Einleitung und Fragestellung. 3
Die Bedeutung des Neopatrimonialismus in Afrika. 5
Mali. 6
Politische Ereignisse in Mali bis zum Systemwechsel 1992. 6
Die Rolle Moussa Traorés. 8
Die Rolle des Militärs 8
Die Rolle der Nationalkonferenz. 10
Weitere Faktoren 11
Togo 12
Politische Ereignisse in Togo bis 1991 12
Die Rolle Eyadémas 14
Die Rolle der Nationalkonferenz. 14
Die Rolle des Militärs 15
Zusammenfassung der Ergebnisse 16
Verwendete Abkürzungen. 18
Literaturverzeichnis. 18
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Einleitung und Fragestellung
Anfang der 90er Jahre kam es zu einer Welle von Demokratisierungsbemühungen in fast allen Ländern Subsahara-Afrikas, die sich scheinbar nahtlos in die Dritte Welle der Demokratisierung (Huntington 1991) einfügte. Auch heute noch stehen die Erfolge und Rückschläge afrikanischer Länder auf dem Weg zu einem demokratischen System im Blickpunkt internationaler Aufmerksamkeit (s. die Unruhen in Kenia im Dezember/Januar 2007/2008 oder die aktuellen Wahlen in Simbabwe). Ihre Untersuchung und Erforschung schreitet stetig voran - sei es in Einzelfallstudien (s. u.a. Hanke 2001; Helm 2004; Meinhardt/Patel 2003) oder vergleichenden Fallstudien (u.a. Hartmann 1999, Houngnikpo 2001) - und wirft auch Fragen bezüglich der Angemessenheit des Transitionskonzeptes auf (Carothers 2002; Hartmann 2001). Da die Erfolge afrikanischer Demokratisierungsversuche gemessen an funktionierenden liberalen Demokratien als Misserfolge gewertet werden müssen, soll mit der vorliegenden Arbeit nicht nach den Defiziten afrikanischer Demokratien im internationalen Vergleich gesucht werden, sondern - wie schon Hartmann (2001: 136) forderte - nach den Variablen gesucht werden, die zu einem erfolgreichen Systemwechsel (gemessen an afrikanischen Maßstäben) beitragen. Die Arbeit konzentriert sich daher auf den unterschiedlichen Transitionsverlauf zweier afrikanischer Länder und die unterschiedlichen Faktoren, die dabei wirkten. Unter einer erfolgreichen Transition wird im Folgenden der Übergang eines autokratischen Systems zu einem demokratischen ver-standen, der sich in die Phasen Liberalisierung, Demokratisierung und Konsolidierung gliedert (s. u.a. Merkel 1999). Liberalisierung bedeutet dabei die Öffnung des politischen Systems, die Gewährung individueller Rechte und Schutz vor Willkür - aber noch innerhalb eines autoritären Systems. Demokratisierung meint hingegen die Einrichtung demokratischer Strukturen wie Gewaltenteilung und die Einrichtung eines Mehrparteinsystems (O´Donnell/Schmitter 1986: 7f). Transitionen müssen nicht zwingend in der Umsetzung demokratischer Strukturen enden, sondern können nach diesem Verständnis also auch scheitern bzw. stecken bleiben. Mit Mali wird in dieser Arbeit zum einen eines der wenigen Länder Afrikas herangezogen, das für einen erfolgreichen Transformationsprozess steht (Tetzlaff/Jakobeit 2005: 179; Hanke 2001). Zum Vergleich wird mit Togo ein ebenfalls frankophones afrikanisches Land gewählt, dessen Demokratisierungsbemühungen schon früh durch den autoritären Herrscher zunichte gemacht wurden (Helm 2004). Der ähnliche Kolonialisierungshintergrund der beiden Länder soll die Kolonialisierung als Ursache für unterschiedliche Transitionsverläufe weitestgehend ausschließen. Diese Annahme kann in der vorliegenden Arbeit zwar nicht untersucht werden, stützt sich aber auf die Untersuchungen anderer vergleichender Arbeiten (s. Hanke 2001: 55ff, s. auch Ostheimer 1999 für die lusophonen Staaten Afrikas).
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Es wurde schon viel über den möglichen Zusammenhang zwischen Demokratie und Entwicklung geschrieben (s. Lipset 1960; Przeworski/Limongi 1997) und lange Zeit wurde es als unmöglich angesehen, dass so unterentwickelte Länder wie Mali oder Togo (Mali belegt im Human Development Index im Jahr 2007 Rang 173 von 177, Togo Rang 152; http://hdr.undp.org/ en/statistics/) einen erfolgreichen Demokratisierungsprozess vorweisen können (Tetzlaff/Jakobeit 2005). Positivbeispiele wie der Fall Malis widerlegten diese Annahme. Diese Debatte soll jedoch in die vorliegende Arbeit keinen Eingang finden; die Transitionsverläufe in Mali und Togo sollen unabhängig von ihrem jeweiligen Entwicklungsstand untersucht werden. Auch der Einfluss externer Faktoren soll in dieser Arbeit nicht thematisiert werden, obwohl beide Länder in den 80er Jahren an den Strukturanpassungsprogrammen von Weltbank und IWF teilnahmen und dadurch einen gewissen Druck erfuhren, Liberalisierungsmaßnahmen durchzuführen (Hanke 2001: 41; Helm 2004: 120ff). Dies kann aber in beiden Ländern als nicht ausschlaggebend für den Transitionsprozess gelten.
Die Transitionsverläufe der beiden Länder sollen daraufhin untersucht werden, welche internen Faktoren und Akteure für den unterschiedlichen Verlauf und das Scheitern im Falle Togos verantwortlich waren. Beiseite gelassen werden soll die Betrachtung der protestierenden Bevölkerung und zivilen Oppositionsgruppen. Ihre Entstehung und Aktivitäten gleichen sich in den beiden Ländern: In Mali als auch in Togo formierte sich Widerstand gegen das autoritäre Regime aufgrund wirtschaftlicher Engpässe und Krisen. Dieser Widerstand organisierte sich zuerst überwiegend in Beamten- und Studentenkreisen, die von dem Verlust staatlicher Arbeitsstellen und damit dem Rückgang klientelistischer Versorgung in diesen Staaten am meisten Betroffen waren. Aufgrund mangelnder Reformmaßnahmen schlug dies dann rasch in Protest gegen den Herrschenden und das bestehende politische System um. Diesen Protest exkludierter Gruppen, die ihren Zugang zum klientelistischen System fordern, beschreibt z. B. Hanke für den Ausbruch der Transitionsbemühungen in Mali (Hanke 2001: 107-111).
Begonnen wird mit einer Darstellung des Konzepts neopatrimonialer Herrschaft, das für den afrikanischen Kontinent von herausragender Bedeutung ist und nach Bratton/van de Walle (1997) auch Implikationen für den Transitionsverlauf in afrikanischen Staaten hat. Danach wird jeweils der Verlauf des Transitionsprozesses in Mali und Togo Anfang der 90er Jahre skizziert und seine Vorgeschichte seit der Unabhängigkeit miteinbezogen. Dies soll eine Betrachtung der Ereignisse im Zusammenhang mit früheren Gegebenheiten gewährleisten und die Spezifika der neopatrimonialen Herrschaftsform für den Transitionsverlauf berücksichtigen. Die Faktoren, die für Erfolg oder Scheitern des Transitionsverlaufs sorgten, werden dabei herausgearbeitet und in einer Schlussbetrachtung miteinander verglichen.
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Die Bedeutung des Neopatrimonialismus in Afrika
Bratton und van de Walle legten 1997 den „herausragenden Versuch einer Anwendung transiti-onstheoretischer Konzepte auf die afrikanischen Länderkontexte“ vor (Hartmann 2001: 309) und hoben dabei die Bedeutung des neopatrimonialen Herrschaftssystems für afrikanische Staaten hervor. Die Autoren nehmen an, der Neopatrimonialismus habe auch Einfluss auf den Verlauf von Transitionen. (Bratton/van de Walle 1997: 61f).
Neopatrimonialismus zeichnet sich durch drei wesentliche Charakteristika aus (Bratton/van de Walle 1997: 63-68): Erstens ein starker Präsident, der alle politische Macht in seinen Händen hält und einen Kult um seine eigene Person aufbaut. Zweitens eine systematische gesellschaftliche Verankerung des Klientelismus, der sich vor allem durch die Vergabe von Posten in staatlichen Unternehmen kennzeichnet. Und drittens die Verwendung staatlicher Ressourcen und Gelder für eigene Zwecke. In der Folge wächst der öffentliche Sektor in Ländern mit neopatrimonialem System auf unglaubliche Weise an, erfüllt seine Aufgaben aber dennoch nicht. Der Teil der Bevölkerung, der nicht im klientelistischen System eingebunden ist, leidet daher unter mangelnder Versorgung mit öffentlichen Gütern; die wirtschaftliche Situation verschlimmert sich auch aufgrund falscher staatlicher Politiken. Die Folge ist auch eine weitgehende Abkopplung des ländlichen Raumes (Hanke 2001: 34).
Eine wesentliche Rolle spielt im neopatrimonialen System daher die Legitimität des Herrschenden, welche er sich über klientelistische Beziehungen zu sichern versucht. Kommt es nun aufgrund wirtschaftlicher Krisen, Misswirtschaft oder Überdehnung des klientelistischen Systems zur mangelnden Versorgung der eigenen Klientel, ist die Legitimität des Herrschers schnell gefährdet. In Anlehnung an Bratton/van de Walle (1997) argumentiert Hanke, die eine umfassende Studie zum Systemwechsel in Mali vorgelegt hat (2001), daher, dass der Verlust an Legitimität aufgrund der spezifischen Bedingungen neopatrimonialer Herrschaft der maßgebliche Faktor war, der zu den Transformationsprozessen in vielen Ländern Afrikas geführt hat (Hanke 2001: 41). In Anlehnung an Bratton/van de Walle (1997: 83-89) schlägt sie unter anderem folgende Faktoren als wesentliche Determinanten von Transformationsprozessen in neopatrimonialen Systemen vor (Hanke 2201: 42):
- Transitionen in neopatrimonialen Systemen haben ihren Ursprung in sozialem Protest
- Der Verlauf hängt von bestimmten Entscheidungen des Präsidenten ab: Die Abtrittsbereitschaft des Präsidenten hängt stark davon ab, mit welchen juristischen Verfolgungen er zu rechnen hat
- Eliten spalten sich durch unterschiedlichen Zugang zum Patronagesystem: Es sind weniger die ideologischen Auseinandersetzungen zwischen Hardlinern und Softlinern (s.
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O´Donnell/Schmitter 1986) als die Auseinandersetzungen zwischen den vom Patronagesystem exkludierten und inkludierten Gruppen
Hanke fügt der Aufstellung von Bratton/van de Walle dabei einen entscheidenden Faktor im Transformationsverlauf hinzu:
- Das Verhalten des Militärs übt entscheidenden Einfluss aus: In 13 Ländern der dritten Welle in Afrika intervenierte das Militär; in sieben Ländern unterstützte es den Demokratisierungsprozess, in sechs Ländern unterdrückte es diesen (a. Snyder 1992). Im Weiteren sollen die Transitionsverläufe in Mali und Togo besonders auf die Rolle des Präsidenten und die Rolle des Militärs hin untersucht werden. Eine Untersuchung der Rolle sozialer Protestbewegungen und exkludierter Gruppen soll aus den schon oben genannten Gründen verzichtet werden. Dafür soll auch die Rolle und Arbeit der Nationalkonferenz in beiden Ländern genauer betrachtet werden, da vor allem in Mali herausragende Arbeit von dieser geleistet wurde.
Mali
Politische Ereignisse in Mali bis zum Systemwechsel 1992
Nach der Unabhängigkeit Malis von Frankreich im Jahre 1960 kam es - nach der sozialistisch geprägten Herrschaft von Modibo Keita - 1968 durch einen unblutigen Militärputsch zur Militärherrschaft unter Oberst Moussa Traoré. Der sozialistische Kurs wurde besonders im ökonomischen Bereich verlassen, Staatsbetriebe wurden jedoch weitgehend erhalten, um die Klientel weiterhin bedienen zu können (Hanke 2001: 96). 1979 kam es zur Verabschiedung einer Verfassung und der Gründung der Einheitspartei UDPM (Union Démocratique du Peuple Malien), die bei den folgenden Parlaments- und Präsidentschaftswahlen hohe Siege errang. Eine vordergründige Demokratisierung war damit abgeschlossen, Oppositionsbemühungen wurden aber weiterhin unterdrückt (Hanke 2001: 97). Traoré überzog das Land mit einem Netzwerk klientelistischer Beziehungen; das Militär besetzte alle wichtigen Funktionen und sicherte somit Traorés Machterhalt; der Staatsapparat war aufgebläht. Mali kann zur Zeit Traorés daher als typisches Beispiel neopatrimonialer Herrschaft gelten (s.o.).
Aufgrund von Dürren und Öl- und Wirtschaftskrisen verschlechterte sich die ökonomische Situation des Landes dramatisch. Politischer Protest gegen die Einparteienherrschaft zeigte sich bereits ab Anfang der 80er Jahre in Studenten- und Exilantenkreisen. Zur Gründung von politisch motivierten Assoziationen und Vereinigungen kam es innerhalb Malis jedoch erst ab Mitte der 80er Jahre (im Folgenden Hanke 2001: 101ff). 1988 kündigte Traoré zögernd Liberalisierungen an, die jedoch nur symbolische Änderungen darstellten und keinen Gewinn an politischen Freiheiten für die Bevölkerung bedeuteten. Nach Hanke war es vor allem das 1988 verab-
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Arbeit zitieren:
Isabel Meyer, 2008, Faktoren des Transitionsverlaufs in Togo und Mali, München, GRIN Verlag GmbH
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