Humboldt-Universität zu Berlin Wintersemester 2000/2001 Philosophische Fakultät III Institut für Sozialwissenschaften
Seminar: Italien in den Sozialwissenschaften
Katholizismus in Italien
Dominik Sommer
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Inhaltsverzeichnis 02
0. Aufbau 03
1. Etymologische Erklärung 03
2. Religion als Sinnsystem im Vergleich 03
3. Idealtypisierung: Katholizismus- vs. Protestantismustyp 05
4. Jeff Pratt: Catholic Culture 05
4.1 Religionsvermittlung: Organisation der katholischen Kirche 06
4.2 Religiöse Inhalte: Theologie 07
5. Der Katholizismus und die italienische Politik nach 1945 09
5.1 Phase I.: Polarisierung 09
5.2 Phase II.: Universelles Ethos 11
5.3 Robert N. Putnam: Religion und Zivilgesellschaft 11
Literatur 13
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0. Aufbau
Die Arbeit befasst sich mit dem Phänomen des Katholizismus im allgemeinen und dem Einfluss der Religion auf die italienische Gesellschaft. Dabei werden zuerst Affinitäten zwischen politischen und religiösen Sinnsystemen und eine organisationale und inhaltliche Bestimmung der katholischen Religion - auch in Abgrenzung zum Protestantismus - vorgenommen. Darauf aufbauend schließt sich an Hand von Jeff Pratt und Robert N. Putnam eine Darstellung des Katholizismus in Italien seit dem Zweiten Weltkrieg bis in die Gegenwart an.
1. Etymologische Erklärung
Das deutsche Adjektiv katholisch stammt aus dem 16.Jh. und leitet sich von kirchenlateinisch „catholicus“ ab. Der lateinische Ausdruck geht auf das griechische Wort „katholicos“ zurück, das „das Ganze, alle betreffend, allgemein“ bedeutet. Die katholische Kirche ist demnach die allgemeine Kirche gegenüber den Sonderkirchen. Es handelt sich um einen Abgrenzungsversuch gegenüber Sekten (Teilkirchen). Demnach ist der Begriff Katholizismus im 15.Jh. im Zusammenhang mit der reformatorischen Kirchenspaltung als Pendant zum Protestantismus entstanden. Der Begriff Protestant, ein Anhänger der lutherisch reformierten Kirche, kommt vom lateinischen Verb protestari, das soviel bedeutet wie „öffentlich bezeugen, eine Gegenerklärung abgeben“. Der Begriff des Katholizismus ist damit die Gegenerklärung der Gegenerklärung. Bis Ende des 19. Jh. war der Katholizismus auch eine Selbstabgrenzung gegenüber der säkularisierten Gesellschaft. Der Katholizismus als Synonym für die katholische Kirche steht für den Geist und die Lehre des katholischen Glaubens.
2. Religion als Sinnsystem im Vergleich
Nach Bernhard Schäfer ist "Religion ist das zentrale Sinnsystem, das einem gesellschaftlichem Zusammenhang kollektive Identität und Bedeutung verleiht" (Schäfer 1992: 248). Als religiös zu qualifizierende Bedürfnisse äußern sich in der
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Suche nach Lebenssinn, Identität und Mitmenschlichkeit. Religionsmuster können somit als stabilisierte Sinn- und Handlungszusammenhänge beschrieben werden. Jedoch teilen sie Sinn- und Identitätsstiftung mit modernen Wissenschaftsbereichen wie der Philosophie und Soziologie genauso wie mit älteren und jüngeren Ideologien wie bspw. Nationalismus oder Marxismus. Hier erscheint die Frage entscheidend, auf welchen Grunderfahrungen das zentrale Sinnsystem aufbaut, ob nämlich auf Leid und Unrechtserfahrungen (wie im Falle der christlichen Religion), sozialer Ungleichheit (Marxismus) oder wie beim übersteigerten Herderischen Nationenbegriff auf kulturellen Wurzeln.
Ein Zusammenhang zwischen religiösen und politisch-philosophisch sinnstiftenden Konzepten besteht im gemeinsamen Verweisungscharakter - nämlich in deren Bezug auf etwas Unverfügbares - sowohl der Religion als auch von Ideologien. Politische Ideologien wie der Marxismus/Leninismus beinhalten Heilsversprechungen, die der durch die Religion vermittelten Möglichkeit einer Rückkehr in den sorgenfreien Zustand des Paradieses entsprechen. So versucht eine Ideologie („das Sein Sollen“) die Kluft zwischen dem „so sein“ (Realität) und dem „sein sollen“ zu schließen und die Menschen zurück in einen paradiesischen Zustand zu führen. Sie spielt sich in der Zukunft ab, agiert aber im Diesseits.
Analogien bestehen weiterhin zwischen dem politischen Begriff der Macht und dem religiösen Begriff der Transzendenz. Transzendenz kann als die Differenz zwischen Verlustimanigation und Distanzimanigation beschrieben werden. Sie besitzt, analog zur Macht, einen Verweisungscharakter, der jedoch im Gegensatz zu dieser im Außerweltlichen liegt. Macht dagegen verweist auf unsichtbare innerweltliche Ressourcen: Sichtbare Machtmittel sind auf unsichtbares angewiesen, da im Falle einer absoluten Transparenz der Machtmittel Macht kalkulierbar und damit geschmälert wäre. Die Wirkungskraft der Transzendenz liegt ebenfalls im Verweis auf einen paradiesischen Zustand, dessen Verlust nur im Glauben überbrückt werden kann.
Arbeit zitieren:
Dominik Sommer, 2001, Katholizismus in Italien: einkurzer Überblick, München, GRIN Verlag GmbH
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