Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
„Die Logik des Kollektiven Handelns. Kollektivgüter und die Theorie der Gruppen“ von Mancur Olson 4
Olsons Aussagen zur Funktionsweise großer Gruppen 4
Übertragung der Aussagen von Olson zu kleinen Gruppen auf gemeinschafts-basierte AIDS Organisationen 5
Zusammenfassung der Überlegungen zu gemeinschafts-basierten AIDS Organisationen 8
„Macht und Gesellschaftsstruktur“ von James Coleman 9
Entstehung der neuen korporativen Akteure und die Machtverschiebung zwischen ihnen und den Individuen 9
Übertragung einiger Aussagen von Coleman auf gemeinschafts-basierte AIDS Organisationen 10
„Parteien, Verbände und Bewegungen als Systeme politischer Interessenvermittlung“ von Dieter Rucht 15
Gemeinschafts -basierte AIDS Organisationen als soziale Bewegung? 15
Gemeinschafts -basierte AIDS Organisationen als intermediäres System? 18
„Weder Markt noch Hierarchie. Netzwerkartige Organisationsformen“ von Walter Powell 20
Zusammenfassung 21
Literaturverzeichnis 23
2
Einleitung
In der vorliegenden Hausarbeit sollen die Ansätze von Mancur Olson (Die Logik des Kollektiven Handelns. Kollektivgüter und die Theorie der Gruppen), James Coleman (Macht und Gesellschaftsstruktur), Dieter Rucht (Parteien, Verbände und Bewegungen als Systeme politischer Interessenvermittlung) und Walter Powell (Weder Markt noch Hierarchie. Netzwerkartige Organisationsformen), die im Seminar „Nichtsstaatliche politische Organisationen“ be-handelt wurden, zu ihrer Aussagekraft bezüglich gemeinschafts-basierter AIDS Organisationen untersucht werden.
Da die eben genannten Texte das Zusammenkommen und Handeln von nichtstaatlichen politischen Organisationen oder privaten Akteuren in ihrer Gesamtheit betrachten, schien es mir lohnenswert, die Ansätze der verschiedenen Autoren bezüglich ihrer Aussagekraft zu einer speziellen Art von nichtsstaatlichen Organisationen zu untersuchen. Die einzelnen Aussagen der Autoren sollen dahingehend überprüft werden, inwieweit sie sich auf die gemeinschafts-basierten AIDS Organisationen übertragen lassen oder inwieweit diese Ansätze nicht alle Gruppen der nichtsstaatlichen politischen Organisationen berücksichtigen. Die Gruppe der gemeinschafts-basierten AIDS Organisationen stellen im Feld der nichtstaatlichen politischen Organisationen einen besonderen Vertreter dar. Ihr grundlegender Unterschied im vergleich zu anderen Nicht-Regierungsorganisationen besteht laut Kenis darin, dass sie nicht nur für die betroffenen Gruppen, sondern mehrheitlich von diesen Gruppen selbst ins Leben gerufen worden sind (Kenis 2000: 124).
Ich möchte mich in meinen Ausführungen nicht auf gemeinschafts-basierte AIDS Organisationen in aller Welt beziehen, sondern hauptsächlich auf die gemeinschafts-basierte AIDS Organisation ACT-UP (AIDS Coalition to Unleash Power; http://www.actupny.org/ index.html), um das Thema in der Kürze einer Hausarbeit angemessen bearbeiten zu können und um meine Ausführungen mit praktischen Erläuterungen und Beispielen dieser Organisation zu untermauern. ACT-UP soll dabei stellvertretendes Beispiel für viele westlichen gemeinschafts-basierten AIDS Organisationen sein, die sich im Gegensatz zu afrikanischen oder asiatischen Organisationen anfangs fast ausschließlich aus der Gruppe der durch Bluttransfusionen mit dem HI-Virus infizierten Personen und aus der Gruppe der mit AIDS infizierten Homosexuellen gründeten (Kenis 2000: 128). Ursprünglich wurde ACT-UP 1987, 6 Jahre nach der ersten Identifizierung des HI-Virus, in New York gegründet und konnte sich in den letzten fast zwei Jahrzehnten nach Angaben von ACT-UP in über 70 weitere Städte und Regi-
3
onen in den USA und weltweit ausbreiten (http://www.actupny.org/documents/capsulehome.html). ACT-UP nimmt daher eine weitgehende Vorreiterrolle unter den gemeinschafts-
basierten AIDS Organisationen ein und stellt ein sehr erfolgreiches und engagiertes Beispiel dar. Deshalb scheint es mir angemessen, ACT-UP als Maßstab für die Überprüfung der Aussagkraft der verschiedenen Ansätze zu gemeinschafts-basierten AIDS Organisationen zu nehmen.
„Die Logik des Kollektiven Handelns. Kollektivgüter und die
Theorie der Gruppen“ von Mancur Olson
Olsons Aussagen zur Funktionsweise großer Gruppen
Olson behandelt in seiner zuerst 1968 erschienen Schrift „Die Logik des kollektiven Handelns“ vornehmlich die Bedingungen für den Zusammenschluss großer Gruppen von Individuen zur Erreichung eines gemeinsamen Zieles.
Olson wendet sich unmittelbar am Anfang seiner Schrift gegen die herkömmliche Auffassung, „daß Gruppen deren Mitglieder gemeinsame Interessen haben, gewöhnlich versuchen, diese gemeinsamen Interessen zu fördern“ (Olson 1985: 1). Er setzt dem entgegen, dass jedes Mitglied einer Gruppe neben dem gemeinsamen Gruppeninteresse - selbst wenn dies dem Eigeninteresse entspricht - auch über weitere individuelle Interessen verfüge (Olson 1985: 7). Jedes einzelne Mitglied ist nämlich als Homo oeconomicus immer danach bestrebt, seinen Nutzen zu maximieren und seine Kosten zu minimieren.
Olson sieht die grundlegende Funktion in jeder Art von Organisation in der Bereitstellung von Kollektivgütern (Olson 1985: 15). Diese können dabei für die gesamte Gesellschaft oder nur für Mitglieder der einzelnen Organisation zur Verfügung stehen. Da unter Kollektivgütern alle Güter zu verstehen sind, die erstens von unzähligen Konsumenten genutzt werden können, ohne sich zu erschöpfen, und zweitens auch von Konsumenten genutzt werden können, die nicht für dieses Gut bezahlt haben, würde sich das einzelne Mitglied einer Gruppeder Gesellschaft oder einer einzelnen Organisation - als Homo oeconomicus nun irrational verhalten, wenn es sich für das gemeinsame Ziel, das Kollektivgut, engagieren würde. Denn auch ohne eine Beteiligung an der Erstellung des Kollektivgutes kann der Einzelne an diesem Gut partizipieren. Er kann dadurch seine Kosten auf Null minimieren und dennoch die vollen Vorzüge des Kollektivgutes nutzen.
4
Olson spezifiziert damit in seiner Argumentation das Nicht-Engagement als das zentrale Problem kollektiven Handelns, welches als „Trittbrett-Fahren“ bezeichnet wird. Dieses Nicht-Engagement kann durch folgende Bedingungen unterbunden werden: Erstens können die Mitglieder der Gruppe „durch Zwang dazu genötigt werden“, sich an der Erstellung des Kollektivgutes zu beteiligen, oder sie können zweitens durch zusätzliche individuelle Anreize dazu bewogen werden, sich an der Erstellung und den Kosten des Gruppengutes zu beteiligen (Olson 1985: 2).
Die Möglichkeit des Trittbrett-Fahrens ist laut Olson besonders hoch bei großen Gruppen. Denn je kleiner die Gruppe, je weniger Individuen sich also um die Erstellung eines bestimmten Gutes bemühen, desto größer ist der Grad an sozialer Kontrolle: In kleineren Gruppen ist der Einzelne sehr leicht durch andere Mitglieder zu überwachen, in großen Gruppen hingegen ist die Chance, dass das Nicht-Engagement eines Einzelnen nicht auffällt sehr viel höher. Nach der Argumentation des Homo oeconomicus sinkt damit die Wahrscheinlichkeit für freiwilliges Engagement für das Gruppenziel, je größer die entsprechende Gruppe ist (Olson 1985: 125).
Übertragung der Aussagen von Olson zu kleinen Gruppen auf gemeinschaftsbasierte AIDS Organisationen
Da die Gruppe der mit dem HI-Virus infizierten Personen auch weltweit mit ca. 40 Millionen Betroffenen eine kleine Gruppe darstellt, fällt sie nicht unter die von Olson betrachtete Art der großen Gruppen. In der vorliegenden Hausarbeit soll auch gar nicht die Gruppe aller weltweit von AIDS betroffenen Personen betrachtet werden, sondern ich konzentriere mich, da ich speziell die gemeinschafts-basierte AIDS Organisation ACT-UP untersuchen möchte, auf die Gruppe der AIDS Infizierten im Raum New York. Auch sie stellen innerhalb dieses Raumes eine kleine und keine große Gruppe dar. Die Aussagen von Olson zu großen oder latenten Gruppen sind also nicht auf ACT-UP übertragbar. Im Folgenden werden daher seine Aussagen zu kleineren Gruppen auf ihre Übereinstimmungen mit gemeinschafts-basierten AIDS Organisationen überprüft.
5
Die Fähigkeit zu freiwilligen Zusammenschlüssen bei kleinen Gruppen
Olson sagt selbst über seine Theorie: „Sie braucht sich nicht auf die privilegierten und mittelgroßen Gruppen anwenden zu lassen, weil diese kleineren Gruppen oft eine Interessenvertretung oder irgendwelche anderen kollektiven Vorteile ohne selektive Anreize bereitstellen können.“ (Olson 1985:132) Kleinen Gruppen spricht Olson die Fähigkeit zu, „sich freiwillig zu organisieren und in Verfolgung ihrer gemeinsamen Interessen zu handeln“ (Olson 1985: 125). Auch wenn Olson bei diesen Ausführungen vornehmlich kleine Gruppen mit wirtschaftlichen Interessen vor Augen hatte, lassen sich seine Aussagen auch auf gemeinschafts-basierte AIDS Organisationen übertragen: Die These des freiwilligen Zusammenschlusses lässt sich gut auf die Anfänge von ACT-UP übertragen und auch selektive Anreize waren nicht nötig, da alleine das kollektive Interesse der Bekämpfung von AIDS zu einem freiwilligen Zusammenschluss führte.
Die These des höheren Einflusses kleinerer Gruppen
Die Sonderinteressen kleiner Gruppen besitzen laut Olson gegenüber den althergebrachten Interessen großer latenter Gruppen unverhältnismäßig mehr Einfluss und Macht, da es kleine Gruppen besser als große Gruppen verstehen, sich zu organisieren und aktiv zu sein (Olson 1985: 126).
Ob diese Aussage Olsons sich auf gemeinschafts-basierte AIDS Organisationen übertragen lässt, ist nicht so einfach zu beurteilen: Zwar haben Gruppen wie ACT-UP schon große Erfolge im Kampf für eine bessere medizinischer Versorgung der Betroffenen und gegen die Diskriminierung der von AIDS Betroffenen erreichen können, inwieweit ihre Interessen bei Pharma-Unternehmen und staatlichen Gesundheitsbehörden aber mehr Einfluss besitzen als zum Beispiel die Interessen der an Bluthochdruck oder Diabetes erkrankten Personen, die jeweils eine deutlich größere Gruppe in westlichen Ländern darstellen, muss hier unbeantwortet bleiben. Es könnte immerhin spekuliert werden, dass die Interessen der von so genannten Volkskrankheiten wie Bluthochdruck betroffenen Personen stärker berücksichtigt werden, da auf Seiten der Pharma-Konzerne mit diesen Krankheiten mehr Gewinn erwirtschaftet werden kann als mit AIDS. Da Organisationen wie ACT-UP aber sehr öffentlichkeits-wirksam agieren, könnte aber auch vermutet werden, dass der öffentliche Druck, den ihre Aktionen auslösen, eine schnellere und bessere Erforschung und eine im Vergleich sich schneller verbessernde Behandlung der Krankheit zur Folge haben als bei Krankheiten, deren Betroffenen
6
Arbeit zitieren:
Isabel Meyer, 2006, Überprüfung der Ansätze von Olson, Coleman, Rucht und Powell zu ihrer Aussagekraft bezüglich gemeinschafts-basierter AIDS-Organisationen und speziell der Organisation ACT-UP, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Politologie / Politik: Überprüfung der Ansätze von Olson, Coleman, Rucht und Powell zu ihrer Aussagekraft bezüglich gemeinschafts-basierter AIDS-Organisationen und speziell der Organisation ACT-UP ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Politologie / Politik: neuer Titel erschienen: Überprüfung der Ansätze von Olson, Coleman, Rucht und Powell zu ihrer Aussagekraft bezüglich gemeinschafts-basierter AIDS-Organisationen und speziell der Organisation ACT-UP
Isabel Meyer hat einen neuen Text hochgeladen
James Coleman: Projected Images, 1972-1994
James Coleman, Jean Fisher, Benjamin H. D. Buchloh
Protest, Power, and Change: An Encyclopedia of Nonviolent Action from ...
Roger S. Powers, S. Powers Roger
Outlines & Highlights for Where the Domino Fell: America and Vietnam 1...
Cram101 Textbook Reviews
Outlines & Highlights for Where the Domino Fell: America and Vietnam 1...
Cram101 Textbook Reviews
Die Logik kollektiven Handelns bei Delegation
Das Organisationsdilemma der V...
Hans-Jörg Schmidt-Trenz
0 Kommentare