Inhaltsverzeichnis: Seite:
1. Einleitung 3
2. Begriffsentwicklung 3
3. Ästhetische Bildung und Pädagogik 5
4. Dimensionen ästhetischer Bildung 6
4.1 Aisthesis 7
4.2 Poiesis 8
4.3 Katharsis 9
5. Ästhetisches Lernen in der Religionsdidaktik 11
6. Elemente eines ästhetischen Religionsunterrichts 12
7. Zusammenfassung 13
8. Literatur 14
1
1. Einleitung
Inwieweit lassen sich die Begriffe „Ästhetik“ und „Schule“ vereinbaren, wo doch die Schule und alles, was mit ihr zusammenhängt, von vielen grundsätzlich als gänzlich „unästhetisch“ angesehen wird?
Die Idee des „ästhetischen Lernens“ ist jedoch keine völlig neue Erfindung. Im Bereich der Religionspädagogik wird es bereits seit den achtziger Jahren im Hinblick auf religionspädagogisches Handeln reflektiert.
In der heutigen Zeit stellt sich in besonderer Weise die Frage, wie der Religionsunterricht für Schülerinnen und Schüler noch erfahrbar und interessant gestaltet werden kann. Denn in unserer leistungsorientierten Lebenswelt mit ihrem selektiven Schulsystem werden Kinder und Jugendliche häufig Opfer einer (medialen) Reizüberflutung, und es stellt sich die Frage, wie man Kinder und Jugendliche für eine bestimmte Wahrnehmung sensibilisieren kann, damit sie beispielsweise alltägliche Probleme besser bewältigen können.
Die vorliegende Arbeit versucht, sich dieser Fragestellung anzunehmen. Es soll veranschaulicht werden, dass „ästhetischer Religionsunterricht“ möglicherweise einen didaktischen Beitrag leisten kann, die Lebenswirklichkeit von Kindern und Jugendlichen mit den Inhalten des Glaubens zu verknüpfen. Dazu ist es selbstverständlich erforderlich, die zentralen Charakteristika des „ästhetischen Religionsunterrichts“ darzustellen und zu bewerten.
Zunächst erscheint es notwendig, die historische Entwicklung des „Ästhetik“-Begriffs aufzuzeigen. Anschließend soll geklärt werden, was genauerhin mit „ästhetischer Bildung“ gemeint ist, um dann zu zeigen, wie diese in der praktischen Religionsdidaktik bzw. Religionspädagogik angewandt und umgesetzt werden kann.
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2. Begriffsentwicklung
Um den Begriff der „Ästhetik“ zu verdeutlichen, soll zunächst eine allgemeine Definition versucht werden.
Allgemein übersetzt beschreibt der Begriff „Ästhetik“ „ursprünglich die Lehre von der sinnlichen Erkenntnis, dann Lehre vom Schönen.(…) Die Gegenwart steht im Zeichen einer Phänomenologie und Ontologie des Ästhetischen“ 2 . Der Begriff stammt von dem griechischen „aisthesis“ und meint die sinnliche Wahrnehmung eines Menschen bzw. die Lehre von der Wahrnehmung, der Sinnlichkeit, der Rezeptivität. 3
Setzt man diese allgemeine Beschreibung voraus und sucht nach einer Spezifisierung des Begriffes, stößt man auf den Philosophen Alexander Gottlieb Baumgarten (1714-1762), der Ästhetik in der Mitte des 18. Jahrhunderts begrifflich enger gefasst hat. Baumgarten wird auch als Begründer der Ästhetik angesehen. 4 Insbesondere hat er das Verständnis von ästhetischer Bildung in der Schule maßgeblich beeinflusst. 5 Für Baumgarten war die Erkenntnis durch die Sinne eine fundamentale Fähigkeit des Menschen zur Erkenntnis der Welt. Ein vollständiges Erkennen der Weltwirklichkeit sei seiner Auffassung nach nur möglich, wenn sich der Mensch durch wissenschaftliches und ästhetisches Denken seiner Welt gegenüber öffne. Nur wenn man wissenschaftliche Erkenntnisse durch ästhetische Erfahrungen ergänze, ließe sich die gesamte Komplexität der Welt erst richtig erfassen. „Für Baumgarten war ästhetisches Erkennen also die notwendige erweiterte Sicht auf das nicht auf den Begriff zu bringende Phänomen der Welt“. 6 Der oben genannte allgemeinere Ästhetikbegriff enthält für Immanuel Kant ein ganz entscheidendes Merkmal. „Als ästhetisch gilt die sinnliche Beziehung zu Gegenstän- 2 „Dasmoderne Lexikon in zwanzig Bänden“, Band 2, S. 40, Gütersloh 1970. (kursiv im Original?)
3 Vgl. Lehnerer, Thomas. Ästhetische Bildung. In: Staudte, Adelheid (Hrsg.): „Ästhetisches Lernen auf
neunen Wegen“. Weinheim 1993. S.38.
4 Ebd. S.38f.
5 Brenk, Markus. „Ästhetisch-kulturelle Bildung, Ein Profilbereich katholischer Schulen“. In: „Kirche und
Schule“ Nr. 142, 34. Jahrgang S. 4.
6 Vgl. Meurer, Thomas. „Bibeldidaktik als ästhetische Rekonstruktion“. In: „Zeitschrift des Bundesver-
bandes der katholischen Religionslehrer/innen an Gymnasien e.V.“ Hrsg.: Kiesow, Klaus. Düsseldorf:
2004, S. 80. (kursiv im Orginal?)
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den, objektiv, die Wahrnehmung; zugleich aber auch unsere sinnliche Beziehung zu uns selbst, subjektiv, das Gefühl“. 7
Im Gegensatz zu Baumgarten wollte Kant die Begriffe „cognitio confusa“ und „cognitio sensitiva“ nicht separat voneinander betrachten. Wo kommen diese Begriffe her???? Übersetzen!! Kant stellte einige Jahre nach Baumgarten heraus, dass einerseits alle Kräfte des Erkennens an der ästhetischen Wahrnehmung beteiligt sind und dass andererseits sinnliche Wahrnehmung Voraussetzung für jede Form des Erkennes ist. Durch eine ästhetische Sichtweise spielt der Mensch nach Kants Ansicht seine höchsten Fähigkeiten aus. 8
Im 19. Jahrhundert vertritt Friedrich Nietzsche eine gegensätzliche Position durch eine neue Auffassung der „cognitio confusa“. Seiner Meinung nach sei die Begegnung mit Kunst zu vergleichen mit einem „ideenlosen Rauschen“ 9 . Nietzsche betont, dass Ästhetik einen Abstand zur Welt der Erscheinungen schaffe und letztendlich nur verwirre. 10
Diese Auffassung setzte sich im 20. Jahrhundert weiter fort und ist prominent von Theodor W. Adorno weitergeführt worden, der das ästhetische Objekt als „Artikulationsobjekt“ ansieht, das seine Position fortwährend zur Disposition stellt. Diese Fähigkeit macht es revolutionär und auch chaotisch. 11
Insgesamt lässt sich feststellen, dass über den Begriff der Ästhetik einerseits interessante Positionen vorherrschen, die sich im Verlaufe der Jahrhunderte von Baumgarten bis Adorno unterschieden haben. Andererseits ist damit jedoch auch evident, dass es keine einheitliche Definition dessen gibt, was das Phänomen der „Ästhetik“ meint.
Da der Begriff nicht aus dem alltäglichen Sprachgebrauch,, sondern aus dem Zeitalter der Aufklärung stammt, ist mit ihm eine gewisse Uneindeutigkeit verbunden. Sein spezifischer Sinn kann somit immer nur vor dem Hintergrund des jeweiligen theoreti-
7 Lehnerer,Thomas. Ästhetische Bildung. In: Staudte, Adelheid (Hrsg.): „Ästhetisches Lernen auf
neunen Wegen“. Weinheim 1993. S. 38.
8 Vgl. Meurer, Thomas. „Bibeldidaktik als ästhetische Rekonstruktion“. In: „Zeitschrift des Bundesver-
bandes der katholischen Religionslehrer/innen an Gymnasien e.V.“ Hrsg. Kiesow, Klaus:. Düsseldorf:
2004, S. 80.
9 ???
10 Ebd. S.81.
11 Vgl. Meurer, Thomas. „Bibeldidaktik als ästhetische Rekonstruktion“. In: „Zeitschrift des Bundesver-
bandes der katholischen Religionslehrer/innen an Gymnasien e.V.“ Hrsg. Kiesow, Klaus:. Düsseldorf:
2004, S. 81.
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Arbeit zitieren:
Michael Kollenberg, 2008, Ästhetisches Lernen im Religionsunterricht, München, GRIN Verlag GmbH
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