Gliederung
1. Biographie von Bourdieu
2. Zusammenfassung des Textes
3. These 1
4. These 2
5. These 3
6. Quellenangabe
1. Biographie von Bourdieu
Pierre - Félix Bourdieu
Geboren am 1.August 1930 in Denguin
Vater: Landwirt, später Postangestellter
Mutter: Hausfrau
►er stammte aus einfachen Verhältnissen
1954: Abschluss
Arbeit als Lehrer
1958 - 1960: Soldat im Algerienkrieg
Forschungen über die Kultur der Berber
1962: Heirat mit Marie-Claire Brizard
3 Kinder: Jérôme, Emmanuel und Laurent Bourdieu
1981: Lehrstuhl am „Collège de France“
1983 : Scheidung von Marie-Claire
1990er : setzt sich für die demokratische Kontrolle ökonomischer Prozesse ein
1995: Solidarisierung mit streikenden Bahnarbeitern
1998: Unterstützung der Arbeitslosenbewegung in Frankreich
Am 23. Januar 2002 stirbt Bourdieu in Paris an einer Krebserkrankung
2. Zusammenfassung des Textes
Pierre-Félix Bourdieu, einer der renommiertesten französischen Soziologen des 20. Jahrhunderts, beschäftigte sich im Zuge empirischer Forschung mit den sozialen Ungleichheiten in der Gesellschaft.
Um den Aspekt der Sozialisation zu beschreiben, verwendet Bourdieu Begriffe wie Kapital, sozialer Raum und Habitus, die im weiteren Verlauf erläutert werden.
Seine Ausführungen beginnen mit der Begriffserklärung des Kapitals, welches man bisher lediglich mit ökonomischen Aspekten in Zusammenhang gebracht hat.
Er geht davon aus, dass die Aufteilung der Gesellschaft in Klassen durch die unterschiedliche Verfügbarkeit von Kapital hervorgerufen wird und um dieses besser zu verdeutlichen unterscheidet er das Kapital 3 Teilbereiche.
Das ökonomische Kapital spiegelt die herkömmliche Definition des Kapitals wieder. Es beschreibt den Besitz jeder Art von Ware, wie beispielsweise Unternehmen, Produktionsmittel aber auch Geld, Schmuck und Kunstwerke, die direkt in Geld konvertierbar sind.
Das kulturelle Kapital, die zweite Kapitalsorte Bourdieus, beschreibt sowohl Investitionen finanzieller als auch zeitlicher Art, die dazu verwendet werden, bestimmte Kenntnisse und Fähigkeiten zu erwerben. Auch hier unterscheidet Bourdieu 3 Sorten des Kulturkapitals. Das inkorporierte Kulturkapital beschreibt alle nicht angeborenen Eigenschaften, wie z.B. die Sprechweise, die in manchen Regionen über den sozialen Status der Person entscheidet. Um sich inkorporiertes Kulturkapital anzueignen muss jeder Mensch einzeln Zeit investieren. Es ist Bestandteil einer Person und kann deshalb nicht durch Schenken, Vererbung oder Kauf weitergegeben werden.
Das Objektivierte Kulturkapital umfasst Objekte, wie beispielsweise Bücher, Kunstwerke und Musikinstrumente, die im Gegensatz zum inkorporierten Kulturkapital materiell übertragbar sind. Jedoch müssen bei der „symbolischen Aneignung“, was soviel bedeutet wie die richtige Nutzung, dieser Objekte Fähigkeiten und Kenntnisse in inkorporierter Form vorliegen. Das institutionalisierte Kulturkapital, welches somit die dritte Form des Kulturkapitals darstellt, umfasst Bildungstitel wie z.B. das Abitur. Diese Bildungstitel können auf dem Arbeitsmarkt in ökonomisches Kapital umgewandelt werden, jedoch hängt dies von der relativen Seltenheit des jeweils institutionalisierten Kulturkapitals ab. Was soviel bedeutet,
dass das Abitur beispielsweise auf den Arbeitsmarkt wertvoller wirkt, je weniger es erworben haben.
Bei der letzten Kapitalform Bourdieus handelt es sich um das soziale Kapital, welches sich auf die Beziehungen der Individuen untereinander bezieht.
Es bietet ihnen Zugang zu Ressourcen des gesellschaftlichen Lebens, wie beispielsweise Unterstützung und Hilfeleistung. Um sich soziales Kapital anzueignen ist, Bourdieu zufolge, stetige „Beziehungsarbeit“ erforderlich.
Der Begriff des Habitus bezeichnet nach Bourdieu die Beeinflussung von der Wahrnehmung, dem Handeln und Denken eines Menschen durch gesellschaftliche Bedingungen. Aufgrund von diesen Dispositionen kann auf den sozialen Ort eines Menschen oder auf die jeweilige Zugehörigkeit zu einer Gruppe geschlossen werden. Eigenschaften des Habitus sind:
1. Unbewußtheit (Erfahrungen werden verinnerlicht und führen unbewusst zu einem bestimmten Verhalten oder einer bestimmten Einstellung) 2. Regelhaftigkeit (die erzeugten Dispositionen basieren auf objektiven Regeln) 3. Kollektivität ( der Habitus bezieht sich auf eine Gruppe von Personen, nicht auf das einzelne Individuum)
Nach Bourdieu wirkt der Habitus nicht determinierend sondern limitierend. Die Entscheidungs- und Willensfreiheit bleibt innerhalb der durch den Habitus markierten Grenzen erhalten.
Da Habitualisierung schon in der Kindheit und Jugend geschieht, kann sie auch als Sozialisation bezeichnet werden. Der einmal erworbene Habitus bleibt dann in der Regel ein Leben lang erhalten, wenn er nicht durch wechselnde soziale Bedingungen verändert wird. Desweiteren sind Habitusformen klassen-, geschlechts-, berufs- oder generationsspezifisch, mitentscheidend ist, welcher sozialen Gruppe eine Person angehört. Um Bourdieus Begriff des Habitus zu verdeutlichen bedient sich Koller eines Beispiels aus „About a Boy“ von Nick Hornby.
In dieser Passage (S. 13 f) wird Will beim Ausfüllen eines Psychotests in einem Männermagazin gezeigt. Hier werden persönliche Vorlieben und Lebensgewohnheiten gezeigt. Aus den Fragen und den dazugehörigen Antworten können Schlüsse auf den Habitus gezogen werden. Der eben nichts über den individuellen Lebensstil aussagt, sondern über die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Typus, in diesem Fall zum Typ des „Young urban professional“, dem „Yuppie“ (mit der Abweichung, dass Will seinen finanziellen Status nicht durch eigene Erwerbsarbeit erreicht). Fionas Habitus wird dagegen als eher alternativ beschrieben und steht im Gegensatz zu Wills Habitus. Koller sieht in diesen unterschiedlichen Beschreibungen den Bestandteil einer Milieustudie über den sozialen Raum des Englands der 1990er Jahre (vgl. S.154).
Sozialisation als Positionierung im sozialen Raum
Im Folgenden geht der Autor der Frage nach, aus welchen ,,Kapitalsorten’’ und welchem ,,Mischungsverhältnis’’ sich die Gesamtmenge an Kapital zusammensetzt und über welche Menge an Kapital ein Individuum oder eine Gruppe verfüge.
Bourdieu stellt hier die These auf, dass die Kapitalgröße und die Zusammensetzung dessen, entscheidet, welchen Rang bzw. ,,Position’’ der Einzelne oder eine Gruppe im ,,sozialen Raum’’ einnehme.
In einem Achsenkreuz versucht er nun den ,,sozialen Raum einer Gesellschaft’’ vor dem ,,Hintergrund der Unterscheidung von Kapitalsorten’’ darzustellen. Auf der y-Achse wird der Wert des Kapitalvolumens angezeigt und auf der x-Achse die ,,Kapitalstruktur’’, als entweder mehr ,,kulturelles als ökonomisches Kapital’’ oder andersherum. Durch dieses Achsenkreuz könne man nach Bourdieu also den Stand jedes Gesellschaftsmitglieds einordnen. Als Beispiel dafür bezieht er sich auf About a boy und vergleicht die Position von Will und Fiona.
Bourdieu stellt nun die These auf, dass die Stellung eines Individuums oder einer Gruppe im ,,sozialen Raum’’ über das gesellschaftliche Ansehen und den Erfolg im Gefüge des sozialen Raums bestimmen würde, sowie die Position auch bestimmte Gewohnheiten, Einstellungen und Präferenzen, erzeuge.
Die Gestaltung des Lebens eines Individuums, so Bourdieu, ist nicht nur auf die eigene Befriedigung der Bedürfnisse ausgelegt, sondern auch nach dem Bestreben eine bessere Position inne zu haben als andere.
Der ,,Lebensstil’’ eines Menschen sei eine Konsequenz aus seiner ,,Position im sozialen Raum, also eine Folge von Sozialisation’’.
Die Bedeutung von Bourdieus Gesellschafts- und Sozialisationstheorie für die Erziehungswissenschaft
Bourdieu macht mit seiner Gesellschafts- und Sozialisationstheorie für die Erziehungswissenschaft deutlich, dass die Erziehung mehr von der Verteilung des Kapitals abhängig sei, als von dem pädagogischen, auf die Erziehung bezogenes Handeln. Daraus könne man folgern, dass die Tragweite für Erziehung als Interaktionen zwischen Erzieher und Educanden und für die Bildung die Möglichkeit der Selbstentfaltung, geringer sei, als Erziehungs- und Bildungstheorien erscheinen lassen. Bourdieus Sichtweise kann so zu einem, eher der Realität entsprechenden, Blickwinkel der ,,Erziehungswirklichkeit’’ leiten und so zu der Erkenntnis führen, dass pädagogischem Handeln Grenzen aufgelegt sind und die gesellschaftlichen Bedingungen vor Augen führen.
So könne man Kants These (,,Der Mensch ist nichts, als was die Erziehung aus ihm macht.’’) umformulieren, zu der Hypothese:
,,Der Mensch ist nichts, als was die Sozialisation aus ihm macht.’’ Nicht nur das beabsichtigte Formen, das Erzieher anwenden, sondern auch die ,,ungleiche Verteilung des Kapitals’’ und die damit verbundenen unterschiedlichen ,,Lebenschancen’’ , die Stellung im sozialen Raum und die Habitualisierung, die passieren, ohne jede Art von Erziehung von Seiten des Pädagogen - alles das formt die Heranwachsenden. Die Grenzen Bourdieus Gesellschaftstheorie zeigen sich darin, dass Bourdieu sich hauptsächlich einer theoretischen Erklärung der stetigen Wiederholung des gesellschaftlichen Produktionsprozesses sozialer Ungleichheit widme und so der ,,relativen Stabilität gesellschaftlicher Verhältnisse’’.
Er lässt erkennen, dass trotz der Kritik gegenüber den ,,Erscheinungsformen und Ursachen sozialer Ungleichheit keine ausführliche Auseinandersetzung mit den Vorraussetzungen und Möglichkeiten eines veränderten politischen oder pädagogischen Engagements findet.’’ Bourdieu erläutert keine Lösungen für die Ungleichheit und Vorschläge für die Veränderungen im pädagogischen handeln, die diesen Ungleichheiten entgegenwirken könnte.
So hat seine Gesellschaftstheorie eher eine beschränkte als eine bestimmte Funktion. Seine Theorie, so Koller, könne ,,pädagogische Zielsetzung eher relativieren und illusionäre Vorstellungen und Erwartungen in Frage stellen, als veränderndes, eingreifendes Handeln zu begründen und anzuleiten.’’
Arbeit zitieren:
Annika Friese, 2006, Der Sozialisationsbegriff der Gegenwart: P.F. Bourdieu, München, GRIN Verlag GmbH
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