2. Korrigieren
Der Begriff des Korrigierens ist mit dem des zu beseitigenden Fehlers verbunden und setzt daher voraus, dass immer ein Sollwert (definierte, richtige Bewegungsausführung) und ein zu korrigierender Istwert (momentane, falsche Bewegungsausführung) existieren. Der Fehler wird daraus resultierend als Differenz zwischen Ist- und Sollwert definiert. Verlaufsorientierte Bewegungen wie z.B. das Turnen haben einen relativ klar definierten Sollwert. Resultatsorientierte Bewegungen, wie man sie in den Sportspielen wieder findet, haben dagegen eine erheblich größere Bandbreite an Sollwerten. GÖHNER spricht daher nur von einem Fehler, wenn die Funktion der Bewegung nicht erfüllt wird. Ein richtiges „Korrigieren“, also eine Beseitigung von etwas Falschem, findet daher eigentlich nur in verlaufsorientierten Sportarten statt. In resultatsorientierten Bewegungen kann demnach kein einheitlicher und allgemeingültiger Sollwert festgelegt werden, da in diesem Fall viele Bewegungslösungen das geforderte Ergebnis ermöglichen. 3. Verbessern
Aus oben genanntem Problem des Korrigierens hat man weiterhin den Begriff des Verbesserns eingeführt, bei welchem keine starre Einteilung in „richtig - falsch“ erfolgt. Statt Fehler zu beheben werden beim Verbessern bereits vorhandene Qualitäten der Schüler weiterentwickelt. Daher haben hier Lernprozesse keinen Endpunkt mehr, vielmehr hat jeder Entwicklungsschritt seinen eigenen äquivalenten Wert im Vergleich zum Endprodukt. Auch sollte man den Aspekt der Qualitätssteigerung im Vergleich zum Ausgangszustand der Schüler im Zusammenhang mit “sich verbessern“ erwähnen.
Wichtig in Bezug auf die Begriffe des Korrigierens und Verbesserns ist die Tatsache, dass beiden ein Beobachten als grundlegende Voraussetzung vorangeht.
III. Thema: Beobachten
Sportlehrer beobachten während des Unterrichts vielfältige Inhalte (Bewegungen, Spielhandlungen, Taktik, Klassenkonflikte, Geräteaufbau,…), werden mit variierenden Beobachtungsausschnitten konfrontiert (ganze Klasse, bestimmte Gruppe/Mannschaft, einzelne Schüler, …) und müssen sich daher entscheiden auf was sie ihre Beobachtungsabsicht legen wollen. Verschiedene Ziele des Lernens (Bewegungsfertigkeit, soziales Lernen, Sicherheit,…), welche verschiedenen Anforderungen an den Lehrer stellen, konkurrieren hierbei, sollten teilweise gleichzeitig verfolgt werden und stören sich daher oft gegenseitig. Das Beobachten des Lehrers kann folglich nur einen kleinen Teil der
Unterrichtsrealität erfassen, und daher sollte das Beobachtete auch immer aus der Lehrabsicht heraus erfolgen.
Eine gute Beobachtungskompetenz stellt einen Grundstein für den Berufserfolg eines Sportlehrers dar und ist erlernbar, da die Wahrnehmungsleistung beim Beobachten kenntnis-und übungsabhängig ist. Ein Lehrer kann sein Beobachtungsresultat durch 2 Maßnahmen verbessern. Zum einen indem er seine Erwartungen beeinflusst und seine Wahrnehmung steuert. Zum anderen indem er Strategien zur Wahrnehmung entwickelt. Wird z.B. ein bestimmter Fehler der Schüler vom Lehrer erwartet, so kann er diesen schneller erkennen und korrigieren („man weiß, wo und wann man hinzuschauen hat“). Jedoch muss man auch die äußeren Gegebenheiten beachten, da diese das Beobachten entscheidend verändern können. Der Lehrerstandort muss ausgehend von der Lehrabsicht gewählt werden (was will man sehen, und von wo aus kann ich das sehen?), damit man einen optimalen Blickwinkel, Blickfeld und Bildausschnitt auf das Unterrichtsgeschehen erhält. IV. Thema: Korrigieren und Verbessern
Der Vorgang des Korrigierens besteht aus vielen Einzelhandlungen und stellt hohe Ansprüche in Bezug auf Erfahrung und Können an den Lehrer, weshalb es auch häufig als schwierige Lehrtätigkeit eingestuft wird. Der Lehrer muss in der Unterrichtspraxis kurzfristig auf Situationen reagieren und für die Lösungen aus zahlreichen Methoden auswählen, ein einfaches Schema X existiert hierbei nicht. Um diese Entscheidungen treffen zu können, gibt es einige Voraussetzungen für das Korrigieren und Verbessern, für eine erfolgreiche Korrektur/Verbesserung die erfüllt werden sollten.
Bei der eindeutigen Vermittlungsabsicht geht es um die Frage, was der Lehrer vermitteln will. Die Tätigkeiten des Korrigierens und Verbessern sind nicht von der Lehrhandlung zu trennen und für deren Erfolg muss eine eindeutige Lehrstrategie existieren. Ist diese nicht vorhanden und verfolgt der Lehrer mehrere Vermittlungsabsichten gleichzeitig, entstehen leicht Widersprüche, welche ein konsequentes und angemessenes Verbessern der Schüler und das erreichen der Lehrziele behindern. Eine klare und geschlossene Vermittlungsabsicht lässt den Sollwert leichter bestimmen, was auch den Zeitpunkt der Korrektur entscheidend beeinflusst. Bei offenen Aufgaben sind von vornherein weniger Fehler möglich, es muss aber auch entsprechend weniger korrigiert werden und höchstens Verbesserungen dürfen erfolgen.
Eine eindeutige Vermittlungsabsicht an sich ist jedoch nicht ausreichend um in einem angemessenen Maße korrigieren und verbessern zu können. Man benötigt zusätzlich ein handlungsrelevantes Wissen über die zu vermittelnde Sache. Der Lehrer benötigt daher eine detaillierte Bewegungsvorstellung, ein Verständnis der Bewegungszusammenhänge, ein geschultes Bewegungssehen sowie umfassende Eigenerfahrung um eine entsprechende Verbesserungsmaßnahme treffen zu können.
In Bezug auf die Methodenvielfalt des Lehrers ist die Chance eine zutreffende Maßnahme für die vorliegende Situation zu finden umso größer, je mehr Methoden dem Lehrer bekannt sind. Wichtig ist hierbei, dass man ein Gleichgewicht zwischen der Methodenvielfalt und dem konsequenten Anwenden eine einer schon bewährten Methode findet. Man sollte nicht andauernd neue Methode anwenden, jedoch auch nicht stur an einer alten, schon bewährten Methode festhalten, auch wenn die Situation mit ihr nicht zu lösen ist. Betrachtet man die Einstellung zu Fehlern im Lernprozess, so sollten Lehrer ausreichendes Wissen über den Lernprozess und die Informationsverarbeitung der Schüler besitzen, um effektive Lernunterstützungen geben zu können. Für das Korrigieren ist vor allem die Rolle der Fehler entscheidend für das Lernen, da diese bei der Aneignung einer sportlichen Bewegung nur schwer auszuschließen sind. Nach SINGER haben Fehler, die sich während des Lernprozesses nicht verfestigen, durchaus einen positiven Einfluss auf die Technikerlernung. Daher sollte man auch nicht versuchen, sie gänzlich zu eliminieren, sondern vielmehr sehr bewusst ihnen umgehen, um so einen Lernerfolg erreichen zu können. Die Methode der Gegensatzerfahrung, bei welcher Fehler bewusst begangen werden, ist in diesem Zusammenhang sehr erfolgreich.
Um seine Fähigkeiten im Unterricht effektiv anwenden zu können sollte ein Lehrer zwingend die Lernvoraussetzungen seiner Schüler kennen und einschätzen können. Hierfür sind seine Beobachtungsfähigkeit und die daraus gezogenen Schlussfolgerungen entscheidend, da gewisse Verbesserungsmaßnahmen in bestimmten Altersgruppen an den kognitiven Lernvoraussetzungen der Schüler scheitern können.
Aber auch eine günstige Beobachtungsperspektive ist maßgeblich am Korrekturerfolg beteiligt.
Eine letzte Voraussetzung stellt das Korrekturwissen des Lehrers im engeren Sinne dar. Hierbei sind drei Größen für eine erfolgreiche Korrektur entscheidend. Zum einen der Zeitpunkt der Korrektur, wobei ein zu Korrigieren in frühen Lernphasen wie auch Korrekturen während der Bewegungsausführung zu vermeiden sind. Korrigiert man ca. 5-
Arbeit zitieren:
Isabelle Glauner, 2009, Korrigieren und Verbessern im Sportunterricht, München, GRIN Verlag GmbH
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