Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. ADS. 2
2.1 Definition 2
2.2 Diagnose 2
2.2.1 Mögliche Konsequenzen der Diagnose ADS 3
2.2.2 Mögliche Funktionen der Diagnose ADS 4
3. Entstehung ADS 5
3.1 Medizinisch-biologisches Entstehungsmodell 5
3.2 Bio-psycho-soziales Modell. 6
3.3 Kritik des bio-psycho-sozialen Modells 6
4. Die Bedeutung von Ritalin zur Behandlung von ADS. 8
4.1 Kritik an der Behandlung mit Ritalin 9
5. Psychoanalytische Betrachtungen zur Entstehung von ADS. 9
6. Frankfurter Präventionsstudie 11
7. Fazit 13
Literaturverzeichnis 15
2
1. Einleitung
In der vorliegenden Hausarbeit beschäftige ich mit dem Thema des Aufmerksamkeitsdefizit-Syndroms 1 . ADS ist die inzwischen am häufigsten bei Kindern und Jugendlichen gestellte Diagnose. Die Anzahl der diagnostizierten Fälle hat in den letzten Jahren stetig zugenommen. Diese Tatsache hat mich dazu angeregt, mich eingehender mit dem Phänomen ADS zu beschäftigen. Beim Einlesen in die Thematik habe ich sehr schnell festgestellt, dass mehrere höchst unterschiedliche Herangehens- und Betrachtungsweisen der Ursachen und damit auch eine Vielfalt an, als geeignet propagierte, Therapieformen für ADS existieren. Ein Erklärungsansatz, der in diesem Kontext eine große Rolle spielt, ist die medizinischbiologische Betrachtungsweise, diese erscheint mir jedoch wesentlich zu kurz zu greifen. Aus diesem Grund habe ich nach Erklärungsmodellen gesucht, die auch die psychische Ebene in ihre Betrachtungen mit einbeziehen. Ich beschäftige mich daher in meiner Hausarbeit mit der Frage nach alternativen Erklärungs- und Behandlungsmöglichkeiten bei ADS und deren konkrete Auswirkungen auf die pädagogische Praxis.
Dabei werde ich im Folgenden zunächst das ADS definieren sowie einige Diagnosekriterien nach dem DSM IV kurz vorstellen. Anschließend folgt eine Erläuterung der möglichen Konsequenzen einer Diagnosestellung, da eine ‚Etikettierung’ mit der Diagnose ADS für das einzelne Individuum durchaus bedeutsame Folgen haben kann, die so auf den ersten Blick nicht unbedingt ersichtlich scheinen.
Das nächste Kapitel beschäftigt sich mit dem medizinisch-biologischen Ursachenmodell zur Entstehung von ADS. Hier gehe ich auf die verschiedenen angenommenen organischen Ursachen, von einer vorgeburtlichen Hirnschädigung bis hin zur Hypothese der Störung des Dopaminstoffwechsels, näher ein. Als nächstes erläutere ich einige kritische Betrachtungsweisen zu diesem Modell, um dann im vierten Kapitel näher auf die Behandlung mit Ritalin und der kritischen Auseinandersetzung mit der medikamentösen Therapie einzugehen. In Kapitel fünf beschäftige ich mich mit einer alternativen Sichtweise im Rahmen von psychoanalytischen Betrachtungen zur Entstehung von ADS und der Funktion der auftretenden Symptome. Abschließend folgt im sechsten Kapitel eine kurze Darstellung der Frankfurter Präventionsstudie, welche beispielhaft die praktische Umsetzung der psychoanalytischen Sichtweise auf ADS darstellen soll.
1 Im Folgenden kurz ADS/ADHS.
1
2. ADS
2.1 Definition
ADS steht als Kurzform für das Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom, ADHS bezieht auch Hyperaktivität in das Störungsbild mit ein, dieses wurde erstmals im Jahr 1932 als hyperkinetische Erkrankung im Kindesalter klassifiziert und stellt einen Oberbegriff für auffälliges Verhalten in den Kategorien Aufmerksamkeit, Impulsivität und Aktivität dar. 2 Anders ausgedrückt haben Menschen mit ADS häufig Schwierigkeiten, ihre Aufmerksamkeit auf ein konkretes Ziel zu lenken und über einen längeren Zeitraum dort zu belassen, zumindest wenn die Aufgabe keine besondere Faszination ausübt. Dazu kommen Schwierigkeiten, innere Impulse oder Bedürfnisse je nach Situationsangemessenheit zurückzustellen, sie werden oft direkt in Handlungen umgesetzt. 3
2.2 Diagnose
Das Bundesministerium für gesundheitliche Aufklärung geht davon aus, dass in Deutschland zwischen zwei bis sechs Prozent der Kinder und Jugendlichen von 6 bis 18 Jahren von ADS betroffen sind 4 , damit hat sich ADS zu der am häufigsten diagnostizierten Störung bei Kindern entwickelt. 5
Um eine Diagnose nach dem DSM IV zu rechtfertigen, müssen in den beiden Kategorien jeweils mindestens sechs Symptome vorliegen, dies können zum Beispiel für den Bereich der Unaufmerksamkeit sein:
„b. hat oft Schwierigkeiten, längere Zeit die Aufmerksamkeit bei Aufgaben oder bei Spielen aufrecht zu erhalten
c. scheint häufig bei Ansprache nicht zuzuhören
d. führt immer wieder Anweisungen anderer nicht vollständig durch und kann Schularbeiten, andere Arbeiten oder Pflichten am Arbeitsplatz nicht zu Ende bringen h. lässt sich durch äußere Reize leicht ablenken“ 6
2 Vgl. Wenke (2006), S. 65.
3 Vgl. Droll (2004). S. 68-69.
4 Vgl. Amft (2006), S. 77.
5 Vgl. Wenke (2006), S.64.
6 Heinemann/Hopf (2006), S. 10-11.
2
Für den Bereich der Impulsivität und Hyperaktivität sind dies unter anderem:
„a. zappelt häufig mit Händen oder Füßen oder rutscht auf dem Stuhl herum d. steht in der Klasse oder in anderen Situationen, in denen Sitzen bleiben erwartet wird, immer wieder auf
e. ist häufig ‚auf Achse’ oder handelt oftmals, als wäre er/sie ‚getrieben’ i. unterbricht und stört andere häufig“ 7
Nach diesen Kriterien können von AD(H)S betroffene Menschen „ihr Handeln und Fühlen erheblich schlechter und schleppender kontrollieren, arbeiten unsystematisch, sind leicht abzulenken, ungeduldig und sie erkennen Grenzen und Gefahren schlecht“ 8 . Dabei ist für die Diagnosestellung weiterhin wichtig, dass die Symptomatik schon vor dem 7. Lebensjahr des Kindes zu beobachten ist und eine ‚klinisch bedeutsame Beeinträchtigung’ durch die Symptome in mindestens zwei Lebensbereichen (Schule, zu Hause…) auftritt. 9 Trotz dieser umfangreichen Diagnosekriterien gibt es bis heute „keine spezifischen biologischen Marker oder psychologische Testverfahren, die das Vorliegen einer ADHS beweisen“, 10 somit beruht die Diagnosestellung immer ausschließlich auf klinischen Beobachtungen und Befragungen der Betroffenen und ihres Umfelds.
2.2.1 Mögliche Konsequenzen der Diagnose ADS
Nach Riedesser, Schmela und Wenke beschreibe ich im Folgenden einige Bereiche, auf die sich negative Konsequenzen einer ADS-Diagnose unter anderem erstrecken können: 11
• Vereichfachung eines an sich komplexen Problems:
Durch die Konzentration auf die Diagnosekriterien bestehe die Gefahr des Außerachtlassens der möglichen Ursachen von ADS die außerhalb des medizinischpsychologischen Modells liegen und eher im sozialen Bereich zu finden sein können.
• Auf eine Behandlung mit Medikamenten ausgerichtete Sichtweise:
7 Heinemann/Hopf (2006), S. 10-11.
8 Prinzig (2004), S. 15.
9 Vgl. Heinemann/Hopf (2006), S. 10-11.
10 Krause/Krause (2004), S. 30.
11 Vgl. Riedesser (2006), S. 111-117; Schmela (2004), S. 64-71; Wenke (2006), S. 84.
3
Arbeit zitieren:
Lisa Schmidhuber, 2010, Das Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom - Eine kritische Auseinandersetzung mit einer medizinischen Diagnose, München, GRIN Verlag GmbH
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