Einleitung
Im Folgenden sollen die psychologischen wie auch die neurophysiologischen Grundlagen des Mentalen Trainings näher beleuchtet werden. Es werden dabei im ersten Teil die Erzeugung und Entwicklung von Vorstellungen und Bewegungsvorstellungen im Fokus stehen. Zusammenhänge von Bewegungswahrnehmungen und Bewegungsrepräsentationen wie auch das Konzept des Bewegungs- Wahrnehmungssystems sind hierbei die zentralen Themen.
Auf die neurophysiologischen Grundlagen, insbesondere auf die Theorie der neuronalen Plastizität und deren Zusammenhang mit dem motorischen Lernen wird im zweiten Teil das Augenmerk liegen. Weiterhin werden Erkenntnisse neurowissenschaftlicher Studien zum Mentalen Training zusammengefasst und die Funktion und Wirkungsweise des sensomotorischen Systems erläutert.
2
Psychologische Grundlagen
„Mentales Training ist eine Trainingsmethode, die eine
Bewegungsvorstellung voraussetzt und die darauf abzielt, durch das
geistige Wiederholen einer motorischen Aktion diese zu optimieren und zu
stabilisieren.“ ( Eberspächer et al. 2002)
Daher ist eine möglichst intensive sowie differenzierte Bewegungsvorstellung nicht nur die Voraussetzung sondern auch der zentrale Baustein des mentalen Trainings.
Vorstellungen werden grundsätzlich auch als Prüf- und Führungsgröße des menschlichen Handelns verstanden (Eberspächer 2001), bzw. als Schablonen des Handelns (Mayer, Hermann 2009). Menschen erstellen für nahezu jegliche Situationen bestimmte Vorstellungen und versuchen entsprechend diesen zu handeln. Dabei können eigene Vorstellungen enttäuscht wie auch übertroffen werden. Das Entwickeln von optimalen und zugleich realistischen Vorstellung ist daher für Situationen mit Leistungscharakter entscheidend. Durch mentales Training der eigenen Vorstellungen können Lern- und Leistungssteigerungen erzielt werden. Hierbei sind jedoch fehlerfreie, lückenlose und zeitlich angepasste Bewegungsvorstellungen für optimale Trainingseffekte entscheidend.
Wahrnehmung und Repräsentation von Bewegung
Vorstellungen sind klar von Wahrnehmungen abzugrenzen. Nach Munzert (2001) basieren Vorstellungen auf wahrnehmungsartigen Erscheinungen, ohne dass entsprechende externe Wahrnehmungsstimuli vorliegen. White und Hardy (1998) definieren die Vorstellung als Erfahrung, die die reale Erfahrung imitiert und sich von Träumen dahingehend unterscheidet, dass sie bewusst erzeugt und gesteuert werden kann. Der Generierungsprozess einer Vorstellung kann durch das
neuropsychologische Modell des Vorstellungsprozesses verdeutlicht werden (Farah 1984; Munzert 2001). Dabei werden Inhalte des Langzeitgedächtnisses abgerufen und ins Arbeitsgedächtnis transformiert. Nach dieser
3
Transformation, dem Prozess der Vorstellungsveränderung, entstehen dann wahrnehmungsartige Erscheinungen, welche die Grundlage für das kreative Potenzial von Vorstellungen bilden.
Vorstellungen können sich grundsätzlich auf die Vergangenheit wie auch auf die Zukunft beziehen und besitzen weiterhin individuell verschieden Qualitäten. Voraussetzung für ihre Existenz ist dabei die Fähigkeit des menschlichen Gedächtnisses, Wahrnehmungen neuronal zu speichern, zu repräsentieren und das aktive Zurückgreifen auf diese Repräsentationen. Bereits erlebte Situationen und deren Vorstellungen beeinflussen die Bildung von Vorstellungen über zukünftige oder bevorstehende Ereignisse in hohem Maße. Ein Vergleich der eigenen Vorstellungen mit der real erlebten Situation prüft in wie weit die eigenen Vorstellungen erfüllt wurden. Im Gedächtnis gespeicherte Erfahrungen von bereits erlebten Situationen bilden folglich die Basis von Vorstellungen. Dabei ist das Erinnern ein aktiver und konstruktiver Prozess, der durch die subjektive Prägung jeder Person große individuelle Differenzen beim Abrufen und Speichern der Erfahrungen aufweist. Daher ist auch die Wahrnehmung selbst kein objektiver, sondern ein rein subjektiv geprägter Prozess, was an der subjektiv konstruierten Wirklichkeit eines jeden von uns deutlich wird. Eine objektive, unabhängige Wirklichkeit existiert im Grunde nicht, hat es dennoch in manchen Situationen diesen Anschein, so ist dies lediglich eine Orientierung an einer gleichen, objektiven Wirklichkeit.
Nach der Theorie des Informationsverarbeitungsansatzes, in der das Nervensystem als Instrument aufgefasst wir, über welches der Organismus Informationen aus der Umwelt aufnimmt und diese dazu benutzt Abbildungen bzw. Repräsentationen der Umwelt zu erstellen, wird der Mensch folglich als Informationsverarbeitungssystem angesehen (Mayer, Hermann 2009). Die Umweltinformationen werden intern verarbeitet und repräsentiert, was das Verhalten schließlich als Resultat aus Umwelteingaben an das Nervensystem darstellt. Dieser Ansatz steht jedoch vor allem wegen seiner Mensch-Computer Analogie, dem Zeitverbrauch der Informationsverarbeitung und der begrenzten Informationsverarbeitungskapazität in der Kritik.
4
Arbeit zitieren:
Isabelle Glauner, 2010, Mentales Training - Psychologische und neurophysiologische Grundlagen, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Aggressives Verhalten und die moderne Gehirnforschung
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 40 Seiten
Die Ursachen aggressiven Verhaltens. Theorien und Hypothesen
Pädagogik - Pädagogische Soziologie
Hausarbeit, 23 Seiten
Sport - Sportpsychologie: Mentales Training - Psychologische und neurophysiologische Grundlagen ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Sport - Sportpsychologie: neuer Titel erschienen: Mentales Training - Psychologische und neurophysiologische Grundlagen
Isabelle Glauner hat einen neuen Text hochgeladen
Bieten Sie Ihrem Hund mehr "Ac...
Anders Hallgren, Gabriele Lehari
Mental Training for Peak Performance: Top Athletes Reveal the Mind Exe...
Steven Ungerleider, Nick Bollettieri
0 Kommentare