Inhaltsverzeichnis
Tabellenverzeichnis iv
Abk ürzungsverzeichnis iv
1 Einleitung 1
2 Der Untersuchungsgegenstand: Die Gruppe der Nichtraucher 2
2.1 Spezifikation des Begriffes „Gruppe der Nichtraucher“ 2
2.2 Entstehung von lokalen Nichtrauchervereinen ab Mitte der siebziger Jahre 4
3 Theorien 5
3.1 Mancur Olsons Theorie „Die Logik des kollektiven Handelns“ 5
3.1.1 Kernaussagen der Theorie Olsons 5
3.1.2 Die Erklärungskraft der Theorie Olsons für die Entstehung der Nichtrauchervereine 7
3.2 Anreize nach Clark/Wilson 9
3.3 Die Theorie des politischen Unternehmers 10
3.4 Weitere Faktoren 11
4 Datenerhebung und Methode 12
4.1 Fallauswahl und Leitfadeninterview 12
4.2 Operationalisierung der Anreize nach Olson 14
4.3 Operationalisierung der Anreize nach Clark/Wilson 16
4.4 Operationalisierung der Motive nach der Theorie des politischen Unternehmers 17
4.5 Operationalisierung weiterer Faktoren 17
5 Ergebnisse 18
5.1 Überprüfung der selektiven Anreize nach Olson 22
5.2 Überprüfung der Anreize nach Clark/Wilson 24
5.3 Überprüfung der Theorie des politischen Unternehmers 25
5.4 Überprüfung weiterer Faktoren 26
ii
6 Zusammenfassung 29
Literaturverzeichnis 31
Verzeichnis der verwendeten Internetauftritte 33
Anlagen 34
1. Aufbau des Leitfadeninterviews 34
iii
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Ergebnisse der Experteninterviews Seiten 19-21
Abkürzungsverzeichnis
ÄARG Ärztlicher Arbeitskreis Rauchen und Gesundheit e.V. e.V. eingetragener Verein NID Nichtraucher-Initiative Deutschland e.V.
iv
1 Einleitung
In den letzten Monaten konnte wieder einmal exemplarisch beobachtet werden, wie sich effektive Lobbyarbeit von Wirtschaftsinteressen scheinbar mühelos über das Allgemeinwohl der Bevölkerung hinwegsetzt: Trotz wochenlanger Diskussion und zahlreicher Referenten- und Parlamentsvorschläge scheint Deutschland von einem Nichtraucherschutzgesetz noch weit entfernt. Obwohl sich nach einer Umfrage im Auftrag des Deutschen Krebs-forschungszentrums 63,8 Prozent der deutschen Bevölkerung im September 2006 für rauchfreie Gaststätten aussprachen 1 , sind die Interessen und Belange der Nichtraucher hierzulande dennoch weitgehend unterrepräsentiert.
Die Probleme großer Gruppen bei der Verfolgung ihrer Interessen brachte 1965 Mancur Olson auf den Punkt und überwand damit die Sichtweise des Pluralismus, alle Interessen seien gleichermaßen artikulierbar und im politischen Prozess einzubringen. Wie ist es aber zu erklären, dass sich trotz dieser Schwierigkeiten für große Gruppen bereits vor über dreißig Jahren Vereine und Initiativen gründeten, die sich öffentlich für eine rauchfreie Gesellschaft aussprachen und versuchten, den Nichtraucherschutz in der Bundesrepublik zu stärken? Worin lagen die Motive und Anreize für die Entstehung dieser Nichtrauchervereine und wie sind diese mit Olsons Theorie vereinbar? Olson wurde vielfach dafür kritisiert, seine Theorie könne die Entstehung von Organisationen großer Gruppen nicht erklären. Anhand einer gründlichen Untersuchung soll hier geprüft werden, ob der Entstehungsprozess der Organisation der Nichtraucher nicht doch mit den von Olson getroffenen Annahmen zu erklären ist oder ob auf andere Erklärungen und Theorien zurückgegriffen werden muss und ob sich die Schwäche der Theorie Olsons auch in diesem Fall bestätigt. Mit Hilfe von Interviews mit Gründungsmitgliedern der Nichtrauchervereine soll den Auslösern und Ursachen für deren Gründung nachgegangen werden und die Überprüfung Olsons erfolgen.
Zu Anfang dieser Untersuchung erfolgt eine grobe Bestandsaufnahme der bisher kaum beachteten Gruppe der Nichtraucher und der Nichtrauchervereine, die sich seit Mitte der siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts in Deutschland gegründet haben. In Kapitel 3 werden dann die Kernaussagen der Theorie Olsons vorgestellt und - unter Berücksichtigung der Kritik an Olson - ihre mögliche Erklärungskraft für das Entstehen der Nichtrauchervereine geprüft. Zusätzlich werden zwei weitere Konzepte - das Konzept der selektiven Anreize nach Clark/Wilson (1961) und die Theorie des politischen Unternehmers - auf
1 http://www.dkfz-heidelberg.de/de/presse/pressemitteilungen/2006/dkfz_pm_06_82.php, zuletzt zugegriffen
am 22.2.2007.
1
ihre Erklärungskraft für die Entstehung der Nichtrauchervereine hin untersucht. Sie bieten weitere Anhaltspunkte für Auslöser und Anreize der Entstehung von Organisationen großer Gruppen, die die Theorie Olsons ergänzen und ihre Schwachstellen überwinden können. Nach der Operationalisierung der möglichen Anreize und Auslöser in Kapitel 4, erfolgt in Kapitel 5 die Auswertung der durch die Experteninterviews erhobenen Daten. Sie sollen zeigen, inwiefern die Entstehung der Nichtrauchervereine mit der Theorie Olsons erklärbar ist oder inwiefern auf Erklärungen der anderen beiden Konzepte zurückgegriffen werden muss.
Ziel der Untersuchung ist die Gewinnung neuer Erkenntnisse über den Erklärungsgehalt der Theorie Olsons zur Entstehung der Organisation großer Gruppen anhand ihrer Anwendung auf die bisher kaum beachtete Gruppe der Nichtraucher.
2 Der Untersuchungsgegenstand: Die Gruppe der Nichtraucher
2.1 Spezifikation des Begriffes „Gruppe der Nichtraucher“
Im Folgenden soll der Begriff „die Gruppe der Nichtraucher“ als die Gruppe derer verstanden werden, die sich durch Tabakrauch in der Öffentlichkeit, in Kneipen und am Arbeitsplatz, kurzum in der Gesellschaft, belästigt fühlen und für ein Rauchverbot an den eben genannten Plätzen stimmen würden. Die Nichtraucher und auch Raucher, die sich dadurch nicht gestört fühlen und gegen ein Rauchverbot sind, werden nicht miteinbezogen, da sonst kein einheitliches Gruppeninteresse vorläge, nämlich das Interesse an rauchfreier Umgebung. Das Vorhandensein eines gemeinsamen Gruppeninteresses ist jedoch von grundlegender Bedeutung für eine Analyse der Organisationsgründe der „Nichtraucher“ nach Mancur Olson. Der Begriff „Nichtraucher“ soll deshalb im Folgenden auch nicht für nichtrauchende, sondern für diejenigen Personen stehen, die an einem Nichtraucherschutzgesetz und rauchfreier Umgebung interessiert sind. Eine aktive Verfolgung dieses Interesses ist jedoch nicht nötig. Diese begriffliche Unschärfe soll in Kauf genommen werden, um den Lesefluss zu erleichtern.
Da die Organisation der Nichtraucher in Vereinen Mitte der siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts begann, sollte auf Daten zum Zuspruch der Bevölkerung zu einem Rauchverbot in öffentlichen Bereichen aus diesem Zeitraum zurückgegriffen werden. Dies kann aber leider nicht erbracht werden, da im Gegensatz zu heute diese Zahl in Umfragen nicht erhoben wurde und aus dieser Zeit insgesamt weniger statistisches Material vorliegt. Zu beachten ist außerdem, dass die Risiken des Rauchens und des Passivrauchens damals
2
noch nicht in dem Maße erforscht waren und Rauchen deshalb eine größere Selbstverständlichkeit darstellte als heute. In den Quellen des Statistischen Bundesamtes sind daher lediglich wirtschaftliche Angaben zum Pro-Kopf-Verbrauch an Zigaretten zu finden, die allerdings wenig Aussagen zu der tatsächlichen Zahl der Raucher in den siebziger Jahren machen. Nach Angaben des Robert Koch Instituts im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit stieg der Zigarettenkonsum in der Bundesrepublik Deutschland bis Anfang der siebziger Jahre kontinuierlich an, verharrte dann auf fast gleich bleibendem Niveau und sank erst wieder nach 1990 spürbar (Gesundheitsberichterstattung des Bundes 2006: 108). Nach neuesten Angaben des Statistischen Bundesamtes rauchten im Jahr 2005 27,2 Prozent der deutschen Bevölkerung regelmäßig oder gelegentlich 2 . Obwohl davon ausgegangen werden muss, dass der Anteil der rauchenden Bevölkerung in den siebziger Jahren, aufgrund des höheren Tabakkonsums, höher war als heute, bildete die nicht rauchende Bevölkerung dennoch sicherlich auch damals mit mehreren Millionen Menschen eine große Gruppe, wenn nicht die Mehrheit der Bevölkerung. Es ist davon auszugehen, dass auch diejenigen, die sich an Tabakrauch störten, eine große Gruppe stellten. Hierfür spricht auch, dass sich aufgrund der damaligen Selbstverständlichkeit des Rauchens manche Personen nicht getraut haben, selbst im kleinen Kreis Stellung gegen das Rauchen zu beziehen. Dies kann zum Beispiel den Ausführungen der Befragten in den Interviews 1,2 und 7 entnommen werden. Im Folgenden werden die Nichtraucher der siebziger Jahre daher als große Gruppe im Sinne von Olson behandelt.
Im Blickfeld der Untersuchung stehen die Nichtraucher und ihre Organisationen, so genannte Nichtrauchervereine oder Nichtraucher-Initiativen, die sich für den Nichtraucherschutz und eine rauchfreie Gesellschaft stark machen. Als Merkmal für Organisation soll hier ein Eintrag ins Vereinsregister herangezogen werden, der einen schon beachtlichen Organisationsgrad bei den betrachteten Gruppen erkennen lässt und auch für eine gewisse Außenwirkung und Vertretung der Interessen nach außen stehen soll. Bei kleineren Gruppen, die eher einem örtlichen Stammtisch oder einem freundschaftlichen Beisammensein gleichen mögen, wird wohl kaum eine so aktive Verfolgung der Interessen der Nichtraucher zu finden sein, wie bei den eingetragenen Vereinen, deren Anliegen es ist, den Nichtraucherschutz im Allgemeinen zu stärken und nicht nur in der eigenen Gruppe zu praktizieren. Dieses gemeinsame Ziel ist Grundlage für die folgende Analyse.
2 http://www.destatis.de/basis/d/gesu/gesutab7.php, zuletzt zugegriffen am 22.2.2007.
3
2.2 Entstehung von lokalen Nichtrauchervereinen ab Mitte der siebziger Jahre
Ab Mitte der siebziger Jahre entstanden auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland so genannte Nichtrauchervereine und -Initiativen, die sich für den Schutz der Nichtraucher und eine rauchfreie Gesellschaft engagieren 3 .
Der erste Nichtraucherverein in Deutschland gründete sich 1974 in Ulm unter dem Namen „Aktive Ulmer Nichtraucher“. Seit 1987 besteht der Verein in Ulm und Neu-Ulm unter dem Namen „Nichtraucher-Initiative Ulm/Neu-Ulm e.V.“ 4 . Es folgten Vereinsgründungen unter anderem in München 5 1977, in Stuttgart 6 1978 und in Berlin 7 und Freiburg 8 1981 Mit der Nichtraucher-Initiative Deutschland e.V. (NID), dem 1988 gegründeten Dachverband der lokal gegründeten Initiativen, verfügen diese Gruppen außerdem über eine bundesweite Vertretung. Die NID ist nach eigenen Angaben die größte ausschließlich mit dem Thema Rauchen beschäftigte Nichtregierungsorganisation in Deutschland. Ihr gehören rund 700 Einzelpersonen sowie derzeit 13 Vereine mit ca. 4000 Mitgliedern an 9 , darunter unter anderem die oben genannten Vereine. Die Nichtraucher-Initiative Deutsch-land e.V. kann demnach als Lobby-Organisation der Nichtraucher aufgefasst werden und dokumentiert damit den gestiegenen Organisationsgrad.
Ziel aller lokalen Vereine und Initiativen ist es, den Nichtraucherschutz in der Öffentlichkeit zu stärken und eine rauchfreie Gesellschaft zu verwirklichen, in der sich nie-mand durch Tabakrauch belästigt oder gesundheitlich gefährdet fühlen muss. Die Informationsbereitstellung und Weitergabe spielen deshalb eine große Rolle. Eine wichtige Aufgabe ist es außerdem, Hilfe suchende Personen bei der Durchsetzung des Nichtraucherschutzes am Arbeitsplatz zu unterstützen und sich allgemein für Rauchverbote in Verkehrsmitteln, an Hochschulen und anderen öffentlichen Räumen stark zu machen 10 . Einige Initiativen bieten neben diesen Aktivitäten auch ein breites rauchfreies Freizeitprogramm an, das von Kegelabenden und Wanderungen bis hin zu rauchfreien Faschings- oder Silvesterbällen reicht 11 .
3 z.B. www.nichtraucher-berlin.de, www.nrs-hh.de, www.nichtraucher-freiburg.de, www.ni-muenchen.de,
zuletzt zugegriffen am 21.2.07.
4 http://www.nichtraucher-nun.de/der_verein/zweck/index.php, zuletzt zugegriffen am 19.2.2007.
5 http://www.ni-muenchen.de/content/view/5/15/, zuletzt zugegriffen am 19.2.2007.
6 http://www.nichtraucher.net/, zuletzt zugegriffen am 19.2.2007.
7 http://www.nichtraucher-berlin.de/, zuletzt zugegriffen am 19.2.2007.
8 http://www.nichtraucher-freiburg.de/nichtraucherfreiburg.htm, zuletzt zugegriffen am 19.2.2007.
9 http://www.nichtraucherschutz.de/vereins-informationen/allgemeines/kurzinfo_-ue-ber_die_nichtraucher-
initiative_deutschland_e.v..html, zuletzt zugegriffen am 21.2.2007.
10 z.B. www.nichtraucher-berlin.de, http://www.nichtraucher-wiesbaden.de/, beide zuletzt zugegriffen am
21.2.2007.
11 z.B. http://www.ni-muenchen.de/content/view/41/37/, http://www.nichtraucher.net/, beide zuletzt zugegrif-
fen am 21.2.2007.
4
Arbeit zitieren:
Isabel Meyer, 2007, Was führte zur Organisation der latenten Gruppe der Nichtraucher?, München, GRIN Verlag GmbH
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