Danksagung
An dieser Stelle möchte ich den Menschen danken, die mich bei dieser Diplomarbeit unterstützt haben.
Besonderer Dank gilt meinen Eltern und meiner Schwester, die mir den Rücken freigehalten und mir jegliche moralische Unterstützung gegeben haben.
Danken möchte ich auch meinen Betreuern Dr. rer. pol. Lars Hengmith und Dipl.-Wi.-Ing. Max Mihm, die als Ansprechpartner jederzeit zur Verfügung standen. Dank gilt auch Herrn Dipl.-Wirtsch.-Ing. Frank Schiemann, des Lehrstuhls für Betriebliches Rechnungswesen/Controlling, der mir eine umfassende Einführung in die Datastream Datenbank gab und Herrn Antonius Schönberg, des Lehrstuhls für Methoden der empirischen Sozialforschung der philosophischen Fakultät, für seine Einführung und Unterstützung auf dem Gebiet der empirischen Forschung.
Vielen Dank auch an die Korrektoren.
Inhaltsverzeichnis III
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis..................................................................................................... III
Abk ürzungsverzeichnis V
Abbildungsverzeichnis VI
Tabellenverzeichnis VII
Symbolverzeichnis. IX
1 Zielsetzung und Vorgehensweise der Arbeit 1
2 Working Capital Management 3
2.1 Definition und Einordnung 3
2.2 Cash Conversion Cycle 9
2.3 Ziele eines Working Capital Managements. 10
2.4 Stellhebel des Working Capital Managements 11
2.4.1 Vorratsmanagement 12
2.4.2 Forderungsmanagement 14
2.4.3 Verbindlichkeitenmanagement 15
2.5 Steuerungsgrößen des Working Capital Managements. 17
2.6 Auswirkungen eines Working Capital Managements. 21
2.6.1 Direkte Auswirkungen 21
2.6.2 Indirekte Auswirkungen 23
2.7 Bestehende Gefahren und Spannungsfelder 24
2.7.1 Gratwanderung zwischen Liquidität, Rentabilität und Risiko. 25
2.7.2 Das optimale Working Capital. 27
2.7.3 Zielkonflikte im Working Capital Management. 29
3 Aktueller Forschungsstand im Working Capital Management 31
3.1 Überblick über bisherige Studien. 31
3.1.1 Befragungen. 32
3.1.2 Inhaltsanalysen. 33
3.2 Bisheriger Forschungsstand in Deutschland. 38
4 Empirische Analyse zum Working Capital Management 40
4.1 Ziele der Untersuchung 40
4.2 Vorgehensweise und methodische Vorbemerkungen 42
4.3 Ergebnisse der empirischen Analyse. 44
4.3.1 Der GEX in der Übersicht 44
4.3.2 Optimierungspotenziale im deutschen Mittelstand 51
Inhaltsverzeichnis IV
4.3.3 Zusammenhang zwischen Umsatz und Working Capital Performance 55
4.3.4 Überblick der Optimierungsmöglichkeiten nach Branchen und
Stellhebeln 57
4.4 Schlussfolgerungen 58
5 Zusammenfassung und Ausblick 59
Anhang A - WC nach Branchen XI
Anhang B - Statistische Tests zur Hypothese 1 XII
Anhang C - Statistische Tests zur Hypothese 2 XIV
Anhang D - Statistische Tests zur Hypothese 3. XXII
Anhang E - Veränderung der Kapitalbindung bei Verringerung der Reichweiten. XXIII
Anhang F - Übersicht der WC Steuerungsgrößen aller Unternehmen des GEX. XXIV
Literaturverzeichnis XXVIII
Abkürzungsverzeichnis V
Abkürzungsverzeichnis
ANOVA Analysis of Variance
CCC Cash Conversion Cycle
DAX Deutscher Aktienindex
DIH Days Inventory Held
DPO Days Payables Outstanding
DSO Days Sales Outstanding
DWC Days Working Capital
EU Europäische Union
FK Fremdkapital
FTSE Financial Times Stock Exchange
GEX German-Entrepreneurial-Index
H0 Nullhypothese
H Hypothese
JIT Just-In-Time
KMU Kleine und mittlere Unternehmen
LuL Lieferung und Leistung
MDAX Mid-Cap-DAX
NTC Net Trade Cycle
NYSE New York Stock Exchange
ROA Return on Asset
ROCE Return on Capital Employed
SDAX Small-Cap-DAX
WC Working Capital
WCM Working Capital Management
Abbildungsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1: Berechnung des (Net) Working Capital.
Abb. 2: Working Capital in der Bilanz.
Abb. 3: Stellhebel des Working Capital Management
Abb. 4: Einordnung des WCM in die Innenfinanzierung.
Abb. 5: Geschäftszyklus und Cash Conversion Cycle
Abb. 6: Auswirkungen der Stellhebel des WCM.
Abb. 7: Verbindung des Geschäftszyklus und der WC Steuerungsgrößen
Abb. 8: Auswirkungen eines WCM
Abb. 9: Zusammenhang zwischen Risiko, Ertrag und die Höhe des WC.
Abb. 10: Anforderungen bei der Bestimmung des optimalen Working Capital
Abb. 11: Anzahl untersuchte Unternehmen des GEX eingeteilt nach Mio.
Umsatz.
Abb. 12: Verteilung der Bindung des Working Capital.
Abb. 13: Streudiagramm Umsatz und Working Capital Reichweite
Abb 14: Potenzial zur Kapitalfreisetzung im WC nach Branchen
Tabellenverzeichnis VII
Tabellenverzeichnis
Tab. 1: Kapitalbindung der kurzfristigen Bilanzpositionen 45
Tab. 2: Vergleich der Mittelwerte der Unternehmen des GEX 46
Tab. 3: Statistischer Test auf Unterschiede zwischen den Jahren 47
Tab. 4: Untergliederung der WC Steuerungsgrößen nach Branchen. 48
Tab. 5: Unterschiedstest zur Untersuchung der Branchen 49
Tab. 6: Quartilsvergleich der DWC Werte. 52
Tab. 7: Vergleich Kapitalbindung und Standardabweichung. 53
Tab. 8: Vergleich Reichweiten der GEX und CFO Europe Studie. 53
Tab. 9: Unterschiedstest zur Untersuchung des GEX und der CFO Europe Studie 54
Tab. 10: Reichweiten des WC nach Umsatzklassen 55
Tab. 11: Untersuchung der Korrelation nach Pearson 56
Tab. A-1: WC Komponenten zum Umsatz nach Branchen. XI
Tab. B-1: Hypothese 1 - Test auf Normalverteilung. XII
Tab. B-2: Hypothese 1 - Test auf Varianzhomogenität. XII
Tab. B-3: Hypothese 1 - T-Test XIII
Tab. C-1: Hypothese 2 - Test auf Normalverteilung, Branche Industrie XIV
Tab. C-2: Hypothese 2 - Test auf Normalverteilung, Branche Medien XIV
Tab. C-3: Hypothese 2 - Test auf Normalverteilung, Branche Pharma
Gesundheitswesen XV
Tab. C-4: Hypothese 2 - Test auf Normalverteilung, Branche Einzelhandel. XV
Tab. C-5: Hypothese 2 - Test auf Normalverteilung, Branche Software XVI
Tab. C-6: Hypothese 2 - Test auf Normalverteilung, Branche Technologie. XVI
Tab. C-7: Hypothese 2 - Test auf Varianzhomogenität. XVI
Tab. C-8: Hypothese 2 - ANOVA XVII
Tab. C-9: Hypothese 2 - Kruskal-Wallis-Test XVII
Tab C-10: Hypothese 2 - Games-Howell- Test (Post-Hoc-Test) XVIII
Tabellenverzeichnis VIII
Tab. C-11: Hypothese 2 - Scheffé-Prozedur (Post-Hoc-Test) XXI
Tab. D-1: Hypothese 3 - Test auf Varianzhomogenität XXII
Tab. D-2: Hypothese 3 - ANOVA XXII
Tab. D-3: Hypothese 3 - Welch-Test XXII
Tab. E-1: Übersicht Veränderung der Kapitalbindung XXIII
Tab F-1: Überblick WC Steuerungsgrößen aller untersuchten Unternehmen XXVII
Symbolverzeichnis IX
Symbolverzeichnis
α* Ermitteltes Signifikanzniveau
α Vorab festgelegtes Signifikanzniveau
n Anzahl der Stichproben
Zielsetzung und Vorgehensweise der Arbeit 1
1 Zielsetzung und Vorgehensweise der Arbeit
Seit dem Jahr 2003 sind im 4. Quartal 2008 erstmals wieder die Unternehmensinsolvenzen angestiegen und Ausblicke für das Jahr 2009 bestätigen diesen Trend. Grund dafür wird neben Managementfehlern, vor allem in der Finanzierung gesehen. 1 Viele Unternehmen gehen für das Jahr 2009 von einer sich verstärkenden Kreditklemme bzw. von steigenden Kreditzinsen aus. Die Entwicklungen der letzten Jahre, mit einem steigenden Wettbewerb, neuen Anforderungen an die Kapitalbereitstellung durch Basel II und nicht zuletzt die aktuelle Finanzkrise haben Einfluss auf Zins- und Renditeforderungen bzw. auf die Bereitstellung von Krediten.
Die Finanzierung weiteren Wachstums, die Durchführung von Akquisitionen oder die Sicherung der Liquidität und Existenz, wird in Zukunft zunehmende Anforderungen an das Finanzmanagement eines Unternehmens stellen. Eine alternative
Finanzierungsmöglichkeit kann dabei die Finanzierung von innen heraus sein. Gerade in der Innenfinanzierung stellt ein aktives Management des Working Capital ein in der Praxis vernachlässigtes Thema dar. Ziel ist, die Bindung des Arbeitskapitals (Working Capital), was sich aus Umlaufvermögen unter Abzug der kurzfristigen Verbindlichkeiten berechnet, zu optimieren. Dabei hat ein Management des Working Capital, welches sich mit der optimalen Ausrichtung des Working Capital beschäftigt, eine Doppelwirkung. Zum einen wird unmittelbar Liquidität freigesetzt, was Bilanzstrukturen und Unternehmenskennzahlen verbessert und so neue Wege zur Außenfinanzierung eröffnet. Zum anderen werden Prozesse im Unternehmen optimiert und effizienter gestaltet. Ein Working Capital Management ist aber kein neues Prinzip, sondern steht meist hinter anderen Unternehmenszielen, wie Rentabilität und Umsatz.
Der deutsche Mittelstand hat in den letzten Jahren sein Wachstum stark über Fremdkapital finanziert und weist daher im internationalen Vergleich eine deutlich geringere Eigenkapitalquote auf. 2 Untersuchungen vermuten, dass der deutsche Mittelstand bisher mehrheitlich kein ganzheitliches Working Capital Management eingesetzt hat und auch im internationalen Vergleich zurückliegt. 3 Daher könnte ein
1 Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, Insolvenzwelle, 2008, S. 15.
2 Vgl. Klepzig, Cash Flow; 2008, S. 25. 3 Vgl. KPMG, Bestandsaufnahme, 2005, S. 12-17.
Zielsetzung und Vorgehensweise der Arbeit 2
Working Capital Management gerade für den deutschen Mittelstand eine alternative Kapitalbeschaffung darstellen.
Hat sich die Anwendung eines Working Capital Managements in den letzten Jahren im Mittelstand durchgesetzt bzw. verstärkt? Welche Potenziale bestehen für Unternehmen beim Einsatz eines Working Capital Managements? Wo steht Deutschland im europäischen Vergleich? Hat die Branche Einfluss auf das Working Capital? Bestehen zwischen kleineren und mittleren Unternehmen Unterschiede? Diese und andere Fragen wird diese Arbeit beantworten. Die vorliegende Arbeit befasst sich daher mit dem Potenzial und der Nutzung des Working Capital als Innenfinanzierungsalternative in mittelständischen und mittelstandsnahen Unternehmen in Deutschland.
Dabei wird nicht die Ausgestaltung und Implementierung eines Working Capital Managements vertieft, sondern lediglich Ansätze dargestellt. Inhalt der Arbeit werden rein finanzwirtschaftliche Betrachtungen des Working Capital Managements, dessen Optimierungspotenziale und Auswirkungen auf die Innenfinanzierung von Unternehmen, sein.
Nach eine Begriffsdefinition und Einordnung, werden Ziele und Ansätze des Working Capital Managements vorgestellt. Zur Steuerung und Kontrolle des Working Capital sind Kennzahlen notwendig, welche darauffolgenden erläutert werden. Auf Auswirkungen eines Working Capital Managements im Unternehmen wird danach eingegangen. Gefahren und Spannungsfelder bilden das Ende des Kapitels. Gerade in den letzten Jahren wurden Untersuchungen zum Working Capital Management durchgeführt. Daher gibt der 2. Teil einen Überblick über den aktuellen Stand der Forschung, international und in Deutschland. Aufgrund der Aktualität und dem, gerade in den letzten Jahren, verstärkten Interesse diesem Thema, wurde darauffolgend, im 3. Teil, eine empirische Untersuchung des deutschen Mittelstandes und mittelstandsnaher Unternehmen durchgeführt. Gerade für diese gibt es derzeit keine umfassenden wissenschaftlichen Betrachtungen. Dabei wurde das Working Capital von 77 mittelständischen und mittelstandsnahen Unternehmen in Deutschland, über verschiedene Branchen hinweg, untersucht. Es konnten umfangreiche neue Erkenntnisse gewonnen und Vermutungen aus der Literatur teilweise bestätigt, aber auch wiederlegt werden.
Working Capital Management 3
2 Working Capital Management
Im 2. Kapitel erfolgt die Beschreibung des Working Capital (WC) und des Working Capital Managements (WCM). Neben der Begriffsbestimmung und der Abgrenzung wird die Eingliederung des Working Capital in den Geschäftszyklus von Unternehmen dargestellt. Wesentliche Stellhebel, Steuerungsgrößen und der Nutzen eines WCM werden erläutert. Zuletzt wird das WCM noch kritisch betrachtet und Problemfelder aufgezeigt. Dieses Kapitel wird eine ausführliche Einführung in die Thematik des WC und WCM geben und ist somit wichtig für das Grundverständnis. Die anderen Kapitel bauen auf den hier dargestellten theoretischen Grundlagen auf.
2.1 Definition und Einordnung
Working Capital
Ursprünglich stammt der Begriff Working Capital von einem in Amerika lebenden Händler, der als Old Yankee Peddler bezeichnet wurde. Dieser hatte einen Wagen (sein Anlagevermögen) der mit Waren (sein Umlaufvermögen) beladen war, welche er verkaufte und dabei übers Land zog. Sein Working Capital stellten die Waren dar, welche er vorher kaufte und mit Gewinn verkaufte. 4
Die erste schriftliche Unterscheidung zwischen Anlage- und Umlaufvermögen geht zurück auf das Jahr 1776 und dem Buch The Wealth of Nations von Adam Smith: „There are different ways in which capital may be employed[…] First,[…] circulating capitals. Secondly,[…] fixed capitals.” 5 Dewing unterschied später Anlagevermögen und Working Capital nach der Fähigkeit sich in liquide Mittel umzuwandeln. 6
In der Finanzwirtschaft wird das Working Capital im Zusammenhang mit dem Umlaufvermögen und dem kurzfristigen Fremdkapital betrachtet und ist somit eine Kennzahl für die kurzfristigen Bilanzpositionen. 7 Umlaufvermögen wird definiert als „jene Güter, die im Betriebsprozess zum Umsatz bestimmt sind und sich beim normalen Ablauf der Geschäftstätigkeit kurzfristig in flüssige Mittel verwandeln lassen.“ 8 Das
4 Vgl. Guserl, Vernachlässigte Innenfinanzierung, 1994, S. 728.
5 Smith, Wealth of Nations, 1986, S. 374. 6 Vgl. Dewing, Financial Policy, 1926, S.262. 7 Vgl. Perridon/Steiner, Finanzwirtschaft, 1999, S. 534. 8 Boemle,/Stolz, Instrumente, 2002, S. 43.
Working Capital Management 4
Umlaufvermögen ist in Vorräte, Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände, Wertpapiere und liquide Mittel untergliedert. 9 Kurzfristige Verbindlichkeiten werden als Verpflichtungen eines Unternehmens bezeichnet, mit einer Restlaufzeit von kleiner 1 Jahr. 10 Für die Betrachtung des WC werden nur Verbindlichkeiten aus Lieferung und Leistung (LuL) herangezogen. 11 Erhaltene Anzahlungen auf Bestellungen und Anzahlungen auf Lieferungen müssen in die Berechnung des WC mit einbezogen werden. Daraus ergibt sich folgende Formel zur Berechnung des (Net) Working Capital. (siehe Abb. 1)
In der Literatur jedoch existieren verschiedene Bezeichnungen, wie Net Working Capital, Gross Working Capital und Working Capital. Gross Working Capital wird dabei meist als gesamtes Umlaufvermögen bezeichnet. 13 Meyer fügt dazu an, dass einige Autoren gar keine Unterscheidung zu Gross Working Capital vornehmen, sondern lediglich beim Betrachten des Umlaufvermögens von dem Begriff Working Capital ausgehen. 14 In dieser Arbeit wird Gross Working Capital mit dem Umlaufvermögen gleichgesetzt. Die Mehrzahl der Autoren versteht allerdings unter WC
9 Vgl. Coenenberg, Jahresabschluss, 2005, S. 130 f.
10 Vgl. Coenenberg, Jahresabschluss, 2005, S. 373 ff. 11 Vgl. Sasse/Weber, Working-Capital-Management, 2004, S. 812.
12 Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an Sasse/Weber, Working-Capital-Management, 2004, S. 812.
13 Vgl. Firth, Management of Working Capital, 1976, S. 1; Vgl. dazu auch Brigham/Campsey, Financial Management, 1989, S. 216. 14 Vgl. Meyer, Unternehmenswert, 2007, S. 25.
Working Capital Management 5
die Differenz aus Umlaufvermögen und kurzfristigen Verbindlichkeiten. 15 Firth spricht dazu vom Working Capital als „general term“ 16 . Die Kennzahl Net Working Capital wird in der Literatur hingegen einheitlich als Differenz zwischen Umlaufvermögen und kurzfristigen Verbindlichkeiten definiert. 17 Für diese Arbeit wird der Begriff Working Capital als Oberbegriff verwendet und ist gleichzusetzen mit dem Net Working Capital. Den Zusammenhang zwischen der Aktiv- und Passivseite der Bilanz zur Bestimmung des WC stellt die folgende Grafik dar.
In der deutschen Literatur wird der Begriff WC mit Betriebskapital oder Arbeitskapital bezeichnet. 19 Größtenteils wird jedoch der anglo-amerikanische Begriff Working Capital verwendet, welcher auch in dieser Arbeit weiter benutzt wird.
Ertl erläutert die Unterscheidung zwischen positivem und negativem WC. Ein positiver Überschuss weist auf eine Deckung aller kurzfristigen Verbindlichkeiten hin. Negatives Working Capital zeigt im Allgemeinen, dass das Umlaufvermögen nicht ausreicht um kurzfristige Verbindlichkeiten zu decken und sich somit existenzgefährdend auswirken kann. Unternehmen mit einer großen Marktmacht und schnellem Umschlag der Güter,
15 Vgl. Bischoff, Cash Flow und Working Capital, 1972, S. 79; Vgl. dazu auch Klepzig, Cash Flow; 2008, S. 16; Vgl. dazu auch Perridon/Steiner, Finanzwirtschaft, 1999, S. 534. 16 Firth, Management of Working Capital, 1976, S. 1.
17 Vgl. Ross/Westerfeld/Jaffe/Jordan, Modern Financial Management, 2008, S. 3; Vgl. dazu auch Firth, Management of Working Capital, 1976, S. 1; Vgl. dazu auch Brigham/Campsey, Financial Management, 1989, S. 216.
18 Quelle: Meyer, Unternehmenswert, 2007, S. 25.
19 Vgl. Perridon/Steiner, Finanzwirtschaft, 1999, S. 147; dazu auch Vgl. Ertl, Cashflow-Management, 2004, S. 129.
Working Capital Management 6
können durchaus auch ein negatives Working Capital haben. In diesem Fall werden die Waren schneller verkauft, als dass diese beim Lieferanten bezahlt werden müssen. 20
Working Capital Management
Zum Working Capital Management besteht keine einheitliche Definition. Smith, einer der bedeutendsten Autoren auf diesem Gebiet, definiert WCM wie folgt: „Working capital management is concerned with the problems that arise in attempting to manage the current assets, the current liabilities, and the interrelationships that exist between them.“ 21 Im Eigentlichen liegt der Definition zugrunde, dass ein Unternehmen sein WC, genauer gesagt das Umlaufvermögen und die kurzfristigen Verbindlichkeiten, nicht effizient genug steuert und deshalb Anhaltspunkte zur Verbesserung bestehen. Weiterhin weisen Smith und auch andere Autoren darauf hin, dass hier nicht nur die einzelnen Komponenten betrachtet werden müssen, sondern Verknüpfungen und Wechselwirkungen eine wichtige Rolle spielen. 22
Scherr erklärt, dass in einer perfekten Welt keine Notwendigkeit für Working Capital bzw. Forderungen und Verbindlichkeiten besteht. In der realen Welt gibt es Unsicherheiten über die Komponenten Nachfrage, Absatz, Preis und die Verfügbarkeit der eigenen Produkte und Lieferanten. Durch diese Umstände werden Forderungen und Verbindlichkeiten und somit ein WCM erst notwendig. 23 Metha baut darauf auf und ergänzt, dass ein WCM von den 3 Basisaktivitäten (Produktion, Vertrieb und Einkauf) abhängt. Dabei geht er davon aus, dass diese nicht miteinander verzahnt und nicht synchronisiert sind, und damit Vorräte erst notwendig werden. 24 Augrund dieser Problematiken sollten die Komponenten Vorräte, Forderungen und Verbindlichkeiten, welche ein WC bestimmen, überwacht und optimiert werden. Ein WCM lässt sich deshalb in die drei Stellhebel Forderungsmanagement, Vorratsmanagement und Verbindlichkeitenmanagement unterteilen (siehe Abb. 3).
20 Vgl. Ertl, Cashflow-Management, 2004, S. 130; Vgl. dazu auch Klepzig, Cash Flow; 2008, S.16. 21 Smith, An Overview; 1974, S. 5.
22 Vgl. Scherr, Modern Working Capital Management, 1989, S. XI. 23 Vgl. Scherr, Modern Working Capital Management, 1989, S. 2 f. 24 Vgl. Metha, Management; 1974, S. 3.
Working Capital Management 7
Viele Autoren bescheinigen dem WCM eine große Bedeutung im Unternehmen. Hampton bringt dies auf den Punkt: „the management of working capital is one of the most important areas in determining whether a firm will be successful.“ 25
Obwohl die meisten dieser Definitionen und Abgrenzungen aus dem englischsprachigen Raum stammen, hat sich auch die deutsche Literatur in den letzten Jahren diesem Thema angenommen. Allerdings gibt es nur wenige, die das WCM direkt definieren. Eine zutreffende Definition ist die folgende: „Das Working Capital Management (WCM) umfasst alle Maßnahmen, die einem Unternehmen dazu dienen, die Kapitalbindung im Umlaufvermögen zu reduzieren.“ 26 Die deutsche Literatur betrachtet das Working Capital Management in aller erste Linie rein finanzwirtschaftlich und vor allem in Verbindung mit dem Liquiditätsmanagement. 27 Unverständlich ist dies dahingehend, da ein WCM nicht nur Liquiditätsziele betrachtet, sondern auch weitreichendere Auswirkungen hat.
Einordnung in die Unternehmensfinanzierung
In der Unternehmensfinanzierung können Finanzierungsmöglichkeiten unter anderem nach der Mittelherkunft eingeordnet werden. Dabei ist zwischen Außen- und Innenfinanzierung zu unterscheiden. Beide dienen der Bereitstellung liquider Mittel für das Unternehmen. Die Innenfinanzierung nutz jedoch liquide Mittel, die aus Prozessen im Unternehmen freigesetzt wurden. Diese können aus Umsatzprozessen oder aus
25 Hampton/Wagner, Working Capital Management II, 1989, S. 3.
26 BayernLB/F.A.Z. Institut, Managementkompass, 2007, S. 5.
27 Vgl. Ertl, Cashflow-Management, 2004; Vgl. dazu auch Seethaler/Steitz, Praxishandbuch, 2007; Vgl. dazu auch Klepzig, Cash Flow; 2008.
Working Capital Management 8
Vermögensumschichtungen gewonnen werden. 28 Die Literatur ist bei der Untergliederung der Innenfinanzierungsformen nicht eindeutig. Zumeist werden jedoch in diesem Zusammenhang Rationalisierungsmaßnahmen betrachtet. 29 Eilenberger geht explizit darauf ein, in dem er behauptet, dass eine „derartige Finanzierungen durch Rationalisierung Gegenstand des Working-Capital-Management,[...]ist.“ 30 Andere Autoren verweisen in diesem Zusammenhang auf Maßnahmen in der Beschaffung, Produktion und beim Absatz, 31 welche dem WCM zugeordnet werden können. Im Wesentlichen beabsichtigen Rationalisierungsmaßnahmen gleiche Leistungen mit einem geringeren Einsatz an Produktionsmitteln zu erzielen. Dadurch werden Finanzmittel freigesetzt, welche für andere Zwecke genutzt werden können. Genau hier ist das WCM einzuordnen und kann durch eine Optimierung der Forderungen, Vorräte und Verbindlichkeiten gebundenes Kapital freisetzen. 32 Deshalb kann behauptet werden, dass ein WCM einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zur Innenfinanzierung des Unternehmens leistet. Eine übersichtliche Einordnung des WCM in die Innenfinanzierung von Unternehmen bietet die folgende Abbildung.
28 Vgl. Becker, Investition, 2007, S. 211.
29 Vgl. Perridon/Steiner, Finanzwirtschaft, 1999, S. 465; Vgl. dazu auch Eilenberger, Betriebliche Finanzwirtschaft, 1997, S. 279 f.; Vgl. dazu auch Becker, Investition, 2007, S. 239. 30 Eilenberger, Betriebliche Finanzwirtschaft, 1997, S. 279 f.
31 Vgl. Becker, Investition, 2007, S. 239; Vgl. dazu auch Perridon/Steiner, Finanzwirtschaft, 1999, S. 465. 32 Vgl. Guserl, Vernachlässigte Innenfinanzierung, 1994, S. 169.
33 Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an Guserl, Vernachlässigte Innenfinanzierung, 1994, S. 170 und Busse, Grundlagen Finanzwirtschaft, 1996, S. 334.
Working Capital Management 9
2.2 Cash Conversion Cycle
Durch den Geschäftszyklus (engl. operation cycle) von Unternehmen kann das WC, das WCM und der Zusammenhang zwischen den einzelnen WC Komponenten besser betrachtet werden. 34 Bischoff bezeichnet den Geschäftszyklus sogar als „Grundbedingung des Working capital“ 35 . Der Geschäftszyklus an sich wird auch als „flow concept of liquidity“ 36 bezeichnet. Dieser betrachtet im Unternehmen den Vorgang von Materialeinkauf und -bezahlung über Fertigung bis zum Verkauf und Zahlungseingang vom Kunden. 37 Die folgende Abbildung stellt diesen Prozess dar.
In dem Geschäftszyklus kann außerdem der Cash Conversion Cycle (CCC; auch oft als Working Capital Zyklus bezeichnet) abgelesen werden. Richards und Laudhlin, welche diese Herangehensweise entwickelten, beschreiben diesen mit der Zeit zwischen dem Zahlungsmittelabfluss beim Kauf von Rohstoffen bis zum Eingang der Zahlung vom Kunden (vgl. Abb. 5). 39 Diese, als Finanzierungslücke bezeichnete, Zeitspanne muss zumeist durch verzinsliches Fremdkapital vorfinanziert werden. 40 In diesem Zyklus finden sich auch die zur Berechnung des Working Capital herangezogenen Komponenten Verbindlichkeiten aus LuL, Vorräte und Forderungen wieder (vgl. Abb. 5). Dabei wird jedoch das Zeitintervall und nicht die absolute Größe betrachtet. In
34 Vgl. Firth, Management of Working Capital, 1976, S. 5.
35 Bischoff, Cash Flow und Working Capital, 1972, S. 80. 36 Richards/Laughlin, Cash Conversions Cycle, 1980, S. 33. 37 Vgl. Sasse/Weber, Working-Capital-Management, 2004, S. 813.
38 Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an Meyer, Unternehmenswert, 2007, S. 45. 39 Vgl. Richards/Laughlin, Cash Conversions Cycle, 1980, S. 34. 40 Vgl. Schneider, Logistikdienstleister 2002, S. 540.
Working Capital Management 10
diesem Zyklus kann abgelesen werden, welche Prozesse besonders lange Kapital binden. Die Abb. 5 verdeutlicht auch, dass die Dauer der Kapitalbindung von der Ausweitung bzw. Verkürzung der drei Bereiche beeinflusst wird.
Durch die Bindung von einem nicht unwesentlichen Teil an Kapital im WC, kann der CCC als ein wichtiges Instrument zur Sicherung der Zahlungsfähigkeit der Unternehmung betrachtet werden. 41 Scherr bezeichnet diesen Zyklus sogar als „lifeblood of the firm.“ 42
2.3 Ziele eines Working Capital Managements
„Das Working Capital Management verfolgt das Ziel, die Durchlaufzeit des im Umlaufvermögen gebundenen Kapitals so gering wie möglich zu halten.“ 43 Aufbauend auf dem CCC, verweisen Seethaler und Steitz in der vorangegangenen Zieldefinition auf die Verringerung der Zeit zwischen Zahlungsausgang und Zahlungseingang (Durchlaufzeit). Dadurch kann das WC und somit das darin durch verzinsliches Fremdkapital finanzierte gebundene Kapital relativ gering gehalten werden. 44
Ziel ist es dennoch nicht, das Working Capital so weit wie möglich zu reduzieren, sondern, wie Pass und Pike beschreiben: „management means establishing the best possible tradeoff between the profitability of the net current assets employed and the ability to pay current liabilities as they fall due.“ 45 Ein WCM sollte somit die Ziele Rentabilität und Liquidität einbeziehen. Seethaler und Steitz geben eine genauere Formulierung für das Ziel des WCM: „Bestrebungen gehen dahin, die Bindungsdauer des Arbeitskapitals (Working Capital) im Unternehmen, [...], zu optimieren.“ 46 Ziel sollte deshalb eine Optimierung des Working Capital und dessen Komponenten Forderungen, Vorräte und Verbindlichkeiten sein. Dies sieht zwar eine Minimierung vor, jedoch sollte die für ein Unternehmen notwendige Liquidität nicht außer Acht gelassen werden.
41 Vgl. Meyer, Unternehmenswert, 2007, S. 43.
42 Vgl. Scherr, Modern Working Capital Management, 1989, S. 4. 43 Seethaler/Steitz, Praxishandbuch, 2007, S. 37.
44 Vgl. Seethaler/Steitz, Praxishandbuch, 2007, S. 37; Vgl. dazu auch Ertl, Cashflow-Management, 2004, S. 132.
45 Pass/Pike, A Neglected Subject, 1987, S. 20. 46 Seethaler/Steitz, Praxishandbuch, 2007, S. 148.
Arbeit zitieren:
Sebastian Witzig, 2009, Analyse der Optimierungsmöglichkeiten des Working Capital als Finanzierungsalternative in Deutschland, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Review of reverse logistic by applying C.P.F.R.
Ingenieurwissenschaften - Wirtschaftsingenieurwesen
Forschungsarbeit, 8 Seiten
Der Management-Approach in der Segmentberichterstattung nach IFRS 8
Vergleich mit IAS 14 und die A...
BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation
Bachelorarbeit, 68 Seiten
Strategic analysis: 'Deutsche Bank'
BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation
Essay, 16 Seiten
Explain the purpose and importance of the Recruitment process for busi...
BWL - Personal und Organisation
Essay, 12 Seiten
Finanzwirtschaftliche Analyse der Lufthansa AG und der Swiss Internati...
BWL - Rechnungswesen, Bilanzierung, Steuern
Seminararbeit, 27 Seiten
Analyse der aktuellen Herausforderungen an das Finanzmanagement mittel...
BWL - Investition und Finanzierung
Diplomarbeit, 108 Seiten
Segmentberichterstattung - Stand und aktuelle Entwicklungen
BWL - Rechnungswesen, Bilanzierung, Steuern
Hausarbeit, 21 Seiten
E-business no longer exists - all business is e-business
Essay, 10 Seiten
Segmentberichterstattung nach IFRS: Eine Analyse der Anforderungen und...
BWL - Rechnungswesen, Bilanzierung, Steuern
Hausarbeit, 21 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Informationspotenzial der Segmentberichterstattung nach IFRS am Beispi...
BWL - Rechnungswesen, Bilanzierung, Steuern
Diplomarbeit, 112 Seiten
Eine ökonomische Analyse der Segmentberichterstattung nach IFRS 8
BWL - Rechnungswesen, Bilanzierung, Steuern
Diplomarbeit, 84 Seiten
Auswirkung von Basel II für die Kreditfinanzierung der mittelständisc...
BWL - Bank, Börse, Versicherung
Seminararbeit, 22 Seiten
Basel II - Entwicklung, Inhalt und Anforderungen an das Controlling mi...
Seminararbeit, 15 Seiten
Working Capital Management for multinational corporations
BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation
Hausarbeit (Hauptseminar), 18 Seiten
BWL - Investition und Finanzierung: Analyse der Optimierungsmöglichkeiten des Working Capital als Finanzierungsalternative in Deutschland ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
BWL - Investition und Finanzierung: neuer Titel erschienen: Analyse der Optimierungsmöglichkeiten des Working Capital als Finanzierungsalternative in Deutschland
Sebastian Witzig hat einen neuen Text hochgeladen
Wege aus der Working Capital-Falle
Steigerung der Innenfinanzieru...
Erik Hofmann, Daniel Maucher, Sabrina Piesker, Philipp Richter
0 Kommentare