zahlreicher Experten und Wissenschaftler in diesem Bereich über die jeweiligen Streitpunkte des Konflikts dargestellt. Im zweiten Teil werden die Lösungsmöglichkeiten dieses Konflikts aus der Sicht Chinas diskutiert.
11
2. Energiehunger in Ostasien
2.1 Allgemeine Energiesituation Asiens
Asien ist weltweit die dynamischste Wachstumsregion. Keine andere Region in der Welt hatte in den letzten Jahrzehnten einen derartigen Energieverbrauchsanstieg zu verzeichnen. 58 Die Energienachfrage nahm zwischen 1970 und 1994 weltweit um 63 % zu, indessen wuchs die regionale Energienachfrage in ganz Asien im gleichen Zeitraum sogar um 274 %. 59
Der weltweite Erdölkonsum ist im Zeitraum 1985-2003 von 2,8 Milliarden Tonnen auf 3,6 Milliarden Tonnen gestiegen und hat jährlich im Durchschnitt um 1,6 % zugenommen. 60 Zugleich erhöhte sich der Erdölbedarf in der asiatisch-pazifischen Region 61 von ca. 0,5 Milliarden auf 1, 05 Milliarden um 0,55 Milliarden, d. h., der Erdölbedarf ist in dieser Region jährlich um etwa 6,1 % gestiegen, fast viermal so hoch wie die weltweite Steigerungsrate. 62 Innerhalb dieser Region hatte Südkorea beispielsweise zwischen 1990 und 1996 mit jährlich 12,8 % die höchste Steigerungsrate beim Rohölbedarf, gefolgt von Thailand mit 11,5 %, den Philippinen mit 7,6 %, Malaysia mit 7,4 %, China mit 7,1 % und Indonesien mit 6,5 %, während die durchschnittliche Steigerungsrate in dieser Region bei etwa 5,3 % lag. Im Jahre 1997 ist Asien zum weltgrößten Rohölkonsumenten aufgestiegen. 63 Zu den sieben weltgrößten Rohölkonsumenten im Jahr 2003 zählten sogar vier asiatische Länder: China (Rang zwei), Japan (Rang drei), Indien (Rang sechs) und Südkorea (Rang sieben). 64
2.2 Zunehmende Energieabhängigkeit im asiatisch-pazifischen
Raum
Die Haupterdölproduzenten in der asiatisch-pazifischen Region sind die sechs Staaten China, Indien, Indonesien, Australien, Malaysia und Brunei. Es wurde festgestellt, dass
58 Umbach: 2003, S. 116.
59 Vgl. Manning: 2000, S. 76. und Umbach: a.a.O, S. 116.
60 Vgl. Xinhua-Net (25.05.2005).
61 Hierunter werden die Länder in Ost- und Südostasien verstanden, die an den Pazifik grenzen. Diese De
finition schließt Länder wie Russland, Australien oder Neuguinea aus, Umbach: 2001, S. 381.
62 Vgl. Xinhua-Net (25.05.2005); auch Zhongguo Shihua Xinwen-Net (18.08.2005): Während der Erdöl
bedarf im Jahre 2004 weltweit durchschnittlich um 3,3 % gestiegen ist, lag die Steigerungsrate in Asien
bei 5 %.
63 Vgl. Umbach: 2001, S. 379.
64 Vgl. Xinhua-Net (25.05.2005).
12
bis Ende 2003 in diesem Gebiet insgesamt 5,24 Milliarden 65 Tonnen Rohölreserven zur Verfügung stehen. Das sind lediglich etwa 3 bis 3,7 % der weltweiten Vorräte. 66 Dennoch verteilen sich auf dieses Gebiet 10-11 % der globalen Ölproduktion. 67 Das reicht jedoch für diese Region nicht aus, da 28,1 % des weltweiten Ölverbrauchs im asiatischpazifischen Raum konsumiert werden. 68 Das bedeutet, dass lediglich ca. 36-39 % des Ölkonsums durch die eigene Produktion in dieser Region abgedeckt werden können und über drei fünftel vom Ölimport aus den anderen Ländern abhängig ist. 69
Abbildung 2-1 Erwateter Ölkonsums einiger Staaten bis zum Jahr 2025 (Mio. b/d)
Quelle: IEA (2005) and EIA (2005), hier Bustelo: 2005 (Internet-Version).
2.2.1 Rohölkonsum in Ostasien
Das Zentrum des Energieverbrauchs im asiatisch-pazifischen Raum ist Ostasien. 81 % des Energiekonsums und 83 % des Ölverbrauchs in dieser Region werden von Ostasien ausgemacht, dabei spielen China, Japan und Südkorea eine außerordentliche Rolle, denn
65 Davon besitzt z. B. China 2,5 Mrd. Tonnen (47,7 %); Indien ca. 0,74 Mrd. Tonnen; Indonesien 0,64 Mrd.
Tonnen; Australien 0,48 Mrd. Tonnen; Malaysia 0,41 Mrd. Tonnen, Brunei 0,19 Mrd. Tonnen. Min´an
Zhengjuan: 2004 (via Internet)
66 A.a.O. und Xinhua-Net (25,05,2005).
67 2003 wurden 348,19 Mio. Tonnen Öl in Asien-Pazifik produziert. Dabei war China mit 170,75 Mio.
Tonnen, 49 %, der größten Ölproduzenten in dieser Region, Indonesien mit 51,00 Mio. Tonnen, 15,4 %.
Ferner produzierte Malaysia 40,00 Mio. Tonnen, Indien 33,25 Mio. Tonnen, Australien 26,50 Mio. Ton
nen und Brunei 9,50 Mio. Tonnen. Min´an Zhenjuan: 2004 (via Internet).
68 Xinhua-Net (25.05.205)
69 Vgl. A.a.O.
13
die drei ostasiatischen Staaten konsumieren allein 70 % der Energie und 65 % des Erdöls aus der gesamten asiatisch-pazifischen Region. 70
Der japanische Rohölimport, der im Jahr 1992 noch etwa 77 % des gesamten asiatischen Erdölimports ausmachte, wird voraussichtlich im Jahr 2010 auf 37 % gefallen sein (siehe Tabelle 2-1) 71 . Das bedeutet nicht, dass der Rohölbedarf Japans abnimmt, sondern sich die Abhängigkeit des Ölimports der anderen asiatischen Länder drastisch erhöhen wird, vor allem von China. Ferner steigt der Energieverbrauch auch rasch in Indien, dem Land mit der weltweit zweitgrößten Bevölkerung. 72 Prognostisch wird der indische Energieverbrauch um durchschnittlich 4,6 % und der Rohölbedarf von jährlich 35 Millionen Tonnen (Stand: 1998) sogar um 10 % pro Jahr bis 2010 zunehmen. 73 Indonesien wurde als Mitglied der Organisation Erdölfördernder Länder aufgrund seiner rückläufigen Ölproduktion 2004 zum Nettoimporteur. 74 Darüber hinaus werden Malaysia, Brunei und Vietnam, die gegenwärtig noch Nettoexporteure bei Rohöl sind, zwischen 2010 und 2020 ebenfalls zu Nettoimporteuren von Erdöl werden. 75
Tabelle 2-1 Potentielle Rivalität asiatischer Staaten beim Rohölimport
Quelle: APEC International Advisory Committee for Energy Intermediate Report, June 1, 1995,
in: Calder: Asia´s Deadly Triangle, London 1997, S. 57.
70 Vgl. Zhou: 2005 (Internet-Version).
71 Vgl. Calder: 1996, S. 92, auch 1997, S.57.
72 Umbach: 2002 (b), S. 203.
73 Umbach: 2003, S. 116.
74 Vgl. Kojima: 2005, S. 33.
75 Vgl. Manning: S. 78.
76 Association of Southeast Asian Nations (ASEAN) ist eine politische, wirtschaftliche und kulturelle Ver
einigung südostasiatischer Staaten. Jedes Jahr im November findet ein Gipfeltreffen der ASEAN-Staaten
statt. Mitgliedstaaten: Thailand, Indonesien, Malaysia, die Philippinen, Singapur, Brunei, Myanmar
(Birma), Vietnam, Laos und Kambodscha. Quelle: de.wikipedia.org (06.10.2006).
14
2.2.2 Hohe Abhängigkeit vom Ölimport aus dem Nahen und Mittleren Osten: am Beispiel Japans
Bereits 1975 importierte Asien 7,7 Millionen Fass seines Gesamtimports an Rohöl in Höhe von 9,3 Millionen Fass pro Tag aus dem Nahen und Mittleren Osten. 77 In den 80er Jahren war der Import aus dieser Region aufgrund der Energiesparmaßnahmen und einer Diversifizierung von Importregionen und Energieträgern gesunken. 78 1990 machte die regionale Rohölproduktion in Asien noch 48 % des eigenen Rohölbedarfes aus, während 42 % des Verbrauchs durch Rohölimporte aus dem Mittleren Osten gedeckt werden mussten. 79 Ein rasanter Wirtschaftswachstum und eine große Gesamtbevölkerung, wie in China und Indien 80 , führten in Asien zu einem dramatischen Anstieg des regionalen E-nergieimports. 81 Im Jahre 1998 erreichte die Abhängigkeit vom Rohölimport in der Asien-Pazifik-Region 58 %. Nach Gotô steigerte sich diese Quote 2003 in Asien weiterhin auf 60 % 82 . Die International Energy Agency (IEA) rechnet damit, dass der Anteil der Ölimporte der meisten Länder im asiatisch-pazifischen Raum bis zum Jahr 2020 sogar auf 80 % zunehmen dürfte. 83
Tabelle 2-2 Die Ölimportabhängigkeit der asiatisch-pazifischen Region, 1997-2005
Quelle: Umbach: 2002 (a), S. 342.
77 Umbach: 2002 (a), S. 341.
78 A.a.O..
79 Umbach: 2002(b), S. 192.
80 Asien besitzt mehr als 50 % der Weltbevölkerung.
81 Umbach: 2003, S. 103.
82 Vgl. Gotô: Leitartikel der Nihon Keizai Shimbun, in Kokusai Mondai, April-Ausgabe 2005 und Vgl.
auch Kojima: 2005, S. 32.
83 Vgl. Fesharaki: 1999, S. 97, Xinhua-Net (25.05.2005).
15
Der japanische Energiebedarf hat während der hohen Wirtschaftswachstumsphase, Ende der 50er bis Anfang der 70er Jahre jährlich um etwa 10 % zugenommen. 84 Nach zwei Ölschocks in den 70er Jahren ging die Abhängigkeit vom Energieimport dank Energiesparmaßnahmen und verbesserter Industriestruktur und technologischer Neuerungen (Ausbau der zivilen Kernkraftenergie) sowie der effizienteren Nutzung von Erdgas in den 80er Jahren rasch zurück (siehe Tab. 2-3). 85
Tabelle 2-3 Der Wandel der Energiesicherheit Japans, 1973-2010
Quelle: Umbach 2002 (a), S. 341.
Wie die Tabelle 2-3 darstellt, ist die Rohölquote beim gesamten Energieverbrauch zwar zwischen 1973 und 2000 von 77,4 % auf 53,0 % deutlich gesunken, dennoch hat dies nichts an der hohen Abhängigkeit des japanischen Rohölimports aus dem Nahen und Mittleren Osten geändert. Der größte Teil davon kommt aus dieser Region. Auch wenn Japans Abhängigkeit vom Ölimport aus dieser Region durch Bemühungen vorübergehend reduziert werden konnte; z. B betrug 1983 die Quote des Ölimports nur 68,2 %, so hat der Anteil heute wieder den Zustand vor der ersten Ölkrise 1973-74 erreicht und liegt zwischen 81 und 85 %. 86 Davon wird der Hauptanteil aus den folgenden Ländern des Nahen und Mittleren Ostens importiert: den Vereinigten Arabischen Emiraten (24 %), Saudi-Arabien (23 %), dem Iran (13 %), Katar (10 %), Kuwait (7 %) und Oman (6 %). 87
84 Vgl. Kojima: 2005, S. 33.
85 Umbach: 2002 (a), S. 47, vgl. auch Kojima: 2005, S. 33.
86 Vgl. Kojima: 2005, S.33.
87 Vgl. Ren, 2004 (Internet-Version).
16
Japan zählt zu einem Land, in dem es kaum Erdölressourcen gibt. Mit der jährlichen Ölproduktion von 0,5-0,7 Millionen Tonnen kann lediglich etwa 0,3 % der Ölversorgung gedeckt werden. Der Rest davon muss importiert werden, d.h. ca. 99,7 % des japanischen Ölbedarfs ist vom Ölimport abhängig (siehe Tab. 2-4).
Tabelle 2-4 Wichtige Daten zu Japans Ölversorgung (Mio. Tonnen)
Quelle: IEA 2000: Oil Supply Security: The Emergency Potential of IEA Countries in 2002,
S. 177.
Abbildung 2-2 Geographische Verteilung des Ölimports in China und in Japan, 2004
17
2.3 Verschlechterte Energiesituation in der VR China
China, das vor rund zwanzig Jahren noch als der größte asiatische Ölexporteur galt und etwa ein Viertel seiner Produktion ins Ausland exportierte, ist seit 1990 zum Nettoimporteur von Energie und seit November 1993 auch zum Nettoimporteur von Rohöl aufgestiegen 88 (siehe die folgenden Tabellen).
Tabelle 2-5 Rohölproduktion und Rohölkonsum in China, 1990-2000 (Mio. b/d)
Quelle: Salameh: 1995-96, S. 135, hier Umbach: 2001, S.376.
Tabelle 2-6 Rohölexport und Rohölimport Chinas, 1985-2000 (Mio. b/d)
*Import quotas were introduced in 1994.
Quelle: Salameh: 1995-96, S. 136.
2.3.1 Schnell steigender Erdölkonsum
Aufgrund des rasanten Zuwachses des Bruttoinlandsprodukts (BIP) und des erhöhten Anteils des Erdöls am Primärenergieträger wird immer mehr Erdöl in der VR China kon- 89 ImZeitraum von 1984 bis 1995 hat sich der Ölverbrauch von 1,7 Millionen sumiert.
Barrel Rohöl pro Tag (b/d) auf 3,4 Millionen b/d verdoppelt. Im Jahre 2000 stieg der Rohölverbrauch weiter auf ca. 4,7 Millionen b/d. Dies entsprach etwa 20 % des gesamten Rohölkonsums in Asien und ca. 6 % des weltweiten Verbrauchs. 90 Zwischen 1995 und
88 Vgl. Kojima: 2005, S. 32; Umbach: 2002 (K), S. 349.
89 Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist zwischen 1994 und 2004 jährlich im Durchschnitt um 8,4 % gestie-
gen. Z. B während im Jahre 1999 noch weniger als 0,25 Millionen Autos in China verkauft wurden, stieg
die Zahl 2003 auf mehr als zwei Millionen; die Kapazität der Elektrizität hat im Zeitraum von 1987 bis
2004 von 100 Gigawatt auf 425 Gigawatt zugenommen. Der Anteil von Kohle als Primärenergieträger
ist zwischen 1995 und 2004 von 77 % auf 69 % gesunken, dagegen stieg der Anteil von Öl von 19 % auf
22 %. Bis 2020 sollte der Anteil von Kohle nur noch 56 % betragen und der von Öl auf 29 % weiter zu
nehmen. Vgl. Bustelo: 2005 (Internet-Version).
90 IEA: 2000, S.14 und Umbach: 2003, S. 106.
18
2005 verdoppelte sich der Ölkonsum wieder von 3,4 Millionen b/d auf 6,8 Millionen b/d, d. h., dass sich in China der Erdölbedarf innerhalb von zwanzig Jahren (1985-2005) vervierfachte. 91
Ende 2003 ist China erstmals zum global zweitgrößten Rohölverbraucher nach den USA aufgestiegen und hat damit Japan auf den dritten Platz verdrängt. 92 Ein Jahr später wurde China mit 11 % der Weltenergienachfrage zweitgrößter Energiekonsument der Welt, gleichzeitig der drittgrößte 93 globale Energieproduzent und der sechstgrößte 94 Erdölproduzent der Welt. Im Zeitraum 2000-2004 war China für 40 % des Anstiegs der globalen Rohölnachfrage verantwortlich. 95 Der Energiekonsum Chinas ist während dieser Zeit von 766 Megatonnen Öleinheiten (Mtoe: million tons of oil equivalent) auf 1,386 Mtoe gestiegen. Damit ist der chinesische Anteil am globalen Energieverbrauch von 8,4 % auf 13,6 % gestiegen. 96
Abbildung 2-3 Chinas Wirtschaftswachstum, 1990-2005
Quelle: Fischer: 2005, S. 19.
91 Vgl. Bustelo: 2005 (Internet-Version).
92 Ren: 2004 (Internet-Version) ; Fischer: 2005, S. 19; Umbach: 2006, S. 41.
93 Umbach: 2006, S. 40; 2007, S. 44.
94 China hat im Jahre 2005 insgesamt 183 Megatonnen (Mt) Rohöl produziert, ist nach Saudi Arabien
(519 Mt), Russland (470 Mt), USA (307 Mt), dem Iran (205 Mt) und Mexico (188 Mt) weltweit der
sechstgrößte Rohölproduzent, sein Anteil beträgt damit weltweit 4,7 %. IEA: 2006, S. 11; Vgl. auch
Kojima: 2005, S. 32.
95 Umbach: 2006, S. 40.
96 Bustelo: 2005 (Internet-Version).
19
Abbildung 2-4 Erdölkonsum in China, Japan und in den US 1990-2004 (Mio. b/d)
Quelle: BP (2005), hier Bustelo 2005 (Internet-Version).
Abbildung 2-5 Erdölkonsum und -produktion in China, 1990-2025 (Tausend b/d)
Quelle: BP (2005) and EIA (2005), hier Bustelo: 2005 (Internet-Version).
20
Im Zeitraum von 1993 bis 2002 stieg der chinesische Ölverbrauch um fast 90%, während die nationale Ölproduktion nur um 15% zunahm. 97 Laut der US Energy Information Administration (EIA, 2005) wird der weltweite Erdölverbrauch im Zeitraum 2002-2025 kontinuierlich zunehmen. Dabei soll sich die Wachstumsrate in China jährlich um 4,5 % steigern, während sich die der anderen großen Ölkonsumenten wie Indien (3,5 %,) USA (1,4 %), Südkorea (1,3 %) und Japan (0 %) langsamer entwickeln soll. 98
2.3.1.1 Beschleunigende Abhängigkeit des Erdölimports
Im Jahre 2004 betrug der chinesischen Ölkonsum 292 Millionen Tonnen und ist im Vergleich zum Vorjahr um 15,5 % angestiegen. 99 Zugleich hat die heimische Rohölproduktion im eigenen Land lediglich um 2,9 % auf 175 Millionen Tonnen zugenommen. 123 Millionen Tonnen Öl wurden in diesem Jahr importiert, und die Steigerungsrate vom Ölimport betrug 34,8 %. 100 Zugleich wurde China für ca. 36 % der weltweiten Erhöhung des Ölkonsums 2004 verantwortlich gemacht. 101
Der geringe Anstieg der gegenwärtigen Erdölproduktion Chinas kann die dynamische Erhöhung des Rohölbedarfes nicht ausgleichen. Im Jahre 2004 importierte China 3,4 Millionen b/d Öl (Rohöl und Ölprodukte), damit zählt es nach den USA mit 12,9 Millionen b/d und Japan mit 5,2 Millionen b/d zum drittgrößten Ölimporteur der Welt. Heute konsumiert China etwa 6,6 Millionen b/d Öl pro Tag. 102 Den Untersuchungsergebnissen der weltweiten großen Energieinstitute (EIA 103 , IEA 104 , IEEJ 105 , DRC 106 ) zufolge könnte der Ölbedarf im Jahre 2010 zwischen 7 und 9 Millionen b/d, 9 bis 12 Millionen b/d im Jahr 2020 und etwa 13 Millionen b/d bis zum 2030 liegen. 107 Wenn diese Prognose zutreffend wäre, würde die chinesische Abhängigkeit vom Ölimport von 51 % im Jahr 2004 auf 60 % 2010, 66 % 2020 und sogar 85 % im Jahre 2030 erreichen (siehe die folgenden Abbildungen). 108
97 Umbach: 2007, S. 44.
98 Bustelo: 2005 (Internet-Version).
99 Vgl. Xinhua-Net (25.05.2005).
100 Vgl. a.a.O.
101 Vgl. Bustelo: 2005 (Internet-Version).
102 Vgl. Bustelo: 2005 (Internet-Version).
103 Energy Information Administration (EIA), WashingtonDC.
104 International Energy Agency (IEA), Paris.
105 The Institute of Energy Economics of Japan (IEEJ), Tokyo.
106 Development Research Center (DRC), State Council, Beijing.
107 Vgl. Bustelo: 2005 (Internet-Version).
108 Vgl. Bustelo: 2005 (Internet-Version).
21
Abbildung 2-6 Erdölkonsum und -import Chinas, 2004-2030 (Mio. b/d)
Quelle: 2005 (Internet-Version).
Der rasante Anstieg des Rohölkonsums und des Importanteils ist auf die beschleunigte landwirtschaftliche Elektrifizierung, Urbanisierung (Ausbau von Fabriken, Zivilwohnungen, Geschäftsgebäuden) und den rasant ansteigenden Konsum an elektronischen Waren (wie Kühlschränke, Waschmaschinen, Fernseher, Klimaanlagen usw.) sowie auf die Entwicklungen des Transportsektors und den raschen Anstieg privater Autos zurückzuführen. 109
2.3.1.2 Begrenzte Erdölreserven
Obwohl die VR China der weltweit sechstgrößte Erdölproduzent sogar der größte in Asien ist, sind die Rohölreserven in diesem Land äußerst begrenzt. Nach Angaben von BP (2005) kann China nur noch über 17,1 Billionen Barrel verfügen. Dies beträgt etwa 1,4 % der globalen Rohölreserven. 110 In ganz Asien stehen lediglich 5 % der weltweiten Vorräte zur Verfügung. 111 Da die gegenwärtigen größeren Ölfelder in Nordostchina wie Daqing 大庆, Shengli 胜利 und Liaohe 辽河 unter Beibehaltung der derzeitigen Förderquoten in den nächsten Jahren zumeist erschöpft sein werden und die Offshore-Produktion 112 noch relativ klein ist, ist der Anstieg der heimischen Ölproduktion in den letzten Jahren
109 Umbach: 2003, S. 109; 2007, S. 45; Bustelo: 2005 (Internet-Version).
110 Vgl. A.a.O.,S. 13. Nach Umbach (2003, S. 106) verfügt China über 2,43 % der weltweiten Rohöl- und
1,2 % der globalen Erdgasreserven.
111 Vgl. Umbach: 2003, S. 107.
112 Offshore-Projekt: in the East China Sea, the Golf of Bohai, the mouth of the Pearl river and the South
China Sea). Vgl. Kenny: 2004, S. 38. auch Bustelo: 2005 (Internet-Version).
22
geringer geworden. 113 Zwischen 2000 und 2004 ist sie nur von 3,3 Millionen b/d auf 3,5 Millionen b/d gestiegen. Während der chinesischen Rohölverbrauch in den letzten Jahren jährlich 7,6 % zugenommen hat, konnte die einheimische Erdölproduktion durchschnittlich nur um 1,8 % gesteigert werden. 114 Mit großer Hoffnung von Ölexperten sollte Xinjiang in der westlichen Provinz im Jahr 2008 in der Lage sein, eine Million Barrel Rohöl pro Tag zu produzieren. 115
2.3.2 Ungünstige Aufteilung des Energieträgers
2.3.2.1 Abhängigkeit von Kohle
Abbildung 2-7 Regionale Entwicklung der Steinkohleproduktion, 1971-2005 (Mio. Ton-
nen)
Quelle: IEA: 2006, S. 14.
Während China im Jahre 1973 nur noch 18,7 % der globalen Kohleproduktion ausmachte, liegt der Anteil heute mit 44,8 % weltweit an der Spitze. Laut IEA (2006) betrug im Jahre 2005 die Kohleproduktion weltweit insgesamt 4.973 Mio. Tonnen (MT). Dabei hat China mit 2.226 MT die USA, der zweite weltweit größte Kohleproduzent mit 951 MT weit hinter sich gelassen. 116 Obwohl das Land nach den USA und Russland über die drittgröß-
113 Vgl.Bustelo: 2005 (Internet-Version).
114 Vgl. a.a.O..
115 Vgl. KPMG: 2005, S. 5.
116 Neben China und den USA zählen die Länder wie Indien (398 MT), Australien (301 MT), Südafrika
(240 MT), Russland (222 MT) auch zu den weltweiten größten Kohleproduzenten. Vgl. IEA: 2006, S.
14 ff.
23
ten Kohlereserven der Welt verfügt 117 , muss China immerhin ausländische Kohle in größeren Mengen importieren 118 , da es aufgrund des unzureichenden Straßennetzes vor allem im Landesinneren Schwierigkeiten beim Transport hat und die nationale Kohleförderung wegen der unverhältnismäßigen hohen Transportkosten zum Teil noch teurer ist als der Import aus dem Ausland. 119
Während weltweit lediglich ca. 27 % des Energiebedarfes durch Kohle gedeckt wird, ist dieser Anteil mit 69 % in China besonders hoch. Im Vergleich zum Jahr 1991 mit 78,7 % hat der Anteil der Kohle am Primärenergiebedarf in den letzten Jahren zwar abgenommen (siehe Tab. 2-7), jedoch wird er in einer ziemlich langen Phase weiterhin eine wichtige Rolle für das Land spielen. 120 Bis 2020 sollte der Anteil der Kohle am gesamten Energieverbrauch immer noch 60 % betragen. 121
Der Kohleverbrauch wird trotz des tendenziell zurückgehenden Anteils am gesamten Energieverbrauch in den nächsten Jahren weiterhin steigen. 122 Allerdings ist ein weiterer Anstieg der Kohleproduktion nur begrenzt möglich, da die Umwelt in China heute bereits stark belastet ist. 123
Tabelle 2-7 Vergleich der Verteilung des primären Energiekonsums (in %)
Quelle: BP (2005) and APERC (2004), figure 6, hier Bustelo: 2005 (Internet-Version).
117 Vgl. Umbach: 2002 (Z), S. 198.
118 Im Jahr 2005 importierte China 28 MT Kohle. Vgl. A.a.O., S. 15.
119 Vgl. Zhou: 2005 (via Inernet: Zhongguo nengyuan-Net) und Umbach: 2002 (Z), S. 198.
120 Vgl. Wang: 2004 (Internet-Version) und Umbach: 2002 (K), S. 339.
121 Vgl. Umbach: 2002 (Z), S. 200.
122 Vgl. Bustelo: 2005 (Internet-Version).
123 Vgl. Umbach: 2003, S.112.
24
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